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Unbewusstes Warnsystem gegen Ansteckungsgefahr

 

Erkennbar kranken Menschen mit Husten oder Schnupfen gehen wir aus dem Weg, um uns nicht anzustecken. Was aber, wenn eine Infektion noch im Frühstadium ist? In der Inkubationszeit beispielsweise lässt sich der Kontakt mit Infizierten kaum vermeiden. Oder doch? Schwedische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass unser Gehirn uns warnt – und wir unbewusst Ansteckungen aus dem Weg gehen.

Unbewusstes Warnsystem gegen Ansteckungsgefahr
Offenbar sehen und riechen wir Infektionen schon im Frühstadium – und meiden dann den Kontakt, um uns vor Ansteckungen zu schützen.
© milanmarkovic78 - Fotolia.com

Das Frühwarnsystem gegen Ansteckungsgefahren haben Wissenschaftler des schwedischen Karolinska-Institutes in einem Experiment nachgewiesen. Dazu infizierten sie 11 Menschen mit abgeschwächten Bakteriengiften, die ähnlich wie bei einer Infektion Fieber, Müdigkeit und Schmerzen hervorrufen. Als Kontrollgruppe der doppelblinden placebokontrollierten Studie dienten 11 Teilnehmer, denen eine harmlose Zuckerlösung injiziert wurde. Zwei Stunden nach der Injektion machten die Forscher Bilder der Teilnehmer. 3 Stunden später nahmen sie eine Geruchsprobe aus der Achselhöhle.

 

Infizierte Menschen weniger attraktiv als Gesunde

Bilder und Geruchsproben legten die Wissenschaftler einer Gruppe von 30 Testpersonen vor. Die Gehirnaktivitäten wurden dabei per Magnetresonanztomografie überwacht. Die Testpersonen sollten beurteilen, wie gesund, attraktiv und sympathisch ihnen die Studienteilnehmer erscheinen. Das Ergebnis: Bei Vorlage der Fotografien wurden die infizierten Probanden als deutlich weniger gesund, sympathisch beurteilt als die nicht infizierten Probanden. Die Auswertung der MRT-Bilder ergab, dass beim Anblick der infizierten Probanden Hirnareale für die Gesichtserkennung stärker aktiviert waren als beim Anblick der Bilder aus der Placebogruppe.

Eine stärkere Aktivierung der Geruchszentren konnten die Forscher bei Vorlage der Geruchsproben im MRT nachweisen. Die Bewertungen der Testpersonen hingegen fielen weniger eindeutig aus als die MRT-Befunde. Im Geruchstest konnten die Testpersonen weniger gut zwischen krank und gesund riechenden Proben unterscheiden. Anders als bei der Gesichterkennung kommen die Geruchsimpulse offenbar weniger stark in der bewussten Wahrnehmung an.

Nach Einschätzung der Forschergruppe sind die Studienergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass Menschen andere infizierte Menschen verstärkt schon vor dem Ausbrechen einer Erkrankung meiden und sich so vor einer Infektion schützen können. In einer neuen Studie wollen die Wissenschaftler nun herausfinden, welche optischen Merkmale das Frühwarnsystem gegen Infektionen anspringen lassen.

Redaktion: Charly Kahle, 30. Juli 2017