Wechselwirkungen zwischen Lebensmitteln und Medikamenten

Hier lernen Sie häufige Wechselwirkungen von Lebensmitteln und Medikamenten kennen. Wie Ente, Gans, Grapefruit und andere winterliche Lebensmittel auf Medikamente wirken.

Wechselwirkungen – wie winterliche Lebensmittel auf Medikamente wirken

Weihnachtsessen

Haben Sie sich beim Weihnachtsschmaus schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie Ente und Gans auf Medikamente wirken? Oder beim Genuss von Zitrusfrüchten und grünem Gemüse weniger an Vitamin C gedacht als an Wechselwirkungen mit Arzneien? Hier erfahren Sie mehr über Wechselwirkungen von Lebensmitteln und Medikamenten. Selbst in Krankenhäusern oder Pflegeheimen soll es zuweilen vorkommen, dass die Wechselwirkungen von Medikamenten und im Winter beliebten Lebensmitteln nicht ausreichend beachtet werden.

Gerade in den Herbst- und Wintermonaten wollen sich viele Menschen für die kalte Jahreszeit gut rüsten. Zitrusfrüchte, vitaminreiches Gemüse und energieliefernde Nüsse stehen auf dem Speiseplan. Weihnachten lockt mit Ente, Gans und anderen Genüssen. Diese normalerweise gesunden Nahrungsmittel können jedoch für Menschen gefährlich werden, die regelmäßig Medikamente einnehmen. Der Verzehr von Grapefruit, Kohl und Erdnüssen beispielsweise hat mitunter erhebliche Folgen. Professor M. Wehling vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg warnt dringend davor, die Interaktion von Lebensmitteln mit Medikamenten zu unterschätzen.

Keine Früchte und Obstsäfte zu Magensäure-Hemmern

Weihnachtszeit ist Enten- und Gänsezeit. Nicht selten aber folgen auf ein fettes Essen Sodbrennen und saures Aufstoßen. Dann werden sogenannte Antazida geschluckt, um die Magensäure zu neutralisieren. Diese Medikamente sollten möglichst nicht zusammen mit Citraten eingenommen werden. Denn viele Antazida enthalten Aluminiumsalze. Zusammen mit Citraten erhöht sich die Aufnahme dieser Salze. Aluminium ist jedoch nicht unumstritten. Das Leichtmetall steht im Verdacht, Alzheimer und Brustkrebs zu begünstigen. Aus Sicherheitsgründen wird deshalb abgeraten, aluminiumhaltige Antazida wie Magaldrat und Sucralfat zusammen mit citrathaltigen Getränken wie Obstsäften, Fruchtlimonaden oder Wein bzw. Weinschorlen einzunehmen.

Festtagsessen kann MAO-Hemmer abschwächen

Gerade zu Weihnachten oder Silvester soll etwas Besonderes auf den Tisch kommen. Besonders beliebt sind Schalentiere und Kaviar oder auch ein gut gelagerter Käse für das Käsefondue. Die langgereifte Edelsalami aus dem Spezialitätenhaus, eine Flasche Wein älteren Jahrgangs oder auch marinierte oder eingelegte Heringe gegen den Kater am Morgen sind weitere Festtags-Bestseller. Diese Lebensmittel sind jedoch nicht immer unproblematisch. Das gilt insbesondere für Menschen, die MAO-Hemmer einnehmen müssen. MAO-Hemmer werden hauptsächlich bei Depressionen gegeben, wenn andere Wirkstoffe nur unzureichend wirksam waren. MAO-Hemmer wirken jedoch nicht nur antidepressiv, sondern greifen auch in den Abbau von Nahrungsmitteln ein. Die erwähnten Nahrungsmittel enthalten reichliche Mengen an Tyramin. Tyramin wirkt blutdrucksteigernd und wird durch das Enzym Monoaminoxidase, kurz MAO, verstoffwechselt. MAO-Hemmer behindern jedoch dieses Enzym und beeinträchtigen so den Um- und Abbau von Tyramin. Die Aminosäure reichert sich im Körper an und führt mitunter zu Kopfschmerzen und erhöhten Blutdruck. Menschen, die MAO-Hemmer einnehmen müssen, sollten deshalb darauf achten, möglichst wenig tyraminhaltige Nahrungsmittel zu verzehren.

Nüsse stören Schilddrüsenhormon-Bildung

Vor allem in der Winter- und Vorweihnachtszeit sind Nüsse auf vielen Naschtellern. Auch Kohl bereichert als klassisches Wintergemüse häufig den Speiseplan in der kalten Jahreszeit. Nüsse und Kohlgemüse sind jedoch nicht für jeden Menschen unproblematisch. Insbesondere sollten Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion, die Thyroxin einnehmen, aufpassen. Leider werden viel zu viele Patienten weder von Ärzten noch in der Apotheke informiert, wie störanfällig die Behandlung mit Thyroxin ist. Sehr häufig werden aus Unwissenheit Einnahmefehler begangen, die den Therapieerfolg erheblich gefährden. Oft können sich Patienten nicht erklären, warum ihre Beschwerden tagesabhängig schwanken. Nicht selten stehen auch Ärzte vor dem Rätsel, dass der TSH-Wert trotz regelmäßiger Thyroxin-Einnahme nicht wie erhofft sinkt. In vielen dieser Fälle sind Nahrungsmittel die Ursache. Deshalb sollten zwischen dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel und der Einnahme von Thyroxin mehrere Stunden liegen.

Kohl hemmt die Bildung von Schilddrüsenhormonen

Die Schilddrüse benötigt vor allem Jod, um Schilddrüsenhormone zu bilden. Thioglykoside und zyanogene Glykoside beeinflussen den Jodstoffwechsel. Thioglykoside blockieren die Bindung von Jod an den Eiweißbaustein Tyrosin und hemmen so die Umwandlung von Jod in Schilddrüsenhormone. In der Folge steigt die Schilddrüsenhormon-Konzentration nur unzureichend und nicht wie gewünscht an. Thioglykoside sind vor allem in Kohl, Erdnüssen, Senf, Meerrettich und Radieschen enthalten. Zyanogene Glykoside werden im Verdauungssystem zu Zucker und Zyanid (Blausäure) abgebaut. Zyanid verringert die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse. Das wiederum verringert die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Zyanogene Glykoside kommen insbesondere in Hirse, Leinsamen, Sprossen und Bittermandeln vor.

Sojabohnen senken Schilddrüsenhormon-Konzentration

Ebenfalls problematisch sind Sojabohnen bei Schilddrüsenunterfunktion. Diese können das eingenommene Thyroxin im Darm binden und die Schilddrüsenhormon-Konzentration im Blut senken. Die ohnehin schon verminderten Schilddrüsenhormone werden ungenutzt mit dem Stuhl ausgeschieden. Pflaumen, Lactose und Flohsamenschalen Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion leiden häufig an chronischer Verstopfung. Um dieser auf natürlichem Wege vorzubeugen, greifen viele Patienten zu Pflaumen, Lactose oder Flohsamenschalen. Diese Hilfsmittel erhöhen die Darmaktivität und beschleunigen die Darmpassage. Schilddrüsenhormone wie Thyroxin benötigen aber einige Zeit, bis sie aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Sie müssen also eine gewisse Zeit im Verdauungssystem verbleiben. Bei einer beschleunigten Darmentleerung würde das Thyroxin ungenutzt mit dem Stuhl ausgeschieden werden und die Wirkung verringert sich. Bei abführenden Stoffen gilt deshalb die 2-Stunden-Regel. Es sollten also mindestens 2 Stunden nach der Medikamenteneinnahme vergehen, bevor abführende Mittel eingenommen werden.

Keine Grapefruit bei Medikamenteneinnahme

Der Bitterstoff Furanocumarin in der Grapefruit kann die Wirkung von etlichen Medikamenten verstärken oder abschwächen. Neben Orangen und Mandarinen bereichern Grapefruits den Speiseplan im Winter. Pampelmusen, wie Grapefruits auch genannt werden, sind gesund, kalorienarm, stecken voller Vitamine und Mineralstoffe, schmecken süßsäuerlich und sind leicht bitter. Soweit alles richtig. Doch der Inhaltsstoff, der für den bitteren Geschmack verantwortlich ist, hat es in sich. Furanocumarin kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Bereits eine halbe Grapefruit oder 1 Glas Grapefruit-Saft kann die Wirksamkeit von Medikamenten drastisch verstärken oder abschwächen oder Medikamente sogar komplett unwirksam machen. Und das nicht nur bei der gleichzeitigen Einnahme. Die interaktive Wirkung der Grapefruit kann bis zu mehreren Tagen anhalten. Die meisten Mediziner empfehlen deshalb, möglichst gar keine Grapefruit und Grapefruit-Zubereitungen zu verzehren, wenn Medikamente eingenommen werden müssen.

Verstärkte Wirkung durch Grapefruit

Arzneistoffe, deren Wirkung durch Grapefruit verstärkt wird, sind unter anderem:

  • Immunsystem-unterdrückende Wirkstoffe (Immunsuppressiva wie Ciclosporin und Tacrolimus)
  • Blutfettsenker (Statine wie Pravastatin und Simvastatin)
  • Wirkstoffe zur Behandlung von Gefäß- und Herzkrankheiten (Kalziumantagonisten wie Nifedipin und Lercanidipin)
  • Wirkstoffe zur Behandlung von Erektionsstörungen (Phosphodiesterase-5-Inhibitoren wie Sildenafil und Tadalafil)
  • Wirkstoffe in der Krebstherapie (Proteinkinaseinhibitoren wie Axitinib und Sunitinib) Schlafmittel (Benzodiazepine wie Midazolam und Triazolam)
  • Herzrhythmus-regulierende Wirkstoffe (Antiarrhythmika wie Amiodaron und Dronedaron).

Verminderte Wirkung durch Grapefruit

Wirkstoffe, deren Wirkung durch Grapefruit abgeschwächt wird, sind insbesondere:

  • der Blutdrucksenker Aliskiren
  • das Antihistaminikum Bilastin
  • die Chemotherapeutika Cyclophosphamid und Ifosfamid.

Milch für Einnahme von Medikamenten nicht geeignet

Milch ist nicht geeignet, um damit Medikamente einzunehmen. Das gilt jedoch nicht nur für Milch alleine, auch milchhaltige Getränke wie heißer Kakao oder Milchkaffee sind nicht zur Medikamenteneinnahme geeignet. Milch und Antibiotika Milch enthält unter anderem Kalzium. Dieser Mineralstoff kann im Verdauungstrakt mit bestimmten Antibiotika schwer lösliche Verbindungen eingehen. In der Folge können die antibiotisch wirkenden Stoffe schlechter aus dem Darm in den Körper aufgenommen werden und die Wirkung erfolgt nicht wie gewünscht. Zu diesen Antibiotika zählen insbesondere Medikamente mit den Wirkstoffen Ciprofloxacin, Doxycyclin und Norfloxacin. Andere Antibiotika wie Erythromycin und Penicillin weisen diese Wechselwirkung zwar nicht auf, sollten aber dennoch vorzugsweise mit Wasser heruntergeschluckt werden. Milch und Bisphosphonate Bisphosphonate sind Wirkstoffe, die insbesondere bei Erkrankungen des Knochenstoffwechsels eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Osteoporose, Knochenmetastasen oder die Paget-Krankheit. Bekannte Vertreter dieser Wirkstoffklasse sind Alendronsäure, Clodronsäure und Risedronsäure. Zusammen mit Milch eingenommen, bilden sich Komplex-Verbindungen, aus denen die Bisphosphonate weniger gut in den Körper aufgenommen werden können. In der Folge verringert sich deren Wirkung. Das gilt jedoch nicht nur für Milch und Milchprodukte. Vielmehr eignen sich alle kalziumreichen Getränke (inklusive Mineralwasser) nicht, um Bisphosphonate einzunehmen.

Grünes Gemüse verstärkt Blutgerinnung

GrünesGemüse ist vitaminreich und gesund. Viele Menschen versprechen sich eine gesundheitsfördernde Wirkung und setzen vor allem in der kalten Jahreszeit auf Salat und Co. Das kann allerdings für Menschen gefährlich sein, die blutgerinnungshemmende Wirkstoffe wie Phenprocoumon und Warfarin einnehmen. Der Hintergrund ist folgender: Grüne Gemüsesorten wie Salat, Brokkoli und Spinat enthalten viel Vitamin K. Vitamin K ist insbesondere zur Bildung von Gerinnungsfaktoren, die zur Blutstillung benötigt werden, wichtig. Phenprocoumon und Warfarin wirken aber als Vitamin-K-Gegenspieler. Sie sollen nämlich die Bildung der Blutgerinnungsfaktoren hemmen und somit die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen. So wird dem Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall durch Blutgerinnsel vorgebeugt. Menschen, die Blutgerinnungshemmer einnehmen, sollten möglichst keine großen Mengen an Vitamin-K-haltigem Gemüse verzehren und Schwankungen der Vitamin-K-Zufuhr vermeiden. Ganz verbannen sollten Sie das grüne Gemüse jedoch nicht auf ihrem Speiseplan. Verzichten Sie nämlich abrupt auf Salat und Co., könnte sich das Risiko für ungewollte Blutungen erhöhen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 11.12.2018

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