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Unter Migräne versteht man anfallsartige, starke, pochend-pulsierende oder bohrende, oft bei Erwachsenen halbseitige, bei Kindern beidseitige Kopfschmerzen. Häufig treten sie in Begleitung von Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auf. Bei einigen Kindern kommen Schwindel oder fantastische Bilder (Alice-im-Wunderland-Syndrom) hinzu. Bei einigen Patienten beginnt die Migräneattacke mit einem schmerzfreien Vorstadium (Aura), in dem es zu Sehstörungen (z. B. Flimmersehen, Lichtblitze), Sprachstörungen, Gefühlsstörungen (wie Taubheit oder Kribbeln) oder Lähmungserscheinungen im Gesicht und an den Gliedmaßen kommen kann. Solche Beschwerden können auch die einzigen Symptome eines Migräneanfalls sein. Kinder schlafen häufig ein während der Migräneattacke und wachen nach kurzem Schlaf fast beschwerdefrei wieder auf. Häufig ist im Kindesalter der Magen-Darm-Trakt mit betroffen. Ein Kopfschmerzanfall kann 4 bis 72 Stunden andauern, bei Kindern kann er jedoch in kürzerer Zeit verlaufen. Die Anfallshäufigkeit variiert von wenigen pro Jahr bis zu fast täglichen Anfällen. Etwa 20 % der Bevölkerung sind von Migräne betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer, schätzungsweise 5 % aller Kinder. Häufige Ursachen  | Die Wissenschaft geht davon aus, dass bestimmte Reize (s. u.) zu einer umschriebenen Entzündung der Hirnhaut und der darin verlaufenden Hirngefäße führen. Durch die Entzündung werden beim Pulsieren der Hirngefäße Schmerzen ausgelöst. Die eigentliche Ursache dieser Vorgänge ist unbekannt. |  | Vererbung spielt eine Rolle. |
Migräneanfälle können ausgelöst werden durch:  | Stress. |  | Menstruation. |  | Bestimmte Wetterlagen oder Wetterwechsel. |  | Übermäßigen Genuss von Alkohol, Nikotin oder Kaffee. |  | Veränderte Schlafgewohnheiten (Zu viel oder zu wenig Schlaf). |  | Bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, Schokolade oder Käse |  | Grelles oder flackerndes Licht. |  | Auslassen von Mahlzeiten. |  | Oft treten die Beschwerden auch am Ende einer stressigen oder belastenden Zeit ( z.B. am Sonntag oder im Urlaub) auf. |  | Einnahme der Antibabypille. |
Auslöser bei Kindern sind auch häufig:  | Angst |  | Bestimmte Speisen wie Schokolade, Käse oder Nüsse, Farb- und Konservierungsstoffe (enthalten z. B. in Ketchup, Gummibärchen) |  | Veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus (zu wenig oder zu viel Schlaf) |  | Hunger |  | Schlechtes Sehen |
Was tun können  | Ruhen Sie sich in einem ruhigen abgedunkelten Raum aus. |  | Bei leichten Migräneanfällen hilft das Auflegen einer kalten oder heißen Kompresse (je nachdem, was dem Einzelnen Erleichterung bringt) auf die Stirn. |  | Das Einreiben der Stirn mit einem ätherischen Öl wie z. B. Pfefferminzöl kann die Beschwerden lindern. |  | |  | Druckmassage (Shiatsu und Akkupressur) kann Linderung verschaffen. |  | In leichten Fällen helfen auch Schmerzmittel mit Acetylslicylsäure oder mit Paracetamol und Mittel gegen Übelkeit mit Dimenhydrinat. |  | Wenn Sie unter schweren Migräneattacken leiden, sollten Sie stets die vom Arzt verordneten Medikamente bei sich tragen. |
Bei Kindern sollte die nichtmedikamentöse Therapie Vorrang haben:  | Bleiben Sie selbst ruhig und zurückhaltend. |  | Bewahren Sie Ihr Kind vor äußeren Reizen wie Fernseher, Radio oder spielende Kinder. |  | Sorgen Sie für frische und zirkulierende Luft in einem dunklen Raum, in dem nicht geraucht wird. |  | Entspannend wirkt sich oft ein kalter Lappen auf der Stirn aus, manchen Kindern behagt mehr der warme. |  | Einmassieren von Pfefferminzöl an Schläfe, Scheitel und Nacken lindert. |  | Krampflösend und schmerzlindernd wirkt ein auf den Nacken aufgelegter Zwiebelumschlag (Zwiebelscheiben etwas erwärmen und in ein Taschentuch oder ähnliches packen). |  | Entspannungstechnik anwenden. |  | Verbessern sich durch Hinlegen die Symptome, geben Sie Ihrem Kind kein Schmerzmittel. So erlernt es einen sorgsamen Umgang mit Medikamenten. |
Als medikamentöse Akuttherapie bei Kindern werden Ibuprofen (10 mg pro kg Körpergewicht) und Paracetamol (10-20 mg pro kg Körpergewicht) empfohlen. Wenn Sie unter unerträglichen oder ständig wiederkehrenden Kopfschmerzen leiden. Was Ihr Arzt tun kann  | Der Arzt kann feststellen, ob es sich um Migräne oder eine andere Form von Kopfschmerzen handelt. |  | Bei der medikamentösen Therapie unterscheidet man zwischen einer Akuttherapie und einer vorbeugenden Behandlung (Migräneprophylaxe). |  | Bei leichten und mittelschweren Migräneattacken werden beispielsweise Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen eingesetzt. |  | Bei starken Schmerzen kann der Arzt spezielle Migränemittel (Triptane) verschreiben. |  | Wegen der häufig mit Migräne einhergehenden Übelkeit sollten Medikamente in Form von Zäpfchen eingenommen werden oder zunächst ein Mittel gegen die Übelkeit, genommen werden und dann ca. 20 Minuten später die Migränetablette(n). Fragen Sie Ihren Arzt nach einem geeigneten Mittel wie Metoclopramid oder Domperidon, beide sind verschreibungspflichtig! |  | Schmerzmittel und Triptane dürfen aber höchstens an zehn Tagen im Monat genommen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich ein durch Schmerzmittel verursachter (Dauer-)Kopfschmerz entwickelt. |  | Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt daher bei mehr als drei Attacken pro Monat, bei sehr starken oder lang andauernden Schmerzen eine medikamentöse Vorbeugung über mehrere Monate. Als Medikamente werden beispielsweise Beta-Blocker eingesetzt. Zum medizinischen Standard gehört inzwischen auch ein pflanzlicher Pestwurzextrakt. Ziel der vorbeugenden Behandlung ist es, Häufigkeit und Stärke der Schmerzattacken um mindestens 50 Prozent zu reduzieren. |  | Der Arzt kann feststellen, ob zusätzliche Maßnahmen wie Akupunktur, Entspannungsübungen, Diäten, Psychotherapie oder Massage helfen könnten. |  | Bei einigen Patienten ist ein Klinikaufenthalt sinnvoll |
Vorbeugung  | Versuchen Sie herauszufinden, ob es bei Ihnen bestimmte Auslöser für die Migräneanfälle gibt. Dabei kann unter Umständen das Führen eines "Tagebuches" sinnvoll sein. Versuchen Sie, solchen Auslösern aus dem Weg zu gehen. |  | Vermeiden Sie die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln. Auch durch zu viele Medikamente können Schmerzen ausgelöst werden. |  | Versuchen Sie Stress und Anspannung zu vermeiden. Sorgen Sie für Entspannung und regelmäßige körperliche Aktivitäten. |  | Hüten Sie sich vor übermäßigem Lärm und starker Licht- oder Sonneneinwirkung. |
Zusätzliche Vorbeugung bei Kindern  | Ermuntern Sie Ihr Kind, einen Kopfschmerzkalender über vier bis sechs Wochen zu führen, um den möglichen Auslösern auf die Spur zu kommen. Es sollte nach Möglichkeit darin selbstständig seine Erfahrungen aufschreiben, z. B. wann die Kopfschmerzen aufgetreten sind, wie stark sie waren, ggf. welches Medikament es eingenommen hat. Sprechen Sie den behandelnden Arzt darauf an. |  | Sorgen Sie für viel Flüssigkeit (Wasser, Tee) und genügend Pausenbrot. |  | Achten Sie auf einen regelmäßigen, stressfreien Tagesablauf mit ausreichenden Lernpausen. |  | Lassen Sie Ihr Kind eine passende Entspannungstechnik erlernen, wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Phantasiereisen sowie mit Einschränkungen das Autogene Training. |  | Das Fortlassen einiger Nahrungsbestandteile kann einen positiven Einfluss auf Migräne bei Kindern haben: Kuhmilch (Laktoseintolanz), Lebensmittelfarbstoffe, Konservierungsstoffe, Schokolade, Weizenmehl, Eier, Käse, Tomaten, Fisch, Schweinefleisch, Soja. |  | Hilfe für die kleinen Patienten verspricht die vorbeugende Behandlung mit einem pflanzlichen Präparat wie z. B. Pestwurzextrakt; der ist so wirksam wie synthetische Mittel, aber besser verträglich. |
Autoren: Christiane von der Eltz, Apothekerin, Dr. Regina Schick, Ärztin Überarbeitet und aktualisiert von Rowena Grell, Redakteurin
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