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SCHWITZEN - HYPERHIDROSE




Die Schweißabsonderung dient der Konstanthaltung der Körpertemperatur. Der ausgetretene Schweiß wird von Körperbakterien zersetzt, dies führt zum typischen Schweißgeruch. Das Schwitzen beschränkt sich oft auf bestimmte Körperregionen, meist Achselhöhlen, Handflächen und Füße beschränken, kann aber auch den ganzen Körper betreffen. Neben einer zu hohen Außentemperatur und zu warmer Kleidung können körperliche Anstrengungen wie Sport und Gartenarbeit sowie psychische Faktoren wie Stress, Angst und Nervosität vorübergehend zu vermehrten Schweißabsonderungen führen. 

 

Als Hyperhidrose dagegen bezeichnen Mediziner übermäßiges, also krankhaftes Schwitzen. In Deutschland sind etwa 3-4 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. 

 

Bei der Erkrankung werden zwei Formen unterschieden, die lokale und die generalisierte Hyperhidrose. Von der lokalen, also örtlich begrenzten Variante sind am häufigsten die Achselhöhlen, die Handteller oder die Fußsohlen betroffen. Die Ursache für eine lokale Hyperhidrose ist nicht bekannt. Bei der generalisierten Form tritt das übermäßige Schwitzen am ganzen Körper auf. Hierfür können eine ganze Reihe von anderen Erkrankungen verantwortlich sein. Dazu zählen z.B. Stoffwechselstörungen wie der Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen. Aber auch Übergewicht, hormonelle Umstellung des Körpers bei Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit und Wechseljahre, Erkrankungen des Nervensystems, chronische Infekte oder bösartige Tumore sind mögliche Auslöser. Darüber hinaus gibt es einige Medikamente, die zu vermehrtem Schwitzen führen, z.B. manche Psychopharmaka.

 

Das Symptom und die Folgen

Das klassische Symptom der Hyperhidrose ist das starke Schwitzen, das unabhängig von Temperatur oder Jahreszeit auftritt. Aufregung oder Stress können das Symptom verstärken.
Dieses Schwitzen führt vor allem zu einer starken psychischen Belastung, die Betroffenen leiden unter den sichtbaren Schweißflecken und dem unangenehmen Geruch. Viele ziehen sich immer mehr von ihrer Umwelt zurück und geraten zunehmend in eine soziale Isolation.
Mögliche körperliche Folgen sind vermehrte grippale Infekte durch die häufig auftretende Verdunstungskälte, die auf der Haut entsteht. Außerdem drohen verstärkt Hautinfektionen, weil Krankheitserreger auf feuchter Haut leichteres Spiel haben. 


Wie Ihr Arzt die Diagnose stellt

Erste wichtige Maßnahme ist das Arzt-Patientengespräch. Hierbei wird geklärt, wie oft die Schwitzattacken auftreten, in welchen Situationen und an welchen Stellen. Bei generalisierter Hyperhidrose müssen außerdem mögliche Grunderkrankungen ausgeschlossen oder entdeckt werden. 

 

Bei lokalisierten Formen kann der betroffene Bereich mit einem Schweißtest genau festgestellt werden. Der Arzt reibt die befallene Region zunächst mit einer jodhaltigen Lösung ein und bestreut sie dann mit Stärkepulver, was zu einer gelbbraunen Färbung führt. In vermehrt aktiven Bezirken kommt es nach kurzer Zeit zu einer Farbänderung von gelbbraun zu blauschwarz (Jod-Stärke-Test nach Minor).


Was Ihr Arzt tun kann

Bei lokaler Hyperhidrose:

Bei leichten, eng begrenzten Hyperhidroseformen können örtlich aufgetragene Aluminiumsalze helfen. Sie dringen in die Kanäle der Schweißdrüsen und verstopfen die Ausführungsgänge. Dadurch schrumpfen die Schweißdrüsen. Als Nebenwirkung treten häufig Juckreiz und Brennen auf. Auf der Kleidung können die Präparate Flecken hinterlassen, die hartnäckig und nicht zu entfernen sind.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, vor allem für Handinnenflächen und Fußsohlen, ist die so genannte Iontophorese, eine Behandlung mit Gleichstrom, der durch Leitungswasser fließt. Ist der Stromkreis geschlossen, lagern sich Minerale aus dem Wasser in die Schweißdrüsen und blockieren ebenfalls die Kanäle. Mögliche Nebenwirkungen sind Kribbeln oder gar Schmerzen. Außerdem hält die Wirkung der Iontophorese nur kurz an, das heißt, sie muss häufig wiederholt werden, was für die Betroffenen einen hohen Zeitaufwand bedeutet. Außerdem sollte sie nicht bei Wunden in den befallenen Stellen durchgeführt werden, und sie eignet sich nicht für Schwangere und Menschen, die einen Herzschrittmacher tragen.

 

Seit einiger Zeit wird auch das Nervengift Botulinumtoxin bei lokalen Hyperhidrosen eingesetzt, eine Therapie, die vom Patienten selbst bezahlt werden muss. Das Gift lähmt die Nervenstimulation der Schweißdrüsen. Es muss über viele kleine Einstiche injiziert werden, was durchaus schmerzhaft sein kann. Kleine Blutungen oder Taubheitsgefühle sind weitere mögliche Nebenwirkungen. Die Wirkung hält durchschnittlich etwa sechs bis neun Monate an, dann muss die Behandlung wiederholt werden.

 

Auch ein chirurgischer Eingriff kommt in Frage. Je nach Form der Hyperhidrose gibt es verschiedene Alternativen. Beim Befall der Achselhöhle ist es möglich, die regionalen Schweißdrüsen zu entfernen und so die übermäßige Schweißproduktion auszuschalten. Für andere Regionen sind aber teilweise sehr aufwendige Operationen nötig, bei denen ganze Nervenstränge durchtrennt werden. Ein wesentlicher Nachteil besteht darin, dass es sehr häufig nach dem Eingriff zu einer so genannten kompensatorischen Hyperhidrose kommt. Das bedeutet, die Patienten schwitzen dann an anderen Stellen vermehrt. In der Regel ist diese Komplikation zwar nicht allzu stark ausgeprägt, aber in 5 bis 10 Prozent aller Fälle kommt es zu einem ausgeprägten Schwitzen im Bereich des gesamten Körpers.


Therapiemöglichkeiten

Bei generalisierter Hyperhidrose ist eine medikamentöse Therapie zu empfehlen, die aber auch bei lokalen Formen wirksam ist. Zwei Substanzen stehen dafür zur Verfügung: Bornaprin und Methantheliniumbromid. Beide hemmen die Nervenstimulation der Schweißdrüsen. Bornaprin wirkt dabei zentral im Gehirn, Methantheliniumbromid am Schweißnerven in der Peripherie. Die Wirkung setzt nach kurzer Zeit ein und hält bis zu sechs Stunden an. Mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Verstopfung, Herzrasen und Schlafstörungen. Sie sind allerdings bei Bornaprin durch seine zentrale Wirkung eher zu befürchten.


Was Sie tun können

  • Verwenden Sie vorwiegend Kleidung aus Baumwolle, vermeiden Sie Kunstfasern
  • Tragen Sie Schuhe aus Leder, verzichten Sie auf Gummi- oder Kunststoffsohlen
  • Schränken Sie Ihren Konsum von heißen Getränken, Alkohol und scharfen Speisen ein
  • Achten Sie auf eine gute Körperhygiene, verwenden Sie Antiperspiranzien als Deodorant
  • Mit Salbeitee oder Salbeidragees kann man die Schweißproduktion etwas reduzieren. Salbei bewirkt, dass sich die Schweißdrüsen zusammenziehen.
  • Bei starkem Schwitzen muss die verlorengegangene Flüssigkeit ersetzt werden (Mineralienmangel). Trinken Sie daher mindestens zwei Liter, am besten Wasser, Tee oder verdünnte Säfte.



Autorin:

Dr. Anja Braunwarth





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