Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Ursachen / Ausbreitung
Poliomyelitis ist eine Erkrankung, die durch 3 verschiedene Arten von Polio-Viren verursacht wird. Sie kommt auf der ganzen Welt vor. In Deutschland treten nur Einzelfälle auf, da durch die Schluckimpfung viele einen Schutz haben. In den Ländern der 3. Welt ist die Erkrankung aber nach wie vor häufig. Der Virus wird im Stuhl der Erkrankten ausgeschieden und wird meist durch Schmierinfektion weiter gegeben. In 90-95 % der Fälle verläuft die Infektion ohne jegliche Krankheitszeichen.
Symptome
Die Erkrankung (bei ca. 5 % der Infizierten) kann alle denkbaren Variationen durchlaufen. Sie kann einer Erkältungskrankheit ähnlich sein, sie kann aber auch zum Befall des Gehirns (polio = Bezeichnung für die graue Hirnsubstanz) und des Rückenmarkes (Spina = Rückenmark) führen und Lähmungen hinterlassen.
Die Inkubationszeit, das ist die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung, beträgt 1-2 Wochen.
Dann treten für etwa 3 Tage einer Erkältungskrankheit ähnliche Symptome auf. Die Patienten klagen über Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber und haben oft Durchfall. Dann verschwinden die Symptome und der Patient scheint genesen zu sein.
Bei einem Teil der Erkrankten treten aber bald erneute Symptome auf. Das Fieber steigt wieder an und Nackensteifigkeit, starke Kopfschmerzen, Berührungsempfindlichkeit und gesteigerte Reflexe zeigen die Hirnbeteiligung an.
Etwa 1% der Kranken erreicht das paralytische Stadium. Das bedeutet, dass durch Befall des Rückenmarkes Lähmungen auftreten. Am häufigsten sind die Beine betroffen, gefolgt von Armen und Rumpfmuskeln. Durch Ausfall der Atemmuskulatur kommt es zur Atemlähmung. Ohne künstliche Beatmung würden die Patienten sterben.
Die Rückbildung der Lähmungen kann Jahre dauern. Bei jedem 2. Patienten, der das paralytische Stadium erreicht hatte, bleiben Restlähmungen für immer bestehen.
Therapie
Eine direkte Therapie der Polio gibt es nicht!
Man kann sich nur darauf beschränken, dass man auf die Lagerung der Gelähmten achtet, um Druckstellen und Fehlstellungen der Gelenke zu vermeiden und dass man bei einer Atemlähmung eine künstliche Beatmung durchführt. Sobald es möglich ist, soll man mit der Bewegungstherapie beginnen.
Die Nachbehandlung ist sehr langwierig und soll in speziellen Kurkliniken durchgeführt werden. Bei verbliebenen Lähmungen werden die Patienten mit Stützapparaten versorgt.
Prophylaxe (Verhütung)
Impfung
Die sehr wirksame Schluckimpfung mit lebenden, abgeschwächten Viren wurde wegen gewisser Risiken vor kurzem abgeschafft.
Jetzt wird ebenso wirksam intramuskulär mit inaktivierter Viruslösung (Salk-Vakzine) geimpft. Im Säuglings- und Kleinkindalter erfolgt die Grundimmunisierung durch mehrmaliges Impfen, danach bedarf es regelmäßiger Auffrischimpfungen.
Autoren:
Christiane von der Eltz, Apothekerin
Dr. Regina Schick, Ärztin
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