Ernährung bei Reizdarmsyndrom | FODMAPs und Reizdarmsyndrom

Heilen lässt sich das Reizdarmsyndrom durch eine Ernährungsumstellung nicht. Eine individuell angepasste Ernährung bei Reizdarmsyndrom kann die quälenden Symptome aber sehr oft deutlich lindern.

FODMAP

In der Behandlung des Reizdarmsyndroms spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Allerdings gibt es nicht die eine bewährte Reizdarmsyndrom-Diät, die immer hilft. Vielmehr kommt es darauf an, die für den persönlichen Einzelfall bestmögliche Ernährung bei Reizdarmsyndrom zu finden. Denn die Auswahl der individuell bestverträglichen Lebensmittel ist der Königsweg, um die quälenden Symptome deutlich zu lindern.

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht bekannt. Zudem sind die Symptome oft sehr unterschiedlich. Beispielsweise äußert sich das Reizdarmsyndrom oft mit anhaltendem Durchfall, in anderen Fällen aber mit Verstopfung. Bauchkrämpfe und Blähungen sind weitere Symptome. Mehr über Symptome, Forschungsansätze und Behandlung lesen Sie im ausführlichen Krankheitsbild Reizdarmsyndrom.

Individuelle Ernährung bei Reizdarmsyndrom

Menschen mit Reizdarmsyndrom reagieren sehr individuell auf Lebensmittel. Zudem spielen weitere Umstände wie die Essenszubereitung, die Umgebung oder die aktuelle persönliche Befindlichkeit eine Rolle. Es ist durchaus häufig, dass ein und dieselbe Person ein bestimmtes Lebensmittel in der einen Situation verträgt, in einer anderen aber nicht.

Ernährungs- und Symptomprotokoll liefert Anhaltspunkte

Für die bestmöglich angepasste individuelle Ernährung bei Reizdarmsyndrom ist es also sehr wichtig, zunächst einmal die auslösenden Lebensmittel und Umstände herauszufinden. Dabei kann ein Ernährungs- und Symptomprotokoll wertvolle Dienste leisten.

In einem Ernährungsprotokoll halten Sie möglichst detailliert alle Mahlzeiten sowie die Reaktionen auf die darin enthaltenen Lebensmittel fest. Gleichzeitig notieren Sie die Begleitumstände, also beispielsweise ob Sie an dem betreffenden Tag besonderem Stress ausgesetzt waren oder auf die Schnelle zwischendurch gegessen haben. Halten Sie auch die Einnahme von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln fest. Idealerweise führen Sie ein Ernährungsprotokoll über mehrere Wochen.

Unverträgliche Lebensmittel identifizieren und weglassen

Auf diese Weise finden Sie heraus, welche Lebensmittel Sie vertragen – und auf welche Lebensmittel Sie mit Beschwerden reagieren. Sie sollten Lebensmittel aber nicht vorschnell meiden. Streichen Sie nur die Lebensmittel aus Ihrer Ernährung, die regelmäßig Beschwerden verursachen. Anderenfalls könnte die Liste der zu meidenden Lebensmittel so lang werden, dass eine Reizdarm-Diät wegen Eintönigkeit kaum durchhaltbar wird. Zudem erhöht sich mit eingeschränkter Lebensmittelauswahl das Risiko für Fehl- oder Mangelernährung.

Die Auswertung eines Ernährungsprotokolls gelingt am besten in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Mediziner oder professionellen Ernährungsberatern. Ernährungsprofis helfen Ihnen auch, einen ausgewogenen Ernährungsplan zu erstellen. Zudem unterstützen sie dabei, die mitunter erheblichen Herausforderungen der Ernährungsumstellung zu bewältigen.

FODMAPs und Reizdarmsyndrom

Im Zusammenhang mit Ernährung bei Reizdarmsyndrom ist sehr oft von FODMAPs die Rede. Als FODMAP bezeichnen Ernährungsmediziner bestimmte Gruppen von Kohlenhydraten und Alkoholen. FODMAP ist die englische Abkürzung für

  • Fermentierbare Oligosaccharide (große Zuckermoleküle)
  • Disaccharide wie Milchzucker (Laktose)
  • Monosaccharide wie Fruchtzucker (Fructose)
  • And (und)
  • Polyole wie die Süßstoffe Sorbit oder Xylit

FODMAPs sind in sehr vielen Lebensmitteln enthalten und stellen für gesunde Menschen in aller Regel kein Problem dar, weil sie bereits im Dünndarm abgebaut werden. Bei Menschen mit Reizdarmsyndrom gelangen die FODMAPs mitunter aber in den Dickdarm. Dort können sie beispielsweise viel Wasser binden und Durchfall auslösen. Wenn Bakterien FODMAPs abbauen und dabei Gase freisetzen, kann sich das durch Blähungen oder krampfartige Schmerzen äußern.

Die Symptome von FODMAP-Unverträglichkeiten ähneln häufig den Anzeichen von anderen Erkrankungen wie Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), Fructoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit) oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Diese Erkrankungen lassen sich im Gegensatz zum Reizdarmsyndrom aber diagnostisch klar nachweisen.

Lebensmittel mit vielen FODMAPs

  • Fructose oder Fruchtzucker ist vor allem in vielen Früchten und Fruchtpropdukten enthalten. Darüber hinaus ist Fruchtzucker Bestandteil von sehr vielen Fertigprodukten. Reich an FODMAPs sind beispielsweise Apfel, Birne, Mango, Pfirsich und Wassermelone sowie Trockenfrüchte, Fruchtsäfte, Honig und Maissirup.
  • Laktose findet sich in Milch und Milchprodukten sowie zuweilen in Fertiggerichten.
  • Oligosaccharide sind Bestandteil von Weizen und Weizenprodukten, außerdem von Zwiebelgewächsen, Hülsenfrüchten wie Bohnen und Linsen oder Kohlgemüse.
  • Polyole (Zuckeralkohole) sind beispielsweise die Süßstoffe Mannit, Isomalt, Sorbit oder Xylit. Sie werden vor allem in der industriellen Lebensmittelproduktion eingesetzt. Das gilt vor allem für kalorien- und zuckerreduzierte Produkte. Als natürlicher Bestandteil sind Polyole unter anderem in Trockenfrüchten, Pflaumen und Birnen enthalten.

Lebensmittel mit geringem FODMAP-Anteil

  • Fruchtzuckerarm sind beispielsweise Obstsorten wie Banane, Erdbeeren, Grapefruit, Heidelbeeren, Himbeeren, Honigmelone, Kiwi, Limette, Mandarine, Orange, Papaya, Passionsfrucht,  Weintrauben und Zitrone.
  • Laktosearm sind Hartkäse und Schnittkäse wie Edamer, Emmentaler, Gouda und Parmesan.
  • Oligosaccharidarm sind glutenfreie Getreide oder Getreideersatz wie Buchweizen, Dinkel, Hafer, Quinoa oder Reis; ebenso Bambussprossen, Blattsalat, frische Kräuter, grüne Bohnen, Gurke Mais, Mangold, Mandeln, Karotten, Kürbis, Kürbiskerne, Paprika Pastinake, Sellerie, Sprossen, Tomate und Zucchini.

Ballaststoffe bei Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe sind ein sehr wertvoller Nahrungsbestandteil. Die unverdaulichen Pflanzenfasern entfalten bei vielen Menschen positive Effekte auf Magen-Darm-Trakt und Verdauung. Zudem senken sie das Risiko für Bluthochdruck, wirken schützend auf Herz und Kreislauf und fördern einen gesunden Fettstoffwechsel.

Im Fall von Reizdarmsydrom ist es mit den Ballaststoffen so wie mit anderen Lebensmitteln auch: Die Reaktionen sind individuell verschieden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, Ballaststoffe testweise in die Ernährung einzubeziehen. Dabei sind wasserlösliche Ballaststoffe wie Flohsamen oder Leinsamen nach Darstellung der DGE besser geeignet als wasserunlösliche Ballaststoffe (beispielsweise Weizenkleie).

Flohsamen und Leinsamen lassen sich leicht mit fruchtzuckerarmen Obst, Joghurt, Müsli und Milch oder Milchersatzprodukten als gesundes Frühstück oder kleine Zwischenmahlzeit kombinieren.

Probiotika für eine gesunde Darmflora

Reizdarmsydrom geht oft mit einer geschädigten Darmflora einher. Allerdings ist bislang unklar, ob die gestörte Darmflora Ursache oder Folge des Reizdarmsyndroms ist.

Als Darmflora oder Intestinalflora wird die Gesamtheit der Mikroorganismen bezeichnet, die den menschlichen Darm besiedelt. Mehr als 6.000 Mikroorganismen mit einer Gesamtzahl von 100 Millionen Stück bevölkern den Darm. Damit ist die Zahl der die Darmflora bildendenden Mikroorganismen 10 Mal höher als die Anzahl der Zellen im menschlichen Organismus.

Probiotika aus Milchprodukten

Zu den Mikroorganismen im Darm gehören sogenannte Probiotika. Den Probiotika werden positive Effekte auf die Darmgesundheit zugeschrieben. Belegt ist das allerdings nicht. Dennoch bietet der Lebensmittelhandel zahlreiche probiotische Lebensmittel. Nach Ansicht der meisten Experten ist deren Probiotika-Gehalt aber viel zu klein, um zu wirken. Das gelte umso mehr, als die meisten Probiotika aus Nahrungsmitteln gar nicht lebend den Darm erreichen.

Auch zur Wirksamkeit von Probiotika aus medizinischen Produkten gibt es bislang kaum aussagekräftige Studien. Nichtsdestotrotz haben einzelne Probiotika-Stämme es in die Therapieleitlinien geschafft. Demnach wirken Bifidobakterium infantis und Lactobacillus casei Shirota gegen Blähungen, E. coli Nissle bei Verstopfung und Lactobakterien bei Durchfall.

Autor: Charly Kahle

Stand: 27.06.2019

Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Essen und Trinken bei Reizdarmsyndrom (Broschüre der DGE-Infothek) https://www.dge-medienservice.de/ernaehrung-bei-gesundheitsstoerungen-diatetik/e-u-t-beim-reizdarmsyndrom.html
     
  2. Institut für Ernährungsmedizin der TU München: FODMAP-Konzept https://www.mri.tum.de/sites/default/files/seiten/fodmap-konzept_juni_2018.pdf
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