Binge-Eating (Fressanfälle)

Manche Menschen stehen ab und zu mit Heißhunger vor dem Kühlschrank oder am Buffet – und essen mehr, als ihnen guttut. Das fühlt sich im Nachhinein vielleicht nicht gut an. Es hat aber mit den unkontrollierten Fressanfällen der Essstörung Binge-Eating kaum etwas gemeinsam. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Binge-Eating.

Synonyme

Binge-Eating-Störung, BES

Definition

Burger-Pommes

Binge-Eating (oder Binge-Eating-Störung, kurz BES) ist eine Essstörung, die durch wiederkehrende Fressanfälle gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zur Bulimie, also der Ess-Brech-Sucht, erbrechen Binge-Eater die Nahrung nach den Fressanfällen aber nicht.

Außerdem unterscheiden sich die Patientengruppen erheblich. Von Bulimie und Magersucht sind in der Mehrheit junge schlanke Mädchen und Frauen (zunehmend auch junge Männer) betroffen. Binge-Eating hingegen geht fast immer mit Übergewicht einher.

Häufigkeit

Binge-Eating findet sich in allen Bevölkerungs- und Altersschichten sowie bei Männern und Frauen. Experten gehen davon aus, dass etwa 5 Prozent aller Erwachsenen gelegentliche Fressanfälle haben und damit ein erhöhtes Risiko, an der Essstörung Binge-Eating zu erkranken. Die Binge-Eating-Störung selbst soll Schätzungen zufolge zwischen 1 und 2 Prozent der Erwachsenen betreffen. Das wäre deutlich mehr als bei Bulimie oder Magersucht.

Symptome

Nicht jeder Mensch, der sich ab und zu über Gebühr den Bauch vollschlägt, leidet unter einer Binge-Eating-Störung im Sinne einer Essstörung. Wesentliches Symptom für die Essstörung Binge-Eating sind regelmäßig wiederkehrende und unkontrollierte Fressanfälle. Experten nennen die folgenden Kriterien für die Diagnose einer Binge-Eating-Störung:

  • in 6 Monaten mindestens 2 Fressanfälle pro Woche (vor allem Süßes und Fettiges sowie Fastfood)
  • kein Sättigungsgefühl, Essen bis zu starkem Völlegefühl
  • sehr hohe Kalorienzufuhr während des Essanfalls
  • Kontrollverlust bei der Nahrungsaufnahme
  • Essanfälle werden nicht durch Hungergefühl ausgelöst, eher durch Langeweile, Gewohnheit oder Stress
  • hastiges, schnelles Essen (Schlingen)
  • negative Stimmung nach Fressanfällen mit Schuldgefühlen, Scham oder depressiven Verstimmungen.

Diese Kriterien könnten im Zweifel auch auf Bulimie deuten. Die Unterschiede zur Ess-Brech-Sucht sind aber deutlich.

Unterschiede von Binge-Eating und Ess-Brech-Sucht

Ferner ist Binge-Eating durch die folgenden Symptome deutlich von der Ess-Brech-Sucht zu unterscheiden:

  • kein Erbrechen nach den Fressanfällen
  • keine Bemühungen, die aufgenommenen Kalorien durch Sport oder Missbrauch von Medikamenten (beispielsweise Abführmittel oder Brechmittel) wieder los zu werden
  • Binge-Eater sind in der Vielzahl übergewichtig oder leiden an Adipositas (Fettsucht). Umgekehrt erlebt aber nur ein Drittel aller Übergewichtigen wiederkehrende Fressanfälle. Magersüchtige sind in der Regel untergewichtig, Bulimiker haben eher leichtes Übergewicht, aber keine Fettsucht.

Folgen von Binge-Eating und Übergewicht

Die Folgen von Binge-Eating sind deckungsgleich mit denen von Übergewicht. Und Übergewicht gilt als eines der größten Risiken unserer Überflussgesellschaft. Übergewicht und vor allem Adipositas verkürzen die Lebenserwartung nach Ansicht der meisten Experten um etwa 10 Jahre. Das liegt vor allem daran, dass die überzähligen Pfunde das Risiko für viele Erkrankungen erhöhen. Das sind unter anderem Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Schlaganfall. Diabetes und Adipositas, oft in Kombination mit erhöhten Cholesterinwerten, sind zu einer Epidemie geworden, sagen Diabetologen. Eine weitere Folge von Binge-Eating und Übergewicht sind Gicht oder vielfältige Rückenschmerzen, zum Beispiel durch Bandscheibenvorfälle.

Ursachen

Wie bei den anderen Essstörungen auch sind die Ursachen von Binge-Eating von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten erkennen. Binge-Eating-Störungen entstehen in der Regel vor allem bei Übergewicht und starkes Übergewicht (Adipositas, auch als Fettsucht bezeichnet). Bei der Entstehung von Übergewicht wiederum spielen die erbliche Veranlagung und ein gestörtes, erlerntes Essverhalten eine wesentliche Rolle. Dies scheint auch auf Binge-Eating-Störungen zuzutreffen. Essgestörte Menschen haben ferner häufig ein wenig stark ausgeprägtes Selbstwertgefühl.

Untersuchung

Binge-Eating gilt seit 2013 als offizielle Diagnose des Psychiater-Handbuchs DSM 5. Im internationalen Katalog der Krankheiten (ICD 10) wird Binge-Eating als unspezifische Essstörung bezeichnet.

Behandlung

Die Therapie von Binge-Eating erfolgt in der Regel stationär und ähnelt der Bulimie-Therapie. Der beste Platz für die Therapie ist eine auf Essstörungen spezialisierte Klinik. Als Methode der Wahl gilt eine kognitive Verhaltenstherapie. Bei dieser Therapieform werden einerseits die Ursachen für das gestörte Essverhalten aufgedeckt und andererseits ein gesundes Essen eingeübt. Auch lernen Betroffene Mittel und Wege kennen, Fressanfälle frühzeitig zu vermeiden und konstruktive Lösungen für ihre Bedürfnisse zu finden.

Die Binge-Eating-Therapie dauert in der Regel in der stationären Phase mindestens 16 Wochen. Die stationäre Therapie ist dabei aber nur als Startschuss zu verstehen. Eine nachstationäre professionelle Begleitung sowie der Besuch von Selbsthilfegruppen verbessern die Aussichten auf einen dauerhaften Therapieerfolg. Ziel der Therapie ist es in der Regel nicht, aus einem stark übergewichtigen Binge-Eater einen schlanken Menschen zu machen. Vielmehr geht es darum, ein der Gesundheit zuträgliches Gewicht und Essverhalten zu entwickeln.

Im Beitrag Therapie von Essstörungen finden Sie weitere Informationen, wie Ärzte, Psychologen und Selbsthilfegruppen dabei helfen, den Weg aus Essstörungen wie Binge-Eating, Magersucht und Bulimie zu eben.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.02.2019

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