Synonyme

Omphalitis, Nabelentzündung

Definition

Baby

Bauchnabelentzündungen bezeichnen Mediziner als Omphalitis. In der Umgangssprache wird die Erkrankung auch als Nabelentzündung bezeichnet. Bauchnabelentzündungen sind fast immer bakterielle Infektionen des Nabels und des umliegenden Gewebes.

In Ländern mit guter Gesundheitsversorgung werden Bauchnabelentzündungen in Kliniken bzw. von Müttern, Hebammen oder Ärzten früh erkannt. Dann verläuft die Entzündung dank antibiotischer Behandlung in aller Regel ohne Komplikation. Ohne medikamentöse Therapie aber kann eine Bauchnabelentzündung lebensbedrohlich verlaufen. Denn es besteht das Risiko, dass die verursachenden Bakterien eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, verursachen.

Bei der Geburt wird die Nabelschnur, die Säugling und Mutterkuchen (Plazenta) miteinander verbunden hat, durchtrennt. Dabei entsteht eine Wunde, die normalerweise innerhalb von ca. 2 Wochen verheilt. Während dieses Heilungsprozesses trocknet der Nabelschurrest ein und fällt schließlich ab. Dabei verfärbt sich der Nabelschnurrest in unterschiedlichen Blautönen. Insofern sind Verfärbungen der Nabelschnur normal und kein Anzeichen für eine Bauchnabelentzündung.

Häufigkeit

In Europa und anderen entwickelten Nationen sind Bauchnabelentzündungen vergleichsweise selten. In Deutschland sind nicht einmal 1 Prozent der Neugeborenen betroffen. Tödliche Verläufe sind dank Früherkennung und rechtzeitiger Therapie noch deutlich seltener.

In den Entwicklungsländern sind Bauchnabelentzündungen hingegen eine der Hauptursachen für die hohe Säuglingssterblichkeit.

Symptome

Symptome von Bauchnabelentzündungen zeigen sich meistens innerhalb von Tagen bis 3 Wochen nach der Geburt. Es beginnt in der Regel mit Rötungen und leichten Schwellungen im Nabelbereich. Die Kinder reagieren sehr empfindlich auf Berührungen in der Nabelregion. Wenn die Bauchnabelinfektion weiter fortschreitet, tritt meist ein eitriges, stark riechendes Sekret aus dem Infektionsbereich aus. Typisch für diese Krankheitsphase sind punktförmige Einblutungen in die Haut (Petechien). Manchmal bilden sich auch Blasen. Diese Symptome können mehr oder minder stark ausgeprägt sein. In sehr seltenen Fällen sind die Symptome so schwach ausgeprägt, dass sie kaum auffallen. In jedem Fall aber muss die Nabelentzündung behandelt werden, da ansonsten schwer wiegende Komplikationen drohen.

Komplikationen von Bauchnabelentzündungen

Die bedrohlichste Komplikation der Bauchnabelentzündung ist eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis). Die entsteht, wenn die Bakterien aus dem Infektionsbereich ins Körperinnere gelangen. Äußerlich wahrnehmbare Anzeichen für eine Ausbreitung der Infektion in den Körper sind Fieber und/oder auffällig kalte Haut sowie ein überdehnter und angespannter Bauch. Im Verhalten der Neugeborenen fallen vor allem Trinkschwäche und Lethargie auf. Diagnostisch auffällig sind verminderter Blutdruck und ein erhöhter Puls sowie Atemstörungen.

Eine andere Komplikation der Bauchnabelentzündung ist die sogenannte nekrotische Fasziitis. Dabei sterben Haut, Unterhaut und Muskelgewebe ab. Die nekrotische Fasziitis ist eine sehr schwere Verlaufsform der Bauchnabelentzündung und muss chirurgisch behandelt werden.

Ursachen

Ursache einer Bauchnabelentzündung ist fast immer eine bakterielle Infektion. In der Regel gelangen verschiedenste Bakterien über die Hände bzw. die Haut der Kontaktpersonen in den Nabel. Dort vermehren sich die Bakterien im warmen Klima des Nabelbereichs und können sich von dort aus ins umliegende Gewebe verbreiten. Über die Blutbahn gelangen sie dann tiefer in den Organismus und können eine Blutvergiftung verursachen oder Leberabszesse verursachen.

Dass fast immer Neugeborene von Nebelinfektionen betroffen sind, hat zwei einfache Gründe.

  1. Der Nabel ist anfangs eine offene Wunde, durch die Krankheitserreger leicht in den Körper gelangen können.
  2. Das Immunsystem von Neugeborenen ist noch kaum ausgebildet und hat Keimen nur wenig entgegen zu setzen.

Risikofaktoren

Besonders anfällig für Bauchnabelentzündungen sind Kinder, die zu früh und/oder mit einem besonders geringen Gewicht zur Welt kommen. Wie bei angeborenen Immunerkrankungen ist die Körperabwehr dieser Kinder von vorneherein schwach ausgeprägt. Fehlbildungen des Nabels sowie operative Eingriffe während oder kurz nach der Geburt (Nabelkatheter) sind weitere Risikofaktoren für eine Nabelentzündung.

Untersuchung

Viele Eltern, vor allem aber Hebammen und Kinderärzte, erkennen Bauchnabelentzündungen fast immer schon an den typischen Hautveränderungen sowie – sofern vorhanden – an dem stark riechenden Wundsekret. Um das Risiko einer beginnenden Blutvergiftung auszuschließen, wird mitunter eine Blutprobe untersucht. Ultraschalluntersuchungen können dazu beitragen, die Diagnose von Bauchnabelentzündungen zu sichern. Bei begründetem Verdacht auf eine Ausbreitung der Bakterien in den Bauchraum kann eine Computertomografie erfolgen.

Behandlung

Die Therapie von Bauchnabelentzündungen erfolgt in aller Regel medikamentös. Um die Bakterien zu bekämpfen, werden Antibiotika eingesetzt. Da Bauchnabelentzündungen meistens durch unterschiedliche Bakterien verursacht werden, sind Antibiotika mit einem breiten Wirkspektrum wie Penicillin und Piperacillin typische Medikamente der Wahl.

In sehr frühen Stadien werden die Antibiotika in Form von Salben äußerlich angewendet, meistens in Kombination mit einem keimtötenden (antiseptischen) Wirkstoff. Beim kleinsten Verdacht auf eine systemische Infektion werden die Antibiotika innerlich angewendet. In besonders schweren Fällen erfolgt die medikamentöse Therapie im Krankenhaus.

Bei einer nekrotischen Fasciitis muss das betroffene Gewebe chirurgisch entfernt werden. Das gilt auch für Leberabszesse.

Prognose

Bei frühzeitiger Erkennung sind die Heilungsaussichten sehr gut. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist die medikamentöse Behandlung ausreichend. Sehr selten werden Bauchnabelentzündungen durch antibiotikaresistente Bakterien ausgelöst. In diesen Fällen ist die Prognose kaum vorhersagbar.

Vorbeugung

Bauchnabelentzündungen sind durch eine konsequente Hygiene leicht vorzubeugen. Das gilt vor allem für die Handhygiene der Kontaktpersonen. Ob Pflegekraft oder Eltern: Vor der Nabelbehandlung sollten Sie die Hände waschen und gründlich desinfizieren. Das hat einen einfachen Grund: Fast immer werden die Bakterien von den Händen der betreuenden Menschen auf das Neugeborene übertragen. Ein anderer Infektionsweg ist das Stillen. Wenn der Nabelbereich beim Stillen an die Haut der Mutter gelangt, können auch Bakterien zum Kind geraten.

Nabelpflege

Gerade in den ersten Lebenswochen braucht der Nabel besonders sorgfältige Pflege. Er sollte vor allem trocken gehalten werden. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, den Nabelbereich so lange mit einem sterilen Tuch abzudecken, bis der Nabelstumpf abfällt. In Absprache mit ihrem Kinderarzt oder Ihrer Hebamme können Sie den Nabel mit einer antiseptischen Salbe oder Lotion (beispielsweise mit dem Wirkstoff Chlorhexidin) behandeln.

Antibiotika bei Geburt

Während der Geburt bekommt das Neugeborene erstmals Kontakt mit den Keimen der Außenwelt. Unter bestimmten Umständen kann es sinnvoll sein, dass die Mutter vor oder während der Geburt vorbeugend Antibiotika erhält. Das kann bei Frühgeburten, bei langen Geburten oder einem frühzeitigen Blasensprung der Fall sein.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017