Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Mit chronischer Niereninsuffizienz bezeichnen Mediziner eine andauernde Nierenschwäche. Häufigste Ursachen von Niereninsuffizienz sind Diabetes und Entzündungen der Nieren. Bei rechtzeitiger Diagnose lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen stoppen oder zumindest der Verlauf verlangsamen.

Synonyme

Chronisches Nierenversagen, Chronische Nierenschwäche, CNI, Dauerhafte Nierenschwäche

Definition

Chronische Niereninsuffizienz

Bei der chronischen Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) ist die Nierenfunktion eingeschränkt und Teile des Nierenfunktionsgewebes dauerhaft und unwiderruflich geschädigt. Die chronische Niereninsuffizienz entwickelt sich über Monate bis Jahre, schreitet immer weiter fort und führt unbehandelt zum Tod.

Die Erkrankung verläuft in 5 Stadien. Ab Stadium 4 sind die Betroffenen oft schon auf eine Dialysebehandlung angewiesen, die die Funktion der Nieren ersetzt. Im Endstadium ist die Dialyse lebensnotwendig.

Neben der chronischen Verlaufsform gibt es auch akutes Nierenversagen, das als Notfall umgehend behandelt werden muss.

Funktion der Nieren

Menschen haben zwei Nieren, links und rechts jeweils eine. Beide Nieren erfüllen im Körper wichtige Aufgaben:

  • Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten (sogenannte harnpflichtige Substanzen: Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure) und Medikamenten
  • Konstanthaltung des Wasserhaushalts
  • Regulierung des Elektrolyt-Haushalts
  • Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Haushalts
  • Bildung von Hormonen (wie das Erythropoetin und Renin)
  • Umwandlung von inaktivem in aktives Vitamin D
  • Blutdruckregulation.

Die Nieren als Ausscheidungsorgan

Täglich durchströmen die Nieren rund 1500 Liter Blut. Pro Tag scheiden sie etwa eineinhalb Liter Urin aus, der aus dem Blut filtriert wird. Das Blut fließt dabei durch spezielle Filtersysteme (Nephrone). Eine gesunde Niere enthält etwa 1 Million solcher Nephrone. In diesen Filtern werden Stoffe, die der Körper nicht mehr benötigt, sozusagen aus dem Blut gesiebt (sogenannte harnpflichtige Substanzen). Verblieben die harnpflichtigen Substanzen im Blut, würden sie den Körper vergiften. Andererseits halten die Nephrone aber auch wichtige Stoffe im Körper zurück. Dazu gehören vor allem Eiweiße und Elektrolyte.

Häufigkeit

Die Häufigkeit schwerer und schwerster Nierenfunktionsstörungen hat in den vergangenen 25 Jahren stetig zugenommen. Ursache dafür ist die steigende Lebenserwartung. Denn mit dem Alter wächst das Risiko für chronische Nierenschwäche. Zwischen dem 60. und 69. Lebensjahr liegt der Anteil der schwer Nierenkranken bei 3 Prozent. In der Altersgruppe von 70 bis 79 sind es schon 13 Prozent.

In Deutschland leben etwa 100.000 Menschen, die wegen Nierenschäden auf eine Dialyse angewiesen sind. Etwa 20.000 noch lebende Menschen haben wegen ihrer Nierenschwäche eine Nierentransplantation erhalten. Bei Frauen sind chronische Niereninsuffizienzen häufiger als bei Männern.

Symptome

Die Symptome bei chronischem Nierenversagen unterscheiden sich je nach Ausprägung der Nierenschwäche.

  • Betroffene Personen sind geschwächt und können sich nicht mehr richtig konzentrieren, sie klagen über Kopfschmerzen und Hautjucken.
  • Charakteristischerweise verströmen Menschen mit chronischer Nierenschwäche einen besonderen Geruch. Dieser Körpergeruch entsteht durch die Anreicherung von harnpflichtigen Substanzen im Blut.
  • Wasseransammlungen im Körper (Ödeme) führen zu geschwollenen Gliedmaßen (dicke Füße). Auch Herz und Lunge können wassergefüllt sein. Daraus ergeben sich Leistungsverlust und Atemschwäche.
  • Durchfall und Erbrechen sowie Herzrhythmusstörungen können auf eine zunehmende Übersäuerung (Azidose) des Körpers oder auf Elektrolytverschiebungen hindeuten.

Stadien der chronischen Niereninsuffizienz

Die chronische Niereninsuffizienz verläuft in fünf Stadien. Die Stadien werden nach der Nierenfunktion eingeteilt. Die Nierenfunktion wiederum wird anhand der Blut-Kreatinin-Konzentration und der glomerulären Filtrationsrate (GFR, angegeben in Milliliter pro Minute) beurteilt. Die GFR gibt die Menge an Blut an, die die Nieren pro Minute von Kreatinin befreit. Normal ist eine glomeruläre Filtrationsrate von über 90 Milliliter pro Minute (ml/min).

Stadium 1 (GFR über 90 ml/min):

  • leichte Nierenfunktionsschwäche mit normaler oder sogar erhöhter Filtrationsrate
  • Kreatinin-Werte im Blut liegen zwischen 1,2 mg/dl bis 2 mg/dl

Stadium 2: GFR 60 bis 89 ml/min

  • geringe Einschränkung der Nierenfunktion ohne Komplikationen wie z. B. Blutarmut
  • Kreatinin-Werte 2 bis 6 mg/dl
  • harnpflichtige Substanzen werden noch in ausreichendem Maß ausgeschieden

Stadium 3: GFR 30 bis 59 ml/min

  • moderat eingeschränkte Nierenfunktion
  • harnpflichtige Substanzen werden nicht mehr in ausreichendem Maß ausgeschieden und sammeln sich im Körper an (beginnende Harnvergiftung).
  • Kreatinin-Werte zwischen 6 bis 8 mg/dl.
  • In diesem Stadium ist durch eine eiweißarme Ernährung eine Rückführung in die kompensierte Retention – also Stadium 2 - möglich.

Stadium 4: GFR 15 bis 30 ml/min o schwer eingeschränkte Nierenfunktion

  • Betroffene sind oft schon dialysepflichtig, evtl. brauchen sie eine neue Niere und warten auf eine Nierentransplantation
  • Kreatinin-Werte zwischen 8 bis 12 mg/dl
  • allmähliche Symptome einer Harnvergiftung, Ausbildung von Blutarmut, Bluthochdruck, Knochenbeschwerden, Juckreiz, Gefühlsstörungen durch Nervenschädigung, Störungen der Geschlechtsorgane mit ausbleibender Menstruation oder Impotenz sowie Gerinnungsstörungen mit erhöhter Blutungsneigung.

Stadium 5: GFR unter 15 ml/min

  • Kreatinin-Wert über 12 mg/dl, Harnstoff stark erhöht
  • lebensbedrohlicher Zustand, ein Überleben ohne den Einsatz von Nierenersatzverfahren ist nicht möglich.

Ursachen

Die Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz sind vielfältig:

  • Schädigungen der Nieren durch Diabetes (diabetische Nephropathie, etwa 28 Prozent)
  • Entzündungen: chronische Entzündungen der Nierenfunktionskörperchen (etwa 19 Prozent); interstitielle Nierenentzündungen (dabei ist das Zwischengewebe der Nieren entzündlich verändert) und chronisch wiederkehrende Nierenbeckenentzündungen (etwa 12 Prozent)
  • Erkrankungen der Blutgefäße in den Nieren und Arteriosklerose der Nierengefäße (etwa 17 Prozent)
  • Zystennieren (etwa 7 Prozent)
  • sonstige Ursachen (etwa 7 Prozent)
  • ohne erkennbare Ursachen (etwa 10 Prozent).

Untersuchung

Zur Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz werden im Wesentlichen die folgenden Verfahren und Untersuchungen eingesetzt:

  • Anamnese (Frage nach Beschwerden, Medikamenteneinnahme und Vorerkrankungen) und körperliche Untersuchung, Messung von Blutdruck und Puls, Abhorchen von Herz und Lunge, Ein- und Ausfuhr überprüfen und Gewichtskontrolle
  • Blut-Untersuchung: harnpflichtige Substanzen wie Kreatinin und Harnstoff, Elektrolyte (Natrium und Kalium, Kalzium und Phosphat), Säure-Basen-Werte (pH-Wert, Bikarbonat) und Blutbild
  • Urin-Untersuchung (zunächst mit Teststreifen, später im Labor)
  • bildgebende Verfahren wie beispielsweise Ultraschall (Sonografie), Farbdoppler-Sonografie, Röntgen.

Behandlung

Die Behandlung bei chronischem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) richtet sich vor allem nach der Schwere der Erkrankung und der Ursache. Zunächst wird die Erkrankung behandelt, die zur chronischen Niereninsuffizienz geführt hat:

  • Diabetes: Blutzuckereinstellung durch geeignete Ernährung und blutzuckersenkende Medikamente (Antidiabetika)
  • Nierenfunktionskörperchenentzündung (Glomerulonephritis): Medikamente, die die immunologische Zerstörung der Nieren hemmen (Immunsuppressiva)
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): antibiotische Behandlung
  • Bluthochdruck (Hypertonie): gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und Bewegung sowie medikamentöse Behandlung (beispielsweise Entwässerungsmittel oder Betablocker).

Fortschreiten von chronischer Niereninsuffizienz bremsen

Unabhängig von der Grunderkrankung verschlechtert sich eine chronische Niereninsuffizienz unbehandelt mehr oder weniger schnell – bis hin zum dialysepflichtigen Endstadium. Um das Fortschreiten zu bremsen, stehen dem Arzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • diätetische Maßnahmen (vor allem eiweißarme Ernährung)
  • Flüssigkeitszufuhr der Urin-Ausscheidung anpassen
  • Kalium- und Phosphat-Aufnahme den aktuellen Blutwerten anpassen
  • Blutdruck normalisieren
  • Übersäuerung des Bluts durch anfallende Stoffwechselendprodukte, die nicht ausgeschieden werden (metabolische Azidose), ausgleichen
  • Vitamin-D-Mangel und Blutarmut (Anämie) behandeln.

Blutwäsche bei Nierenversagen

Reichen die genannten Therapiemöglichkeiten nicht mehr aus, verschlechtert sich die Nierenfunktion zunehmend. Es kommt zur lebensbedrohlichen Urämie (Harnvergiftung). Dabei reichern sich harnpflichtige Substanzen im Blut an und vergiften den Körper. Diese Substanzen müssen aus dem Körper "gewaschen" werden. Nur so kann der Betroffene die Urämie überleben.

Ziel einer jeden Nierenersatzbehandlung ist es, harnpflichtige Substanzen (wie Harnstoff und Kreatinin), überschüssige Elektrolyte (vor allem Kalium und Phosphat) sowie überschüssiges Wasser aus dem Körper zu entfernen. Zudem kann darüber eine mögliche Übersäuerung (Azidose) ausgeglichen werden. Folgende Nierenersatzverfahren werden eingesetzt:

  • Hämodialyse (Standardverfahren, Blutwäsche über ein Gerät mit einem Membranfilter außerhalb des Körpers mit einer Spüllösung)
  • Hämofiltration (Blutwäsche, ohne dass eine Spüllösung verwendet wird)
  • Hämodiafiltration (Verfahren, welches die Hämodialyse und die Hämofiltration kombiniert)
  • Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse, bei der Blutwäsche dient das Bauchfell als Filter).

Nierentransplantation

Die letzte Therapiemöglichkeit bei chronischer Niereninsuffizienz ist die Nierentransplantation. Bei der Transplantation erhält der Patient (bis zu einem Alter von etwa 70 Jahren) eine funktionstüchtige Niere. Die beiden eigenen Nieren verbleiben im Körper. Damit die Niere nicht abgestoßen wird, bekommt der Empfänger nach der Transplantation starke Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken (sogenannte Immunsuppressiva).

Krankheitsverlauf

Ohne Therapie verschlechtert sich eine chronische Nierenschwäche zunehmend. Erfolgt der Beginn der Behandlung vor dem Stadium 3 lässt sich das Fortschreiten in den meisten Fällen aufhalten oder wenigstens deutlich verzögern.

Nach einer Nierentransplantation verbessert sich die Lebensqualität der Patienten in aller Regel erheblich. Nach einem Jahr sind noch etwa 90 Prozent der transplantierten Nieren funktionsfähig, nach fünf Jahren noch etwa 70 Prozent. Leider sind die Wartezeiten auf eine Niere mitunter sehr lang. Es stehen trotz umfangreicher Aufklärung in der Bevölkerung immer noch zu wenige Organe zur Verfügung.

Das akute Nierenversagen, das sich innerhalb von Stunden bis Tagen entwickelt, heilt in der Regel folgenlos ab, wenn die Therapie rechtzeitig erfolgt.

Vorbeugung

Mit einer gesunden, frischen und abwechslungsreichen Ernährung sowie täglicher Bewegung beugen Sie Diabetes, Bluthochdruck und Arteriosklerose vor. So senken Sie auch das Risiko, eine chronische Niereninsuffizienz zu entwickeln.

Diabetiker sollten auf normale Blutzuckerspiegel und Bluthochdruckpatienten auf gesunde Blutdruckwerte achten. Bei gut eingestelltem Diabetes und Bluthochdruck sinkt die Gefahr, an chronischer Niereninsuffizienz zu erkranken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 04.04.2018

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