Akute Mittelohrentzündung

Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) ist einer der häufigsten Erkrankungen bei Kindern. Sie verläuft zwar meist schmerzhaft, aber ohne ernsthafte Komplikationen. Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen, Diagnose, Therapie und Selbsthilfe bei einer akuten Mittelohrentzündung.

Synonyme

Otitis media acuta

Definition

Mittelohrentzündung Kind

Bei der akuten Mittelohrentzündung handelt es sich um eine Entzündung der Schleimhäute im Mittelohr. Diese Entzündung kann sehr schmerzhaft sein. Sie bleibt in den meisten Fällen aber ohne ernste Folgen. In wenigen Fällen verlaufen Mittelohrentzündungen mit Komplikationen, die beispielsweise zu Höreinschränkungen, Trommelfelleinrissen oder Hirnhautentzündungen führen können.

Bei der Mittelohrentzündung werden die akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) und die chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica) unterschieden.

Andere Ohrenentzündungen

Neben der Otitis media gibt es noch die Ohrentzündung, bei der der äußere Gehörgang betroffen ist (Otitis externa) und Entzündungen des inneren Ohres (die Bezeichnungen richten sich nach der entzündeten Struktur).

Häufigkeit

Die akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Von der chronischen Form hingegen sind Kinder nur sehr selten betroffen.

Symptome

Die Symptome unterscheiden sich nach der Verlaufsform. Häufig entwickelt sich eine akute Mittelohrentzündung nach einer Atemwegsinfektion. Plötzlich verschlechtert sich das Allgemeinbefinden und es kommt zu heftigen, teils stechenden oder pulsierenden Ohrenschmerzen. Diese nehmen innerhalb von Stunden zu. Das betroffene Ohr fühlt sich eigenartig voll an. Mitunter hat man „Druck auf dem Ohr“. Das Hörvermögen wird zunehmend eingeschränkt. Manchmal kommt es zu Tinnitus (Ohrgeräuschen). Selten begleiten Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Ohrsymptome.

Kinder: Fieber und Ohrzwang

Die Körpertemperatur steigt bei der akuten Mittelohrentzündung in der Regel an. Fieber über 39 Grad Celsius ist keine Seltenheit. Bei Kindern fällt der sogenannte Ohrzwang auf. Das heißt, sie fassen sich ständig an das betroffene Ohr. Zudem sind sie weinerlich und unleidlich. Kleinkinder klagen oft über Bauchschmerzen. Mitunter kommt es zu Erbrechen und Durchfall.

Mittelohr-Erguss

Bei einer akuten Mittelohrentzündung schwillt mitunter die sogenannte Ohrtrompete (Eustachische Röhre oder Tube) zu. Die Ohrtrompete verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum. Schwillt diese Tube entzündungsbedingt zu, ist der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Umgebung nicht mehr gewährleistet. Die Folge ist eine Belüftungsstörung des Mittelohrs mit einem Unterdruck im Mittelohr. Das regt die Mittelohrschleimhaut an, ein wässriges Sekret zu bilden, selten blutet die Mittelohrschleimhaut auch. Ein Mittelohr-Erguss (auch Paukenerguss oder Tympanon genannt) entsteht. Die Erguss-Flüssigkeit sammelt sich an und kann solange nicht abfließen, wie die Belüftung eingeschränkt ist.

So ein Erguss ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Diese vermehren sich und besiedeln Tube und Mittelohr. Jetzt bildet die Schleimhaut keine wässrige Flüssigkeit mehr, sondern gibt ein zähes, eitriges Sekret ab. Folge ist eine akute eitrige Mittelohrentzündung mit starken Ohrenschmerzen, vermindertem Hörvermögen und einem Druck- und Völlegefühl im Ohr. Eine akute eitrige Mittelohrentzündung kann aber auch entstehen, wenn Bakterien aus der entzündeten Nasenschleimhaut oder dem Nasen-Rachen-Raum über die Ohrtrompete in das Mittelohr wandern.

Komplikationen

Komplikationen im Verlauf einer akuten Mittelohrentzündung können zu bleibenden Schäden führen.

Trommelfellriss

Kann der eitrige Erguss nicht in den Nasen-Rachen-Raum ablaufen, baut sich ein immer größerer Druck hinter dem Trommelfell auf. Schlimmstenfalls führt das zum Einreißen (Perforation, Ruptur) des Trommelfells. Dadurch wird das Mittelohr entlastet und die Ohrenschmerzen lassen auf der Stelle nach. Das eitrige Sekret läuft durch das gerissene Trommelfell nach außen über den äußeren Gehörgang ab. Das Sekret kann übel riechen und mit Blut vermischt sein.

Mastoiditis

Eine gefürchtete Komplikation bei akuter Mittelohrentzündung ist die Entzündung der Hohlräume des knöchernen Warzenfortsatzes des Schläfenbeins (Mastoiditis). Die Patienten berichten über einen pulssynchronen Schmerz im Ohr und Druckschmerz hinter dem Ohr. Das Ohr steht üblicherweise ab. Zudem läuft eitriges Sekret aus dem Gehörgang. Dann sind eine Antibiotikagabe und eine Operation unumgänglich.

Weitere Komplikationen

  • Unbehandelt kann sich eine Mittelohrentzündung auf die Hirnhäute und das Gehirn ausbreiten. Folgen sind Hirnhautentzündungen (Meningitis), Eiteransammlungen im Gehirn (Hirnabszess) oder Lähmungen der Gesichtsnerven.
  • Mitunter bilden Bakterien Gifte (Toxine), die bei der Mittelohrentzündung ins Innere des Ohres gelangen können. Dadurch kann eine toxische Labyrinthitis, also eine Entzündung des Innenohr-Labyrinths, entstehen. Diese Entzündung geht mit Innenohr-Schwerhörigkeit und Ohrgeräuschen einher. Auch Schwindel und Gleichgewichtsstörungen werden häufig beobachtet.
  • Dauerhaft wiederkehrende Mittelohrentzündungen gehen zulasten der Trommelfellhaut, sie kann vernarben. Des Weiteren können sich an den Gehörknöchelchen im Mittelohr narbige oder sogar knöcherne Verwachsungen bilden und dauerhafte Hörstörungen bedingen. Mediziner nennen diese Komplikation Cholesteatom. Ausführliche Informationen darüber lesen Sie unter chronische Mittelohrentzündungen.

Ursachen

Eine akute Mittelohrentzündung ist in etwa 80 Prozent der Fälle Folge einer Virusinfektion der oberen Atemwege. Davon sind insbesondere Menschen mit häufigen Nasennebenhöhlenentzündungen oder chronischem Schnupfen betroffen. Des Weiteren bekommen Kinder mit vergrößerten Nasen-Rachen-Mandeln (sogenannte Polypen) eine bakterielle Mittelohrentzündung.

Nur in etwa 20 Prozent gelangen Bakterien ins Mittelohr und verursachen eine Mittelohrentzündung. Ganz selten gelangen Krankheitserreger durch ein Loch im Trommelfell ins Mittelohr – zum Beispiel durch Badewasser – und verursachen eine akute Mittelohrentzündung.

Jede akute Mittelohrentzündung sollte Sie zum Arzt führen. Doktern Sie keinesfalls alleine am entzündeten Ohr herum! Das gilt vor allem bei akuter Mittelohrentzündung bei Kindern.

Untersuchung

Die Diagnose einer akuten Mittelohrentzündung sollte bei einem Arzt für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde (HNO-Arzt) oder einem Kinderarzt erfolgen. Zur Diagnose werden zunächst Trommelfell, Nase und Nasen-Rachen-Raum, Rachen und Nasennebenhöhlen untersucht. Anschließend folgt oft ein Hörtest. Ohr-Sekret wird zur Untersuchung ins Labor geschickt. Selten folgen bildgebende Verfahren wie Röntgen und Computertomografie des Kopfes.

Behandlung

Zur Behandlung von akuter Mittelohrentzündung stehen dem Arzt unterschiedliche Medikamente und Maßnahmen zur Verfügung.

Nasentropfen

In aller Regel wird der Arzt abschwellende Nasentropfen, beispielsweise mit den Wirkstoffen Oxymetazolin, Xylometazolin oder Tramazolin, verordnen. Diese öffnen die Ohrtrompete, sodass das Mittelohr wieder belüftet werden kann. Abschwellende Nasentropfen sollen bei akuter Mittelohrentzündung neuesten Studien zufolge 8 bis 10 Tage lang gegeben werden. Laut diesen Studien entwickelt sich eine Abhängigkeit von abschwellenden Nasentropfen erst nach wochen- oder monatelanger täglicher Anwendung. Die Praxis sieht aber häufig anders aus. Viele Mediziner warnen daher davor, abschwellende Nasentropfen länger als eine Woche zu benutzen.

Antibiotika

Im Fall einer eitrigen Mittelohrentzündung wird Ihr Arzt ein Antibiotikum verordnen, das auf den Erreger der Entzündung und das Alter des Betroffenen abgestimmt ist. Bewährte Antibiotika bei Otitis media sind Amoxicillin, Azithromycin oder Clarithromycin.

Ohrentropfen

Ohrentropfen werden heute üblicherweise nicht mehr gegeben. Wenn ein Arzt dennoch solche Tropfen verordnet, dürfen diese nur bei intaktem Trommelfell eingetropft werden. Ohrentropfen enthalten häufig Phenazon und Salicylsäureverbindungen.

Sekret absaugen

Läuft Sekret aus dem Ohr, kann der HNO-Arzt das Sekret absaugen. Danach wird er die Gehörgangshaut reinigen, desinfizieren (zum Beispiel mit Octenidin und Phenoxyethanol) und pflegen (beispielsweise mit Dexpanthenol). In dieser Phase müssen Sie unbedingt darauf achten, dass kein Wasser in den Gehörgang gelangt (zum Beispiel beim Duschen oder Baden). Schwimmen sollten Sie bis zur vollständigen Abheilung gar nicht.

Parazentese und Paukenröhrchen

Um einen Mittelohr-Erguss zu entleeren, wird in den vorderen, unteren Teil des Trommelfells ein kleiner Schnitt (sogenannte Parazentese) gesetzt. Darüber kann der Erguss abgesaugt werden. Eine solche Parazentese erfolgt bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung, Kinder bekommen eine Vollnarkose.

Nach einer Parazentese würde sich die Öffnung im Trommelfell innerhalb von wenigen Tagen wieder von selbst verschließen. Um das zu vermeiden, wird ein kleines Kunststoff-, Titan- oder Gold-Röhrchen in den Schnitt eingesetzt. Darüber kann das nachgebildete Sekret weiter ablaufen. Zudem wird so das Mittelohr belüftet und kann unter normalen Druckverhältnissen abheilen.

Der Körper stößt das Paukenröhrchen üblicherweise innerhalb von 6 bis 12 Monaten von selbst ab. Anderenfalls wird das Röhrchen operativ entfernt. Entfernt wird das Röhrchen auch, wenn sich das Loch immer wieder mit eingedicktem Sekret oder Ohrenschmalz verstopft. In aller Regel verheilt das Trommelfell anschließend von selbst. [H3] Selbsthilfe bei akuter Mittelohrentzündung Bei akuter Mittelohrentzündung gibt es einige Maßnahmen, mit denen Sie den Heilungsprozess unterstützen können.

Enzyme bei akuter Mittelohrentzündung

Um den Heilungsprozess zu unterstützen, können Sie Tabletten mit anti-entzündlichen und abschwellend wirksamen pflanzlichen Mitteln einnehmen. Geeignet sind zum Beispiel die Wirkstoffe Bromelain und Papain.

Schmerzen lindern

Tabletten oder Dragees mit entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkstoffen wie Diclofenac und Ibuprofen wirken schmerzlindernd. Bei Kindern empfiehlt sich die Einnahme von Paracetamol, das zudem noch fiebersenkend wirkt.

Zwiebel-Säckchen und Ohrkerzen

Das Auflegen von sogenannten Zwiebel-Säckchen und das Abbrennen von Ohrenkerzen tun viele HNO-Ärzte als unsinnig ab. Dennoch schwören viele Eltern auf diese Hausmittel. Aus medizinischer Sicht lässt sich sagen: Wenn die ärztlich verordneten Therapiemaßnahmen angewendet werden, können diese Hausmittel wenigstens nicht schaden.

Keine Wärme

Bei einem anderen weitverbreiteten Hausmittel sieht es hingegen ganz anders aus. Von Wärmeanwendungen bei akuter Mittelohrentzündung kann nur abgeraten werden. Wärme wie Rotlicht oder Wärmflasche verschlimmern mitunter den Krankheitsverlauf.

Vorbeugung

Um akuten Mittelohrentzündungen vorzubeugen, reinigen Sie Ihre Ohren (und die Ohren von Kindern) möglichst nicht mit Wattestäbchen und niemals mit harten Gegenständen. Damit würden Sie den Selbstreinigungsmechanismus des Gehörgangs stören. Zudem besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. Es reicht aus, das Ohr und die Ohrmuschel bei der täglichen Reinigung zu waschen, mehr ist nicht nötig.

Empfindliche Ohren sollten beim Baden mit spezieller Badewatte aus der Apotheke geschützt werden. Bitte verwenden Sie dazu keine herkömmliche Watte. Die quillt bei Kontakt mit Wasser auf und lässt sich möglicherweise nicht mehr rückstandslos aus dem Ohr entfernen.

Abwehrkräfte stärken

Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte, um Atemwegsinfektionen und damit auch akuten Mittelohrentzündungen vorzubeugen. Dazu ist eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung empfehlenswert. Alkohol sollte nur in Maßen getrunken werden, idealerweise hören Raucher mit Rauchen auf. Außerdem stärken Sie Ihr Immunsystem, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, in die Sauna gehen und übermäßigen Stress vermeiden. Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneien zur Verbesserung der Immunabwehr sind bei ansonsten gesunden Menschen ohne nachweisbare Wirkung.

Autor: Charly Kahle, Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 01.02.2013

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