Chronische Mittelohrentzündung

Eine chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica) macht sich in aller Regel zunächst durch Ohrenschmerzen und Druckgefühle im Ohr bemerkbar. Spätestens wenn Sekret aus den Ohren läuft, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Chronische Mittelohrentzündungen können schwere Folgen bis hin zur Blutvergiftung haben.

Synonyme

Otitis media chronica

Definition

Mittelohrentzündung Untersuchung

Die chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica) ist eine immer wiederkehrende oder dauerhaft anhaltende Entzündung der Schleimhäute des Mittelohres. Sie tritt vor allem bei Erwachsenen auf, Kinder erkranken deutlich seltener daran. Häufig bei Kindern ist hingegen die akute Mittelohrentzündung.

Mediziner unterscheiden drei Formen der chronischen Mittelohrentzündung:

  • chronische Eiterung der Mittelohrschleimhaut (kurz: Schleimhauteiterung)
  • chronische Eiterung von Mittelohrschleimhaut und Knochen (kurz: Schleimhaut- und Knocheneiterung)
  • chronische Knocheneiterung bzw. Cholesteatom (eine entzündliche Wucherung im Mittelohr)

Symptome

Im Gegensatz zur akuten Mittelohrentzündung verursacht eine chronische Mittelohrentzündung am Anfang nur relativ geringe Beschwerden. Erst später kommt es zu Ohrenschmerzen, einer Hörminderung, Ohrensausen, Schwindel und Kopfschmerzen. Zudem läuft – teils eitriges, sehr stark stinkendes – Sekret durch ein Loch im Trommelfell aus dem Ohr. Dies wird von den Betroffenen als „Ohrenlaufen" bezeichnet. Im Folgenden mehr zu den spezifischen Symptomen der 3 Formen von Otitis media chronica.

Symptome chronischer Schleimhauteiterung

Bei der chronischen Schleimhauteiterung ist, wie der Name bereits vermuten lässt, die Schleimhaut des Mittelohres vereitert. Das Trommelfell ist üblicherweise mittig offen, mitunter fehlt es auch ganz. Durch diesen Trommelfelldefekt läuft bei der chronischen Schleimhauteiterung fadenziehendes, schleimiges oder schleimig-eitriges, aber in der Regel geruchloses Sekret aus dem Ohr.

Symptome chronischer Schleimhaut- und Knocheneiterung

Bei der chronischen Schleimhaut- und Knocheneiterung sind die das Mittelohr umgebenen Knochen und die mit Schleimhaut ausgekleideten Knochenhöhlen entzündlich-eitrig verändert. Das Trommelfell ist üblicherweise in der Mitte defekt. Aus dem Ohr läuft rahmig-gelbes und stark stinkendes Sekret. Bei der chronischen Knocheneiterung können Gehörknöchelchen und der an das Mittelohr grenzende Knochen zerstört werden. Zudem sind schwere bis lebensbedrohliche Komplikationen möglich. Dazu gehören unter anderem Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Gehirnentzündungen (Enzephalitis), Entzündungen von Hirnhaut und Gehirn (Meningoenzephalitis) sowie Hirnabszesse oder Blutvergiftungen (Sepsis) mit Multiorganversagen.

Symptome der chronischen Knocheneiterung (Cholesteatom)

Bei der dritten Verlaufsform der chronischen Mittelohrentzündung wuchern neben der Knocheneiterung die äußeren Hautschichten des Trommelfells oder des Gehörgangs in die Paukenhöhle des Mittelohrs. Der Defekt am Trommelfell befindet sich in der Regel am oberen Rand. Mediziner bezeichnen das als Cholesteatom - der Volksmund sagt Perl- oder Zwiebelgeschwulst dazu.

Dieses Gewebe überwuchert unbehandelt den Mittelohrraum. Im weiteren Verlauf verändert sich das eingewachsene Gewebe entzündlich und greift auf die knöchernen Anteile von Innen- und Mittelohr sowie auf den umgebenden Schädelknochen, das sogenannte Felsenbein, über. Die Knochen vereitern und werden so immer weiter zerstört. Die Schallübertragung nimmt auf dem betroffenen Ohr immer weiter ab, wodurch sich das Hörvermögen zunehmend verschlechtert. Zudem schmerzt das Ohr und es läuft extrem stinkendes, eitriges Sekret heraus.

Unbehandelt schreitet die knöcherne Vereiterung immer weiter fort. Ein Durchbruch in das Gehirn ist nicht unüblich, wodurch die Hirnhäute, das Gehirn und die Gesichtsnerven gefährdet werden. Des Weiteren können das Innenohr und das Gleichgewichtsorgan geschädigt werden. Dann leiden die Betroffenen an Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen. Mitunter besteht die Gefahr völliger Ertaubung.

Ursachen

Die Ursachen von chronischer Mittelohrentzündung unterscheiden sich nach der Verlaufsform. Bei der Schleimhaut- und Knocheneiterung gehen in der Regel sich häufig wiederholende Entzündungen der Nasen- und Nebenhöhlen-Schleimhäute sowie akute Mittelohrentzündungen voraus. Ursache dafür sind zum Beispiel Nasenscheidewanddefekte (Septumdeviationen), Allergien wie Heuschnupfen oder Tumore im Nasen-Rachen-Raum. Selten sind Verletzungen oder ein Unfall (Ohrfeige oder Knall-Trauma), die zu einem Trommelfelldefekt führen, für chronische Mittelohrentzündungen verantwortlich.

Polypen bei Kindern

Bei Kindern sind häufig Polypen (also vergrößerte Mandeln im Nasen-Rachen-Raum) für chronische Mittelohrentzündungen verantwortlich. Diese führen immer wieder zu Belüftungsstörungen des Mittelohrs. Zudem beeinträchtigen die Polypen den Druckausgleich über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Gelangen dann auch noch Krankheitserreger (insbesondere Bakterien) über die Ohrtrompete ins Mittelohr, sind dauerhafte Entzündungen von Ohrtrompete und Mittelohr die Folge. Äußerst selten werden chronische Mittelohrentzündungen im Kindesalter durch Tumoren im Nasen-Rachen-Raum oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten (im Volksmund als Hasenscharte bezeichnet) verursacht.

Ursachen des Cholesteatoms

Einem Cholesteatom gehen häufig dauerhafte Belüftungsstörungen des Mittelohrs voraus. Diese führen zu einem Unterdruck im Mittelohr. Dadurch kann es wiederum zu Einziehungen des Trommelfells in den Mittelohrraum kommen. Mediziner bezeichnen dies als Trommelfell-Retraktion. Aus diesen Einziehungen kann sich dann ein Cholesteatom entwickeln.

Ein Cholesteatom kann zudem über ein Loch am oberen Rand des Trommelfells entstehen, wodurch äußere Hautschichten in die Mittelohrräume eindringen. Selten sind Verletzungen oder Unfälle (wie Schädel- oder Felsenbeinbrüche) Ursache eines Cholesteatoms. Dabei können äußere Hautschichten entlang des Knochenbruch-Spaltes in das Mittelohr eindringen und den Mittelohrraum überwuchern.

Außerdem gibt es angeborene Cholesteatome. Diese wachsen hinter einem intakten Trommelfell und bilden sich wahrscheinlich während der Embryonalzeit aus.

Untersuchung

Läuft Flüssigkeit aus dem Ohr, egal ob geruchsarm oder stinkend, blutig, klar oder trüb, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Starke Ohrenschmerzen oder anhaltendes Druckgefühl im Ohr sind ebenfalls Gründe für einen umgehenden Arztbesuch. Das gilt insbesondere bei Kindern und/oder wenn Fieber hinzukommt.

Die Diagnose von chronischen Mittelohrentzündungen gehört in die Hand eines HNO-Arztes. Dieser wird zunächst die Ohren und den Nasen-Rachen-Bereich untersuchen und einen Abstrich zum Nachweis von Krankheitserregern machen. Danach folgen üblicherweise bildgebende Verfahren wie Röntgen beziehungsweise Computer- oder Magnetresonanztomografien. Außerdem wird der HNO-Arzt das Hörvermögen, den Gleichgewichtssinn und die Gesichtsnervenfunktion prüfen.

Behandlung

Alle Formen der chronischen Mittelohrentzündung erfordern zwingend eine ärztliche Behandlung. Ansonsten drohen ernsthafte und lebensbedrohliche Folgen.

Operative Behandlung

Jede der drei Formen der chronischen Mittelohrentzündung sollte operativ behandelt werden. Die Operationen erfolgen unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose. Während der Operation werden der entzündete Mittelohrbereich und das Trommelfell saniert. Eingewachsenes Gewebe, wie beim Cholesteatom, wird entfernt und zerstörte Gehörknöchelchen bei einer Knocheneiterung rekonstruiert. Mitunter baut der HNO-Arzt eine neue Mittelohr-Höhle und setzt ein neues Trommelfell ein. Über weitere Operationsmethoden wird Sie Ihr Hals-Nasen-Ohren-Arzt gerne beraten.

Bei Kindern hilft es häufig auch, wenn entzündlich vergrößerte Nasen-Rachen-Mandeln entfernt werden. Bei Erwachsenen hilft mitunter eine operative Sanierung der Nase.

Medikamentöse Therapie

Um Komplikationen zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Krankheitserreger auszuschalten. Dazu wird der Arzt Antibiotika wie Amoxicillin, Azithromycin oder Clarithromycin einsetzen. Ob antibiotikahaltige Tabletten, Infusionen oder Ohrentropfen (auch antiseptische) erforderlich sind, entscheidet der Arzt individuell anhand der Symptome und dem Krankheitsverlauf.

Entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkstoffe wie Diclofenac oder Ibuprofen werden häufig als Begleittherapie gegeben.

Nach einer Operation ist es wichtig, die Belüftung des Mittelohres aufrechtzuerhalten. Dazu wird der Arzt für eine gewisse Zeit abschwellende Nasentropfen mit Wirkstoffen wie Oxymetazolin, Tramazolin oder Xylometazolin verordnen.

Selbsthilfe

Die Selbsthilfe bei chronischer Mittelohrentzündung beschränkt sich nur auf wenige Maßnahmen und darf niemals alleine ohne ärztliche Therapie erfolgen.

Nach einer Ohrenoperation

Für die Zeit nach der Ohren-OP ist es ratsam, Niesen, Husten und Schneuzen zu vermeiden. Bei Erkältungen innerhalb von 8 bis 10 Wochen nach einer Operation sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Keine Flugreisen

Wegen der Druckveränderungen in Flugzeugen sollten Sie bis zu 8 Wochen nach der Operation von Flugreisen unbedingt Abstand nehmen. Auch von starken körperlichen Anstrengungen in dieser Zeit sollten Sie unbedingt absehen.

Nicht rauchen

Raucher sollten bei chronischer Mittelohrentzündung nicht zur Zigarette/Zigarre greifen. Denn Rauchen verzögert die Heilung bei chronischen Mittelohrentzündungen. Am besten ist es natürlich, ganz aufzuhören.

Kein Wasser ins Ohr

Bis zur vollständigen Abheilung einer chronischen Mittelohrentzündung darf kein Wasser in den Gehörgang gelangen. Darauf sollten sie unbedingt beim Duschen und Baden (und vor allem beim Haarewaschen) achten. Vom Schwimmen ist in dieser Zeit ganz abzuraten. Wollen Sie nicht darauf verzichten, kann eingefettete medizinische Watte aus der Apotheke im Ohr das Eindringen von Wasser verhindern. Die Watte muss nach dem Wasserbesuch aber umgehend wieder entfernt werden!

Keine Watte dauerhaft ins Ohr

Viele ältere Menschen empfehlen, bei chronischer Mittelohrentzündung Watte ins Ohr zu stopfen. Davon kann aus medizinischer Sicht nur abgeraten werden. Watte verschlimmert die Entzündung. Durch den verschlossenen Ohrbereich bildet sich ein feucht-warmes Klima, das einen idealen Nährboden für Krankheitserreger darstellt.

Richtiges Hörgerät

Hörgeräte-Träger sollten bei chronischer Mittelohrentzündung möglichst keine In-Ear-Hörgeräte benutzen. Auch von HdO-Geräten mit geschlossener Otoplastik (hinter dem Ohr zu tragende Hörgeräte mit Ohrverschluss) ist bei chronischer Mittelohrentzündung eher abzuraten. Empfehlenswert ist die sogenannte „offene Hörgeräteversorgung". Das sind in der Regel HdO-Geräte mit einem dünnen Schallschlauch, der in das Ohrinnere führt.

Vorbeugung

Um chronischen Mittelohrentzündungen vorzubeugen, sollten Sie die Ohren richtig pflegen. Dazu gehört der Verzicht auf Wattestäbchen zur Ohrenreinigung. Das Ohr verfügt über einen natürlichen und effektiven Selbstreinigungsmechanismus. Der allerdings wird vor allem durch Ohrenreinigungen mit Wattestäbchen gestört. Daher sollten Sie auf diese Reinigungsmethode besser verzichten. Ohren brauchen in der Regel nicht gereinigt werden. Falls doch, wenden Sie sich am besten an einen HNO-Arzt. Gehen Sie niemals mit harten Gegenständen (etwa mit einem mit Watte umwickelten Streichholz oder Ähnlichem) in den Gehörgang. Die Gefahr für Verletzungen und nachfolgende Entzündungen ist immens.

Schnupfen rechtzeitig behandeln

Wer zu Mittelohrentzündungen neigt, sollte bei Schnupfen zeitig zu abschwellenden Nasentropfen oder Nasenspray greifen. Diese gibt es in der Apotheke mit Wirkstoffen wie Oxymetazolin, Tramazolin oder Xylometazolin. Damit gewährleisten Sie die Belüftung des Mittelohrs.

Druckausgleich beim Fliegen

Beim Fliegen haben viele Menschen Probleme mit dem Druckausgleich während der Start- und Landephase. Abhilfe leisten spezielle Ohrenstöpsel, die Sie direkt im Flugzeug oder vorher in der Apotheke kaufen können. Das wird insbesondere Personen empfohlen, die zu chronischer Mittelohrentzündung neigen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.03.2013

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