Eltern haben es oft schwer, in der Pubertät die richtige Balance zu finden zwischen Halten und Loslassen, zwischen Kontrolle und Vertrauen, zwischen Grenzen setzen und Freiraum lassen.
Die unterschiedlichen, oft unvorhersehbaren Verhaltensweisen ihrer Kinder verlangen ihnen immer wieder ab, ihre eigene Einstellung, ihre Haltung den Kindern gegenüber und ihr Verhalten neu zu überprüfen. Dabei geraten Eltern häufig in typische Verhaltensmuster, die für die Entwicklung der Kinder schwierig sein können.
1. Bindende Eltern
Gemeint sind Eltern, die eine sehr enge Bindung an ihre jugendlichen Kinder haben oder haben möchten, die versuchen, den Jugendlichen möglichst gleich zu sein, z. B. durch gleiche Kleidung, gleichen Discobesuch, gleiche Musik, und die versuchen, die Distanz zwischen sich und den Kindern aufzuheben. Sie identifizieren sich mit den Problemen der Jugendlichen („Wir müssen etwas für die Schule tun, wir haben Liebeskummer") und können schwer aushalten, die Ablösung der Kinder erleben zu müssen. Eine andere Form überstarker Bindung zeigt sich in zu starker Kontrolle und Einengung jugendlicher Bestrebung nach Unabhängigkeit. Die Verselbständigung ihrer Kinder ist für diese Eltern eine Bedrohung, der sie glauben, entkommen zu können, indem sie sich durch Anpassung an die Kinder oder überstarke Kontrolle mehr ins Leben der Kinder einmischen, als sinnvoll ist.
2. Eltern, die Ablösung zulassen, aber unbewusste Wünsche weitergeben
Diese Beziehungen sind dadurch gekennzeichnet, dass Jugendliche z. B. die Möglichkeit haben, eine Ausbildung in einer anderen Stadt zu machen, unterschwellig wird aber erwartet, dass sie danach wieder zurückkommen. Eine andere Variante ist, dass Jugendliche zwar eigenständig sein dürfen, dass von ihnen aber erwartet wird, ihre Eltern immer und über alles zu informieren. Diese Eltern vermitteln zunächst den Eindruck, loslassen zu können, durch übergroßes Interesse, ständiges Nachfragen und unterschwellige Botschaften erschweren sie den Jugendlichen aber tatsächlich die Entwicklung zur Eigenständigkeit. Die Jugendlichen entwickeln unter diesen Bedingungen ein chronisch schlechtes Gewissen, können ihre Autonomie nicht unbeschwert genießen, sondern haben immer das Gefühl, ihren Eltern noch etwas zu schulden.
3. Ausstoßende Eltern
Diese Gruppe der Eltern überlässt die Jugendlichen zu früh sich selbst, lässt sehr viel Eigenständigkeit zu, zeigt sehr wenig Beteiligung am Leben der Jungen und Mädchen. Ihnen ist gleichgültig, was Jugendliche machen, sie überfordern die Jugendlichen mit Entscheidungen, die diese allein nicht treffen können. Gemeint sind Eltern, die immer erst dann reagieren, wenn sie von außen gedrängt werden, die erst dann auf das Schule- Schwänzen reagieren, wenn die Schule ein Bußgeld androht, wenn das Jugendamt mit Heimeinweisung und ähnlichem mehr droht. Auch wenn Jugendliche Unabhängigkeit einfordern, erleben sie diese Haltung der Eltern als Desinteresse und sich selbst als überflüssig und wertlos („Was ich mache, interessiert ja doch keinen.")
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