Meine-Gesundheit.de Logo

Polyneuropathie

Was ist Polyneuropathie

Polyneuropathie (kurz PNP) ist eine Erkrankung mehrerer Nerven, im schlimmsten Fall sogar des gesamten peripheren Nervensystems, also aller Nerven, ausgenommen Gehirn und Rückenmark. Von einer Polyneuropathie können sensorische (Tastsinn), motorische (Muskelsteuerung) und vegetative (nicht willentlich beeinflussbar) Nerven betroffen sein.

Formen der Polyneuropathie

Bei der Polyneuropathie werden im Wesentlichen zwei Formen unterschieden, die periphere Polyneuropathie und die autonome Polyneuropathie.

Periphere Polyneuropathie

Die periphere Polyneuropathie betrifft das willkürliche Nervensystem, also das System, das wir willentlich steuern können. Dazu gehören zum Beispiel die Nerven, die für Bewegungen von Armen und Beinen verantwortlich sind. An dieser Form der Polyneuropathie erkranken vor allem Diabetiker. Sie zeigt sich meist zuerst an den sensiblen Nerven, die von der Körpermitte am weitesten entfernt sind, d.h., an Händen und Füßen.

Autonome Polyneuropathie

Bei der autonomen Polyneuropathie ist das unwillkürliche, vegetative Nervensystem geschädigt. Also das Nervensystem, das wir nicht willentlich beeinflussen können. Das autonome Nervensystem reguliert zum Beispiel den Pulsschlag am Herzen oder die Verdauung im Magen-Darm-Trakt. Grundsätzlich kann jedes Organ betroffen sein, je nachdem, welche Nerven befallen sind.

Symptome bei Polyneuropathie

Die Symptome bei Polyneuropathie hängen sehr stark von der Form der Polyneuropathie ab.

Symptome bei peripherer Polyneuropathie

Bei einer peripheren Polyneuropathie kommt es vor allem zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen an Armen und Beinen. Zudem leiden Betroffene an brennenden oder stechenden Schmerzen, vor allem nachts und in Ruhe. Auch Muskelkrämpfe und Unsicherheiten beim Gehen sind möglich. In den betroffenen Bereichen werden Reize oft schwächer wahrgenommen, gelegentlich sind aber auch Überempfindlichkeiten dieser Areale möglich. So merken Raucher mit einer peripheren Polyneuropathie beispielsweise nicht, wenn ihre Zigarette heruntergebrannt ist und die Fingerkuppen verbrennen. Anderenfalls kann aber schon das Zudecken mit einer Bettdecke als schmerzhaft empfunden werden.

Symptome bei autonomer Polyneuropathie

Die Symptome bei autonomer Polyneuropathie richten sich danach, welches Organ betroffen ist. Nervenschädigungen im Herz-Kreislauf-System führen zum Beispiel oft zu einem erhöhten Puls in Ruhe und fehlender Pulssteigerung bei Belastung (sogenannte Pulsstarre). Desweiteren wird den Betroffenen häufig schwindlig, wenn Sie aufstehen. In diesem Fall kann sich der Blutdruck nur schwer dem Lagewechsel anpassen und rauscht nach unten.
Übelkeit
, Erbrechen, Durchfall im Wechsel mit Verstopfung, Schluckstörungen oder Völlegefühl sind typische Symptome, wenn der Magen-Darm-Trakt betroffen ist.
Bei Polyneuropathien an Harn- und Geschlechtsorganen nehmen Betroffen möglicherweise ihre Blasenfüllung nicht mehr wahr. Die Patienten leiden dann an unkontrolliertem Urinabgang bzw. Inkontinenz.
Sogar der Hormonhaushalt kann betroffen sein. Dann bleiben die klassischen Symptome einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) wie Schweißausbrüchen oder Unruhe aus. In der Folge werden diese Zustände oft nicht mehr richtig und vor allem nicht rechtzeitig erkannt. Dies kann zu lebensbedrohlichen Unterzuckerungen führen. Selbst Potenzstörungen können auf eine Polyneuropathie hinweisen.

Komplikationen bei Polyneuropathie

Bei der peripheren wie auch bei der autonomen Polyneuropathie gibt es gefürchtete Spätkomplikationen.

Diabetischer Fuß

Der sogenannte „diabetische Fuß" ist eine gefürchtete Komplikation der peripheren Polyneuropathie. Infolge verminderter Empfindungen im Fuß und an den Zehen werden kleinere Verletzungen oder Druckstellen oft nicht wahrgenommen. Und selbst wenn sie bemerkt werden, heilen sie nur sehr schwer ab. Aus kleinen Wunden können so recht schnell große offene Stellen werden. Diese können sich infizieren und zum Teil bis zu den Knochen vordringen. Nicht selten folgt deswegen über kurz oder lang eine Amputation von Zehen oder gar des ganzen Fußes.

Stumme Infarkte

Stumme Infarkte sind bei der autonomen Polyneuropathie eine der gefürchteten Komplikationen. Als stumme Infarkte werden Herzinfarkte bezeichnet, die aufgrund geschädigter Nerven am Herzen kaum Beschwerden verursachen. Und das ist fatal: Stärkste Brustschmerzen bzw. Brustengebeschwerden, die normalerweise als Alarmsignale für Herzinfarkt gelten, fehlen. In der Folge rufen Betroffene auch nicht den dringend benötigten Notarzt – mit dem Gedanken, es wird schon nicht so schlimm sein. Aber ohne den Notarzt gibt es keine rechtzeitige Therapie und das Risiko eines plötzlichen Herztodes steigt. Diese Gefahr besteht insbesondere bei Diabetikern mit einer autonomen Neuropathie des Herzens. Deshalb sollten vor allem Diabetiker auch schon bei geringen Herzbeschwerden einen Arzt informieren.

Ursachen einer Polyneuropathie

Bei etwa 30 Prozent aller Diabetiker kommt es nach längerer Krankheitsdauer zu einer Nervenschädigung (Polyneuropathie). Die genauen Ursachen dafür sind bislang nicht geklärt. Sicher ist aber, dass eine schlechte Einstellung des Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Polyneuropathie trägt. Ein Erklärungsversuch: Übermäßig anfallender Zucker im Blut verbindet sich mit Eiweißen. Diese Gebilde können einerseits die Nerven direkt reizen, anderseits behindern diese Zucker-Eiweiß-Moleküle die optimale Versorgung der Nerven mit Sauerstoff. Zudem werden bei erhöhtem Blutzucker noch Stoffe ausgeschüttet, die Zellen direkt schädigen können.

Risikofaktoren bei Polyneuropathie

Folgende Risikofaktoren erhöhen die Gefahr von Gefäßschäden:

Wann zum Arzt

Sensibilitätsstörungen, schlecht heilende Wunden und organische Beschwerden sollten Sie grundsätzlich von einem Arzt abklären lassen. Bei Brustengebeschwerden oder Herzschmerzen informieren sie bitte Ihren Hausarzt oder rufen den Rettungswagen.

Unter Polyneuropathie-Behandlung finden Sie Informationen über die Therapie bei Polyneuropathie und wie Sie einer Polyneuropathie vorbeugen können.

überarbeitet 06/13 Charly Kahle

Möchten Sie wissen, ob es für
Ihre Mono- oder Einphasen-Pille eine
preislich günstigere Alternative gibt?