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VERHÜTUNG




Die Auswahl des geeigneten Verhütungsmittels hängt von verschiedenen Faktoren wie z.B. Alter, Familienplanung, Sicherheit, Religion etc. ab. Bei Unsicherheiten kann ein Frauenarzt oder eine Familienberatungsstelle aufgesucht werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen natürlicher, mechanischer, chemischer und hormoneller Verhütung. Manchmal ist es sinnvoll, verschiedene Methoden miteinander zu kombinieren. Die Sicherheit der einzelnen Verfahren wird durch den sog. Pearl-Index angegeben. Man versteht darunter die Zahl der Schwangerschaften, die in einem Jahr auftreten, wenn 100 Frauen im gebärfähigen Alter jeweils die gleiche Verhütungsmethode anwenden. Wenn keine Kinder mehr erwünscht sind, besteht durch die Sterilisation des Mannes oder der Frau die Möglichkeit, dauerhaft zu verhüten. Eine Sterilisation ist in der Regel irreversibel.

 

Natürliche Verhütungsmethoden

  • Zeitwahlmethode (nach Knaus-Ogino): Die Methode besteht in der Beschränkung des sexuellen Verkehrs auf die unfruchtbaren Tage der Frau. Dazu muss der eigene Zyklus, also die Zeit vom ersten Tag der Regelblutung bis zum letzten Tag vor der nächsten Menstruation, mindestens sechs Monate lang genau betrachtet werden. Eine weibliche Eizelle kann nach dem Eisprung bis zu zwölf Stunden befruchtet werden, gleichzeitig überleben männliche Spermien ca. drei bis vier Tage, manchmal sogar noch länger im weiblichen Genitaltrakt. Die gefährliche Zeit rund um den Eisprung wird dann nach bestimmten Formeln entsprechend der individuellen Zykluslänge berechnet. Die Methode ist relativ unsicher, der Pearl-Index wird teilweise bis zu 40 angegeben. Bei stark schwankender Zykluslänge ist davon unbedingt abzuraten.

 

  • Basaltemperaturmessung:
    Um die Zeit des Eisprungs festzustellen, wird die morgendliche Aufwachtemperatur gemessen. Nach dem Eisprung erhöht sich die Körpertemperatur um 0,3-0,5°C, eine Konzeption (Befruchtung) ist dann nicht mehr möglich (Pearl-Index: bis zu 10).

 

  • Billings-Methode:
    Sie beruht auf dem Prinzip der Selbstbeobachtung. Der Eisprung kündigt sich durch einen veränderten dünnflüssigen und spinnbaren Zervixschleim (Sekret des Muttermundes) an, der durch die Scheide austritt (Pearl-Index: 1-15).

 

  • Kombination von Basaltemperaturmessung und Beobachtung des Zervixschleims:
    Wenn nach Verschwinden des dünnflüssigen Zervixschleims an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Erhöhung der Basaltemperatur gemessen wurde, befindet sich die Frau mit großer Sicherheit in der unfruchtbaren Zyklusphase (Pearl-Index: 1).

 

Vorteile der o. g. Methoden:

  • Keine Nebenwirkungen.

 

Nachteile der o. g. Methoden:

  • Störanfällig durch Schwankungen des Eisprungs oder Unsicherheiten in der Messung. Bei Krankheit oder Stress verschieben sich der Eisprung und die Temperatur. Funktioniert nur bei mehr oder weniger regelmäßigem Zubettgehen (langer Nachtschlaf!) und geregeltem Tagesablauf.
  • Während der fruchtbaren Tage müssen andere Verhütungsmittel verwendet werden.

 

Coitus interruptus

  • ...ist eine weit verbreitete Methode zur Schwangerschaftsverhütung. Abgesehen davon, dass diese Methode meist nicht zur sexuellen Befriedigung führt, ist sie auch mit einer hohen Versagerquote belastet (Pearl-Index: 10-38).

 

Chemische Methoden

Bei dieser Methode werden spermienabtötende Substanzen in Form von Tabletten, Zäpfchen, Schaumovula, Salben, Gelees oder Sprays in die Scheide eingebracht. Damit diese Mittel ihre Wirkung vollständig entfalten, müssen sie mindestens 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden. Bei alleiniger Anwendung eher unsichere Methode (Pearl-Index: 3-25)!

 

Vorteile chemischer Methoden:

  • Nur bei Bedarf anzuwenden.

 

Nachteile chemischer Methoden:

  • Reizung der Scheidenschleimhaut.
  • Wirkung hält nur ca. 1 Std. an.
  • Die Schaumbildung kann als störend empfunden werden.

 

Mechanische Methoden

 

  • Kondome (Präservative)
    werden relativ häufig zur Schwangerschaftsverhütung benutzt. Die Sicherheit der Methode hängt von der richtigen Handhabung ab (Pearl-Index: 7-14). Gemeinsam mit chemischen Verhütungsmethoden angewendet, können sie die Sicherheit erhöhen. Kondome sind das einzige Verhütungsmittel, das gleichzeitig einen Schutz vor Geschlechts- und Infektionskrankheiten wie AIDS, Chlamydien oder Hepatitis bietet. Deshalb sind sie bei neuen Partnern immer zu empfehlen, selbst wenn bereits andere Verhütungsmittel wie die Pille genommen werden.

 

Vorteile des Kondoms:

  • Nur bei Bedarf anzuwenden.
  • Infektionsschutz insbesondere gegen sexuell übertragbare Krankheiten wie AIDS, Tripper und Syphilis, Chlamydien.
  • Einfach und relativ preiswert.
  • Kondome sind die bisher einzige Verhütungsmethode, die vom Mann angewendet werden kann.

 

Nachteile des Kondoms:

  • Möglichkeit der Latexallergie.
  • Reduzierte Empfindsamkeit, wird oft als störend empfunden.

 

  • Scheidendiaphragma:
    Eine Gummihalbschale, die in die Scheide eingeführt wird, um den Muttermund abzudecken. Ein Diaphragma muss vom Arzt genau angepasst werden. In Verbindung mit spermienabtötenden Cremes ist das Diaphragma bei richtiger Handhabung eine recht sichere Verhütungsmethode, bei falscher Handhabung allerdings sinkt die Zuverlässigkeit rapide (Pearl-Index: 1-20). Nach dem Geschlechtsverkehr muss das Diaphragma 6-8 Stunden in der Scheide belassen werden.

 

  • Femidom:
    Eine Art Kondom für die Frau zum Einlegen in die Scheide. Die Sicherheit hängt von der Qualität des Produktes und von der Erfahrung und Zuverlässigkeit der Anwenderin ab.

 

  • Intrauterinpessare (IUP):
    Das Pessar ist eine relativ sichere Verhütungsmethode (Pearl-Index: 0,5-2,7). Durch den Fremdkörperreiz des in die Gebärmutter eingebrachten Pessars wird verhindert, dass sich das befruchtete Ei in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Pessare sind Kunststoffkörper von verschiedener Form (u.a. Spirale). Meist sind sie mit Kupferdraht umwickelt, was wichtig ist für die Schleimhautreizung. Außerdem hemmt das Metall die Spermien in ihrer Beweglichkeit. Pessare eignen sich vor allem für Frauen, die Kinder geboren haben und älter als 35 Jahre sind. Ein Pessar wird vom Arzt während der Periode eingesetzt (wenn der Muttermund weiter geöffnet ist). Es behält seine Wirksamkeit über 3-5 Jahre.

 

Vorteile der Spirale:

  • Hohe Sicherheit.
  • Dauerhafte Verhütung über Jahre.

 

Nachteile der Spirale:

  • Verstärkte und verlängerte Blutungen, Zwischenblutungen (Zyklusstörungen).
  • Infektionsgefahr.
  • Anfangs oft leichte Schmerzen.

 

  • Hormonspirale
    Seit einiger Zeit gibt es auch eine Kunststoffspirale, die kontinuierlich kleine Mengen des Hormons Gestagen freisetzt. Dadurch verändern sich sowohl der Schleim im Gebärmutterhals als auch die Schleimhaut, und die Befruchtung bzw. das Einnisten einer befruchteten Eizelle wird verhindert. Die Wirkung hält 5 Jahre an. Die Sicherheit ist sehr hoch (Pearl-Index 0,16). Im Gegensatz zur herkömmlichen Spirale wird die Monatsblutung nicht verstärkt, sondern vielmehr deutlich verringert, in vielen Fällen bleibt sie auch ganz aus. Das Gestagen gelangt nur in geringen Mengen ins Blut, daher sind hormonelle Nebenwirkungen kaum zu befürchten.

 

Hormonelle Methoden

 

Antibabypillen:

Die Pille wirkt, indem sie den Eisprung verhindert. Man nennt sie deshalb auch "Ovulationshemmer". Ohne Eisprung (Ovulation) wird keine Eizelle aus dem Eierstock freigegeben. Es gibt kein befruchtungsfähiges Ei und somit auch keine Empfängnis. Diese Wirkung beruht auf den weiblichen Hormonen "Östrogen" und "Gestagen" in der Pille. Zusätzlich hat die Pille zwei weitere Effekte, die einer Schwangerschaft entgegen wirken. Sie sorgt dafür, dass die monatliche Verflüssigung des Schleims in der Gebärmutter ausbleibt - Samenfäden können erst gar nicht in die Gebärmutter eindringen. Außerdem kommt es durch die Pille zu Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut, die die Einnistung einer eventuell befruchteten Eizelle erschweren.

 

Die Pille sorgt damit für 3-fache Sicherheit:

 

  • Sie verhindert den Eisprung.
  • Sie verhindert das Eindringen von Samenzellen.
  • Sie verhindert die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut.

 

Die Pille zählt zu den sichersten Verhütungsmethoden (0,1 bis 0,9). Es gibt eine Reihe verschiedener Antibabypillen, die sich im Anteil der Hormone Östrogen und Gestagen unterscheiden.

 

In Einphasenpräparaten sind Östrogene und Gestagene immer in der gleichen Zusammensetzung enthalten. Bei Zwei- und Dreiphasenpräparaten ändert sich die Tablettenzusammensetzung über die Einnahmezeit. Diese Präparate wurden entwickelt, um eine bessere Verträglichkeit durch Nachahmung des normalen Zyklus zu erreichen. Wichtig ist, dass man sich genau an die Reihenfolge in der Packung hält.

 

Bei allen Präparaten wird nach 21 Pillen eine Pause von 7 Tagen gemacht, in der es zu einer Blutung kommt. Manche Präparate enthalten zusätzlich für diese 7 Tage arzneistoffreie Tabletten (Placebos), damit man nicht aus dem Einnahmerhythmus kommt.

 

Bei jungen Frauen steht vor allem die Mikropille in hohem Ansehen. Im Gegensatz zu anderen Kominationspräparaten enthält sie einem besonders niedrigen Östrogengehalt. Sie bietet nicht nur eine sichere Verhütung, sondern sorgt auch für eine schöne Haut, indem sie die Talgproduktion senkt und dadurch Akne lindert. Außerdem wird die Mikropille durch die niedrige Dosis sehr gut vertragen.

 

Der Arzt muss gemeinsam mit der Patientin entscheiden, welche Antibabypille am geeignetsten ist. Wird einmal eine Pille vergessen, kann die Einnahme noch bis zu 12 Stunden später erfolgen.Wird die vergessene Pille mehr als 12 Stunden später eingenommen, so ist für den Zyklus kein sicherer Empfängnisschutz mehr gegeben und es müssen zusätzliche Verhütungsmittel genommen werden. Die Einnahme muss trotzdem fortgesetzt werden, um im Zyklus zu bleiben.

 

Die Wirksamkeit der Pille kann auch beeinträchtigt werden durch Erbrechen und Durchfall, sowie durch die Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. Barbiturate oder Breitspektrumantibiotika. Bei kurzzeitiger Einnahme dieser Arzneimittel sollten Sie zusätzlich andere Verhütungsmittel verwenden, bei Langzeit-Anwendung müssen Sie auf andere Verhütungsmittel ausweichen.

 

Vorteile der Antibabypille:

 

Nachteile der Antibabypille:

  • Ständige "Arzneimittelbelastung".
  • Man muss jeden Tag an die Einnahme denken.
  • Erhöhtes Risiko, an Durchblutungsstörungen und Herz-Kreislaufstörungen wie Thrombose, Herzinfarkt und Schlaganfall zu erkranken. Bestehen weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhter Blutfettspiegel, muss von hormonellen Kontrazeptiva dringend abgeraten werden. Das gilt insbesondere für Raucherinnen, die älter als 30 Jahre sind.
  • Mögliche Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Spannungsgefühl in den Brüsten, trockene Scheide, Scheideninfektionen, Abnahme des Geschlechtstriebs.

 

  • Minipille
    Die Minipille enthält ausschließlich das Hormon Gestagen. Im Allgemeinen hemmt sie den Eisprung nicht. Ihre Wirkung besteht hauptsächlich darin, dass die Verflüssigung des Schleims um die Zeit des Eisprungs ausbleibt. Die Samenfäden können also nicht in die Gebärmutter eindringen. Zusätzlich wird der Transport des Eis im Eileiter behindert. Die Minipille ist auch für stillende Mütter geeignet. Sie wird ohne Pause täglich eingenommen - auch während der Regelblutung. Bei der Sicherheit der Minipille kommt es sehr auf persönliche Disziplin an, denn die Minipille verliert bei Einnahmefehlern sehr schnell ihre Wirkung. So darf die übliche Einnahmezeit um nicht mehr als drei Stunden unter- bzw. überschritten werden (Pearl Index: 1-3).

 

Vorteile:

  • enthält nur Gestagen, deshalb auch für ganz junge Mädchen geeignet und für stillende Mütter.

 

Nachteile:

  • erfordert sehr genaues Einhalten der Einnahmezeit, deshalb geringere Sicherheit.

 

  • Verhütungspflaster
    Als hormonelle Alternative gibt es auch ein Verhütungspflaster, das ähnlich den Kombinationspillen Östrogen und Gestagen enthält und auch genauso wirkt. Das Pflaster wird auf die Haut geklebt und wirkt eine Woche lang, dann wird es durch ein neues ersetzt. Nach drei Wochen gibt es eine einwöchige Pause, während der die Monatsblutung einsetzt. Das Hormonpflaster kann auf dem Bauch, den Oberarmen, dem Po oder dem Oberkörper getragen werden und übersteht auch Schwimmbad- oder Saunabesuche. Nur mit Lotionen, Ölen oder Kosmetika sollte es nicht in Berührung kommen.

Über die Haut kommen die Hormone direkt in die Blutbahn, deshalb wird die Wirksamkeit des Pflasters nicht durch Magen-Darm-Krankheiten beeinträchtigt. Die Nebenwirkungen sind die gleichen, die auch bei der Pille auftreten können, manchmal kommt es zu Hautreizungen. Das Pflaster gilt mit einem Pearl-Index von zirka 0,7 als sehr sicher.

 

  • Vaginalring
    Die zweite Alternative zur Pille ist die Verhütung mit einem Vaginalring. Dieser flexible Ring wird - ähnlich wie ein Tampon - einmal im Monat in die Scheide eingeführt und nach drei Wochen wieder entfernt. Dann folgt auch hier eine einwöchige Pause mit Blutung. Der Ring setzt täglich Östrogene und Gestagene in niedriger Dosis frei, die über die Scheidenschleimhaut ins Blut gelangen. Dadurch wird - wie beim Pflaster - die Wirkung nicht durch Erbrechen oder Durchfall beeinträchtigt. Die möglichen Nebenwirkungen entsprechen denen der Pille, sind aber durch die niedrige Hormondosis insgesamt seltener. Einige Frauen leiden anfangs nach dem Einlegen des Rings unter einer Entzündung der Scheide. Manche Männer spüren den Ring beim Geschlechtsverkehr, was störend sein kann. Die Sicherheit der Methode ist mit einem Pearl-Index von etwa 0,6 sehr hoch.

 

  • Depotpräparate
    Eine mögliche hormonelle Alternative zur Pille ist die Drei-Monats-Spritze. Eine Hormonspritze, die alle drei Monate vom Arzt verabreicht wird. Nachteilig dabei ist, dass es häufig zu Schmierblutungen kommt und nach der letzten Spritze die Menstruation lange ausbleiben kann. Diese Methode sollte nicht über Jahre angewandt werden. Die Dreimonatsspritze liegt im Sicherheitsbereich der Pille, es gelten die gleichen Risiken wie für die Pille.

 

Alternativ zur Drei-Monatsspritze gibt es auch die Möglichkeit des Verhütungsstäbchens. Dieses ca. 4 cm lange und 2 mm dicke Stäbchen wird über einen kleinen Schnitt am Oberarm unter der Haut eingesetzt und bleibt dort für 3 Jahre. Wie die Minipille enthält es nur Gestagen, das kontinuierlich freigesetzt wird. Die Nebenwirkungen ähneln sich daher. Die Sicherheit ist hoch, der Pearl-Index liegt bei 0,1.

 

  • Morning-after-pill:
    Die "Pille danach" ist eine Notfallmaßnahme, wenn andere Verhütungsmethoden versagt haben. Sie enthält Gestagen und verschiebt den Eisprung, so dass keine Befruchtung stattfinden kann. Ist diese bereits erfolgt, kann sie auch die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindern. Hat allerdings schon die Einnistung stattgefunden, richtet die Pille nichts mehr aus, sie ist daher keine Abtreibungspille. Spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr müssen zwei Hormondragees eingenommen werden. Die Pille danach kann rund 80 Prozent aller ungewollten Schwangerschaften verhindern. 

 

 

 

Autoren:

Christiane von der Eltz, Apothekerin

Dr. Regina Schick, Ärztin




Redaktionelle Beiträge:

 


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