Abwehrschwäche (Immunschwäche)

Abwehrschwäche begünstigt Infektionen, weil unser Immunsystem bei Abwehrschwäche nicht so effektiv arbeitet, wie es möglich wäre. Die Gründe für Immunschwäche können harmlos sein, aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Die folgenden Informationen über Symptome und Ursachen helfen Ihnen dabei herauszufinden, ob Sie unter Abwehrschwäche leiden. Und Sie lesen, wie Sie mit einfachen Mitteln Ihr Immunsystem stärken.

Synonyme

Immunschwäche, Immundefekt, Immuninkompetenz, Immuninsuffizienz, Immundefizienz, Defektimmunopathie

Definition

Abwehrschwäche

Das Immunsystem unseres Körpers schützt uns - meistens zuverlässig und in der Regel unbemerkt - vor Krankheitserregern. Mediziner sprechen von Abwehrschwäche oder Immunschwäche, wenn die körpereigene Abwehr krankhaft bzw. nicht voll funktionsfähig ist.

Symptome

Symptome der Abwehrschwäche sind vor allem eine erhöhte Infektanfälligkeit und - im Fall einer Infektion - ein langwierigerer oder komplikationsträchtiger Erkrankungsverlauf. Im Durchschnitt hat jeder Deutsche etwa 2 Mal im Jahr eine Atemwegsinfektion wie Husten, Bronchitis oder Schnupfen. Treten solche Erkrankungen deutlich öfter und ohne erkennbare Ursache auf, besteht der Verdacht auf eine Abwehrschwäche.

Ursachen

Abwehrschwäche kann angeboren oder erworben sein. Bei der angeborenen Form ist zumeist die Entwicklung der Stammzellen gestört oder es besteht ein Antikörpermangel. Häufiger jedoch ist die erworbene Abwehrschwäche. Diese führt dazu, dass man häufiger und schwerer als andere Menschen erkrankt. Typische Ursachen von Abwehrschwäche sind:

Untersuchung

Falls überhaupt notwendig, wird Ihr Arzt Ihnen für die Sicherung der Diagnose von Abwehrschwäche etwas Blut abnehmen. Für die Bestimmung der Funktionsfähigkeit des unspezifischen Immunsystems besonders aussagekräftig ist die Konzentration von weißen Blutkörperchen. In einem Mikroliter Blut sind für gewöhnlich bei gesunden Menschen zwischen 4.000 und 8.000 Leukozyten enthalten.

Auch Abwehrschwäche infolge einer Störung des spezifischen Immunsystems lässt sich durch eine Blutuntersuchung nachweisen. Für diesen Immunstatus wird beispielsweise ein großes Blutbild gemacht, in dem unter anderem Antikörper (Immunglobuline), bestimmte Eiweiße oder Abwehrzellen näher bestimmt werden.

Behandlung

In der Regel handelt es sich bei Abwehrschwäche um ein geschwächtes unspezifisches Immunsystem. In diesen Fällen reicht es meistens aus, den unter „Selbsthilfe bei Abwehrschwäche“ genannten Empfehlungen zu folgen. Anders ist es bei einer Abwehrschwäche des spezifischen Immunsystems. Diese wird meist durch Krankheiten oder durch Medikamente verursacht. Hier wird der Arzt in der Regel die auslösende Krankheit behandeln und/oder eine Medikation umstellen.

Insbesondere bei spezifischer Abwehrschwäche empfiehlt sich eine Schutzimpfung vor Grippe und anderen Infektionskrankheiten wie Hepatitis A und Hepatitis B, Diphtherie, Pneumokokken oder Wundstarrkrampf (Tetanus). Diese Impfstoffe gehören zur Gruppe der Totimpfstoffe und können in der Regel bei Abwehrschwäche ohne Gefahr für unerwünschte Nebenwirkungen gegeben werden. Ein gewisses Risiko besteht bei Impfungen mit sogenannten Lebendimpfstoffen wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken. Fragen Sie dazu am besten Ihren Hausarzt.

Selbsthilfe gegen Abwehrschwäche

Immunsystem stärken Das Immunsystem von weitgehend gesunden Menschen profitiert vor allem von Bewegung und einer frischen abwechslungsreichen Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Im Folgenden finden Sie viele Anregungen, um das Immunsystem effektiv zu stärken.

Gesunde, frische Nahrungsmittel stärken das Immunsystem

Sofern nicht eine Erkrankung Grund oder Folge der Abwehrschwäche ist, steht an erster Stelle die Ernährung. Um das Immunsystem effektiv zu stärken, brauchen Sie kaum etwas über Nahrungsmittel zu wissen. Und auch teure Mode-Lebensmittel wie Chia, Quinoa, Kamut oder Goji-Beeren sind kein Muss. Essen Sie einfach möglichst frisch und abwechslungsreich. Setzen Sie auf heimisches Obst und Gemüse sowie Fisch und Vollkornprodukte. Die liefern eine große Vielfalt an Vitaminen, Ballaststoffen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die das Immunsystem stärken.

Kochen Sie so oft wie möglich selbst. Und verzichten Sie dabei auf industriell vorbehandelte Lebensmittel. Alle Experten sind sich einig: Je frischer, natürlicher und abwechslungsreicher die Ernährung, umso besser für das Immunsystem. Diese Form der Ernährung hat sehr oft noch einen weiteren Vorteil: Sie halten ihr Gewicht oder nehmen sogar ab – und verringern außerdem das Risiko für stark ernährungsbedingte Erkrankungen wie Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte.

Für das Immunsystem besonders wichtig sind die Vitamine A, C, D und E sowie die Spurenelemente Eisen und Zink. Die sind beispielsweise in frischem Obst und Gemüse in einer für den Organismus sehr gut verwertbaren Zusammenstellung enthalten.

Bewegung stärkt das Immunsystem

Durch zahlreiche Studien ist belegt, dass Bewegung das Immunsystem stärkt. Schon 20 Minuten täglich – vorzugsweise an der frischen Luft – bringen das Immunsystem deutlich besser in Schwung. Bewegung ist ein Turbo für Heilung und Vorsorge – und kann das Immunsystem sogar so sehr stärken, dass sich das Risiko für eine Krebserkrankung nahezu halbiert.

Eine weitere wesentliche Rolle spielen Entspannung und Schlaf. Entspannungsübungen wie einfache Atemtechniken, Meditation oder autogenes Training verringern nicht nur Stress (und entlasten so die körpereigene Abwehr), sondern stärken das Immunsystem auch direkt. Besonders aktiv ist das Immunsystem in der Nacht, während wir schlafen. Im Themenspecial „Gesunder Schlaf“ finden Sie viele Anregungen, mit denen Sie Schlafprobleme loswerden und Schlafstörungen vorbeugen.

Immunsystem mit Hausmitteln stärken

Die traditionelle Medizin kennt viele Hausmittel, mit denen Sie das Immunsystem stärken können. Das sind beispielsweise:

  • Ein kalter Guss am Morgen. Zunächst 5 Minuten warm duschen, dann kurz mit kaltem Wasser von außen Richtung Körpermitte (Herz) brausen.
  • kneippsche Anwendungen, z.B. Wassertreten
  • Sauna und Tauchbecken (Bei Blutdruckproblemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beraten Sie sich vorsichtshalber mit Ihrem Arzt.)
  • Kräutertee trinken, beispielsweise mit Knabenkraut, Taigawurzel, Sonnenhut, Ginseng, Lindenblüten oder Holunderblüten
  • Nikotin, Koffein und Alkohol belasten das Immunsystem – und stören darüber hinaus den für die Regeneration der Körperabwehr so wichtigen tiefen Schlaf.
  • Stillen schützt den Säugling vor Infektionen, da er bestimmte Abwehrstoffe der Mutter mit der Milch erhält.

Medikamente gegen Abwehrschwäche

Gesunde Menschen brauchen in aller Regel keine Medikamente gegen Abwehrschwäche oder Nahrungsergänzungsmittel, die das Immunsystem stärken sollen. Dennoch erfreuen sich vor allem pflanzliche Heilmittel und mineralienhaltige Nahrungsergänzungsmittel großer Beliebtheit. Der Nutzen für weitgehend gesunde Menschen ist aus medizinischer Sicht nicht ausreichend belegt. Das gilt beispielsweise für die Einnahme von pflanzlichen Präparaten, Tropfen oder Tabletten, die die unspezifische körpereigene Abwehr anregen. Die Präparate enthalten oft Extrakte aus Echinacea (Sonnenhut), Eupatorium (Wasserdost), Thuja (Lebensbaum), Baptisia (Indigo) oder Eleutherococcus. Die Inhaltsstoffe werden auch als homöopathische Arzneimittel angeboten.

In Absprache mit dem Arzt können Vitaminpräparate oder Mineralstoffe sinnvoll sein. Dies gilt allerdings nur für den Fall eines Vitaminmangels oder Mangels an Mineralstoffen. Vorzugsweise sollten Sie Vitamine und Mineralstoffe frisch mit der Nahrung aufnehmen. Die Einnahme eines Zinkpräparates kann helfen, Erkältungen vorzubeugen. Nicht jedoch nach dem Grundsatz: „Viel hilft viel“. Mehr als 100 mg Zink am Tag können zu Erbrechen und Durchfall führen.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung von Abwehrschwäche ist es, die unter „Selbsthilfe gegen Abwehrschwäche“ genannten Empfehlungen zu beherzigen. Wenn Sie überdurchschnittlich oft (mehr als 2 bis 3 Mal im Jahr) an Erkältungen oder Infektionskrankheiten leiden, sollten Sie die Ursache von einem Arzt untersuchen lassen. Dies gilt insbesondere für kranke und geschwächte Menschen, Senioren und Kinder jeden Alters.

Funktion des Immunsystems

Der Körper verfügt über ein kompliziertes Abwehrsystem, das eindringende Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) und von den Krankheitserregern produzierte Stoffe abfängt und vernichtet. Man unterscheidet dabei zwei Systeme, die eng zusammenarbeiten.

Unspezifisches und spezifisches Immunsystem

Das unspezifische Immunsystem richtet sich ganz allgemein gegen eingedrungene Krankheitserreger und versucht sie abzutöten. Das geschieht unabhängig von der Art der Erreger und der auslösenden Erkrankung.

Das spezifische Immunsystem geht viel gezielter gegen Krankheitskeime vor. Es bildet entsprechend dem Aufbau des jeweiligen Erregers spezielle Gegenmittel (sogenannte Antikörper), mit deren Hilfe die Krankheit überwunden wird. In den Zellen des spezifischen Abwehrsystems bleibt in manchen Fällen eine Art Erinnerung an die überstandene Krankheit zurück, sodass bei erneutem Kontakt sofort die wirksamen Antikörper produziert werden können. Bei solchen Erkrankungen wird bei Erstkontakt eine Immunität aufgebaut. Diese Krankheiten bekommt man daher meist nur ein Mal im Leben. Typische Beispiele dafür sind Masern, Mumps und Röteln. Das Prinzip der Impfung beruht ebenfalls auf der Arbeitsweise des spezifischen Abwehrsystems. Auch hier werden spezielle Antikörper gebildet, die eine Erkrankung verhindern.

Immunsystem und Grippe

Bei bestimmten Virus-Infektionen wie Grippe verändert das Virus im Laufe eines Jahres seine Gestalt so, dass der Körper es beim nächsten Kontakt nicht mehr erkennt und erneut erkrankt, weil er zuerst neue Antikörper produzieren muss. Wegen dieser Veränderlichkeit des Grippevirus gibt es bisher auch noch keine langwirksame Grippeimpfung. Vielmehr muss der Grippeimpfstoff jede Saison auf Verdacht neu konzipiert werden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 23.03.2018

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