Bauchfellentzündung (Peritonitis)

Bauchfellentzündungen (Peritonitis), sind sehr oft lebensbedrohliche Notfälle. Häufigste Ursache ist ein Blinddarmbruch bei Blinddarmentzündung (Appendizitis). Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Bauchfellentzündungen.

Synonyme

Peritonitis, Peritonealentzündung

Definition

Untersuchung des Blinddarms

Eine Bauchfellentzündung bezeichnen Mediziner als Peritonitis. Dabei unterscheiden sie eine lokale und diffuse (generalisierte) Form. Bauchfellentzündungen sind genau genommen kein eigenes Krankheitsbild, sondern die Folge von anderen Erkrankungen.

Zudem gibt es noch die sogenannte Pseudo- oder Scheinperitonitis. Diese tritt beispielsweise während eines diabetischen Komas, einer Addison-Krise bei Nebennierenrindenschwäche oder bei Stoffwechselerkrankungen wie der akuten intermittierenden Porphyrie auf.

Normalerweise ist der Bauchraum frei von Krankheitserregern. Gelangen aber beispielsweise Bakterien in den freien Bauchraum, können sie sich im Bauchfell einnisten. Dort verursachen sie eine schwere Entzündung. Ohne rechtzeitige Behandlung gelangen die Erreger über die zahlreichen Versorgungswege weiter in den Organismus und verursachen eine Blutvergiftung. Diese Sepsis verläuft ohne intensivmedizinische Therapie tödlich (ausführliche Informationen: siehe Sepsis).

Die mit Abstand häufigste Ursache für Bauchfellentzündungen sind Blinddarmentzündungen. Aber auch viele andere Erkrankungen der inneren Organe können dazu führen, dass Bakterien in den Bauchraum gelangen (siehe Ursachen). Zudem können Keime von außen in den Bauchraum eindringen. Am häufigsten ist das der Fall bei einer Dialyse-Behandlung durch die Bauchdecke (Peritonal-Dialyse).

Funktion des Bauchfells

Das Bauchfell kleidet einerseits die Innenseite der Bauchwand aus. Dieser Teil wird als Peritoneum parietale bezeichnet. Andererseits umspannt es Magen, Leber, Gallenwege, Bauchspeicheldrüse, Darm sowie Gebärmutter und Eierstöcke. Diesen Teil des Bauchfells nennen Medizinier Peritoneum viscerale. Das Bauchfell ist von zahlreichen Blut- und Lymphgefäßen sowie Nerven durchzogen, die die darin liegenden Organe bzw. die Bauchraumwand versorgen. Zudem produziert es eine Flüssigkeit, die den Reibungswiderstand unter den Organen herabsetzt.

Häufigkeit

In Deutschland schwankt die Zahl der Bauchfellentzündungen seit vielen Jahren um 10.000 Fälle pro Jahr. Für das Jahr 2015 hat das Statistische Bundesamt beispielsweise mehr als 10.500 Fälle von Peritonitis erfasst. 2012 waren es gut 9.500 Fälle. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 10 Prozent.

Symptome

Mediziner unterscheiden örtlich begrenzte (lokale) und umfassende (diffuse bzw. generalisierte) Bauchfellentzündungen. Gemeinsames Symptom von beiden Formen sind starke Bauchschmerzen. Die Schmerzen sind in der Regel so heftig, dass die Betroffenen sich kaum mehr bewegen können und Schonhaltungen einnehmen. Zudem ist die Bauchdecke in der Regel sehr hart und angespannt.

Symptome von lokaler Peritonitis

Typischerweise beschränken sich die Bauchschmerzen bei einer lokalen Bauchfellentzündung auf den betroffenen Bereich des Bauchfells. Starke Bauchschmerzen und Abwehrspannung im Bereich des rechten Unterbauches deuten auf eine Blinddarmentzündung als Ursache.

Leichtes Fieber, Übelkeit oder Verstopfung sind typische Begleitsymptome einer lokalen Peritonitis.

Symptome von diffuser Peritonitis

Die Symptome von diffuser Peritonitis fallen in aller Regel deutlich heftiger aus als bei der lokalen Form. Die Schmerzen sind stärker und der Bauch bretthart angespannt. Fast immer sind generalisierte Bauchfellentzündungen von einem Darmverschluss (Ileus) begleitet. Zu erkennen ist der Darmverschluss unter anderem am Fehlen der natürlichen Darmbewegung (Darmperistaltik) und den kaum mehr wahrnehmbaren Darmgeräuschen sowie Stuhlverhalt. Mediziner sprechen bei dieser Symptomatik von „akutem Abdomen“. Dieses Krankheitsbild ist den Betroffenen zudem förmlich ins Gesicht geschrieben: Ihr Gesicht ist eingefallen, grau und wirkt spitz. Mediziner bezeichnen das als Facies hippocratica.

Dazu kommen mitunter heftige Begleitsymptome wie

  • hohes Fieber mit Schüttelfrost und Kaltschweißigkeit
  • beschleunigter Herzschlag und niedriger Blutdruck
  • Unruhe
  • Benommenheit bis zum Schock
  • Übelkeit mit Erbrechen
  • Durchfall, Verstopfung.

Starke Bauchschmerzen und plötzlich einsetzendes Fieber sind starke Indizien für eine ernsthafte Erkrankung. Bei diesen Symptomen sollten Sie dringend einen Notarzt verständigen oder sich schnellstmöglich in ein Krankenhaus begeben.

Symptome der CAPD-Peritonitis

Wenn nierenkranke Menschen mit einer Bauchfelldialyse behandelt werden, kann es zur sogenannten CAPD-Peritonitis kommen. CAPD steht „continuously ambulatory peritoneal dialysis“. Bei dieser Form der Bauchfellentzündung fallen die typischen Symptome in der Regel deutlich milder aus. Manchmal bleiben sie sogar unbemerkt.

Ursachen

Bauchfellentzündungen werden durch Bakterien verursacht. Die mit Abstand am häufigste Ursache (50 Prozent) sind Infektionen mit dem Darmbakterium Escherichia coli. Streptokokken und Enterokokken sind für gut ein Drittel der Bauchfellentzündungen verantwortlich. Klebsiellen haben einen Anteil von ungefähr 10 Prozent.

Damit Bakterien eine Bauchfellentzündung verursachen können, müssen sie aber erst einmal in den Bauchraum gelangen. Das ist bei gesunden Menschen die große Ausnahme. 95 Prozent aller Bauchfellentzündungen sind eine Komplikation der folgenden Erkrankungen:

  • Blinddarmentzündung (Appendizitis) mit Blinddarmdurchbruch
  • durchbrochene Magengeschwüre und Darmgeschwüre oder auch Darmschleimhaut-Aussackungen (sogenannte Divertikel)
  • Gallenwegs- und Gallenblasenentzündungen
  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen
  • Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane
  • bakterielle Harnwegsinfektionen
  • Abszesse
  • Lymphknotenvereiterungen (selten)
  • Darmverschluss
  • Bauchfelltumore
  • Darmeinstülpungen (Invaginationen, sehr selten).

Die übrigen 5 Prozent der Bauchfellentzündungen entfallen auf operative Eingriffe (auch Bauchfelldialyse), Nabelinfektionen oder ungeklärte Ursachen.

Untersuchung

Den ersten Verdacht auf die Diagnose Bauchfellentzündung wecken in aller Regel die typische Optik der Patienten, die starken Bauchschmerzen schon bei geringster Berührung und eine Tastuntersuchung der Bauchdecke. Sicherheit schaffen aber erst bildgebende Verfahren. Das ist in erster Linie die Ultraschalluntersuchung. Bei Hinweisen auf eine Peritonitis folgen mitunter eine Röntgenuntersuchung, eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). Zudem wird Blut abgenommen, um unter anderem die Entzündungswerte bestimmen zu können.

Hat sich die Verdachtsdiagnose bestätigt, sollte umgehend operiert werden. Mitunter wird zuvor der Erreger der Peritonitis bestimmt. Dazu wird bei einer sogenannten Aszitespunktion Bauchwasser mit einer Hohlnadel aus dem Bauchraum gezogen.

Behandlung

In seltenen Ausnahmefällen kann eine lokale Bauchfellentzündung medikamentös mit Antibiotika behandelt werden. In aller Regel ist aber eine schnelle Operation mit anschließender intensivmedizinischer Behandlung unumgänglich.

Die Art des operativen Eingriffs richtet sich nach der Ursache und dem Umfang der Bauchfellentzündung. Grundsätzlich gilt, dass Operationen idealerweise erfolgen, bevor sich große Mengen infektiösen Materials in den Bauchraum ergießen. Deshalb wird beispielsweise ein stark entzündeter Blinddarm nach Möglichkeit noch vor dem Durchbruch entfernt. Das gilt auch für entzündete Darmabschnitte oder ausgedehnte Gallenblasenentzündungen.

Wenn etwa der Blinddarm bereits durchbrochen ist, wenn sich Darminhalt oder Eiter aus Abszessen bzw. anderen Geschwüren in den Bauchraum ergossen hat, ist eine schnelle Operation besonders dringend geboten.

  • Im Prinzip folgen die Operationen bei Bauchfelloperation dem folgenden Muster:
  • Ausräumen des Entzündungsherds
  • Beseitigung bzw. Versorgung des verursachenden Organs
  • Entfernung von abgestorbenem Gewebe, Eiter und Fibrinbelägen
  • Wiederherstellung einer möglichst keimarmen Bauchhöhle durch Auswaschung mit Kochsalzlösung (Lavage)
  • bedarfsweise: Setzen von Drainagen, über die Wundsekret nach der Operation nach außen abfließen kann.

Nach der Operation erhalten die Patienten eine intensivmedizinische Versorgung nach Bedarf.

Prognose

In der Gesamtbetrachtung aller Bauchfellentzündungen liegt die Sterblichkeitsrate (meist infolge von Sepsis) bei 10 Prozent. Tatsächlich schwankt die Mortalität aber je nach Ursache der Bauchfellentzündung. So verlaufen 95 Prozent aller lokalen Bauchfellentzündungen durch eine Blinddarmentzündung ohne Komplikationen. Diffuse Bauchfellentzündungen hingegen enden in etwa 30 Prozent der Fälle tödlich. Dabei verstirbt rund die Hälfte der Betroffenen trotz einer erfolgreichen Operation an den Folgen der bakteriellen Infektion.

Vorbeugung

Für gesunde Menschen ist eine Vorbeugung von Bauchfellentzündungen nicht möglich. Erkrankungen, die das Risiko für eine Bauchfellentzündung erhöhen (siehe Ursachen), sollten konsequent behandelt werden. Ausgeprägte Therapietreue und regelmäßige Arztbesuche können dazu beitragen, das Risiko für eine Bauchfellentzündung zu senken bzw. Komplikationen durch eine frühe Diagnose zu vermeiden.

Starke Bauchschmerzen und plötzlich einsetzendes Fieber sind Warnzeichen. Bei diesen Symptomen sollten Sie unverzüglich einen Rettungsdienst verständigen oder zum Arzt gehen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017

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