Richtige Ernährung bei Gicht

In der Behandlung von Gicht spielt purinarme Ernährung eine zentrale Rolle. Sie lindert Beschwerden und kann Medikamente überflüssig machen.

Milch Kaese und Eier

In der Behandlung von Gicht spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Die richtige Ernährung bei Gicht senkt nicht nur das Risiko für schmerzhafte Gichtanfälle. Sie trägt auch dazu bei, Gelenkbeschwerden zu mindern und Nierenschäden zu vermeiden. Die richtige Auswahl der Lebensmittel kann außerdem bewirken, dass Gicht-Medikamente überflüssig werden oder zumindest in der Dosierung deutlich verringert werden können.

Warum ist die Ernährung bei Gicht so bedeutsam?

Ursache von Gicht ist in den allermeisten Fällen eine angeborene Störung des Harnsäure-Stoffwechsels. Dadurch kommt es zu einem Harnsäureüberschuss (Hyperurikämie). Eine Hyperurikämie liegt vor, wenn der Harnsäurespiegel im Blut größer als 7,0 Milligramm je Deziliter (Männer) bzw. 6,0 mg/dl (Frauen) ist. Die überschüssige Harnsäure bildet Kristalle, die sich vor allen in Gelenken ablagern. In diesem Fall spricht man von Gicht. Um den Harnsäurespiegel zu senken, werden Harnsäurekonzentrationen bis 8,5 oder 9 mg/dl in der Regel alleine durch eine Ernährungsumstellung behandelt,

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Harnsäurespiegel, Purine und Gicht

Aber was hat der Harnsäurespiegel mit der Ernährung zu tun? Das wird deutlich, wenn man die Entstehung von Harnsäure betrachtet. Harnsäure entsteht aus sogenannten Purinen. Diese Purine sind Bausteine der Erbinformation in allen tierischen und pflanzlichen Zellen. Mit den Erbinformationen bildet der Körper Tat für Tag Millionen von neuen Zellen – und baut ebenso viele Zellen ab. Schon dabei entsteht eine hohe Purin-Konzentration.

Den weitaus größeren Teil der Purine aber nehmen wir mit der Nahrung auf. Während gesunde Menschen das überschüssige Purin zu Harnsäure abbauen und über die Blase und den Darm abbauen können, ist dieser Stoffwechsel bei Patienten, die zur Gicht neigen, gestört. Bei ihnen reichert sich die Harnsäure im Blut an und es kann zu Ablagerungen in den Gelenken, Beschwerden und Schmerzen kommen.

Wenn die Purine aus der Nahrung gar nicht erst in den Körper gelangen, sinkt der Harnsäurespiegel automatisch. Aus diesem einfachen Grund trägt eine purinarme Ernährung wesentlich dazu bei, die Purinkonzentration zu senken. Deshalb ist purinarme Ernährung die beste Behandlungsoption bei Gicht.

Purinarme Ernährungsumstellung gegen Gicht

Im Mittelpunkt der Behandlung von Gicht steht eine Ernährungsumstellung auf purinarme Lebensmittel. Ernährungsmediziner unterscheiden dabei vor allem die purinarme Kost und die streng purinarme Kost.

Streng purinarme Kost

Die streng purinarme Kost ist eine sehr eingeschränkte Diät, die im Alltag für die allermeisten Menschen kaum umzusetzen ist und auf Dauer nur sehr selten aufrechterhalten werden kann. Daher wird diese Diät mit maximal 300 Milligramm Harnsäure aus Lebensmitteln in der Regel nur in Kliniken oder direkt nach einem Gichtanfall verordnet.

Purinarme Kost

Als purinarme Kost wird eine Diät bezeichnet, bei der aus der Nahrung bis zu 500 Milligramm Harnsäure pro Tag bzw. 3.000 Milligramm Harnsäure pro Woche gebildet wird. Die purinarme Kost ist der Normalfall in der Behandlung von Gicht. Im Grunde handelt es sich bei dieser Diät um eine Ernährungsstellung auf frische, vollwertige und wenig verarbeitete Lebensmittel, bei der purinreiche gegen purinarme Lebensmittel ausgetauscht werden.

Purinarme Ernährung im Überblick

Die Deutsche Gesellschaft fasst die Grundprinzipien einer purinarmen Ernährungsumstellung so zusammen:

  • Fleisch, Wurst und Fisch: weniger ist mehr
  • Milch und Milchprodukte als Eiweißquellen bevorzugen
  • Reichlich Gemüse, Obst, Getreideprodukte und Kartoffeln
  • Fettarm essen und zubereiten (Pflanzenöle bevorzugen: Raps, Walnuss)
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Zurückhaltung bei alkoholischen Getränken.

Purin-Lebensmittelampel der DGE

Die DGE hat für die Ernährung bei Gicht eine Lebensmittelampel zusammengestellt.

Grünes Licht (uneingeschränkter Verzehr) für purinarme oder purinfreie Lebensmittel

  • Getreide und Getreideerzeugnisse
  • Kartoffeln
  • Gemüse (nicht aber Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Sojabohnen sowie Blumenkohl und Spinat, auch daraus hergestellte Produkte)
  • Salate
  • Frisches Obst
  • Fettarme Milch und Milchprodukte
  • Eier (max. 3 pro Woche inklusive verarbeiteter Produkte)

Gelbes Licht (eingeschränkt verwenden) für Lebensmittel mit mittlerem Puringehalt

  • Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Sojabohnen
  • Kohlgemüse wie Rosenkohl, Brokkoli und Blumenkohl
  • Spinat, Artischocken, Spargel, Schwarzwurzel
  • Fettarme Filets von Schwein, Rind oder Geflügel
  • Wurstwaren wie gekochter Schinken, Bierwurst, Sülze oder Geflügelmortadella
  • Seefisch wie Kabeljau oder Lachs

Rotes Licht (nicht verwenden) für Lebensmittel mit hohem Puringehalt

  • Innereien
  • Haut von Schwein, Geflügel oder Fisch, insbesondere Schweineschwarte
  • Sprotten, Sardellen oder Ölsardinen

Risikofaktor Übergewicht: Abnehmen gegen Gicht

Sehr viele Menschen mit Gicht sind übergewichtig oder fettsüchtig (Adipositas). Schon eine einfache Gewichtsabnahme trägt dazu bei, den Harnsäurespiegel zu senken – und damit die Gicht-Symptomatik zu lindern. Aber nicht nur das: Weniger Gewicht bedeutet auch, dass die – durch Gicht häufig schon geschädigten - Gelenke entlastet werden.

Keine Radikaldiäten oder strenges Fasten

Wenn Sie Übergewicht abbauen wollen, sollten Sie aber auf Radikaldiäten oder strenges Fasten verzichten. Das hat mehrere Gründe. Einerseits baut der Körper bei einer stark verringerten Energiezufuhr vermehrt Fett und Muskelgewebe ab. Durch die damit verbundene Purinfreisetzung steigt der Harnsäurespiegel unnötig stark an – und kann darüber hinaus Gichtanfälle auslösen. Zum anderen sind Radikaldiäten für die Ernährungsumstellung nicht geeignet, weil sie dauerhaft nicht durchzuhalten sind.

Risikofaktor Flüssigkeitsmangel: Viel trinken gegen Gicht

Harnsäure wird mit dem Urin ausgeschieden. Diese Ausscheidung über die Nieren ist bei Gicht ohnehin schon gestört – und wird durch Flüssigkeitsmangel verstärkt. Zur Ernährungstherapie gegen Gicht gehört es daher, viel zu trinken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag. Besser noch sind größere Trinkmengen. Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion sollten Sie die Trinkmenge mit Ihrem Arzt abstimmen.

Das dürfen Sie bei Gicht trinken

Was dürfen Sie bei Gicht trinken? Besonders gut geeignet sind Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie Fruchtsaftschorlen (max. 1 Drittel Fruchtsaft). Auf Smoothies, pure Fruchtsäfte oder Limonaden sollten Sie verzichten, da diese Getränke den Harnstoffspiegel nach oben treiben. Kaffee, Tee und Kakao hingegen sind entgegen manch anderslautender Empfehlung nach Angaben der DGE erlaubt, weil die in diesen Getränken enthaltenen Purine nicht zu Harnsäure abgebaut werden.

Auf Alkohol nach Möglichkeit verzichten

Auf Alkohol sollten Gichtkranke besser ganz verzichten. Schon kleine Mengen verstärken die Harnsäurebildung und vermindern gleichzeitig die Harnsäureausscheidung. Das führt zu schnell steigenden Harnsäurespiegeln, die wiederum einen Gichtanfall auslösen können.

Bier – insbesondere Hefeweizenbier - enthält vergleichsweise viele Purine, die vor allem aus der beim Brauen verwendeten Hefe stammen. Das gilt auch für alkoholfreie Biere.

Abnehmen und gesunde Ernährung

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Der Body-Mass-Index, abgekürzt als BMI, ist eines der Messverfahren, mit denen das Gewicht in Bezug auf die Körpergröße beurteilt wird. Der Normalbereich liegt zwischen 20 und 25. Ein Wert unter 20 deutet auf mögliches Untergewicht, ein Wert über 25 in Richtung Übergewicht. Zum BMI-Rechner

Grundumsatz berechnen

Der Grundumsatz-Rechner berechnet anhand Körpergröße, Gewicht und Alter, wie viele Kalorien Sie im Ruhezustand mindestens pro Tag benötigen, um Ihre körperlichen Funktionen aufrecht zu erhalten.
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Autor: Charly Kahle

Stand: 12.06.2019

Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung; Broschüre: Essen und Trinken bei Gicht https://www.dge.de/presse/pm/essen-und-trinken-bei-gicht/
     
  2. Klinik für Ernährungsmedizin der TU München; PDF: Ernährungsempfehlungen bei Hyperurikämie und Gicht https://www.mri.tum.de/sites/default/files/seiten/ernaehrungsempfehlung_gicht_2016.pdf
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