Arzneimittelexanthem (allergische Hautreaktion auf Medikamente)

Wenn es in zeitlichem Zusammenhang zu einer Medikamenteneinnahme zu mehr oder minder heftigen Hautreaktionen oder Schleimhautveränderungen kommt, kann ein Arzneimittelexanthem die Ursache sein. Alles über Ursachen, Symptome und Therapie im Ratgeber Arzneimittelexanthem.

Synonyme

Medikamentenausschlag

Definition

Hautausschlagan den Händen

Als Arzneimittelexanthem bezeichnen Mediziner Hautreaktionen und Veränderungen der Schleimhäute, die durch eine meist allergische Reaktion auf die Wirkstoffe oder Hilfsstoffe in einem Medikament entstehen. Das Arzneimittelexanthem kann unmittelbar nach der Medikamentenanwendung (Sofortreaktion) oder auch zeitlich verzögert (Spätreaktion) auftreten. Typische Symptome sind in beiden Fällen Hautreaktionen in Form von Quaddeln oder Blasen mit und ohne Juckreiz. Auch Entzündungen der Schleimhäute im Mund, am Anus oder an den Geschlechtsteilen sind nicht selten. Charakteristisch für Arzneimittelexantheme ist, dass die Symptome nach dem Absetzen des Medikamentes in aller Regel schnell abklingen (siehe auch Therapie). Der Medikamentenausschlag zählt zu den häufigsten allergischen Reaktionen auf Arzneimittel.

Symptome

Typische Symptome des Arzneimittelexanthems sind juckende Hautausschläge, lokal isoliert oder am ganzen Körper. Sehr häufig sind leicht erhabene kleinfleckige hell- oder dunkelrote Ausschläge. In diesen Fällen ähnelt das Hautbild dem bei Masern, Röteln oder Scharlach. In schwereren Fällen zeigt sich der Medikamentenausschlag in Form von Quaddeln oder flüssigkeitsgefüllten Blasen, die bis zu 2 cm durchmessen. Auch Hautreizungen mit kleinen Blutungen sowie großflächige Rötungen sind möglich.

Neben den Hautreaktionen kommt es mitunter auch zu Schleimhautschwellungen oder Schleimhautentzündungen. Die betreffen vor allem den Mundraum und den Rachen.

Allgemeine Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie ein erkältungsähnliches Krankheitsgefühl können den Medikamentenausschlag begleiten. Manchmal sind auch die Lymphknoten geschwollen.

In sehr schweren Fällen führt die allergische Reaktion zu Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum Schock.

Formen des Arzneimittelexanthems

Das fixe Arzneimittelexanthem hat seinen Namen, weil es nach der wiederholten Einnahme eines Medikamentes an genau der gleichen Körperstelle, eben fix, einen Ausschlag auslöst. Typisch für das fixe Arzneimittelexanthem sind graufarbige Blasen, die sich sowohl auf der Haut wie auch an den Schleimhäuten im Mund, auf der Zunge und am Penis bilden.

Das Pustoloderm ist eine andere Form des Arzneimittelexanthems. Typisch sind Pusteln, die am ehesten dem Hautausschlag bei Schuppenflechte ähneln. Die Pusteln treten vor allem in den Beugeflächen von Händen und Füßen sowie zwischen den Fingern oder Zehen auf.

Ebenfalls auf den Händen, aber auch auf den Armen sowie auf Schleimhäuten äußert sich das das Erythema exsudativum multiforme. Dabei handelt es sich um einen kreisförmigen, hellroten nässenden Hautausschlag.

Indirekte Arzneimittelexantheme entstehen, wenn die Einnahme von Medikamenten etwa die Hautreaktion auf Sonnenlicht verändert. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut nach der Einnahme von Johanniskrautpräparaten. Aber auch andere Wirkstoffe aus der Gruppe der Entwässerungsmittel (zum Beispiel Furosemid und Triamteren), Malariamittel (zum Beispiel Chinin und Mefloquin), Antidepressiva (zum Beispiel Doxepin und Trimipramin) oder Herz-Kreislauf-Mittel (zum Beispiel Captopril, Nifedipin und Ramipril) können die Sensitivität der Haut für äußere Reize spürbar verändern.

Das Stevens-Johnson-Syndrom ist eine besonders ausgeprägte Variante des allergischen Arzneimittelexanthems mit stark eingeschränktem Allgemeinbefinden, schmerzhaften Blasen, geschwürigen Veränderungen und hohem Fieber. Neben Haut und Schleimhäuten (besonders in Mund und Rachen) sind meist auch die Bindehäute beteiligt. Die Hautveränderungen sind unscharf von der nichtbetroffenen Haut abgegrenzt. Das Zentrum des Exanthems ist in der Regel dunkler gefärbt. Eine Komplikation des Stevens-Johnson-Syndroms ist das medikamentöse Lyell-Syndrom.

Das medikamenteninduzierte Lyell-Syndrom (Syndrom der verbrühten Haut) ist eine lebensbedrohliche Hautreaktion. Typisch ist eine großflächige, schmerzhafte blasige Ablösung der obersten Hautschicht, der Epidermis. Die Betroffenen fühlen sich krank, haben mitunter Fieber und Herz-Kreislauf-Probleme. Bei Verdacht auf Stevens-Johnson-Syndrom oder Lyell-Syndrom sollte unverzüglich der Rettungsdienst alarmiert werden.

Ursachen

Ursache von Arzneimittelexanthemen sind vor allem direkte oder indirekte allergische Reaktionen auf Wirkstoffe oder andere Bestandteile von Medikamenten. Besonders häufig ist ein Medikamentenausschlag beispielsweise nach der Einnahme von Penicillinen. Etwa 10 Prozent der Anwender solcher Antibiotika reagieren mit einem Arzneimittelexanthem.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Arzneimittelexantheme wahrscheinlicher werden, je mehr und je länger Medikamente eingenommen werden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, alte Menschen stärker als Jüngere. Die Neigung zu Medikamentenausschlag scheint darüber hinaus auch vererbbar zu sein. Andere Erkrankungen wie Krebs, Leber- und Nierenschäden erhöhen das Risiko für Arzneimittelexantheme.

Häufige Auslöser

Arzneimittelexantheme treten überdurchschnittlich oft auf nach der Anwendung von:

  • nicht steroidalen Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen sowie Lokalanästhetika
  • Antibiotika aus den Wirkstoffgruppen der Penicilline, Sulfonamide oder Cephalosporine
  • Antiepileptika und Muskelrelaxanzien
  • Allopurinol (Gichtmittel)
  • ACE-Hemmer wie Captopril und Enalapril.

Untersuchung

Die Diagnose eines Arzneimittelexanthems ergibt sich in der Regel aus der Kombination der typischen Symptome und der Einnahme eines – in der Regel bislang meist nicht angewendeten – Medikamentes. In der Regel wird Ihr Arzt Sie fragen, ob Sie neuerdings ein Medikament einnehmen oder vor kurzer Zeit eingenommen haben. Schwieriger ist die Diagnose des Medikamentenausschlags vor allem bei Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen. Hier können Blutuntersuchungen oder Allergietests wertvolle Hinweise liefern.

Behandlung

Die Therapie eines Arzneimittelexanthems besteht vor allem darin, das auslösende Medikament zu identifizieren und abzusetzen. In der absoluten Mehrzahl der Fälle geht der Medikamentenausschlag dann innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen zurück.

In der Zwischenzeit kann eine medikamentöse Therapie mit Antihistaminika, Lokalanästhetika oder Kortikoiden die lästigen Symptome wie Juckreiz, Blasen und Schwellungen lindern. Antihistaminika wie Diphenhydramin und Dimetinden sowie Lokalanästhetika wie Polidocanol werden in der Regel äußerlich angewendet. Kortisonhaltige Medikamente wie Decortin und Prednison bei schweren Verläufen vor allem in Form von Tabletten.

Vorbeugung

Arzneimittelexantheme und andere – mitunter lebensbedrohende - Reaktionen auf und Wechselwirkungen von Medikamenten sind vergleichsweise häufig bei Menschen höheren Alters, die viele unterschiedliche Medikamente einnehmen. Um bereits bekannte allergische Reaktionen auf Medikamente festzuhalten und Wechselwirkungen besser ausschließen zu können, ist das Führen eines bundeseinheitlichen Medikamentenausweises zu empfehlen. Ebenfalls hilfreich ist ein Allergiepass. Wenn Sie regelmäßig mehr als 5 Medikamente einnehmen, sind Ärzte und Krankenhäuser verpflichtet, Ihnen einen Medikationsplan auszuhändigen. In jedem Fall sollten Sie Ihren Arzt informieren, wenn Sie in der Vergangenheit schon einmal auf ein Medikament mit einem Arzneimittelexanthem reagiert haben.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017

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