Borreliose (Lyme-Borreliose)

Borreliose (oder auch Lyme-Borreliose) ist eine weit verbreitete durch Zecken übertragene Infektionskrankheit. Lesen Sie alles Wichtige über Verbreitung, Symptome, Ursache, Therapie und Vorbeugung von Borreliose.

Synonyme

Borreliose, Lyme-Borreliose

Definition

Borreliose Zecke

Borreliose (auch Lyme-Borreliose genannt) ist eine von Zecken übertragene Infektionskrankheit. Erreger der Borreliose sind die Borrelien, die hierzulande in der Regel vom gemeinen Holzbock übertragen werden. Rechtzeitig erkannt ist eine Borreliose gut mit Antibiotika zu behandeln. Typische Borreliose-Symptome sind zunächst eine schmerzlose Rötung der Haut im Bereich des Zeckenstichs (umgangssprachlich Zeckenbiss), die sich später ringförmig um die Einstichstelle ausweitet. Unbehandelt kann Borreliose weitreichende Beschwerden bis hin zu chronischen Herzmuskelentzündungen verursachen.

Häufigkeit

Lyme-Borreliose tritt auf der gesamten Nordhalbkugel auf. In Deutschland gibt es gegenwärtig keine bundesweiten Meldedaten über Infektionen mit Borrelien oder Lyme-Borreliose. Für einzelne Bundesländer werden Daten erhoben. Diese Daten schwanken aber sehr stark zwischen 35 und 260 Erkrankungen je 100.000 Einwohner. In Brandenburg, Sachsen und Bayern (insbesondere entlang der Grenze zu Polen und Tschechien) sind die Fallzahlen besonders hoch.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) zitiert eine Studie aus den 90er Jahren1 (siehe Studien), laut der die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen mit Lyme-Borreliose auf 111 Fälle pro 100.000 Einwohner und Jahr geschätzt wird. Das ergäbe für Deutschland etwa 100.000 Krankheitsfälle pro Jahr. Eine Betrachtung von Kassenabrechnungsdaten2 (siehe Studien) aus den Jahren 2007 und 2008 kommt auf mehr als doppelte so viele Fälle von Lyme-Borreliose (214.000). Allerdings halten die Autoren der Studie die von Ihnen ermittelten Zahlen selbst als wahrscheinlich zu hoch gegriffen.  

In Österreich sind es 135 Borreliose-Diagnosen auf 100.000 Einwohner, in der Schweiz sogar 300 auf 100.000 Einwohner.

Symptome

Die Symptome von Borreliose werden dem Verlauf nach in drei Stadien beziehungsweise in der neueren Literatur in Frühmanifestationen und Spätmanifestationen entschieden. Unbehandelt verläuft Borreliose in drei Stadien.

Frühmanifestation oder Stadium I: Hautrötungen als erste Anzeichen

Das erste Anzeichen von Borreliose ist meist eine schmerzlose Hautrötung an der Zeckenstichstelle, die sich kreisförmig vergrößert und dabei im Zentrum wieder verblasst. Diese sogenannte "Wanderröte" kann bis zu 16 Wochen nach dem Zeckenstich auftreten und von Jucken, Brennen, lokalen Lymphknotenschwellungen sowie allgemeinen, grippeähnlichen Symptomen begleitet sein. Das erste Stadium ist das Stadium der Hautrötung. Die Wanderröte (Erythema migrans) ist ein deutlicher Hinweis auf Borreliose. Bei 50 Prozent der Betroffenen – also bei jedem Zweiten - fehlt aber dieses typische Merkmal.

Weitere Beschwerden, die im Stadium I der Borreliose auftreten können sind Fieber, Bindehautentzündungen sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Jetzt ist eine schnelle Therapie wichtig: Je eher die Borreliose behandelt wird, umso geringer sind die Chancen auf einen chronischen Verlauf.

Stadium II: Borrelien breiten sich im Körper aus

Etwa einen bis vier Monate nach dem Stich der Zecke haben sich die Borrelien im gesamten Körper ausgebreitet. Darum prägen die unterschiedlichsten Symptome Stadium II der Borreliose. Häufig ist das Nervensystem befallen (akute Neuroborreliose). Nervenschmerzen, Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen sind die Folge.

Seltener sind Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis) mit Fieber, Kopfschmerzen und einem extrem versteiften Nacken. Herzrhythmusstörungen weisen auf eine Herzbeteiligung hin, Augenentzündungen auf eine Beteiligung der Augen.

Spätmanifestation von Borreliose oder Stadium III: Lyme-Arthritis

Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich – oft denkt man schon gar nicht mehr daran – beginnt das dritte Stadium der Borreliose. Dieses Stadium wird auch als Lyme-Arthritis bezeichnet. Denn vielfach sind die Gelenke befallen, vor allem die Kniegelenke (Arthritis heißt Gelenkentzündung). Auch Muskel- und Sehnenschmerzen sind in diesem Stadium typisch. Die Beschwerden verlaufen in Schüben oder bleiben anhaltend bestehen.

Außerdem gibt es typische Merkmale an Armen und Beinen. Die Haut wird dünner und verfärbt sich bläulich (Akrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer). Ebenfalls möglich ist eine dauerhafte Gehirn- und Rückenmarkentzündung (chronische Neuroborreliose), zusätzlich zu den bereits im Stadium II beschriebenen Symptomen.

Ursachen

Erreger der Borreliose sind Bakterien (die Borrelien), die häufig erst ganz am Ende des Saugaktes, wenn die Zecke genügend Blut aufgenommen hat, aus dem Mageninhalt der Zecke in die winzige Stichwunde zurückgewürgt wird. Ein möglichst frühes Entfernen der Zecke am Anfang des Saugaktes kann also eine Borreliose verhindern. Das Verbreitungsgebiet der Borreliose ist identisch mit dem der Zecken. Ungefähr jede 5. Zecke trägt Borrelien in sich.

Zeckenbiss ist genau genommen ein Zeckenstich

Was viele nicht wissen: Zecken beißen nicht, sie stechen. Dafür ritzt der Holzbock die Haut mit den Kieferklauen an. Im Anschluss sticht die Zecke mit ihrem Stachel, dem Hypostom, zu. Dabei wird keine blutführende Ader verletzt. Vielmehr kommt es bei der Verankerung des Stachels in der Haut zu einer winzigen Wunde, die sich mit dem Blut aus den umliegenden verletzten Kapillaren füllt. Dieses Blut wird von der Zecke als Nahrung aufgenommen. Der Saugakt verläuft jedoch nicht stetig. Insbesondere am Ende der Blutmahlzeit würgt die Zecke für sie nichtverdauliche Nahrungsbestandteile – mitunter Bakterien, Viren, oder Parasiten von einem früheren Wirt – herauf und spuckt diese in die Wunde zurück. So werden die Krankheitserreger übertragen, die Borreliose und Co. verursachen.

Untersuchung

Häufig erfolgt eine Infektion mit Borrelien unbemerkt. Bei einer späteren Blutuntersuchung finden sich dann Antikörper, die das körpereigene Abwehrsystem nach einem früheren Erregerkontakt gebildet hat.

Behandlung

Ihr Arzt wird gegebenenfalls stecken gebliebene Teile der Zecke entfernen und die Wunde entsprechend versorgen. Im Falle einer Borreliose wird er Ihnen Antibiotika verschreiben. Beginnen Sie möglichst umgehend mit der Einnahme. Denn nur eine rechtzeitig eingeleitete Behandlung kann einen chronischen und schweren Verlauf der Borreliose verhindern. Die Dauer der antibiotischen Behandlung wird vom Arzt individuell festgelegt. Bitte halten Sie sich unbedingt an die Empfehlungen.

Wenn im Zusammenhang mit einem Zeckenstich bzw. Zeckenbiss andere Symptome auftreten, wird der Arzt eine entsprechende Diagnostik einleiten und Sie eventuell an spezialisierte Ärzte überweisen. Denkbar ist beispielsweise eine Ansteckung mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Weitere Informationen: siehe auch Zeckenbiss

Selbsthilfe nach Zeckenbissen: Zecken richtig entfernen

Zeckenbisse treten häufig vom Frühjahr bis zum Spätherbst bei Personen auf, die sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. Bei milden Wintern oftmals auch schon wesentlich früher. Dabei werden die blutsaugenden Insekten an Wegrändern, Wiesen, im Wald, aber auch in Gärten oder Parks von Gräsern, Sträuchern oder Unterholz abgestreift. Zecken lassen sich nicht - wie häufig behauptet wird - von Bäumen fallen.

Eine festsitzende Zecke sollte sofort entfernt werden: Fassen Sie das Tier mit einer gut schließenden Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange aus der Apotheke möglichst nah an der Haut und entfernen Sie es unter deutlichem Zug und leichten Drehbewegungen. Die Drehrichtung ist dabei völlig nebensächlich. Zerquetschen Sie das Tier dabei möglichst nicht. Entgegen früheren Ratschlägen wird heute nicht mehr empfohlen, die Zecke mit Öl oder Ähnlichem zu betäuben, da durch den "Todeskampf" des Tieres nur mehr infektiöse Flüssigkeiten in die Stichwunde gelangen.

  • Desinfizieren Sie die Stichstelle anschließend mit PVP-Iod-Lösung.
  • Beobachten Sie das Hautareal in den folgenden Tagen und Wochen. Achten Sie besonders auf Entzündungszeichen oder Rötungen (Wanderröte).
  • Gehen Sie bei Symptomen sofort zum Arzt.

Krankheitsverlauf

In den meisten Fällen schlägt eine antibiotische Therapie gegen Borreliose gut an. Zuweilen dauert es allerdings bis zu 6 Monaten, bis Symptome wie Hautveränderungen oder Muskel- und Gelenkschmerzen nachlassen.

In der öffentlichen Diskussion ist häufig von einem Post-Borreliose-Syndrom, das für eine ganze Vielzahl von Beschwerden wie Schmerzen, Müdigkeit, Nervenschäden oder auch psychische Beeinträchtigungen verantwortlich gemacht wird. Einen wissenschaftlichen Beleg für das Post Borreliose Syndrom oder einen Zusammenhang mit Borrelieninfektionen gibt es indes nicht.

Vorbeugung

Borreliose ist eine ernsthafte Erkrankung. Nach Möglichkeit sollten Sie es gar nicht erst zu einem Zeckenstich kommen lassen. Dabei helfen die folgenden Empfehlungen:

  • Tragen Sie in zeckengefährdeten Gebieten geschlossene und möglichst eng anliegende Kleidung, vor allem im Bereich der Beine. Das macht es den Zecken schwerer, an eine geeignete Hautstelle zu gelangen.
  • Da die Zecken zuerst eine Weile auf der Haut herumkrabbeln, ehe sie sich für eine Stichstelle entscheiden, sollte man sich nach einem Aufenthalt in der freien Natur gleich nach Zecken absuchen. Dann haben Sie eine gute Chance, die Zecken zu finden, noch bevor sie gestochen haben.
  • Informieren Sie sich vor Ausflügen oder Wanderungen darüber, ob die Zecken im Zielgebiet mit Borreliose oder FSME infiziert sind.

Eine vorbeugende Gabe von Antibiotika wird nach einem Zeckenstich in Deutschland nicht empfohlen, auch wenn es bei vielen Ärzten üblich ist. Anders als bei FSME gibt es gegen Borreliose auch keine Impfung.

Risikogebiete für zeckenübertragene Erkrankungen

Borreliose und FSME sind zeckenübertragene Erkrankungen. Die Ansteckungsgefahr für FSME ist vor allem in Baden-Württemberg und Bayern groß. Borrelien sind hingegen nahezu bundesweit in den Zecken verbreitet, wie die folgende Karte zeigt.

Studienlage

Huppertz, H.I./Böhme, M./Standaert, S.M./Karch, H./Plotkin, S.A., Incidence of Lyme borreliosis in theWürzburger Region of Germany, 1999 in: European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases 1999,18 (10), S. 697, abstract abrufbar unter:https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10584895

RKI, Borreliose, Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Borreliose, abrufbar unter: https://www.rki.de/Shared-Docs/FAQ/Borreliose/Borreliose.html

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.03.2019

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