Achtung Giftpilze! Leichtsinn und Unkenntnis führen immer wieder zu Pilzvergiftungen mit Todesfolge
Es gibt unter 5.300 Arten europäischer Großpilze 160 Giftpilze und viele ungenießbare oder unerprobte Arten. Und oft genug ist es so: Die Schönsten sind die Gefährlichen. Also Vorsicht, auch hier nicht von Äußerlichkeiten blenden lassen. Bestimmen Sie Ihnen unbekannte Pilze nie allein auf Grund schriftlicher oder bildlicher Angaben. Am besten zur nächsten Pilzberatungsstelle gehen oder überhaupt vorab einen Pilzkurs absolvieren.
Die Internetseite http://www.toxinfo.org bietet ausführliche Pilz-Informationen.
Ihnen ist sicher auch schon aufgefallen, dass Sie durch den Wald gehen und auf irgendeiner Suche sind: nach Beeren, Kräutern, Blumen oder Pilzen. Man denkt, man spaziert einfach, aber der Jäger und Sammler in uns jagt und sucht - ein Urinstinkt. Doch wenn wir dann gefunden haben, steht oft die Frage: Ist es wirklich der Pilz, für den ich ihn halte? Ist es wirklich die schmackhafte Graukappe oder etwa der sehr ähnliche und schwer giftige Riesenrötling?
Bitte beachten: Manche Pilze sind nur als Jungpilz essbar, und zu bestimmten Pilzen darf kein Alkohol getrunken oder verwendet werden. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen ein Abkochen die Pilze entgiftet. Treten Magen-Darm-Störungen nach einer Pilz-Mahlzeit auf, kann es sich um eine ALLERGIE auf den entsprechenden Pilz handeln oder um eine PILZ-UNVERTRÄGLICHKEIT oder um eine LEBENSMITTELVERGIFTUNG oder um eine Magen-Darm-Störung durch PILZVERGIFTUNG.
Lebensgefährliche Pilzvergiftungen
Erste Beschwerden treten frühestens nach 6 bis 18 Stunden, sogar erst 1 bis 2 Tage bis zu über einer Woche nach der Pilzmahlzeit auf. In schweren Fällen kann es zu Schädigungen an Leber und Nerven kommen, bis hin zum Nierenversagen.
Pilzallergie
Kurze Zeit nach einer Pilzmahlzeit (15 Minuten bis ca. 4 Stunden) treten Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen auf, auch Hautquaddeln, asthmatische Atembeschwerden, Blutdruckabfall. Typischerweise ist nur eine Person nach einer Pilzmahlzeit betroffen.
Pilzunverträglichkeit
Innerhalb von 4 Stunden nach der Pilzmahlzeit treten wegen ungenügendem Kochen und bei zu großer Pilzmenge leichte bis mittelschwere Magen-Darm-Probleme auf und ein langsam einsetzender Durchfall.
Lebensmittelvergiftung
Pilze in Plastiktüten gesammelt oder zu lange gelagert, verderben sehr leicht (im Pilzeiweiß können bakterielle Giftstoffe entstehen) und können bei Genuss zu heftigen Magen-Darm-Erkrankungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.
Beschwerden nach Pilzmahlzeit mit Alkohol
Es kommt bei bestimmten Pilzsorten nach Alkoholgenuss innerhalb von Stunden bis zu 2 Tagen nach der Pilzmahlzeit zu Gesichts- und Hautrötung, Kopf- und Herzschmerzen, die in seltenen Fällen sogar lebensbedrohlich werden können.
Nur ein Arzt kann bei einer Vergiftung wirksam Hilfe leisten
Die Johanniter Unfall Hilfe e. V. rät: "In keinem Fall sollten die Betroffenen durch Salzwasser oder Milch versuchen, Erbrechen herbeizuführen. Der berühmte Finger im Hals ist nur kurz nach dem Pilzverzehr sinnvoll. Dennoch sind Notruf, Ruhe und Besonnenheit die besten Mittel im Falle einer Pilzvergiftung. Wer nach einem Pilzessen bewusstlos wird, gehört in die stabile Seitenlage."
Bei einer möglichen Vergiftung sollte immer der Rat einer Giftnotrufzentrale eingeholt werden. Jedoch bitte auf keinen Fall selbst mit dem Auto hinfahren, der Zustand kann sich jederzeit verschlechtern.
Adressen und Telefonnummern der Giftnotrufzentralen:
Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein:
(GIZ-Nord) Giftinformationszentrum Nord Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin Telefon: 05 51/1 92 40
Berlin und Brandenburg:
Institut für Toxikologie in Berlin 030 19240
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen:
Gemeinsames Giftinformationszentrum in Erfurt (GGIZ Erfurt) 0361 730730
Nordrhein-Westfalen:
Informationszentrale gegen Vergiftungen der Universität Bonn 0228 19240
Hessen und Rheinland-Pfalz:
Giftinfo Mainz 06131 19240
Baden Württemberg:
Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg 0761 19240
Bayern:
Giftnotruf München Telefon 089 19240
Auch dieser Link bietet ausführliche Informationen zum Thema Giftpilze und Pilzvergiftungen http://www.giftinfo.uni-mainz.de.
Pilze stehen unter dem Schutz des Naturschutzgesetzes
Pilze dienen dem Wild als Nahrung, dem Waldboden als Abfallbeseitigung und den Pflanzen als Nährstoffspender. Pilze sind Parasiten und zersetzen tote Pflanzenreste. Sie sind auch Bestandteil der Symbiose im Wald: Sie umspannen unterirdisch das Wurzelwerk der Pflanzen, entnehmen ihnen Nährstoffe und liefern ihnen Wasser und Nährsalze. Die Samen der heimischen Orchideen keimen ohne Pilze gar nicht erst.
Um den gesunden Bestand an Pilzen zu erhalten, ist es wichtig, einige Regeln zu beachten:
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Pilze vorsichtig abschneiden oder herausdrehen.
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Entstehende Bodenöffnung zudrücken, damit das Pilzgeflecht nicht austrocknet.
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Immer einige Exemplare am Wuchsort stehen lassen.
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Unbekannte oder giftige Pilze nicht zertreten.
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Sehr kleine Pilze stehen lassen.
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Überalterte und madige Pilze können immer noch Sporen abwerfen, also einfach stehen lassen.
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Nur so viele Pilze sammeln, wie zum Eigenverbrauch benötigt werden.
MGORowena Grell
Lesen Sie auch: Zeckengefahr beim Pilzesammeln und in unserem Gesundheitsratgeber "Was tun bei Zeckenbiss und Borreliose".
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