Schutzimpfungen









Um den Eltern und Kinderärzten die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Impfung zu erleichtern, wird von der Ständigen lmpfkommission (STIKO) des Bundesgesundheitsamtes regelmäßig ein Impfplan veröffentlicht. In ihm werden die empfohlenen Impfungen und ihr günstigster Zeitpunkt genannt. 

Zu diesen Impfungen zählen:

  1. Diphtherie
  2. Keuchhusten (Pertussis)
  3. Wundstarrkrampf (Tetanus)
  4. Kinderlähmung (Polio)
  5. Haemophilus Influenzae (Hib)
  6. Hepatitis B (HB)
  7. Masern
  8. Mumps 
  9. Röteln

Heutzutage werden die meisten Schutzimpfungen als Kombinationsimpfstoffe gespritzt, um die Zahl der Injektionen möglichst gering zu halten. Klassische Kombinationsimpfstoffe sind

  • Masern/Mumps/Röteln (MMR)
  • Diphterie/Tetanus/Pertussis (DTaP). 

In der Kinderarztpraxis werden aber in den letzten Jahren zunehmend auch Fünf- und Sechsfachimpfstoffe verwendet (z.B. Diphterie/Tetanus/Pertussis/Polio/Hib = Fünffachimpfstoff).

Außer den empfohlenen Standarimpfungen für alle Kinder hat die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut im Jahre 2001 noch einige Empfehlungen für gefährdete Kinder gegeben: Eine der neuen Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes betrifft die Pneumokokken-Impfung: Diese Impfung wird weiterhin nur für Kinder empfohlen, die aufgrund einer Grunderkrankung (z.B. Diabetes) erhöht infektionsgefährdet sind. Geändert hat sich die Empfehlung aber hinsichtlich des Impfalters: Durch einen neu entwickelten Impfstoff wird die Impfung jetzt schon ab dem 3. Lebensmonat empfohlen (zuvor lautete die Empfehlung erst ab dem 2. Lebensjahr). Ebenfalls eine neue Empfehlung des Robert-Koch-Institutes bezieht sich auf die Varizellen-Impfung gegen Windpocken. Seit Juli 2001 empfiehlt die Ständige Impfkommission alle 12-15jährigen, die noch nicht an Windpocken erkrankt waren, gegen Varizellen zu impfen.


Diphterie

Diphtherie ist in Westeuropa selten geworden, kommt jedoch z.B. in Osteuropa noch häufig vor. Durch die Öffnung des Ostblockes tritt Diphtherie auch hier wieder vermehrt auf.

Mögliche Komplikationen der Krankheit: 
Die Diphtherie-Bakterien bilden einen hochgiftigen Stoff (Toxin), der schwere Organschäden vor allem an Herz, Leber und Nieren auslösen kann. Auch Atemlähmungen, die zum Tode führen, sind möglich.

Impfung: 
3 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr. Die Impfung erfolgt in der Regel als Kombinationsimpfung mit Tetanus und Keuchhusten (DPT-Impfung) oder weiteren Impfstoffen. Regelmäßige Auffrischung auch im Erwachsenenalter ist wichtig.

Komplikationen der Impfung: 
Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Ältere Menschen vertragen die Impfung schlechter als Kinder.

Schutzzeit: ca. 10 Jahre.


Keuchhusten


(Pertussis) Keuchhusten ist eine schwere und langwierige bakterielle Erkrankung. Mögliche Komplikationen der Krankheit: Besonders bei Babys kann es zu Erstickungsanfällen kommen.

Impfung:
3 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr in Kombination mit Tetanus und Diphtherie (DPT) oder weiteren Impfstoffen.

Komplikationen der Impfung:
teilweise hohes Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle oder Krämpfe können auftreten. Seit kurzen gibt es einen neuen Keuchhusten-Impfstoff, der statt der abgetöteten Keime nur noch bestimmte Bakterienbestandteile (sog. azellulärer Impfstoff) enthält und dadurch wesentlich besser verträglich ist.

Schutzzeit: ca. 5 Jahre.

 

Wundstarrkrampf (Tetanus)

Tetanus-Bakterien setzen ein Gift frei, das zu Verkrampfungen der Muskulatur bis hin zum Tod durch Atemlähmung führen kann. Die Bakterien leben überall in Erde und Schmutz und gelangen über Verletzungen in die Haut. Gefährdung durch die Krankheit: ca. 50% der Erkrankten sterben an Tetanus.

Impfung: 
3 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr, in Kombination mit Diphtherie und Pertussis (DPT-Impfung) oder weiteren Impfstoffen.

Mögliche Komplikationen der Impfung: 
Rötung oder Schwellung der Einstichstelle. Lymphknotenschwellung oder allergische Reaktionen sind möglich.

Schutzzeit: 5-10 Jahre.


Kinderlähmung (Polyomelitis)

Seit der Erfindung der Schluckimpfung (1962) kommt diese Krankheit bei uns nur noch selten vor. In Entwicklungsländern hingegen tritt die Krankheit wegen mangelnder Hygiene und fehlenden Impfschutzes noch häufig auf und kann somit durch Fernreisetouristen eingeschleppt werden. Ziel ist es, Polio weltweit auszurotten.

Übertragung 
Die Übertragung der Polio-Viren erfolgt von Mensch zu Mensch. Die Erreger vermehren sich nach der Aufnahme im Darm und gelangen von dort über das Blut in das zentrale Nervensystem. Oft bleibt die Krankheit völlig unbemerkt oder äußert sich durch harmlos erscheinende Beschwerden wie Fieber, Atemwegskatarrh oder Durchfall. 

Mögliche Komplikationen der Krankheit: 
Die Kinderlähmung kann zu Nervenlähmungen führen, die bewegungsunfähig machen. Impfung: Seit Mai 1998 wird nur noch der IPV - Impfstoff (Spritze) empfohlen, keine Schluckimpfung mehr. 2 Impfungen im Abstand von 4-8 Wochen und eine dritte Impfung 6-12 Monate nach der 2. Impfung. Die Auffrischung wird nicht mehr generell für alle Erwachsenen empfohlen, sondern nur noch für Reisende in Länder mit Infektionsrisiko.

Komplikationen der Impfung:
Allgemeinreaktionen des Körpers und der Haut und Reaktionen an der Einstichstelle.

Schutzzeit: 10 Jahre.


Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Das Bakterium ist für Erwachsene und ältere Kinder ungefährlich, kann aber bei Säuglingen und Kleinkindern zu schweren Erkrankungen führen.

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Es können eitrige Gehirnhautentzündungen mit Langzeitfolgen oder lebensbedrohliche Entzündungen des Kehlkopfdeckels (Epiglottitis) bei Kindern unter 5 Jahren auftreten.

Impfung: 
2 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. einem Jahr. Komplikationen der Impfung: Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, Fieber und Hautausschläge.

Schutzzeit:
ab einem Alter von ca. 5 Jahren ist kein Schutz mehr notwendig.


Hepatitis B (HB)

Hepatitis B ist eine schwerwiegende Lebererkrankung, die oft chronisch verläuft. Übertragen werden kann die Erkrankung durch Hepatitis-B-Virusträger (Blut und Körperflüssigkeiten, nicht aber Stuhl/Urin). Da die Impfung erst seit 1995 in den Impfkalender für Kinder aufgenommen wurde, gibt es viele noch nicht geimpfte Jugendliche in Deutschland. Für diese wird die nachträgliche Hepatis-B-Impfung unbedingt empfohlen, insbesondere deshalb, weil man die höchsten Erkrankungszahlen bei Heranwachsenden und im frühen Erwachsenenalter findet (wechselnde Sexualkontakte usw.).

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Je nach Alter der Kinder verläuft die Hepatitis-B-Infektion zu 40-90% chronisch und eine chronische Erkrankung führt in bis zu 25% der Fälle zum Tode.

Impfung: 
2 Impfungen im Säuglingsalter und 1 Impfung nach ca. 1 Jahr. Ungeimpfte Jugendliche ab 15 Jahre 2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen und die 3. Impfung frühestens nach 6 Monaten.

Schutzzeit: Lebenslang


Masern

Der Masernvirus führt zu Schnupfen, Husten, Fieber und Hautausschlag.

Komplikationen der Krankheit:
Es können Entzündungen von Lunge, Mittelohr und Gehirn auftreten.

Impfung: 
Im zweiten und sechsten Lebensjahr, meist als Kombinationsspritze mit Mumps und Röteln (MMR). Seit 2001 wird für die Masern/Mumps/Röteln-Impfung erstmals empfohlen, umgeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder, die Kontakt zu Erkrankten haben, möglichst innerhalb von drei Tagen zu impfen.

Komplikationen der Impfung: 
Hautausschläge, Fieber und selten Gehirnhautentzündungen.

Schutzzeit: ob lebenslanger Schutz besteht, ist umstritten.


Mumps

Eine in der Regel nicht schwerwiegende Viruserkrankung, die zu einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüsen führt.

Komplikationen der Krankheit:
Es kann zur Entzündung der Gehirnhaut, der Bauchspeicheldrüse oder der Eierstöcke bzw. Hoden kommen. Letzteres kann bei Jungen nach der Pubertät zu Unfruchtbarkeit führen.

Impfung:
Im zweiten und sechsten Lebensjahr, meist als Kombinationsspritze mit Masern und Röteln. Seit 2001 wird für die Masern/Mumps/Röteln-Impfung erstmals empfohlen, umgeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder, die Kontakt zu Erkrankten haben, möglichst innerhalb von drei Tagen zu impfen.

Komplikationen der Impfung: 
Komplikationen der Impfung treten in der Regel keine auf. Selten wurde der Ausbruch der Zuckerkrankheit (Diabetes) im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung beobachtet.

Schutzzeit: 
wahrscheinlich nicht lebenslang. 


Röteln

Eine harmlose Viruserkrankung, die zu einem charakteristischen Hautausschlag führen kann.

Komplikationen der Krankheit: 
Erkrankt eine Schwangere an Röteln, kann es zu schwerer Mißbildungen des Embryos kommen und ein Abbruch der Schwangerschaft ist erforderlich.

Impfung:
Im zweiten und sechsten Lebensjahr als Kombinationsspritze mit Masern und Mumps. (Eine zusätzliche Impfung mit Röteln-Mono-Impfstoff bei Mädchen vor der Pubertät ist nicht nötig, wenn bereits zwei Impfungen mit Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff erfolgt sind). Seit 2001 wird für die Masern/Mumps/Röteln-Impfung erstmals empfohlen, umgeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder, die Kontakt zu Erkrankten haben, möglichst innerhalb von drei Tagen zu impfen.

Komplikation der Impfung:
Fieber oder ein leichter Hautausschlag können auftreten.Bei Frauen können rheumaähnliche Schmerzen auftreten.

Impfschutz: 
Vor einer geplanten Schwangerschaft muß getestet werden, ob der Impfschutz noch ausreicht.