Wenn die innere Uhr verstimmt ist
Tipps für einen besseren Schlaf bei Schichtarbeitern Viele unserer Körperfunktionen unterliegen tageszeitlichen Schwankungen, sei es Körpertemperatur, Herzschlag, Atmung und Verdauung oder die Ausschüttung von Hormonen. Präzise gesteuert werden diese Abläufe von einer "inneren Uhr", die in einer als Hypothalamus bezeichneten Gehirnregion sitzt. Hin und wieder muss diese innere Uhr nachreguliert werden, ein wichtiger Taktgeber ist dafür das Tageslicht.Am offensichtlichsten nehmen wir die Arbeit der inneren Uhr wahr, wenn sie uns abends müde werden lässt und uns zum Schlafen auffordert. Ein erholsamer Schlaf ist von grundlegender Bedeutung für die Erhaltung der Gesundheit. Wenn wir die Nacht allerdings zum Tage machen, kann die innere Uhr rasch aus dem Rhythmus geraten. Bei Schichtarbeitern beispielsweise müssen Körper und Geist dann in einer Phase Höchstleistungen erbringen, in der sie eigentlich auf Ruhe programmiert sind. Man kann sich vorstellen, dass diese außergewöhnliche Belastung nicht folgenlos bleibt. Schichtarbeiter fühlen sich oft müde und abgeschlagen, ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ist verringert, das Unfallrisiko am Arbeitsplatz nimmt zu.
In der Medizin ist dieses Phänomen der verstimmten inneren Uhr deshalb auch unter dem Namen Schichtarbeiter-Syndrom bekannt und wird als ernsthafte Erkrankung eingestuft. Typische Symptome sind, dass man sich müde fühlt, wenn man wach sein sollte, und dass man in der Ruhephase schlecht einschlafen kann. Hinzu kommen häufig noch Magenbeschwerden und Verdauungsstörungen.
Das größte Problem stellen die Schlafstörungen dar. Schichtarbeiter leiden oft unter einem chronischen Schlafmangel, denn sie schlafen im Vergleich zur Normalbevölkerung durchschnittlich pro Tag eine Stunde weniger. In anderen Fällen ist das Hauptsymptom die exzessive Schläfrigkeit, bei der es zu spontanen, unkontrollierbaren und womöglich gefährlichen Schlafattacken bei der Arbeit oder auch in der Freizeit (zum Beispiel beim Autofahren) kommt. Zumindest gegen diese schwere exzessive Schläfrigkeit gibt es inzwischen auch in Deutschland ein Medikament, das die Wachheit wirkungsvoll steigert und deshalb für die Behandlung des Schichtarbeiter-Syndroms zugelassen ist. In Studien hatten Patienten 30 bis 60 Minuten vor ihrer Nachtschicht den Wirkstoff Modafinil erhalten. Nach 12 Wochen hatten sich die Schichtarbeitsbeschwerden bei drei Vierteln der Studienteilnehmer deutlich gebessert.
Doch über die rein medizinische Behandlung hinaus muss man dem Organismus auch die Möglichkeit geben, wieder zu einem erholsamen Schlaf zurück zu finden. Das Stichwort lautet hier "Schlafhygiene". Zur optimalen Schlafhygiene gehört es, dass man drei bis vier Stunden vor der Schlafenszeit keine anregenden Stoffe wie Koffein oder Nikotin zu sich nimmt. Auch auf Alkohol sollte man vor dem Zubettgehen verzichten, weil er häufig zu Schlafunterbrechungen führen kann. Sport ist zwar grundsätzlich positiv zu betrachten, schwere körperliche Anstrengungen unmittelbar vor dem Schlafengehen können den Schlaf allerdings negativ beeinflussen. Schlafmittel sollte man nur ausnahmsweise nehmen, denn sie senken die Schlafqualität und können bei Daueranwendung unter Umständen abhängig machen. Zusätzlich sollte man auf eine günstige Schlafumgebung achten, das Schlafzimmer sollte lärmgeschützt und möglichst dunkel und kühl sein. Alle diese Maßnahmen können - nicht nur - Schichtarbeitern dabei helfen, mehr gesunden Schlaf zu bekommen.
Quelle: dgk.de
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