Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Chronische Pankreatitis)

In Deutschland werden jährlich etwa 10.000 Menschen mit einer chronischen Pankreatitis stationär in einem Krankenhaus aufgenommen. Viele stationäre Aufnahmen ließen sich vermeiden. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von chronischer Pankreatitis.

Synonyme

Chronische Pankreatitis

Definition

Bauchspeicheldrüse Körper

Bei der chronischen Pankreatitis handelt es sich um eine lang andauernde Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Die Bauchspeicheldrüse heißt lateinisch Pankreas, daher auch der Name Pankreatitis. Neben der chronischen Verlaufsform gibt es auch die akute Pankreatitis. Im Gegensatz zur akuten Form bilden sich die Beschwerden bei chronischer Pankreatitis auch nach dem Abklingen der Entzündung nicht mehr vollständig zurück.

Häufigkeit

In Deutschland werden jährlich etwa 10.000 Menschen mit einer chronischen Pankreatitis stationär in einem Krankenhaus aufgenommen. Pro Jahr kommt es pro einer Million Einwohner zu 23 Neuerkrankungen. Die meisten Patienten sind männlich und zwischen 30 und 50 Jahren alt.

Symptome

Das Hauptsymptom von chronischer Pankreatitis sind wiederholt auftretende Oberbauchbeschwerden und Rückenschmerzen. Diese Schmerzen können sehr unterschiedlich stark sein und über Stunden oder sogar Tage anhalten. Typisch für den Verlauf sind Entzündungsschübe. Dann sind die Bauchschmerzen besonders stark und strahlen gürtelförmig in den Rücken, seltener auch in die Brust, aus.

Mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung geht eine dauerhaft eingeschränkte Fett- und Eiweißverdauung einher. Die führt oft zu einem Gewichtsverlust. Zudem werden häufig neu auftretende Fett-Unverträglichkeiten beobachtet.

Verdauungsbeschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Blähungen sowie Blähbauch und Völlegefühl sind ebenfalls Anzeichen chronischer Pankreatitis. Typisch sind zudem Stuhlveränderungen. So reichert sich beispielsweise unverdautes Fett im Stuhl an. Das führt zu gräulich glänzenden, stark klebrigen Kotballen. Oft werden auch sehr voluminöse Stuhlabgänge beobachtet.

Komplikationen

Die mangelhafte Verdauung von Fetten und Eiweißen mündet häufig in eine Mangelernährung. Neben Nährstoffen werden auch Vitamine und Blutsalze vermindert in den Körper aufgenommen. Anzeichen eines ausgeprägten Vitaminmangels sind zum Beispiel eine ausgesprochen trockene Haut, erschwertes Sehen in der Dunkelheit (Nachtblindheit) sowie eine auffällige Blutungsneigung (zum Beispiel mit Zahnfleisch- und Nasenbluten sowie häufigen blauen Flecken schon bei geringstem Anlass).

  • Ein Mangel an Vitaminen (B12) und Folsäure kann zur Blutarmut führen. Typische Symptome sind dann Blässe, Abgeschlagenheit und verminderte Leistungsfähigkeit.
  • Der Mangel an Elektrolyten (z. B. Magnesium und Kalzium) äußert sich vor allem durch Muskelkrämpfe und Knochenschmerzen.
  • Lässt die Insulinproduktion nach, entsteht eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Der Mangel an Insulin bedingt einen konstant erhöhten Blutzuckerspiegel. Folgen sind Heißhunger, starker Durst und vermehrtes Wasserlassen.
  • Im geschädigten Gangsystem der Bauchspeicheldrüse können sich Drüsensekret und Blut ansammeln (sogenannte Zystenbildung). Je nach Größe platzen die Zysten oder üben massiven Druck auf die Nachbarorgane aus. Typische Beschwerden sind dann Druckgefühl im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen sowie Gewichtsverlust.
  • Eine chronische Pankreatitis erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs drastisch. Beginnt die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung bereits in der Kindheit, ist die Gefahr besonders hoch. Rauchen erhöht das Karzinom-Risiko zusätzlich.

Ursachen

Chronische Pankreatitis entsteht sehr häufig durch langjährigen, übermäßigen Alkoholkonsum. Alkohol schädigt einerseits die Pankreaszellen direkt. Andererseits erhöht Alkohol die Durchlässigkeit des Gangsystems der Bauchspeicheldrüse. Zudem verändert er die Ausscheidung und Zusammensetzung des Gallensafts. Das begünstigt, dass sich die Gänge der Bauchspeicheldrüse durch Verkalkung verengen oder sogar verschließen. Dadurch stauen sich die Sekrete. Dieser Sekretstau wird für die immer wiederkehrenden Entzündungen bei chronischer Pankreatitis verantwortlich gemacht.

Verhältnismäßig jung ist die Erkenntnis, dass auch Raucher überdurchschnittlich oft an chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung erkranken. Die genauen Ursachen dafür sind gegenwärtig noch nicht erforscht.

Seltene Ursachen sind Störungen des Fettstoffwechsels oder des Hormonhaushaltes (Überfunktion der Nebenschilddrüse). Nebenwirkungen von Medikamenten sind ein weitere seltene Ursache. Mitunter findet man auch gar keinen Grund für die Erkrankung.

Untersuchung

Die Diagnose chronische Pankreatitis wird zunächst anhand der typischen und immer wiederkehrenden Schmerzen im Oberbauch vermutet. Danach folgen eine körperliche Untersuchung, eine Blutanalyse und eine Stuhlprobe. Im Blut kann unter anderem ein entzündlicher Schub der chronischen Pankreatitis nachgewiesen werden. Eine Stuhlprobe mit einem verminderten Gehalt an Verdauungsenzymen deutet auf eine Organschädigung und Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüse hin. Im Zweifel schaffen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder eine Computertomografie Sicherheit.

Behandlung

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist nicht heilbar. Die Therapie der chronischen Pankreatitis hat daher das Ziel, akute Entzündungsschübe zu verhindern und die Symptome der Folgeerkrankungen zu lindern.

Medikamentöse Therapie von chronischer Pankreatitis

Die medikamentöse Therapie von chronischer Pankreatitis konzentriert sich vor allem darauf, akute Beschwerden zu lindern. Die mit den Krankheitsschüben einhergehenden Schmerzen werden mit Schmerzmitteln wie Diclofenac oder Novalgin behandelt. Bei starken Schmerzen kommen opioide Analgetika wie Tramadol in Betracht.

Ist die Bauchspeicheldrüse bereits stark geschädigt, kann die Insulinproduktion stark eingeschränkt sein. Dadurch entwickelt sich Diabetes (Zuckerkrankheit), der mit Insulin behandelt werden muss.

Außerdem stört chronische Pankreatitis die Verdauung, insbesondere die Fettverdauung, auf mehrfache Weise. Um die damit einhergehenden Beschwerden zu lindern, können Verdauungsenzyme, fettlösliche Vitamine oder Elektrolyte in Form von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden.

Verzicht auf Alkohol und Rauchen

Die meisten chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind durch Alkohol und/oder Rauchen verursacht. Akute Schübe werden durch diese Stoffe stark begünstigt. Daher ist es von zentraler Bedeutung für die Therapie, auf Alkohol und Rauchen zu verzichten.

Operative Therapie

Bei ausgedehnten Verengungen des Gangsystems der Bauchspeicheldrüse oder bei großen Zysten kann eine Operation die Beschwerden lindern. Dabei wird z. B. der Kopf der Bauchspeicheldrüse entfernt und gegebenenfalls verbleibende Ausführungsgänge werden gleichzeitig direkt mit dem Dünndarm verbunden. Diese operative Therapie kommt mitunter auch bei länger bestehenden Schmerzen zum Einsatz.

Prognose

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind nicht heilbar, verlaufen in der Regel aber auch nicht tödlich. Dennoch haben Patienten mit akuter Pankreatitis eine deutlich verkürzte Lebenserwartung (mindestens minus 23 Prozent). Diese Verkürzung ist aber nicht auf die Bauchspeicheldrüsenentzündung selbst, sondern auf Folge- und Begleiterkrankungen zurück zu führen. Die wichtigsten Erkrankungen in diesem Sinne sind Alkoholismus und Nikotinabhängigkeit (Rauchen).

Vorbeugung

Wie bereits erwähnt, sind Alkohol und Rauchen die wichtigsten Risikofaktoren für chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Daher sollten Sie zur Vorbeugung keinen Alkohol trinken und mit dem Rauchen aufhören.

Autor: Charly Kahle

Stand: 05.05.2017

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