Borderline

Extreme Stimmungsschwankungen, Impulsivität und selbstverletzendes Verhalten kennzeichnen das Borderline-Syndrom. Borderline wird vor allem auf psychische Ursachen zurückgeführt und kommt in ganz normalen Familien vor. Unabhängig von den Ursachen sind die Heilungsaussichten beim Borderline-Syndrom relativ gut. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen und Therapie von Borderline.

Definition

Borderline

Das Borderline-Syndrom bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die mit Stimmungsschwankungen, Impulsivität und Selbstverletzungen einhergeht. Die Stimmungen bei Borderline schwanken von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt und schlagen mitunter schnell um.

Borderline stammt aus dem Englischen und bedeutet Grenzlinie. Von Menschen mit Borderline (oder auch Borderline-Syndrom) kann man sagen, dass sie gesellschaftliche, persönliche als auch gesundheitliche Grenzlinien sehr oft überschreiten. Häufig bringen sie sich selbst Verletzungen bei oder praktizieren riskantes Verhalten jeder Art. Das Borderline-Syndrom ist eine psychiatrische Erkrankung mit hohem Suizidrisiko. Unbehandelt liegt die Selbstmord-Quote bei bis zu 10 Prozent.

Der Begriff Borderline ist historisch bedingt. Er resultiert aus Zeiten, in denen man bei diesem Krankheitsbild einen Grenzfall zwischen Neurose und Schizophrenie vermutete. Heute gelten Borderline Störungen als eigenes Krankheitsbild.

Symptome

Borderliner erleben ihr Leben als „außer Kontrolle geraten", ihnen fehlt sprichwörtlich der Boden unter den Füßen. Sie fühlen sich oft haltlos und frei fallend. Negative und auch positive Gefühle überschwemmen Borderliner regelrecht, sie können ihre Gefühle nicht in Balance halten. Zudem sind sie kaum in der Lage, Emotionen zu spüren und richtig einzuordnen. Sie werden davon völlig übermannt, sind hilflos, teils völlig verzweifelt. Kleinste Vorfälle, wie ein Fleck auf dem Shirt oder ein nicht erwiderter Gruß, lassen Menschen mit Borderline in höchste Verzweiflung geraten, teils reagieren sie mit heftigsten Aggressionen auf Nichtigkeiten. Aus diesem und anderen Gründen werden Borderliner oft als launisch, unberechenbar und leicht verletzbar wahrgenommen.

Borderline und selbstverletzendes Verhalten

Borderline verursacht bei den meisten Patienten einen erheblichen Leidensdruck. Die unerträgliche, innere Anspannung können die Patienten oft nur mit Selbstverletzungen abbauen. Typisch dafür ist das sogenannte Ritzen. Dabei schneiden sich die Patienten mit Rasierklingen oder Messern – meistens in den Unterarm. Häufig fügen sich Borderline-Patienten auch Verbrennungen zu, beispielsweise indem sie Zigaretten auf der Haut ausdrücken. Die Selbstverletzungen erlauben es den Borderline-Patienten vermeintlich, die Kontrolle über die extremen Gefühlsschwankungen zu bekommen und sich selbst zu spüren. Viele Experten verstehen Ritzen und Verbrennungen aber auch als Hilferuf an die Umwelt.

Selbstgefährdendes Verhalten

Ein weiteres Symptom von Borderline ist extrem selbstgefährdendes Verhalten. Das reicht vom extrem schnellen Auto- und Motorradfahren oder S-Bahn-Surfen bis hin zum extrem risikobereiten Glücksspiel. Borderline-Patienten erscheinen als jederzeit bereit, ihre körperliche und wirtschaftliche Existenz aufs Spiel zu setzen.

Zu den selbstgefährdenden Verhaltensweisen beim Borderline-Syndrom zählen ferner oft hoher Alkohol- oder Drogenkonsum oder riskanter Sex. Als Begleiterkrankungen des Borderline-Syndroms sind neben Suchterkrankungen auch Depressionen und ADHS häufig zu beobachten.

Borderline und Essstörungen

Sehr häufig haben Borderline-Patienten gravierende Essstörungen wie Bulimie. Bei der Bulimie kommt es zu regelmäßigen "Fress-Attacken". Dieses impulsive, unkontrollierte Essverhalten, das ebenfalls dem Spannungsabbau dient, führt häufig zu Übergewicht mit allen daraus folgenden Gesundheitsproblemen. Stoffwechsel- und Hormonstörungen können die Folge sein.

Sobald es Hinweise auf eine mögliche Erkrankung gibt, ist der Weg zum Arzt unumgänglich. Er wird den Patienten möglichst bald einer fachärztlichen Betreuung zuführen. Die Erfahrungen zeigen, dass anders als bei anderen psychiatrischen Krankheitsbildern, sich hier die Patienten in der Regel nicht weigern, einen Facharzt wie Psychiater oder Nervenarzt aufzusuchen. Sie sind eher erleichtert, wenn ihre Störung einen Namen hat und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Ursachen

Die Ursachen von Borderline sind im medizinischen Sinne nicht geklärt. Weder weiß man, welche körperlichen Veränderungen im Gehirn die Symptome auslösen, noch warum die Symptome überhaupt entstehen. Es wird vermutet, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Aus psychologischer Sicht lässt sich Borderline – wie viele andere psychische Störungen auch – auf die folgenden Ursachen oder Auslöser zurückführen:

  • Vernachlässigung in jungen Jahren
  • körperliche und/oder sexuelle Misshandlungen
  • Probleme mit dem Erwachsen-Werden, bzw. bei Mädchen mit dem "Frau-Sein"
  • mangelndes Selbstbewusstsein
  • familiärer Leistungs- und Erfolgsdruck
  • Abwertung durch wichtige Bezugspersonen oder die Angst, verlassen zu werden; Hilferuf nach mehr Beachtung und Liebe.

Behandlung

Die Borderline-Therapie ist häufig ein langwieriger Prozess. Die gute Nachricht: Es gibt anerkannte und bewährte Therapiekonzepte für Borderline. In der Regel sind die Erfolgsaussichten bei einem stationären Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik am höchsten. Die Borderline-Therapie kann aber auch ambulant bei einem niedergelassenen Psychiater oder Psychotherapeuten in Einzel- oder Gruppentherapie gelingen.

Verhaltenstherapie bei Borderline

Die Behandlung von Borderline besteht in erster Linie aus einer modifizierten umfassenden Verhaltenstherapie, der "Dialektischen Verhaltenstherapie". Diese setzt sich aus verschiedenen Modulen zusammen, die individuell auf den Betroffenen zugeschnitten werden. Wichtig ist zunächst die umfassende Information über das Krankheitsbild. Das Identifizieren bestimmter Verhaltensmuster und das Zuordnen zur Erkrankung helfen den Borderline-Patienten, besser mit der Krankheit umzugehen und nehmen etwas vom Leidensdruck.

Selbstverpflichtung

Ebenfalls ein wichtiges Instrument der Borderline-Therapie ist die sogenannte Selbstverpflichtung. Die Patienten verpflichten sich dabei gegenüber dem Therapeuten oder der Therapiegruppe, mit dem selbstschädigenden Verhalten aufzuhören und Alternativen für den Spannungsabbau zu erlernen und anzuwenden. Das gemeinsame Festsetzen von Zielen und der freiwilligen Verpflichtung, diese zu erreichen, haben auch direkte positive Auswirkungen auf den Patienten, der so lernt, bei einer Sache zu bleiben.

Weitere Module bei der Borderline-Therapie

  • Symptomtagebücher anlegen
  • Alternativkoffer bestücken (zum Beispiel mit Wutbällen, Bürsten, Knetmasse oder Brausepulver; siehe auch Skills für den Spannungsabbau)
  • Verhaltensanalysen
  • Emotionsmanagement
  • soziales Kompetenztraining.

Skills für den Spannungsabbau

Sogenannte Skills werden in der Borderline-Therapie erlernt, um den Patienten beim Spannungsabbau zu helfen. Skills sind individuelle Strategien zum für Borderline typischen riskanten Spannungsabbau. Skills sind zwar auch unangenehm – liegen also auf der gleichen Schiene wie die Selbstverletzungen – aber nicht so gefährlich. Skills sind zum Beispiel das Kauen von Pfefferkörnern oder Eisbeutel-Anwendungen.

Selbsthilfe bei Borderline

Das effektivste Mittel zur Selbsthilfe bei Borderline sind Selbsthilfegruppen. Im Austausch mit anderen Borderlinern können Betroffene frei kommunizieren, ohne Angst, Andere vor den Kopf zu stoßen. Selbsthilfegruppen verleihen häufig ein großes Maß an Motivation, sich aktiv mit der Erkrankung auseinander zu setzen.

Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Selbsthilfe leisten soziale Kontakte und eine feste Einbindung in die Familie.

Krankheitsverlauf

Die Heilungschancen beim Borderline-Syndrom gelten nach Angaben der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie als gut. Sechs Jahre nach dem ersten Klinikaufenthalt erfüllen 75 Prozent der Patienten nicht mehr die Kriterien des Borderline-Syndroms. Allerdings sind diese Daten vorsichtig zu bewerten. Nur weil die Diagnose-Kriterien von Borderline fehlen, heißt das nicht, dass die Patienten geheilt sind. Viele Betroffene haben dennoch langfristige Probleme: Sie haben zum Beispiel weiterhin Probleme, ihre Gefühle zu kontrollieren. Auch fällt es ihnen schwer, sich sozial zu integrieren oder gar Beziehungen zu führen.

Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung gegen Borderline ist nicht möglich. Grundsätzlich gilt aber für alle psychischen Erkrankungen, dass eine positive Lebensführung dazu beiträgt, psychisch gesund zu bleiben. Eine positive Lebensführung in diesem Sinne ist gekennzeichnet durch eine nicht übertrieben selbstkritische Haltung, die Balance von Anspannung und Entspannung sowie stabile soziale Kontakte.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.02.2019

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