Brucellose

Brucellose ist eine sehr seltene Infektionskrankheit, die von Tieren auf den Menschen übertragen wird. Ohne rechtzeitige Therapie kann sie schwere Entzündungen hervorrufen. Mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung.

Synonyme

Morbus Bang, Maltafieber, Mittelmeerfieber, Bangkrankheit, undulierendes Fieber

Definition

Bakterien in Petrischale

Als Brucellose bezeichnen Mediziner eine Infektion mit Bakterien der Gattung Brucella. Diese Infektionen treten vor allem bei Rindern, Schweinen, Hunden, Ziegen, Kamelen und Schafen auf. In den Tierarten siedeln diverse Brucellaarten, die unterschiedliche Brucelloseformen wie Morbus Bang oder das Mittelmeerfieber auslösen.

Übertragen werden die Brucella-Bakterien vor allem durch Fleisch und Milch von infizierten Tieren. In den meisten Fällen (90 Prozent) wehrt das menschliche Immunsystem die Brucellen erfolgreich ab. Bei den übrigen 10 Prozent verläuft die Infektion entweder akut oder chronisch. Dabei ist die akute Verlaufsform meist harmlos. Die chronische Brucellose hingegen kann schwer verlaufen. Sie führt mitunter zu komplikationsträchtigen Entzündungen von Organen oder Skelettteilen. Die Behandlung von Brucellose erfolgt durch eine antibiotische Therapie.

Häufigkeit

Deutschland gilt als frei von Brucellose. Diese Angabe bezieht sich allerdings auf Zuchtbestände der infrage kommenden Tierarten. Für wild lebende Tiere und Importtiere lässt sich Brucellose nicht sicher aussschließen. Das Robert-Koch-Institut registrierte in den vergangenen Jahren in der Spitze 37 Fälle. Am häufigsten stammten infizierte Tiere demnach aus der Türkei. Weltweit wird die Zahl der Brucellose-Infektionen von Menschen mit 500.000 Infektionen pro Jahr angegeben.

Symptome

In 90 Prozent der Fälle bleibt eine Infektion mit Brucella-Bakterien ganz oder nahezu ohne Symptome. In 10 Prozent der Fälle kommt es aber zu wahrnehmbaren Krankheitszeichen. Diese unterscheiden sich je nachdem, ob die Brucellose akut oder chronisch verläuft. Die Symptome können wenige Tage nach der Ansteckung einsetzen. Mitunter beträgt die Inkubationszeit aber auch bis zu zwei Jahren.

Symptome akuter Brucellose

Eine akute Brucellose äußert sich vor allem durch Schüttelfrost, Nachtschweiß und Übelkeit. Zudem kommen oft grippeähnliche Symptome wie:

  • Fieber (vor allem bei Mittelmeerfieber mit wellenartigem Verlauf; undulierendes Fieber)
  • Kopfschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Gliederschmerzen
  • Müdigkeit
  • Leber- und Milzschwellung
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)

Symptome chronischer Brucellose

Wird eine akute Brucellose nicht erkannt oder nicht behandelt, geht sie in 5 Prozent der Fälle in die chronische Verlaufsform über. Die chronische Brucellose verursacht mitunter schwer verlaufende Entzündungen von Knochen und Gelenken sowie im Urogenitalbereich. Überdurchschnittlich oft betroffen sind die Bandscheiben im Bereich der Lendenwirbelsäule (Spondylodiszitis). Bei Männern kommt es in 10 von 100 Fällen zu Hodenentzündung (Orchitis) oder Nebenhodenentzündung  (Epididymitis). Nicht selten verursacht chronische Brucellose psychische Symptome wie Stimmungsschwankungen oder sogar Depressionen. Auch Schlafstörungen können auf eine Brucella-Infektion zurückgehen.

Weitere Komplikationen von Brucellose

Weitere seltene Organ-Komplikationen von Brucellose sind:

Ursachen

Brucellose wird durch eine Infektion mit Brucella-Bakterien verursacht. Dabei handelt es sich um gramnegative Bakterien unterschiedlicher Arten. Die Brucella-Arten kommen spezifisch in Tierarten vor und verursachen leicht unterschiedliche Formen der Brucellose. Am häufigsten auf den Menschen übertragen werden:

  • Brucella abortus verursacht die Bang-Krankheit. Der Erreger kommt vor allem in Rindern vor.
  • Brucella melitensis gilt als Erreger von Maltafieber (Mittelmeerfieber). Diese Brucellaart findet sich vor allem in Ziegen, Schafen und Kamelen.

Zudem gibt es Brucellaarten, die in Schweinen (Brucella suis) oder Hunden (Brucella canis) siedeln. Diese spielen für die Infektion von Menschen aber kaum eine Rolle.

Ansteckungsweg

Brucellabakterien werden meistens durch Lebensmittel aus infizierten Tieren übertragen. Das sind vor allem rohes Fleisch oder Rohmilchprodukte. Auch mit dem Kot oder Urin infizierter Tiere gelangen die Bakterien durch kleinste Hautverletzungen in den menschlichen Körper.

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sehr selten. Demnach besteht das größte Risiko, wenn infizierte Mütter die Bakterien beim Stillen weitergeben. Wegen der Ansteckungsgefahr sollten an Brucellose erkrankte Frauen nicht stillen. Die Muttermilch darf jedoch verwendet werden, wenn sie abgepumpt und anschließend abgekocht wurde.

Behandlung

Die Behandlung von Brucellose erfolgt medikamentös. Laut Richtlinien werden bei einer akuten Brucellose nacheinander 2 Antibiotika angewendet. Am Anfang steht eine 6-wöchige Behandlung mit dem Antibiotikum Doxycyclin. Daran schließt sich eine 2- bis 3-wöchige Therapie mit Streptomycin. Alternativ zu Streptomycin kann auch Rifampicin gegeben werden.

Kinder und Schwangere erhalten in der Regel für 6 Wochen eine Kombinationstherapie aus den Antibiotika Cotrimoxazol und Rifampicin.

Chronische Brucellose erfordert in der Regel eine noch längere Antibiose. Mitunter dauert die medikamentöse Behandlung bis zu 6 Monaten oder länger.

Prognose

In den allermeisten Fällen lässt sich Brucellose mit einer antibiotischen Therapie erfolgreich behandeln. Allerdings ist die Behandlung mitunter langwierig. In seltenen Fällen (laut RKI weniger als 2 Prozent) verlaufen Herzinnenhautentzündungen als Komplikation von unbehandelter chronischer Brucellose tödlich.

Autor: Charly Kahle

Stand: 24.06.2019

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