Frau steht in der Sonne

Das Solarium in neuem Licht

Seit langem wird eine Diskussion über die Schädlichkeit von Sonnenstrahlen im Allgemeinen und Solarien im Besonderen geführt. Der amerikanische Forscher Prof. Michael F. Holick, Professor für Medizin, Dermatologie, Physiologie und Biophysik und Entdecker der aktiven Form von Vitamin D, stellt nun in seinem neuesten Buch „Schützendes Sonnenlicht – die heilsamen Kräfte der Sonne“ die neuesten Forschungsergebnisse über den Zusammenhang von UV-Exposition und Gesundheit dar.

In seinem Vorwort schreibt Prof. Holick, er möchte dazu beitragen „die Haltung der Gesellschaft gegenüber der Sonne ins rechte Licht zu rücken“. Denn offensichtlich scheint in Sachen Aufklärung über das Sonnenlicht einiger Informationsbedarf zu bestehen. Denn wie ist es, laut Prof Holick, sonst zu erklären, dass die Ratschläge von vielen Experten dahin gehen, die Sonne tunlichst zu meiden.

Dabei ist die Sonne ein wesentlicher Gesundheitsquell für den Menschen und Sonnenmangel um ein Vielfaches gefährlicher als die potentielle Gefahr, die von einer Überdosierung von UV-Strahlen ausgehe. Akuter Sonnenmangel ist laut Prof. Holick mit einer Vielzahl von Krankheiten verbunden, wie beispielsweise Depressionen. Die Richtlinien der Politik werden nach Prof. Holicks Meinung oft ohne Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse bestimmt. Die Verantwortlichen wüssten offenbar über die vielfach belegten Vorteile der Sonne für die menschliche Gesundheit nicht Bescheid.

Mit der Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse möchte Prof. Holick dazu beitragen, dass in diesem Bereich eine neue Sichtweise Einzug hält und die Menschen den verantwortlichen Umgang mit der wichtigsten Wellnessquelle lernen. Das allgemeine Wohlbefinden, hängt laut Prof Holick davon ab, ob wir ein angemessenes Verhältnis zur Sonne finden.

Viele Menschen leiden am Vitamin-D-Mangel

Ausgangspunkt seiner Forschungen war die Beobachtung, dass in den Vereinigten Staaten und in weiten Teilen der westlichen Welt „ein Vitamin-D-Mangel von epidemischen Ausmaßen“ herrscht. Die Ursache liege einerseits in der zunehmenden Mangelernährung (Vitamin D findet sich vor allem in fetten Fischsorten), der Weigerung, diesen Mangel durch Vitamin-D-angereicherte Milch oder durch Nahrungsergänzungsprodukte zu kompensieren und vor allem durch die Tatsache, dass wir uns immer mehr dafür entscheiden, die wichtigste Vitamin-D Quelle zu meiden: das Sonnenlicht.

Die langjährigen Warnungen haben dazu beigetragen, dass die Menschen sich immer mehr vor der Sonne schützen und so in ein anderes Extrem zu rutschen drohen, das dem Vitamin-D-Mangel Vorschub leistet.

Verbesserung der Zellgesundheit

Eine weitere Erkenntnis von Prof. Holick ist die Tatsache, dass nicht allein die Niere aktives Vitamin-D produziert, sondern dass offenbar jede Körperzelle über diese Fähigkeit verfügt.

In den Prostata-, Brust- und Darmzellen beuge das aktive Vitamin D dem für Krebs typischen, ungesunden Zellwachstum vor. Dieser Prozess erfolgt direkt in den Zellen. Nachdem diese das aktive Vitamin D genutzt haben, wird es abgebaut.

Diese Effekte, schlussfolgert Prof. Holick, untermauern die noch recht neue Erkenntnis, dass entgegen aller gegenteiligen Behauptungen die Vorteile der bedachten Sonnenexposition die möglichen negativen Folgen bei weitem aufwiegen.

Verbesserung der Organgesundheit

Herz-Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit und auch zu den häufigsten Todesursachen. Dosierte Sonnenexposition hat nach Prof. Holick erstaunliche Effekte auf diese Art von Erkrankungen.

Erstaunlich ist die Beobachtung, dass die Wahrscheinlichkeit, an hohem Blutdruck zu leiden mit der Entfernung des Lebensmittelpunktes vom Äquator zunimmt. Unterstützt wird dies durch die Tatsache, dass die meisten Menschen während des Sommers bessere Blutdruckwerte als während des Winters haben.

Verbesserung der Knochengesundheit

Der Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und verschiedenen Knochenkrankheiten ist in der Medizin unumstritten und hängt mit der Vitamin-D-Bildung zusammen. Ohne Vitamin-D, dessen Bildung fast vollständig durch die Sonne ermöglicht wird, bekämen unsere Knochen nicht die Calciummenge, die sie benötigen, um kräftig zu bleiben.

Diese Erkenntnis wurde vor allem bei der Behandlung von rachitischen Kindern umgesetzt. Der gelegentlich zu hörende Hinweis, Kinder sollten mehr Milch trinken sei zwar nicht ganz falsch, so Prof. Holick, tatsächlich beinhaltet Milch jedoch nicht so viel Vitamin D, wie oft angenommen wird.

Beunruhigend ist die Tatsache, dass abgeraten wird, kleine Kinder der Sonne auszusetzen. Muttermilch beinhalte laut Prof. Holick fast kein Vitamin-D und ohne zusätzliche Gaben von Vitamin-D oder ohne Sonnenexposition bestehe für Mutter und Kind ein hohes Rachitisrisiko.

Vor allem ältere Personen benötigen Vitamin-D. Denn mit zunehmendem Alter kann der Körper immer schlechter Sonnenlicht in Vitamin-D umwandeln. Hinzu kommt, dass sich ältere Menschen häufiger im Haus aufhalten und oftmals sehr wenig bewegen. So entsteht häufig eine Vitamin-D-Mangel.

Daher könnte die Kombination aus Sonnenlicht und körperlichem Training nicht nur bei älteren Menschen einen wesentlichen Beitrag zur Knochengesundheit leisten.
 

Psychische Verbesserungen

Prof. Holick weist in seinem Buch auf neue Forschungsergebnisse hin, die einen Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und dem sog. „circadianen Rhythmus“ nachweisen. Die Regulation dieses 24-Stundenrhythmus durch Sonnenlicht, den wir täglich durchlaufen, beuge Erkrankungen in Zusammenhang mit Stimmungsschwankungen, wie Beispielsweise der saisonal bedingten Depression (Winterdepression) vor.

Ursache für zahlreiche psychische Verbesserungen liege nach Prof. Holick in der Produktion von Beta-Endorphinen, deren Produktion nach neuesten Erkenntnissen nicht nur im Gehirn sondern auch in der Haut produziert werde. „Möglicherweise fühlen sich Menschen deshalb so gut, wenn sie einige Zeit am Strand gelegen oder ein Solarium besucht haben.“

Verbesserung von Autoimmunerkrankungen

Erkrankungen des Immunsystems werden in den letzten Jahren immer häufiger. Das Immunsystem schützt dabei den Körper gegen eindringende Mikroorganismen. Der Körper produziert dagegen Antikörper bzw. sensibilisierte Lymphozyten. Normalerweise greifen diese Antikörper die eigenen Körperzellen nicht an. Bei Funktionsstörungen des Immunsystems kehrt sich dieser Schutzeffekt des Körpers jedoch gegen ihn. Den Antikörpern wird signalisiert, sie sollten die eigenen Zellen angreifen. Eine solche Funktionsstörung findet man häufig im Zusammenhang mit der Schwächung des Körpers durch Medikamente, Bakterien oder Viren in Kombination mit einer genetischen Prädisposition.

Diese Erkrankungen, so eine von Prof. Holick kürzlich gemachte Entdeckung, werden mit zunehmender Nähe zum Äquator seltener. Sonnenexposition könnte somit eine wichtige Präventivmaßnahme gegen Autoimmunerkrankungen sein.

Die richtige Dosierung als Voraussetzung präventiver Wirkungen des Sonnenlichtes

Wenn auch die Botschaft von Prof. Holick lautet: Geht mehr in die Sonne! So bedeutet das jedoch nicht, sich unkontrolliert und unbegrenzt hoher UV-Dosierungen auszusetzen. Wie bei den meisten Dingen, die gut für den Menschen sind, hängt auch hier die Wirkung ganz wesentlich von der Dosierung ab. Zuviel Sonne ist schädlich. Aber auch eine zu geringe Dosierung führt zu keinen oder nur sehr schwachen Effekten.

Um die richtige Dosierung für gesundes Sonnenbaden herauszufinden, werden zwei Werte benötigt: die individuelle Hautempfindlichkeit sowie die Bestrahlungsstärke der Sonnenlichtquelle.

Während die individuelle Hautempfindlichkeit durch die Beantwortung einiger gezielter Fragen herausgefunden werden kann, ist die Bestimmung der Bestrahlungsstärke schon schwieriger. In der freien Natur kann die genaue Bestrahlungsstärke nicht ohne weiteres festgestellt werden, da sie von sehr vielen Faktoren abhängig ist und nicht direkt gemessen werden kann. Deshalb ist hier besondere Vorsicht angebracht. Die bekannten Empfehlungen der Hautärzte sollten hierbei immer eingehalten werden.

Bei einem Solarium, sofern es vom Betreiber ordnungsgemäß betrieben wird, steht genau fest, wie hoch die Bestrahlungsstärke ist. In Verbindung mit der Bestimmung der individuellen Hautempfindlichkeit kann jeder anhand der Tabellen der empfohlenen Besonnungszeiten, die jedem Solarium beigefügt sein sollte, die individuelle Besonnungszeit feststellen. Einige moderne Solarien verfügen sogar über eine integrierte Hautempfindlichkeitsmessung sowie eine automatische Einstellung der individuellen Dosierung (IQ-Technologie).

Ein Sonnenbrand ist auf jeden Fall zu vermeiden. Ebenso tägliches Sonnen bis zur Sonnenbrandschwelle. Wenn diese Empfehlungen gemeinsam mit der Nutzung einer Sonnenschutzbrille sowie der guten Pflege der Haut mittels geeigneter Sonnenkosmetika eingehalten werden, steht einem gesunden Bräunen nichts mehr im Wege. Regelmäßiges und dosiertes Sonnenbaden hat so eine gesunden und entspannende Wirkung. Darüber hinaus kann es dazu beitragen, einer Vielzahl von Krankheiten vorzubeugen.
 

Autor: Redaktion Meine Gesundheit

Stand: 26.11.2014

Quelle:

HOLICK,JENKINS „Schützendes Sonnenlicht“, Haug, Stuttgart: 2005