Aneurysma

Aneurysmen sind örtlich begrenzte, krankhafte Erweiterungen von Blutgefäßen, die häufig lange unbemerkt bleiben. Reißt ein Aneurysma, besteht Lebensgefahr. Lesen Sie mehr über Symptome, Warnzeichen, Entstehung und Behandlung im Krankheitsbild Aneurysma.

Synonyme

Arterienerweiterung, arterielle Aussackung

Definition

Bauchschmerzen

Als Aneurysma bezeichnen Mediziner lokal begrenzte, krankhafte Erweiterungen von Blutgefäßen infolge angeborener oder erworbener Veränderungen der Blutgefäßwand. Das unterscheidet Aneurysmen von Ektasien, die als permanente Blutgefäßerweiterungen mit intakter Gefäßwand auftreten.

In den meisten Fällen sind von Aneurysmen unterschiedliche Abschnitte der Hauptschlagader (Aorta) betroffen. Das altgriechische Wort für Aussackung gab dem Krankheitsbild seinen Namen. Der Plural von Aneurysma ist Aneurysmata oder Aneurysmen. In der Umgangssprache ist häufig von Arterienerweiterung oder arterieller Aussackung die Rede.

Den Begriff Aussackung kann man durchaus wörtlich nehmen: Bei einem Aneurysma bildet die Arterie im betroffenen Bereich eine Erweiterung, die wie ein mehr oder minder gefüllter Sack aussieht. Manchmal haben Aneurysmen aber auch die Form einer Spindel. In nahezu 80 Prozent der Fälle sind Aneurysmen eine Folge von fortgeschrittener Arteriosklerose. Die Fehlbildung der Aortengefäßwand kann zudem angeboren oder genetisch bedingt sein. Wichtige Risikofaktoren für arterielle Aussackungen sind Bluthochdruck (Hypertonie) und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK).

Je nach Symptomatik und Lokalisation unterscheiden Mediziner vor allem 3 Formen des Aneurysmas.

  •  Aneurysma verum: Das echte Aneurysma ist die klassische und häufigste Form der arteriellen Aussackung. Bei diesem Aneurysma sind die unterschiedlichen Schichten der Arterienwand noch intakt und der Gefäßquerschnitt insgesamt erweitert.
  • Als Aneurysma dissecans bezeichnen Mediziner eine Arterienaussackung, die sich bildet, wenn Blut durch einen Riss in der Arterieninnenhaut zwischen die Schichten der Gefäßwand gelangt (Mediziner sagen: es disseziert). Das Aneurysma dissecans wird häufig auch als Aortendissektion bezeichnet.
  • Falsches Aneurysma: Das Aneurysma spurium/falsum oder auch Pseudoaneurysma ist eine Sonderform, bei der definitionsgemäß die innere und mittlere Gefäßwand verletzt ist. Allerdings bildet sich hier keine Aussackung des Gefäßgewebes wie bei den anderen Formen. Vielmehr kommt es zu einem Bluterguss um den geschädigten Gefäßwandabschnitt herum, der den Gefäßwanddefekt bedeckt. Häufig wird der Verblutungstod damit aber nur kurzfristig hinausgezögert. Bleibt der Bluterguss länger bestehen, wird er von dem umgebenden Gewebe eingekapselt und erscheint wie ein Aneurysma. Die Gefahr eines Gefäßwandrisses bleibt weiterhin bestehen.

Lebensgefahr durch Aneurysmen

Aneurysmen bergen ein lebensbedrohliches Risiko. Wenn die Gefäßwände der geschädigten Arterie reißen (Arterienruptur), kommt es zu schweren inneren Blutungen. Am gefährlichsten sind diese Rupturen, wenn die Hauptschlagader betroffen ist (Aortenaneurysma) oder eine große Arterie im Gehirn (zerebrales Aneurysma). Auch bei Bauchaortenaneurysmen (abdominales Aortenaneurysma) besteht große Lebensgefahr.

Obwohl Aneurysmen so lebensbedrohlich sein können, gibt es kaum spürbare Symptome. In den meisten Fällen werden sie zufällig entdeckt oder bei einem Check-up von Risikopatienten erkannt. Behandlungsbedürftige Aneurysmen werden – soweit möglich – chirurgisch entfernt und die betroffenen Arterien stabilisiert oder ersetzt.

Häufigkeit

Bei erblich unbelasteten Menschen steigt das Risiko für die Ausbildung eines Aneurysmas vor allem mit dem Alter. Bei familiärer Vorbelastung treten Aneurysmen in allen Altersgruppen auf. Insgesamt sind Männer bis zu 7 Mal häufiger betroffen als Frauen.

Aneurysmen sind durchaus häufig. Man geht von mehr als einer Million Deutschen mit einer krankhaften Arterienerweiterung aus. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Schätzungen, die aufgrund von Untersuchungen erstellt werden. So ergibt sich bei durchschnittlich 1 bis 2 Prozent aller Gefäßdarstellungen (Angiografien) ein positiver Aneurysma-Befund. Diese Quote steigt mit dem Alter deutlich an. Bei Autopsien von Menschen über 70 findet man in bis zu 7 Prozent der Fälle potenziell behandlungsbedürftige Gefäßerweiterungen.

Die Häufigkeit eines Aortenaneurysmas bei Männern zwischen dem 70. und 75. Lebensjahr wird in der Literatur mit 8,5 Prozent angegeben. Danach steigt sie auf mehr als 10 Prozent an.
Genaue Zahlen über die Häufigkeit von Hirnaneurysmen liegen nicht vor. Experten gehen von einer Neuerkrankungsrate von 15 Menschen pro 100.000 Menschen aus. Für Deutschland wären das mehr als 1.200 Fälle im Jahr.

Symptome

In den meisten Fällen verursachen Aneurysmen über Jahre keine wahrnehmbaren Symptome. Wenn die Gefäßaussackungen eine kritische Größe erreicht haben, werden sie mitunter spürbar. Die Symptome hängen dabei von Größe und Lage des Aneurysmas ab.

Symptome thorakaler Aneurysmen

Wenn es im Bereich des Brustkorbes zu einer raumgreifenden Aortenaussackung (thorakales Aneurysma) kommt, macht sich das vor allem mit Brustschmerzen und Atembeschwerden bemerkbar. Charakteristischerweise verstärken sich diese Symptome beim Einatmen. Zuweilen führt die Einengung zu Husten, Heiserkeit und Schluckstörungen. Beim Abhören der Atemgeräusche ist ein krankhaftes Atemgeräusch wahrnehmbar (Stridor). Nicht selten geben wiederkehrende Infektionen wie Lungenentzündungen einen Hinweis für die Diagnose thorakaler Aneurysmen.

Symptome von Bauchaortenaneurysma

Typisches Symptom von Bauchaortenaneurysmen sind anhaltende Unterbauchschmerzen, die mitunter in Beine oder Rücken ausstrahlen. Typischerweise sind die Schmerzen stechend. In seltenen Fällen ist die Hautschlagader im Bereich des Bauches so weit ausgesackt, dass sie die Darmfunktion stört und Verstopfung verursacht.

Symptome von Hirnaneurysma

Hirnaneurysmen kündigen sich bis zum Zeitpunkt des Risses (Ruptur) nicht an. Demnach gibt es keine Symptome, die als Warnzeichen wahrnehmbar wären.  

Ursachen

Häufigste Ursache von Aneurysmen sind alterungsbedingte Gefäßwandveränderungen wie Arteriosklerose. Die „Gefäßverkalkung“ macht die Gewebeschichten der Arterienwand zunehmend spröder. Die Arterien, die sich bei jedem Herzschlag dehnen müssen, verlieren damit an Elastizität. Sie leiern aus und begünstigen damit echte Aneurysmen. Die arteriosklerotisch bedingte Form des Aneurysmas tritt bei 80 Prozent aller Fälle ohne erbliche Vorbelastungen auf.

Die zweite größere Patientengruppe stellen Menschen, bei denen Verwandte 1. Grades bereits an einem Aneurysma erkrankt waren. Das spricht dafür, dass erbliche Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen können.

Seltene Ursachen von Aneurysmen

Seltene Ursachen von Aneurysmen sind Infektionen der Innenwände von Blutgefäßen (zum Beispiel mykotisches Aneurysma oder als Folge rheumatischen Fiebers, Kawasaki-Syndrom und Borreliose) und seltene angeborene Bindegewebsschwäche-Erkrankungen wie Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom. Zudem gibt es Hinweise, dass Headbangen mit einem erhöhten Risiko für Hirn-Aneurysmen einhergeht.

Falsche Aneurysmen sind eine seltene Folge von Verletzung der Gefäßinnenwand, wie sie etwa bei einer Herzkatheteruntersuchung entstehen können.

Risikofaktoren

Neben der erblichen Vorbelastung sind Bluthochdruck (Hypertonie) und periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) die wichtigsten Risikofaktoren für Aneurysmen. Sowohl hoher Blutdruck als auch paVK werden vor allem durch Bewegungsmangel, zu fettreiche Ernährung und Rauchen begünstigt.

Komplikationen

Die größte Gefahr besteht darin, dass das Aneurysma reißt (rupturiert). Eine solche Ruptur geht häufig mit akut einsetzenden kaum aushaltbaren Schmerzen einher. Eine Ruptur im Gehirn wird von unerträglichen Kopfschmerzen begleitet, häufig verbunden mit nervalen Ausfällen in Form von Lähmungen oder Sehstörungen.

Geplatzte abdominale und thorakale Aneurysmen verursachen stärkste Schmerzen im Bauch- und/oder Brustbereich. Diese Vernichtungsschmerzen gehen häufig mit Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufeinbrüchen einher. Bei jedem Verdacht auf Aneurysmenriss muss unverzüglich der Notarzt gerufen werden.

Untersuchung

Die Untersuchung von Aneurysmen stützt sich vor allem auf bildgebende Verfahren. In sehr vielen Fällen gibt schon eine einfache Ultraschalluntersuchung die entscheidenden Hinweise. Das ist vor allem bei Bauchaortenaneurysmen oder thorakalen Aneurysmen der Fall. Bei Letzteren kann die Ultraschallsonde auch durch die Speiseröhre geführt werden (transösophageale Sonografie).

Ein Hirnaneurysma hingegen lässt sich nur durch eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) entdecken.  

Behandlung

Je nach Lage sind Aneurysmen erst ab einer bestimmten Größe behandlungsbedürftig. Bis zu diesem Schwellenwert kann sich die Therapie darauf beschränken, die Aussackungen lediglich zu beobachten. Je nach Größe erfolgen die Kontrolluntersuchungen im Anstand von 6 oder 12 Monaten.

Grunderkrankungen behandeln

Häufigste Ursache von Aneurysmen ist die Kombination von Bluthochdruck und Arteriosklerose. Daher besteht ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Aneurysmen darin, erhöhten Blutdruck zu senken.

Operation von Aneurysmen

Die Operationsmethoden zur chirurgischen Versorgung von Aneurysmen richten sich nach Lage und Größe der Gefäßveränderungen. Ein Hirnaneurysma erfordert verständlicherweise ein anderes Vorgehen als ein verhältnismäßig leicht erreichbares Bauchaortenaneurysma.

Das Prinzip der Operation allerdings ist in den meisten Fällen gleich: Die beschädigte Arterie wird entweder durch ein natürliches oder künstliches Implantat ersetzt und dann mit einer Gefäßstütze (Stent) stabilisiert. Bei einem Hirnaneurysma wird die Aussackung in aller Regel abgeklemmt.

Prognose

Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Aneurysma hängt wesentlich davon ab, ob die erweiterte Arterie rechtzeitig vor dem Einreißen bemerkt wird. Bei diesen Patienten ist die Prognose sehr gut. Die Zahl der Komplikationen und Sterbefälle bewegt sich für diese Fälle in einem Bereich von wenigen Prozent.

Ist eine große Arterie hingegen bereits eingerissen, sinken die Überlebenschancen deutlich. Bei einem Riss der Hauptschlagader im Brustraum (thorakales Aortenaneurysma) sterben 3 von 4 Betroffenen innerhalb von wenigen Stunden. Bei Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas oder eines Hirnaneurysmas überlebt nur die Hälfte der Patienten. Vor allem im Fall des Hirnaneurysmas müssen die Überlebenden zudem mit bleibenden Beeinträchtigungen der Hirnfunktion rechnen.

Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugung von Aneurysmen ist nicht möglich. Das gilt insbesondere für erblich vorbelastete Menschen. Allerdings lässt sich das Risiko deutlich senken. Eine frische, fettarme und abwechslungsreiche Ernährung sowie regelmäßige Bewegung senken das Risiko für Übergewicht und typische Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Diabetes oder andere Gefäßleiden wie paVK. Der Verzicht auf das Rauchen und bestenfalls mäßiger Alkoholkonsum verbessern die Aussichten, einem Aneurysma vorzubeugen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 09.10.2017

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