Synonyme

chronisch-obstruktive Bronchitis, COB, chronische Bronchialschleimhautentzündung

Definition

Chronische Bronchitis

Als chronische Bronchitis bezeichnen Mediziner eine anhaltende Entzündung der Bronchien mit Husten und Auswurf. Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation ist eine Bronchitis dauerhaft, wenn Husten und Auswurf über einen Zeitraum von 2 aufeinanderfolgenden Jahren für mindestens 3 Monate pro Jahr anhalten. Etwas einfacher formuliert: Monatelang anhaltender hartnäckiger Husten mit Auswurf ist ein deutlicher Hinweis auf eine chronische Entzündung der Bronchien.

Eine leicht verlaufende chronische Bronchitis beeinträchtigt die Lebensqualität, ist aber nicht zwingend lebensgefährlich. Etwa 80 Prozent der Menschen mit chronischer Bronchitis haben eine normale Lebenserwartung.

Bei 20 Prozent der Betroffenen ist die chronische Bronchitis allerdings eine Vorstufe für unwiderrufliche schwere Lungenschäden. An erster Stelle steht die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). COPD ist der nunmehr gebräuchliche Begriff für das, was Mediziner in der Vergangenheit auch als chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) bezeichnet haben. Bei dieser Lungenerkrankung sind die Bronchien dauerhaft und unwiederbringlich verengt. Schreitet die COPD fort, kann sie sich zu einem Lungenemphysem ausweiten. In diesem Endstadium von chronischer Bronchitis oder COPD ist die Lungenerkrankung kaum noch behandelbar und die Lebenserwartung sinkt drastisch.

COPD und Lungenemphysem

Hier finden Sie ausführliche Informationen zu COPD und Lungenemphysem

Rauchen ist die häufigste Ursache von chronischer Bronchitis. Allerdings gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Risikofaktoren (siehe Ursachen). Die Heilungsaussichten sind umso besser, je früher die Behandlung beginnt. Unbedingte Voraussetzung für den Erfolg einer medikamentösen Therapie von chronischer Bronchitis ist allerdings, dass die auslösenden Umstände abgestellt werden.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von chronischer Bronchitis und anderen obstruktiven Atemwegserkrankungen ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA 2012) ermittelt, dass mehr als 10 Prozent der Frauen und 7,5 Prozent der Männer im Laufe des Lebens an einer chronischen Bronchitis erkranken. Die RKI-Experten gehen aber selbst davon aus, dass diese sogenannte Lebenszeitprävalenz deutlich höher liegt.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DPG) sind in Deutschland bis zu 15 Prozent der Erwachsenen betroffen. Bei Rauchern ist die Häufigkeit von chronischer Bronchitis demnach noch sehr viel höher: Laut DPG sind die Bronchien bei der Hälfte der Raucherinnen und Rauchern über 40 dauerhaft entzündet.

Die Häufigkeit der chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) geben die Lungenfachärzte mit 4 bis 6 Prozent der Männer an. Bei Frauen liegt die Quote demnach halb so hoch (2 bis 3 Prozent). Nach Angaben der DPG waren oder sind 90 Prozent der Menschen mit chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen Raucher.

Symptome

Das typische Symptom von chronischer Bronchitis ist anhaltender Husten mit einem zähen schleimigen Auswurf. Charakteristischerweise tritt der Husten vor allem morgens auf.
Insbesondere zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome nicht von einem normalen Husten oder einer möglicherweise verschleppten Atemwegsinfektion zu unterscheiden. Wenn Husten aber wochenlang ohne nachvollziehbare Ursache anhält, liegt der Verdacht auf chronische Bronchitis nahe.

COPD als Folgeerkrankung

Bei etwa 20 Prozent der Fälle geht chronische Bronchitis in chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) über, die auch als chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bezeichnet wird. Bei COPD verengen sich die Bronchien. Dieser Prozess schreitet in der Regel unaufhaltsam fort und lässt sich durch Medikamente und Verhaltensänderungen nicht mehr umkehren, sondern bestenfalls verzögern. Die drei typischen Symptome bei COPD werden als AHA-Symptomatik bezeichnet:

  • Auswurf (bei Husten abgesonderter Schleim)
  • Husten (vor allem morgens)
  • Atemnot (zunächst bei körperlicher Belastung, später auch in Ruhe)

COPD verläuft in 4 Stadien, die durch einen fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion gekennzeichnet sind. Ausführliche Informationen finden Sie im Krankheitsbild COPD.

Endstadium Lungenemphysem

Das Lungenemphysem ist das Endstadium von chronischer Bronchitis oder COPD. Mediziner bezeichnen es auch als pulmonales Emphysem. In der Umgangssprache ist zuweilen von Lungenblähung oder Lungenüberblähung die Rede.

Bei einem Lungenemphysem nimmt die Lungenfunktion immer weiter ab. Dadurch entsteht eine fortschreitende Atemnot. Die damit einhergehende Sauerstoffnot schränkt nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit stark ein. Es kommt außerdem zu Folgereaktionen, die unter anderem das Herz schwer belasten. Typische Folge des Lungenemphysems ist beispielsweise das Cor pulmonale, eine häufige Form der Rechtsherzschwäche. Ausführliche Informationen finden Sie in den Krankheitsbildern Lungenemphysem und Cor pulmonale.

Ursachen

Häufigste Ursache von chronischer Bronchitis ist das Rauchen. Die zahlreichen Gift- und Reizstoffe im Tabakrauch belasten das Lungengewebe intensiv. Luftschadstoffe, ob am Arbeitsplatz oder beispielsweise Feinstäube sowie Gase, Dämpfe und klimatische Bedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit oder starke Hitze) sind weitere Risikofaktoren. Sie spielen – auf die Gesamtzahl der Fälle betrachtet - allerdings eine sehr viel kleinere Rolle als Tabakrauch.

Genetisch bedingte Risikofaktoren

Das Risiko für chronische Bronchitis ist auch eine Frage der Erbanlagen. Für einzelne Erkrankungen lässt sich dies klar belegen. Dazu zählen:

  • Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zählt mit 2,5 Neuerkrankungen pro 10.000 Einwohnern und Jahr zu den seltenen Erkrankungen. Bei dieser Erkrankung löst der angeborene Mangel des Eiweißes Alpha-1-Antitrypsin chronische entzündliche Prozesse in der Lunge aus.
  • Mukoviszidose oder Cystische Fibrose ist eine vererbte und nicht ansteckende Stoffwechselkrankheit, die von Geburt an in Erscheinung tritt. Es handelt sich um eine Funktionsstörung der Schleimdrüsen (exokrine Drüsen) wie Bauchspeicheldrüse, Bronchien und Schweißdrüsen.
  • Kartagener-Syndrom ist eine angeborene Erkrankung, bei der die Organe seitenverkehrt angelegt sind. Fast immer sind die Bewegungen der Flimmerhärchen in den Atemwegen gestört, sodass Fremdpartikel und Schadstoffe aus Nase und Lunge weniger gut abtransportiert werden können. Typischerweise leiden bereits Säuglinge und Kleinkinder an chronischem Husten und wiederkehrenden Atemwegsinfektionen.

Krankheiten als Ursache von chronischer Bronchitis

Andere Krankheiten sind eine weitere Ursache von chronischer Bronchitis. Dabei lässt sich aber nicht immer zweifelsfrei trennen, ob die Erkrankungen Ursache oder Folge sind. Dazu zählen:

Untersuchung

Die wichtigsten Untersuchungen zum Nachweis von chronischer Bronchitis sind Tests der Lungenfunktion und Messungen der Blutgaswerte. Diese sollten vorzugsweise bei Pneumologen in speziellen Lungenambulanzen erfolgen.

Spirometrie

Bei der Spirometrie (Lungenfunktionstest) wird die Atemfunktion gemessen. Dazu pusten die Probanden kräftig in ein Messgerät, das Spirometer. Wichtige Anhaltspunkte für die Lungenfunktion bilden dabei zwei Messwerte:

  • FVC steht für exspiratorische forcierte Vitalkapazität. Der FVC-Wert gibt also das körperlich mögliche Volumen der ausatembaren Atemluft an, die Lungenkapazität.
  • FEV1 steht für forciert ausgeatmetes exspiriertes Atemvolumen in der ersten Sekunde. Der FEV1-Wert gibt also an, wie viel Luftvolumen innerhalb der ersten Sekunde des Ausatmens maximal ausströmt.

Je kleiner der FEV1-Wert, umso eingeschränkter ist die Lungenfunktion. Eine weitere Form der Spirometrie ist die Spiroergometrie. Bei dieser Untersuchung wird die Atemfunktion unter Belastung auf einem Fahrradergometer gemessen.

Ganzkörperplethysmografie (Bodyplethysmografie)

Die Ganzkörperplethysmografie (umgangssprachlich große Lungenfunktion) ist eine umfassende Untersuchung zur Beurteilung des Lungenzustandes, die mehr und genauere Ergebnisse liefert als eine Spirometrie oder Spiroergometrie. Die Ganzkörperplethysmografie wird von Lungenfachärzten (Pneumologen) angewendet.

Während der Untersuchung sitzen die Probanden in einer nahezu luftdichten Kammer und atmen mittels Mundstück über ein Gerät, dem sogenannten Pneumotachographen, ein und aus. In der Kammer kommt es zu Druckunterschieden, die fortlaufend gemessen werden. Die Messegräte im Bodyplethysmograf zeichnen unter anderem den Atemwiderstand im Bereich der Bronchien, die totale Lungenkapazität und das sogenannte Residualvolumen auf. Das Residualvolumen ist das Luftvolumen, das sich nicht ausatmen lässt, also in der Lunge verbleibt. Bei der genauen Diagnose von Lungenkrankheiten liefert die Bestimmung des Residualvolumens konkrete Hinweise darauf, ob das Lungengewebe noch elastisch ist (gesunder Zustand) oder schon versteift (Symptom von Lungenemphysem).

Weitere Untersuchungen

Vor den technischen Untersuchungen stehen natürlich die Erhebung der Krankengeschichte und eine gründliche körperliche Untersuchung. Besonders aufschlussreich ist dabei vor allem das Abhören der Atemgeräusche (Auskultation).

Sauerstoffgehalt und Kohlendioxidgehaltes des Blutes werden bei einer Blutgasanalyse bestimmt. Je kleiner der Sauerstoffgehalt und je höher der Kohlendioxidgehalt, umso mehr ist die Funktion der Lungenbläschen (Alveolen) angegriffen.

Bildgebende Untersuchungen wie Röntgen, eine Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) und eine Analyse des Auswurfs sind weitere häufig eingesetzte Untersuchungsmethoden zur Diagnose und Beurteilung von chronischer Bronchitis.

Ausschluss von anderen Erkrankungen

Anhaltender Husten kann eine Vielzahl von Ursachen haben. Dazu zählen beispielsweise:

Diese und andere Erkrankungen müssen vor dem Nachweis von chronischer Bronchitis bzw. von Folgeerkrankungen ausgeschlossen werden, um die richtige Behandlung einleiten zu können.

Behandlung

Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung von chronischer Bronchitis ist, dass die Erkrankung noch nicht zu einer COPD vorangeschritten ist. In diesem Stadium ist für die Therapie von entscheidender Bedeutung, dass die Ursache der chronischen Bronchitis abgestellt werden kann. Diese Möglichkeit haben vor allem Raucherinnen und Raucher, indem sie mit dem Rauchen aufhören. Bei Luftschadstoffen am Arbeitsplatz helfen mitunter Maßnahmen wie das Tragen von Atemschutzmasken – oder ein Arbeitsplatzwechsel.

Die Behandlung von chronischer Bronchitis kann gegebenenfalls medikamentös unterstützt werden. Gängige atemwegserleichternde Arzneimittel sind:

  • SABA: kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren wie Fenoterol und Salbutamol
  • SAMA: kurzwirksame Anticholinergika zum Inhalieren wie Ipratropiumbromid
  • LABA: langwirksame Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren wie Formoterol und Salmeterol
  • LAMA: langwirksame Anticholinergika zum Inhalieren wie Tiotropiumbromid
  • ICS: Kortisonpräparate zum Inhalieren wie Beclometason, Budesonid und Fluticason
  • Roflumilast als PDE-4-Hemmer
  • Theophyllin

Bei bakterieller Besiedlung müssen häufig Antibiotika wie Tetracycline oder Cephalosporine verordnet werden, mitunter auch als Dauerprophylaxe.

Schleimlösende Medikamente wie beispielsweise N-Acetylcystein (NAC) und Ambroxol sind – neben Atemtherapie, Bewegung und gesunder Ernährung - ein weiterer Baustein, jedoch nicht bei jedem Patienten gleichermaßen zu empfehlen. Das gilt ebenso für Kortisonpräparate zum Einnehmen wie beispielsweise Prednisolon oder Dexamethason sowie Hustenstillern wie Codein und Dihydrocodein.

Entscheidend ist und bleibt aber, dass die Lunge nicht mehr weiter durch Inhalation von Reiz- oder Giftstoffen geschädigt wird.

Prognose

Chronische Bronchitis kann sich komplett zurückbilden. Hingegen sind COPD und noch schwerere Lungenschädigungen nicht mehr vollständig heilbar. Umfassende Informationen zu den therapeutischen Möglichkeiten finden Sie in den folgenden Krankheitsbildern:

In Deutschland stehen chronisch-obstruktive Atemwegserkrankungen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin bei Arbeitsunfähigkeitstagen an erster Stelle. In den USA gelten sie als die vierthäufigste, in Europa als die dritthäufigste Todesursache. Nach Schätzungen werden sie bis zum Jahr 2020 in der Rangordnung der zehn weltweit am häufigsten zum Tod führenden Erkrankungen den dritten Platz einnehmen.

Vorbeugung

Die effektivste Maßnahme zur Vorbeugung von Lungenschäden bei ansonsten gesunden Menschen ist das Nichtrauchen. Ein gesunder Lebensstil mit reichlich Bewegung und abwechslungsreicher frischer Ernährung trägt ebenfalls erheblich dazu bei, Erkrankungen der Lunge vorzubeugen.