Mythos oder Wahrheit: Welche Hausmittel helfen wirklich?

Hausmittel erfreuen sich großer Beliebtheit. Vor allem Eltern möchten nicht immer gleich zu Medikamenten greifen. Und die Erfahrung aus Jahrhunderten gibt Ihnen recht: Viele Hausmittel sind manchem Medikament ebenbürtig oder sogar überlegen. Allerdings gibt es auch Hausmittel, die mehr schaden als nutzen. Wie gut kennen Sie sich mit Mythen und Wahrheit über Hausmittel aus?

Hausmittel-Kraeuter

Mythos oder Wahrheit (01): Heiße Zitrone schützt vor Erkältungen?

Mythos: Heiße Zitrone schützt nicht vor Erkältungen

Der schützende Effekt von Zitronensaft gegen Infektionen geht vor allem auf den Vitamin-C-Gehalt dieser Zitrusfrucht zurück. Vitamin C allerdings ist recht hitzeempfindlich. Und kochendes oder sehr heißes Wasser zerstört Vitamin C. Eine heiße Zitrone kann daher nicht vor Atemwegsinfektionen schützen oder Erkältungen lindern.

Dennoch können Sie zur Selbsthilfe bei Erkältungskrankheiten zu Zitrusfrüchten greifen. Nur das Wasser für die heiße Zitrone darf nicht wärmer als ca. 60 Grad sein. Insofern könnte man sagen: Lauwarme Zitrone hilft gegen Erkältungen.

In einigen Regionen Deutschlands kennt man den Zitronenwinkel gegen Halsschmerzen. Dabei werden Zitronenscheiben in ein dünnes Handtuch eingeschlagen und dieses dann als Wickel für eine halbe Stunde um den Hals getragen.

Mythos oder Wahrheit (02): Milch hilft bei Vergiftungen?

Gefährlicher Mythos: Auf keinen Fall Milch bei Vergiftungen

Milch als Hausmittel gegen Vergiftungen gehört zu den Hausmitteln, die verschlimmern, anstatt zu verbessern. Viele Giftstoffe wie Haushaltsreiniger, die Kinder beispielsweise verschlucken, sind fettlöslich. Milch enthält reichlich Fett – und hilft damit, die Giftstoffe zu binden und damit im Körper zu halten, anstatt die Gifte beispielsweise zu erbrechen.

Sie dürfen Kinder bei Verdacht auf Vergiftung aber auf keinen Fall zum Erbrechen bringen. Das birgt die Gefahr, Mund und Speiseröhre zu verätzen.

Bei Verdacht auf Vergiftungen ist die einzig richtige Methode: Sofort ärztliche Hilfe rufen. Entweder über den Giftnotruf, den Rettungsdienst (112) oder den Kinderarzt, wenn dieser schnell beim Kind sein kann. In Absprache mit professionellen Helfern können Sie dem Kind in kleinen Schlucken Wasser oder Tee geben. Aber grundsätzlich keine Milch oder kohlensäurehaltige Getränke.

Mythos oder Wahrheit (03): Warme Milch mit Honig ist sanfte Medizin für Säuglinge?

Gefährlicher Mythos: Kein Honig für Säuglinge

Für fast alle Menschen ist Honig ein sehr gutes Hausmittel bei Atemwegsinfektionen wie Husten oder Halsschmerzen. Säuglinge aber sind besonders empfindlich und das Immunsystem ist noch nicht voll ausgebildet. Honig als Naturprodukt enthält mitunter das Bakterium Clostridium Botulinum. Dieses Bakterium kann im Darm eines Säuglings ein sehr starkes Zellgift bilden, das Botulinumtoxin. Es verursacht eine lebensgefährliche Vergiftung, die Mediziner als Botulismus bezeichnen. Wegen dieser Möglichkeit ist es besser, bei Säuglingen auf Honig zu verzichten.

Schon bei Kleinkindern ab dem 2. Lebensjahr – und bei älteren Kindern ohnehin – werden Immunsystem und Darmflora mit dem Bakterium fertig, sollte es tatsächlich mit Honig in den Darm gelangen.

Als Hausmittel gegen Hustenreiz bei Kindern scheint Honig sogar besser zu wirken als Medikamente mit dem viel verkauften Wirkstoff Dextromethorphan. Forscher am Peen State College of Medicine fanden schon 2007 in einer Studie mit mehr als 100 Kindern heraus, dass Honig den Hustenreiz deutlich besser stillt als chemische Hustenstiller. Honig entfaltet auch als Hausmittel gegen Heiserkeit eine wohltuende Wirkung.

Mythos oder Wahrheit (04): Pflanzenöl als Hausmittel bei Ohrenschmerzen?

Gefährlicher Mythos: Kein Öl oder andere Flüssigkeiten in die Ohren

Bei Ohrenschmerzen sollten Sie auf keinen Fall Pflanzenöl – oder irgendetwas anderes als von einem Arzt verordnete Medikamente – in das Ohr geben. Pflanzenöle erhöhen das Risiko einer Infektion deutlich, denn sie enthalten – insbesondere wenn die Flasche schon längere Zeit geöffnet ist – eine Vielzahl von Keimen, die im feuchten, warmen Ohr ideale Vermehrungsbedingungen vorfinden. Außerdem besteht die Gefahr, dass ein gereiztes Trommelfell durch das Öl angegriffen wird und perforiert.

Ohrenschmerzen können Anzeichen von sehr verschiedenen Erkrankungen wie akuter Mittelohrentzündung, chronischer Mittelohrentzündung, Mumps oder Atemwegsinfektionen wie Nasennebenhöhlenentzündungen sein. Deshalb: Bei anhaltenden Ohrenschmerzen immer zum Arzt gehen.

Um die Schmerzen zu lindern, können Sie ein Zwiebelsäckchen auf das Ohr legen. Einfach frische Zwiebeln klein schneiden, etwas quetschen, in ein Tuch geben, einschlagen und das Päckchen kalt oder lauwarm (am besten über Wasserdampf erwärmt) auf das Ohr legen.

Mythos oder Wahrheit (05): Thymian ist ein Hausmittel gegen Husten?

Wahrheit: Thymian – stark gegen Husten

Thymian ist ein empfehlenswertes Hausmittel zur Selbstbehandlung von Husten, Halsschmerzen und Heiserkeit. Die ätherischen Öle im Thymian lösen den Schleim und entspannen die Muskulatur der Bronchien. Das lindert die Beschwerden bei Bronchitis und Co. Außerdem wird den ätherischen Ölen ein desinfizierender Effekt nachgesagt, der allerdings wissenschaftlich nicht belegt ist.

Die Wirkung des Thymians entfaltet sich am besten bei Inhalationen mit Thymianöl. Geben Sie dazu ein paar Tropfen in eine Schale heißes Wasser oder einen Inhalator und atmen Sie die Dämpfe ein. Wenn Sie lieber einen Tee trinken: Überbrühen Sie zwei Teelöffel getrockneten oder frischen Thymian mit heißem Wasser (nicht kochend) und lassen Sie den Tee zwei Minuten ziehen.

Wenn Sie lieber zu fertigen pflanzlichen Medikamenten greifen möchten: Eine Vielzahl von Thymian-Zubereitungen erhalten Sie in der Apotheke.

Mythos oder Wahrheit (06): Wadenwickel sind ein gutes Hausmittel bei Fieber?

Wahrheit: Wadenwickel senken Fieber

Wadenwickel sind vor allem bei Atemwegsinfektionen, aber auch bei anderen Ursachen von Fieber, ein sehr wirksames Hausmittel gegen die erhöhte Körpertemperatur. Wadenwickel wirken auf zweierlei Weise: Einerseits entziehen die Wickel dem Körper Wärme, indem die Wickel über die Haut Wärme ableiten, andererseits verdunstet die Feuchtigkeit aus den Wickeln auf der Haut. Die dabei entstehende Verdunstungskälte kühlt den Körper zusätzlich ab.

Wadenwickel nicht immer geeignet

So gut Wadenwickel gegen Fieber wirken , in einigen Fällen dürfen sie nicht angewendet werden. Das gilt bei:

  • ansteigendem Fieber
  • Durchblutungsstörungen der Arme und Beine
  • frierenden Patienten sowie kalten Füßen oder Beinen
  • Fieber durch Schock
  • akuten Harnwegsinfekten.

Wenn Sie sich also über die Ursache des Fiebers nicht im Klaren sind, fragen Sie besser einen Arzt, ob Sie Wadenwickel als Hausmittel einsetzen sollen oder nicht.

Den häufigsten Fehler bei der Anwendung von Wadenwickeln können Sie leicht vermeiden: Auch wenn meist von kalten Wadenwickeln die Rede ist und kalt vermeintlich am besten kühlt: Wadenwickel sollten lauwarm sein – und ca. alle 20 Minuten gewechselt werden.

Mythos oder Wahrheit (07): Coca-Cola und Salzstangen als Hausmittel gegen Durchfall?

Mythos: Cola und Salzstangen sind kein geeignetes Hausmittel gegen Durchfall

Es ist wirklich schade. Der Mythos von Cola und Salzigem als gutem Hausmittel gegen Durchfall ist leider eine Falschmeldung. Dieses Hausmittel schadet mehr als es nutzt – aus mehreren Gründen:

  • Cola enthält Koffein und ist daher für Kinder ohnehin nicht gut geeignet. Aber auch Erwachsene sollten bei Durchfallerkrankungen viel schlafen. Und nicht den Schlaf durch Koffein stören.
  • Cola enthält zu viel Zucker. Das erhöht die Wasserausscheidung über die Nieren. Ein zusätzlicher Flüssigkeitsverlust, der bei Durchfall nicht gewünscht ist.
  • Light- oder Zero-Produkte sind keine Alternative, weil die Zuckeraustauschstoffe den Durchfall begünstigen.

Auch die Salzstangen helfen nur bedingt: Sie tragen dazu bei, den Kochsalzverlust (Natriumchlorid) des Körpers zu lindern. Vor allem bei anhaltendem Durchfall aber braucht der Körper auch andere Salze, vor allem Kaliumsalze.

Orangensaft ist ein sehr guter Kaliumlieferant, am besten frisch gepresst. Und die Energie für die Abwehr der Durchfallerreger liefern Traubenzucker-Riegel – oder etwa sieben Teelöffel Traubenzucker im frisch gepressten Orangensaft (0,2 l). Alternativ dazu gibt es in der Apotheke spezielle Elektrolyt-Glucose-Mischungen bei Durchfallerkrankungen.

Mythos oder Wahrheit (08): Fette Fische lindern den Kater?

Mythos: Hausmittel gegen Kater gibt es nicht

Wenn es denn eine Wirkung von Bismarck-Hering oder Rollmops gegen den Kater gibt, dann beruht die wahrscheinlich auf einem Placebo-Effekt. Also hilft hier der Glaube, dass das Hausmittel wirke. Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Anhaltspunkt dafür, dass Heringe den Kater lindern. Die Medizin weiß nicht einmal, wie genau die Symptome des Katers entstehen.

Fest steht lediglich, dass Alkohol ein Zellgift ist, das der Körper möglichst schnell abbauen möchte. Insofern können die Katersymptome als Folgen einer Vergiftung interpretiert werden. Keinen Kater nach einer durchzechten Nacht zu haben, ist in den meisten Fällen kein Glücksfall, sondern ein Warnzeichen: Zechen ohne Kater kann nämlich ein Symptom von Alkoholabhängigkeit sein. Ähnliches gilt, wenn Sie einen Kater durch noch mehr Alkohol lindern.

Mythos oder Wahrheit (09): Gewürznelken als Hausmittel gegen Zahnschmerzen?

Wahrheit: Nelke hilft gegen Zahnschmerzen

Gewürznelken, ob getrocknet oder in Form von Öl, helfen, Zahnschmerzen zu lindern. Das Öl wirkt dabei deutlich stärker als die getrocknete Gewürznelke. Als Hausmittel gegen Zahnschmerzen sind Gewürznelken schon seit Jahrhunderten bekannt – und die moderne Medizin belegt die Kraft der Gewürznelke als Heilpflanze in einigen Studien.

Gewürznelken beinhalten eine Vielzahl von Wirkstoffen. Für die schmerzhemmende und desinfizierende Wirkung machen Pharmazeuten vor allem eine Substanz namens Eugenol verantwortlich. Eugenol ist auch in Betäubungsmitteln enthalten, die von einigen Zahnärzten eingesetzt werden. In einer kleinen Studie mit 73 Teilnehmern verglich die Universität von Kuwait die Wirkung eines Eugenol-Gels mit dem lokalen Betäubungsmittel Benzocain. Das Ergebnis: Das Eugenol-Gel wirkte so gut wie das viel verwendete Betäubungsmittel.

Mythos oder Wahrheit (10): Mehl lindern leichte Verbrennungen?

Gefährlicher Mythos: Keine Fremdstoffe auf verbrannte Haut

Auf keinen Fall sollten Sie verbrannte Haut oder Hautblasen mit Mehl bestäuben. Leider hält sich der Glaube an dieses Hausmittel noch viel zu hartnäckig. Das Personal in Arztpraxen und Notaufnahmen erlebt auch heute noch immer wieder Eltern, die Kinder mit mehlbestäubten Brandwunden vorstellen.

Wie der Glaube an dieses Hausmittel entstand, ist nicht bekannt. Dass es nicht helfen kann, ist im Grunde aber sehr plausibel. Das feine Mehl setzt sich in die ohnehin schon stark gereizte Haut und sorgt dort zunächst einmal für mechanische Reizung durch Reibung. Zudem verklumpt das Mehl und verstopft so die Wege für die körpereigenen Reinigungsmechanismen. Außerdem ist Mehl nicht steril – sondern vielmehr dank seiner großen Oberfläche mit vielen Keimen behaftet. Und die gelangen mit dem Mehl direkt in die Haut – und über die Haut in den Körper, wo sie Infektionen verursachen können.

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Die beste Form der Ersten Hilfe bei größeren Verbrennungen: Die betroffenen Hautflächen mit einem speziellen Brandtuch abdecken. Ist dies nicht zur Hand, kann es auch ein steriles Verbandstuch sein. Brandblasen auf keinen Fall öffnen.

Bei mehr als Handteller großen Verbrennungen noch vor der Ersten Hilfe einen Notarzt (112) verständigen oder umgehend ins Krankenhaus fahren lassen. Solche Verbrennungen auch nicht kühlen.

Mit Wasser zu kühlen ist nur bei kleineren (kleiner als ein Handteller) und geschlossenen Brandwunden eine geeignete Erste Hilfe gegen die Schmerzen.

Mythos oder Wahrheit: Noch mehr Expertentests

Autor: Charly Kahle

Stand: 05.12.2019

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden