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Häufigste Ursachen, was Sie tun können, wann Sie zum Arzt müssen, Vorbeugung.
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DIABETISCHE NERVENSCHÄDIGUNG (POLYNEUROPATHIE)




Bei etwa 30 Prozent aller Diabetiker kommt es nach längerer Krankheitsdauer zu einer Schädigung der Nerven (Polyneuropathie). Die genauen Ursachen dafür sind bis heute nicht geklärt, sicher ist aber, dass eine schlechte Einstellung des Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Polyneuropathie trägt. Zucker verbindet sich mit manchen Eiweißen, möglicherweise greifen diese Verbindungen die Nerven an. Bei erhöhtem Blutzucker werden aber auch Stoffe ausgeschüttet, die Zellen direkt schädigen können. Bekannt ist, dass Zucker die Funktion kleiner Blutgefäße beeinträchtigen kann. Es wird daher diskutiert, ob dieser Mechanismus bei der Polyneuropathie eine Rolle spielt, wenn die Nerven nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.

 

Es gibt zwei wesentliche Formen der Polyneuropathie:

Periphere Polyneuropathie

Sie betrifft das willkürliche Nervensystem, also das System, das unserem Willen unterworfen ist. Dazu gehören zum Beispiel die Nerven des Tastsinns oder diejenigen, die für die Bewegungen von Armen und Beinen verantwortlich sind. Diese Form der Polyneuropathie ist die häufigste bei Diabetikern und zeigt sich meist zuerst an den sensiblen Nerven, die von der Körpermitte am weitesten entfernt sind, d.h., an Händen und Füßen.

 

Autonome Polyneuropathie

Hier ist das unwillkürliche, vegetative Nervensystem geschädigt, das die Organfunktionen reguliert, zum Beispiel den Pulsschlag am Herzen oder die Tätigkeit des Magen-Darm-Traktes. Grundsätzlich kann jedes Organ in Mitleidenschaft gezogen werden, je nachdem, welche Nerven zuerst befallen sind.

 

Welche Risikofaktoren gibt es

Schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel
Zusätzlich vorhandener erhöhter Blutdruck
Rauchen
Erhöhtes Cholesterin
Bereits vorhandene diabetische Retinopathie oder Nierenschädigung
Arterienverkalkung (Atherosklerose)

 

Folgende Symptome können bei der diabetischen Polyneuropathie auftreten:

Periphere Polyneuropathie:

Kribbeln und Taubheitsgefühle
Brennende oder stechende Schmerzen, vor allem nachts und in Ruhe
Muskelkrämpfe und Unsicherheiten beim Gehen
Abgeschwächte Gefühlsempfindungen in den betroffenen Bereichen
Anfangs dagegen gibt es gelegentlich auch Überempfindlichkeiten der entsprechenden Areale, so kann beispielweise schon das Zudecken mit einer Bettdecke als schmerzhaft empfunden werden.

 

Autonome Polyneuropathie

Je nach Befall:

Herz-Kreislauf-System:

erhöhter Puls in Ruhe
keine Pulssteigerung bei Belastung (Pulsstarre)
Blutdruckabfall und Schwindel beim Aufstehen

Magen-Darm-Trakt:

Übelkeit, Erbrechen
Durchfall im Wechsel mit Verstopfung
Schluckstörungen
Völlegefühl

Hormonhaushalt:

die klassischen Symptome einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) wie Schweißausbrüche oder Unruhe bleiben aus, diese Zustände werden daher oft nicht mehr richtig erkannt

Harn- und Geschlechtsorgane:

Unzureichende Wahrnehmung der Blasenfüllung. Das kann zu unkontrolliertem Urinabgang führen
Potenzstörungen

Auge:

Störungen der Pupillenfunktion

 

 

Folgende Spätkomplikationen sind zu befürchten:

Diabetischer Fuß“: Bei der peripheren Polyneuropathie werden durch die reduzierten Empfindungen kleinere Verletzungen oder Druckstellen oft nicht wahrgenommen. Doch selbst wenn, durch die eingeschränkten Funktionen ist die Heilung beeinträchtigt. So können aus kleinen Wunden recht schnell große offene Stellen werden mit der Gefahr einer Infektion, die bis auf den Knochen fortschreiten kann. Nicht selten resultiert über kurz oder lang eine Amputation von Zehen oder gar des ganzen Fußes.

„Stumme Herzinfarkte“: Sind bei der autonomen Polyneuropathie die Nerven des Herzens geschädigt, verlaufen Herzinfarkte häufig nur mit geringen oder sogar ganz ohne Schmerzen. Es droht die Gefahr, dass sie nicht erkannt – und behandelt werden. Das Gleiche gilt für vorausgehende Schmerzen, die als Alarmsignal dienen könnten. Dadurch ist das Risiko eines plötzlichen Herztodes für Diabetiker mit einer autonomen Neuropathie des Herzens gegenüber Gesunden deutlich erhöht.

 

Was Sie tun können

Achten Sie auf eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte
Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck und lassen Sie ihn unter Umständen senken
Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
Behalten Sie Ihre Blutfette im Auge und versuchen Sie sie gegebenenfalls durch Diät oder medikamentös zu senken.
Denken Sie an Ihre Füße! Für Diabetiker ist eine regelmäßige Fußpflege besonders wichtig. So können auch kleinere Verletzungen oder Druckstellen rechtzeitig erkannt werden. Außerdem sollten sie sicheres Schuhwerk tragen, das vor Verletzungen schützt
Liegt bereits eine Polyneuropathie vor, vermeiden Sie fußbelastende Sportarten wie Joggen und laufen Sie nicht barfuß.

 

Wann Sie zum Arzt müssen

Bei Kribbeln oder Taubheitsgefühlen
Bei unklaren Schmerzen in Händen oder Füßen
Beim Gefühl von Herzrasen
Bei Schwindelgefühlen nach dem Aufstehen
Bei unklaren Magen-Darm-Beschwerden
Bei Beschwerden beim Wasserlassen
Bei Potenzstörungen

 

 

Was Ihr Arzt tun kann

Es ist wichtig zu wissen, dass die Beeinträchtigung der Nerven lange unbemerkt voranschreiten kann. Wenn die ersten Symptome auftreten, ist der Schaden meist schon relativ groß. Ihr Arzt hat aber die Möglichkeit, mögliche Veränderungen schon früh zu erkennen, auch wenn Sie noch nichts davon merken.

 

Stimmgabeltest: Mit Hilfe einer Stimmgabel testet der Arzt an bestimmten Punkten Ihre Fähigkeit, Vibrationen zu empfinden.
Reflexprüfung: Sind die Reflexe eingeschränkt, ist das ein Hinweis für eine Nervenschädigung
Test der Kalt-Warm-Empfindung
Elektromyogramm und Elektroneurographie: Diese Untersuchungen geben Aufschluss über die Aktivität von Muskeln und Nerven
EKG, Blutdruckmessung, Lagerungstests: Puls- und Blutdruckverhältnisse im Liegen und Stehen zeigen, ob das Herz in Mitleidenschaft gezogen ist.

 

Grundsätzlich wichtigster Schritt der Behandlung ist die optimale Blutzuckereinstellung sowie die Therapie möglicher Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Fette. Darüber hinaus kommen bei Zeichen einer Polyneuropathie verschiedene Medikamente zum Einsatz. Fettsäuren wie Alpha-Liponsäuren können die Funktion der Nerven verbessern. Gegen mögliche Schmerzen stehen verschiedene Schmerzmittel zur Verfügung. Dabei werden auch einige Antidepressiva angewendet, die die Wahrnehmung von Schmerzen verändern. Bei Kreislauf- oder Magen-Darm-Problemen werden die Symptome gezielt behandelt. Ist die Motorik beeinträchtigt, helfen krankengymnastische Übungen unter Anleitung.

 

Vorbeugung:

Gehen Sie regelmäßig zu Ihren Kontrolluntersuchungen
Untersuchen Sie täglich Ihre Füße, z.B. mit einem kleinen Spiegel
Achten Sie auf ausreichende körperliche Bewegung, das verbessert den Stoffwechsel und die Durchblutung. Geeignete Sportarten sind beispielsweise Schwimmen oder Radfahren.

 

Autor:  Dr. Anja Braunwarth

 




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