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Schutzimpfungen

Schutzimpfungen
Um den Eltern und Kinderärzten die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Impfung zu erleichtern, wird von der Ständigen lmpfkommission (STIKO) des Bundesgesundheitsamtes regelmäßig ein Impfplan veröffentlicht. In ihm werden die empfohlenen Impfungen und ihr günstigster Zeitpunkt genannt.

Zu diesen Impfungen zählen:
 

Die meisten Schutzimpfungen werden mittlerweile als Kombinationsimpfstoffe gespritzt, um die Zahl der Injektionen möglichst gering zu halten. Klassische Kombinationsimpfstoffe sind

  •     Masern/Mumps/Röteln (MMR)
  •     Diphterie/Tetanus/Pertussis (DTaP).

In der Kinderarztpraxis werden aber in den letzten Jahren zunehmend auch Fünf- und Sechsfachimpfstoffe verwendet (z.B. Diphterie/Tetanus/Pertussis/Polio/Hib = Fünffachimpfstoff).



Diphterie

Diphtherie ist in Westeuropa selten geworden, kommt jedoch z.B. in Osteuropa noch häufig vor. Durch die Öffnung des Ostblockes tritt Diphtherie auch hier wieder vermehrt auf.

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Die Diphtherie-Bakterien bilden einen hochgiftigen Stoff (Toxin), der schwere Organschäden vor allem an Herz, Leber und Nieren auslösen kann. Auch Atemlähmungen, die zum Tode führen, sind möglich.

Impfung:
3 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr. Die Impfung erfolgt in der Regel als Kombinationsimpfung mit Tetanus und Keuchhusten (DPT-Impfung) oder weiteren Impfstoffen. Regelmäßige Auffrischung auch im Erwachsenenalter ist wichtig.

Komplikationen der Impfung:
Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Ältere Menschen vertragen die Impfung schlechter als Kinder.

Schutzzeit: ca. 10 Jahre.

Mehr zum Thema Keuchhusten finden Sie im Ratgeber Diphtherie und Behandlung von Diphtherie.



Keuchhusten

(Pertussis) Keuchhusten ist eine schwere und langwierige bakterielle Erkrankung. Mögliche Komplikationen der Krankheit: Besonders bei Babys kann es zu Erstickungsanfällen kommen.

Impfung:
3 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr in Kombination mit Tetanus und Diphtherie (DPT) oder weiteren Impfstoffen.

Komplikationen der Impfung:
teilweise hohes Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle oder Krämpfe können auftreten. Seit kurzen gibt es einen neuen Keuchhusten-Impfstoff, der statt der abgetöteten Keime nur noch bestimmte Bakterienbestandteile (sog. azellulärer Impfstoff) enthält und dadurch wesentlich besser verträglich ist.

Schutzzeit: ca. 5 Jahre.

Mehr zum Thema Keuchhusten finden Sie im Ratgeber Keuchhusten und Behandlung von Keuchhusten.


Wundstarrkrampf (Tetanus)

Tetanus-Bakterien setzen ein Gift frei, das zu Verkrampfungen der Muskulatur bis hin zum Tod durch Atemlähmung führen kann. Die Bakterien leben überall in Erde und Schmutz und gelangen über Verletzungen in die Haut. Gefährdung durch die Krankheit: ca. 50% der Erkrankten sterben an Tetanus.

Impfung:
3 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr, in Kombination mit Diphtherie und Pertussis (DPT-Impfung) oder weiteren Impfstoffen.

Mögliche Komplikationen der Impfung:
Rötung oder Schwellung der Einstichstelle. Lymphknotenschwellung oder allergische Reaktionen sind möglich.

Schutzzeit: 5-10 Jahre.

Mehr zum Thema Wundstarrkrampf finden Sie im Ratgeber Wundstarrkrampf und Behandlung von Wundstarrkrampf.


Kinderlähmung (Polyomelitis)

Seit der Erfindung der Schluckimpfung (1962) kommt diese Krankheit bei uns nur noch selten vor. In Entwicklungsländern hingegen tritt die Krankheit wegen mangelnder Hygiene und fehlenden Impfschutzes noch häufig auf und kann somit durch Fernreisetouristen eingeschleppt werden. Ziel ist es, Polio weltweit auszurotten.

Übertragung:
Die Übertragung der Polio-Viren erfolgt von Mensch zu Mensch. Die Erreger vermehren sich nach der Aufnahme im Darm und gelangen von dort über das Blut in das zentrale Nervensystem. Oft bleibt die Krankheit völlig unbemerkt oder äußert sich durch harmlos erscheinende Beschwerden wie Fieber, Atemwegskatarrh oder Durchfall.

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Die Kinderlähmung kann zu Nervenlähmungen führen, die bewegungsunfähig machen. Impfung: Seit Mai 1998 wird nur noch der IPV - Impfstoff (Spritze) empfohlen, keine Schluckimpfung mehr. 2 Impfungen im Abstand von 4-8 Wochen und eine dritte Impfung 6-12 Monate nach der 2. Impfung. Die Auffrischung wird nicht mehr generell für alle Erwachsenen empfohlen, sondern nur noch für Reisende in Länder mit Infektionsrisiko.

Komplikationen der Impfung:
Allgemeinreaktionen des Körpers und der Haut und Reaktionen an der Einstichstelle.

Schutzzeit: 10 Jahre.

Mehr zum Thema Kinderlähmung finden Sie im Ratgeber Kinderlähmung und Behandlung von Kinderlähmung.


Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Das Bakterium ist für Erwachsene und ältere Kinder ungefährlich, kann aber bei Säuglingen und Kleinkindern zu schweren Erkrankungen führen.

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Es können eitrige Gehirnhautentzündungen mit Langzeitfolgen oder lebensbedrohliche Entzündungen des Kehlkopfdeckels (Epiglottitis) bei Kindern unter 5 Jahren auftreten.

Impfung:
2 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr. Komplikationen der Impfung: Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, Fieber und Hautausschläge.

Schutzzeit:
ab einem Alter von ca. 5 Jahren ist kein Schutz mehr notwendig.


Hepatitis B (HB)

Hepatitis B ist eine schwerwiegende Lebererkrankung, die oft chronisch verläuft. Übertragen werden kann die Erkrankung durch Hepatitis-B-Virusträger (Blut und Körperflüssigkeiten, nicht aber Stuhl/Urin). Da die Impfung erst seit 1995 in den Impfkalender für Kinder aufgenommen wurde, gibt es viele noch nicht geimpfte Jugendliche in Deutschland. Für diese wird die nachträgliche Hepatis-B-Impfung unbedingt empfohlen, insbesondere deshalb, weil man die höchsten Erkrankungszahlen bei Heranwachsenden und im frühen Erwachsenenalter findet (wechselnde Sexualkontakte usw.).

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Je nach Alter der Kinder verläuft die Hepatitis-B-Infektion zu 40-90% chronisch und eine chronische Erkrankung führt in bis zu 25% der Fälle zum Tode.

Impfung:
2 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. 1 Jahr. Ungeimpfte Jugendliche ab 15 Jahre 2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen und die 3. Impfung frühestens nach 6 Monaten.

Schutzzeit: Lebenslang

Mehr zum Thema Keuchhusten finden Sie im Ratgeber Hepatitis B und Behandlung von Hepatitis B.


Masern

Der Masernvirus führt zu Schnupfen, Husten, Fieber und Hautausschlag.

Komplikationen der Krankheit:
Es können Entzündungen von Lunge, Mittelohr und Gehirn auftreten.

Impfung:
Im zweiten und sechsten Lebensjahr, meist als Kombinationsspritze mit Mumps und Röteln (MMR). Seit 2001 wird für die Masern/Mumps/Röteln-Impfung erstmals empfohlen, umgeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder, die Kontakt zu Erkrankten haben, möglichst innerhalb von drei Tagen zu impfen.

Komplikationen der Impfung:
Hautausschläge, Fieber und selten Gehirnhautentzündungen.

Schutzzeit: ob lebenslanger Schutz besteht, ist umstritten.

Mehr zum Thema Masern finden Sie im Ratgeber Masern.



Mumps

Eine in der Regel nicht schwerwiegende Viruserkrankung, die zu einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüsen führt.

Komplikationen der Krankheit:
Es kann zur Entzündung der Gehirnhaut, der Bauchspeicheldrüse oder der Eierstöcke bzw. Hoden kommen. Letzteres kann bei Jungen nach der Pubertät zu Unfruchtbarkeit führen.

Impfung:
Im zweiten und sechsten Lebensjahr, meist als Kombinationsspritze mit Masern und Röteln. Seit 2001 wird für die Masern/Mumps/Röteln-Impfung erstmals empfohlen, umgeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder, die Kontakt zu Erkrankten haben, möglichst innerhalb von drei Tagen zu impfen.

Komplikationen der Impfung:
Komplikationen der Impfung treten in der Regel keine auf. Selten wurde der Ausbruch der Zuckerkrankheit (Diabetes) im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung beobachtet.

Schutzzeit:
wahrscheinlich nicht lebenslang.

Mehr zum Thema Mumps finden Sie im Ratgeber Mumps.


Röteln

Eine harmlose Viruserkrankung, die zu einem charakteristischen Hautausschlag führen kann.

Komplikationen der Krankheit:
Erkrankt eine Schwangere an Röteln, kann es zu schwerer Mißbildungen des Embryos kommen und ein Abbruch der Schwangerschaft ist erforderlich.

Impfung:
Im zweiten und sechsten Lebensjahr als Kombinationsspritze mit Masern und Mumps. (Eine zusätzliche Impfung mit Röteln-Mono-Impfstoff bei Mädchen vor der Pubertät ist nicht nötig, wenn bereits zwei Impfungen mit Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff erfolgt sind). Seit 2001 wird für die Masern/Mumps/Röteln-Impfung erstmals empfohlen, umgeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder, die Kontakt zu Erkrankten haben, möglichst innerhalb von drei Tagen zu impfen.

Komplikation der Impfung:
Fieber oder ein leichter Hautausschlag können auftreten.Bei Frauen können rheumaähnliche Schmerzen auftreten.

Impfschutz:
Vor einer geplanten Schwangerschaft muß getestet werden, ob der Impfschutz noch ausreicht.

Mehr zum Thema Röteln finden Sie im Ratgeber Röteln.


Windpocken

Windpocken werden durch Varizellen ausgelöst. Zur Vorbeugung gegen Windpocken wird vom RKI eine Impfung empfohlen, die unter die Haut oder in einen Muskel (meistens in den Oberarm) gespritzt wird. Je nach verwendetem Impfstoff ist eine gleichzeitige Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMRV-Impfstoff) möglich.

Mehr zum Thema Windpocken finden Sie in den beiden Ratgebern Windpocken und Ansteckung und Behandlung von Windpocken.


Pneumokokken

Pneumokokken werden per Tröpfcheninfektion übertragen und sind oft in der Nasen-Rachenschleimhaut vorhanden, ohne dass sie Krankheitssymptome wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung auslösen. Gefährdet sind jedoch Kleinkinder mit Grunderkrankungen sowie ältere oder immungeschwächte Personen. Die sowieso schon kranken Kinder erkranken bei Ansteckung meist am Mittelohrentzündungen mit Komplikationen, bei Senioren bzw. immungeschwächten Erwachsenen ist die Lungenentzündung (Pneumonie) das häufigste Krankheitsbild. Da bei allen 3 Gruppen jeweils auch ein tödliches Risiko besteht, wird die Pneumokokkenimpfung allen Personen über 60 Jahren empfohlen,außerdem für alle Kinder, Jugendliche und Erwachsenen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens wie:

  • chronische Lungenerkrankungen
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten

Komplikationen der Erkrankung:
Hirnhautentzündung, Herzbeutelentzündung, Blutvergiftung.Hohes Todesrisiko bei gefährdeten Personen.
 
Impfung:

Zur Grundimmunisierung Impfung im Alter von 2, 3 und 4 sowie im Alter von 11 bis 14 Monaten.


Menningokokken


Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Bakterien siedeln sich im Nasen-Rachen-Raum an. Nicht jeder Träger erkrankt, kann aber andere anstecken. Meningokokkeninfektionen treten am häufigsten im 1. Lebensjahr und bei Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren auf. Das Erkrankungsrisiko steigt durch Rauchen, Alkohol, Aufenthalt in engen Räumlichkeiten oder mit gemeinsamen Schlafgelegenheiten. Eine Menigokokkeninfektion beginnt mit hohem Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und kann eine Hirnhautentzündung auslösen. Eine Impfung wird empfohlen bei Reisen in besonders gefährdete Gebiete, besonders beiengem Kontakt zur heimischen Bevölkerung, bei Schüler-,Studentenreisen in Länder in denen gegen Meningokokken geimpft wird, und bei besonderer gesundheitlicher Gefährdung (Immundefekte, Asplenie, Hypogammaglobulinämie) sowie bei gehäuftem Krankheitsausbruch, z.B. in Kindereinrichtungen, Schüler-Wohnheimen, Internaten) auf Empfehlung der Gesundheitsämter.

Komplikationen der Erkrankung:
Hirnhautentzündung, Blutvergiftung mit Todesrisiko, Hörstörungen, Hirnnervenlähmungen, Entwicklungsstörungen.

Impfstoff: 
Kinder über 2 Jahre und Erwachsene werden 1mal geimpft. Der Impfstoff schützt nicht gegen alle Typen von Meningokokken. Die Schutzzeit des Impfstoff beträgt ca. 3 Jahre.


Windpocken

Windpocken werden durch Varizellen ausgelöst. Zur Vorbeugung gegen Windpocken wird vom RKI eine Impfung empfohlen, die unter die Haut oder in einen Muskel (meistens in den Oberarm) gespritzt wird. Je nach verwendetem Impfstoff ist eine gleichzeitige Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMRV-Impfstoff) möglich.

Mehr zum Thema Windpocken finden Sie in den beiden Ratgebern Windpocken und Ansteckung und Behandlung von Windpocken.


HPV (Humane Papillomaviren)

Seit Oktober 2006 ist nach 12jähriger Forschung auch für Deutschland ein Impfstoff gegen humane Papillomaviren zugelassen. Diese Impfung bietet einen hundertprozentigen Schutz vor Infektionen mit HPV Typ 16 und Typ 18, die Auslöser für drei Viertel aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs sind.

Die Impfung richtet sich vorzugsweise an junge Mädchen und sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr durchgeführt werden. Die Impfung erfolgt in drei Schritten. Die Impfdosen sollen gemäß dem Schema 0, 2, 6 Monate verabreicht werden. Sollte ein hiervon abweichendes Impfschema erforderlich sein, ist die zweite Dosis frühestens einen Monat nach der ersten und die dritte frühestens drei Monate nach der zweiten Dosis zu verabreichen. Alle drei Dosen sind innerhalb von 12 Monaten zu verabreichen. Die genaue Dauer der Immunität nach Verabreichung aller Dosen ist bislang noch nicht bekannt. Der Impfschutz wird zunächst für 5 Jahre garantiert. Nach aktuellem Wissensstand wird allerdings angenommen, dass eine Auffrischung der Imfpung für weitere Jahre nicht notwendig sein wird.


Rotaviren

Rotaviren sind die häufigste Ursache für Durchfälle bei Kindern (virale Gastroenteritis oder Pädiatrische Rotavirus-Gastroenteritis, PRG). Beim Rotavirus handelt es sich um einen äußerst ansteckenden Erreger, der sich schnell ausbreitet. Übertragen wird er fäkal-oral, also als Schmierinfektion von infiziertem Kot über Gegenstände und die Hände in den Mund. Es gibt eine Schutzimpfung gegen Rotaviren, die zwei bis drei Jahre immun macht. Diese Schluckimpfung kann z. B. in die 3 Vorsorgeuntersuchungen U3, U4 und U5 integriert werden.