Dammriss

Dammrisse sind eine häufige Begleiterscheinung von Geburten. Dabei handelt es sich um mehr oder minder tiefe Risse des Gewebes zwischen Vagina und After. Während der Geburt bleibt der Dammriss von den Müttern meist unbemerkt. Nach der Geburt hilft die richtige Pflege, weitere Beschwerden zu lindern.

Synonyme

Dammdurchbruch, Scheidendammriss

Definition

Schwangere im Schneidersitz

Ein Dammriss ist ein Riss des Damms. Der Damm ist der Weichteil-Bereich zwischen Scheide und After. Dammrisse ereignen sich häufig während der Geburt, wenn das Dammgewebe beim Austritt des Kopfes oder bei einer schnellen Geburt besonders stark oder besonders schnell gedehnt wird. Mediziner unterscheiden leichte und schwere Dammrisse in 4 Grade (siehe Symptome). Zur Vorbeugung von Dammrissen wird vor Geburten häufig ein Dammschnitt gesetzt. In der Regel heilen Dammrisse und Dammschnitte folgenlos aus. Je nach Tiefe der Verletzung kann das aber Wochen oder Monate dauern.

Dammriss oder Dammschnitt?

Was hilft Mutter und Kind am besten: Dammriss oder Dammschnitt? Über die Antwort auf diese Frage gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten. In jedem Fall sollte die Entscheidung individuell getroffen werden. Ein Dammschnitt ist beispielsweise die bessere Wahl, wenn der Gesundheitszustand des Kindes durch eine lange Austreibungsphase leiden könnte. Auch bei besonders großen Kindern, Kindern mit einem überdurchschnittlichen großen Kopf oder einem vergleichsweise engen Geburtskanal oder Becken kann ein Dammschnitt dazu beitragen, Komplikationen durch einen Dammriss zu vermeiden. Auch bei Saugglocken- oder Zangengeburten argumentieren die meisten Geburtshelfer pro Dammschnitt.

Noch bis vor wenigen Jahren war der Dammschnitt in der medizinischen Praxis weit verbreitet. Er wurde bei gut der Hälfte der Geburten gesetzt. Inzwischen aber hat ein Umdenken eingesetzt. Immer mehr Geburtshelfer verzichten darauf. Für den Verzicht spricht demnach vor allem, dass die meisten Dammrisse nur oberflächliche Verletzungen verursachen (siehe auch Symptome), die in der Regel schnell und gut verheilen. Ein Dammschnitt hingegen geht tiefer und birgt das Risiko von Komplikationen im Heilungsprozess, die beispielsweise den Beckenboden schwächen oder zu Harninkontinenz  und Stuhlinkontinenz führen können. Einige Frauen klagen nach einem Dammschnitt auch über schmerzhaften Geschlechtsverkehr.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Dammrissen in Europa unterscheidet sich von Land zu Land sehr deutlich. Grund dafür sind die traditionell unterschiedlichen Herangehensweisen in der Geburtshilfe. In den Niederlanden beispielsweise sind Dammrisse die Ausnahme (9 Prozent aller Geburten), weil hier häufiger routinemäßig Dammschnitte gesetzt werden. In Großbritannien dagegen kommt es laut Studien bei bis zu 90 Prozent aller Geburten zu einem Dammriss.

In Deutschland liegt die Häufigkeit von Dammrissen – je nach Studie – zwischen 20 und 30 Prozent.

Symptome

Geburtshelfer unterteilen die Symptome des Dammrisses in vier Schweregrade.

  • Grad 1: oberflächliche Verletzungen der Haut und des Unterhautfettgewebes ohne Beteiligung der Dammmuskulatur
  • Grad 2: Risse im Muskelgewebe des Damms, die an den äußeren Schließmuskel des Afters heranreichen
  • Grad 3: Auch der äußere Schließmuskel des Afters ist betroffen.
  • Grad 4: vollständiger Dammriss mit Rissen von Haut, Muskeln und Schleimhaut des Rektums.

Bei einem Dammriss kommt es naturgemäß zu Schmerzen und Blutungen. Da Dammrisse sich aber vor allem in der Austreibungsphase während der Presswehen ereignen, nehmen die Gebärenden die Symptome des Dammrisses in aller Regel nicht wahr.

Zuweilen kommt es bei ausgeprägten Dammrissen (Grad 4) auch zu Verletzungen bzw. Rissen von Schamlippen, Klitoris, Gebärmutterhals oder Gebärmutter.

Folgen von Dammriss und Dammschnitt

Leichte Dammrisse (Grad 1 und 2) verursachen Schmerzen und Schwellungen, in der Regel aber keine schwerwiegenden Komplikationen. Bei schweren Dammrissen und Dammschnitten kommt es mitunter zu:

Bei rechtzeitiger und angemessener Therapie sind diese Komplikationen nicht dauerhaft, sondern vergehen innerhalb von Wochen oder Monaten.

Ursachen

Ursache von Dammrissen ist eine Überdehnung des Dammgewebes während der Geburt. Ob es bei der Geburt zu einem Dammriss kommen wird, lässt sich nur selten vorhersagen. Das Risiko für einen Dammriss ist beispielsweise bei sehr großen Kindern, Mehrlingsgeburten oder einer ungünstigen Lage des Kindes erhöht. Auch eine unzureichende Geburtsvorbereitung, ein schwacher Beckenboden, eine geringe Gewebeelastizität oder Bindegewebsschwächen begünstigen Dammrisse. Allerdings wird angesichts dieser Risikofaktoren oft ein Dammschnitt gesetzt.

Untersuchung

Die Diagnose Dammriss stellen Geburtshelfer anhand einer sorgfältigen Sichtuntersuchung nach der Geburt. Um Verletzungen des Darms auszuschließen, wird das Rektum mit einer Tastuntersuchung begutachtet. Entsprechend der Schwere der Symptome erfolgt die Therapie.

Behandlung

Manchmal sind Dammrisse so geringfügig, dass sie ohne Behandlung von selbst verheilen. Alle anderen Dammrisse werden grundsätzlich chirurgisch versorgt.

Bei einfachen Dammrissen 1. und 2. Grades reicht dazu meistens eine oberflächliche kleine Naht mit wenigen Stichen. Die dabei verwendeten Fäden lösen sich nach einigen Tagen von selbst auf und brauchen daher nicht gezogen werden. Den Wundheilungsprozess begleiten in aller Regel Schmerzen, Schwellungen und Beschwerden beim Sitzen sowie beim Toilettengang.

Dammrisse 3. und 4. Grades werden je nach Ausmaß des Dammrisses versorgt. Je nach Tiefe erfolgt der Eingriff bei lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose. Letztere ist beispielsweise notwendig, wenn der Schließmuskel oder die Darmschleimhaut schwer verletzt wurden und mehrere tief liegende Gewebeschichten repositioniert und vernäht werden müssen.

Prognose

In aller Regel verheilen Dammrisse sehr gut. Bei schweren Dammrissen oder nach einem Dammschnitt vergehen mitunter aber Monate, bis die Wunde komplett verheilt und die natürliche schmerzfreie Beweglichkeit des Unterkörpers wiederhergestellt ist.

Die Narben durch Dammriss oder Dammschnitt führen in seltenen Fällen auch nach Jahren noch zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Vorbeugung

Dammrissen während der Geburt lässt sich nicht mit Sicherheit vorbeugen. Warme Kompressen während des Geburtsvorgangs erhöhen die Elastizität des Dammgewebes. Auch vaginal eingebrachte Geburtsgele können helfen, einen Dammriss zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit, das Dammriss-Risiko zu senken, ist eine Dammmassage. Am besten erlernen Sie diese in einer professionell angeleiteten Geburtsvorbereitung.

Dammmassage

Eine der wirkungsvollsten Vorbeugemaßnahmen ist die Dammmassage. Viele Hebammen und Frauenärzte empfehlen, den Damm ab der 34. Schwangerschaftswoche mit einfachen Massagen auf die Geburt vorzubereiten. Bei der Dammmassage wird der Daumen in die Scheide eingeführt. Mit den anderen Fingern kann nun das Dammgewebe in Richtung des Daumens von außen massiert werden. Mit Ölen wie Johanniskrautöl, Vitamin-E-haltige Ölen oder einfache Keimölen empfinden viele Frauen diese Massagen als noch entspannender. Gelangen Frauen aufgrund des Bauchumfangs nicht mehr in die Scheide, kann die Massage auch vom Partner übernommen werden.

Vorbeugung von Komplikation nach Dammriss oder Dammschnitt

Die Vorbeugung von Komplikationen nach Dammriss oder Dammschnitt liegt vor allem in der Hand der betroffenen Frauen. In den ersten Tagen und Wochen sollten Sie die folgenden Ratschläge beherzigen.

10 Tipps für die Selbsthilfe nach Dammriss oder Dammschnitt

  1. In erster Linie kommt es darauf an, den Körper nach der Geburt zu schonen. Es ist normal, die ersten Tage nach der Geburt vor allem im Bett zu verbringen. Schmerzen sind oft ein Signal, dass der Körper noch etwas Zeit braucht, um sich zu erholen.
  2. Gegen Schmerzen und Schwellungen im Dammbereich helfen Kühlpads. Die aber nicht direkt auf die Haut legen, sondern in ein weiches Baumwolltuch einschlagen. Bei Bedarf sind entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac und Ibuprofen eine Alternative (Einnahme mit dem Frauenarzt absprechen).
  3. Noch immer greifen viele Frauen nach der Geburt zu Sitz- oder Schwimmringen, um das Sitzen vermeintlich zu erleichtern. Davon ist dringend abzuraten. Durch die Sitzposition auf den Ringen werden das Dammgewebe und der Beckenboden übermäßig stark beansprucht und die Heilung mitunter verzögert.
  4. Achten Sie auf eine gesunde, frische und abwechslungsreiche Ernährung, um die Verdauung nicht unnötig zu belasten. Weiche Speisen wie breiartige Zubereitungen fördern weichen Stuhl.
  5. Trinken Sie ausreichend. Auch das fördert einen weichen Stuhlgang.
  6. Beim Stuhlgang auf keinen Fall pressen.
  7. Der Wundbereich sollte sauber und trocken gehalten werden.
  8. Übertriebene Intimpflege mit speziellen Produkten für die Intimhygiene führt oft zu unnötigen Reizungen (auch durch Duftstoffe).
  9. Sitzbäder mit beruhigenden Pflanzenzusätzen, beispielsweise aus Kamille, reinigen sanft.
  10. Um mechanische Hautreizungen zu vermeiden, nach dem Reinigen den Wundbereich vorsichtig trocken tupfen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 02.09.2019

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