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Keuchhusten: Ungewöhnlich starker Anstieg bei Pertussis

 

In Deutschland macht sich offenbar eine fast vergessene Kinderkrankheit wieder breit: der Keuchhusten. Das Robert-Koch-Institut verzeichnet einen ungewöhnlich starken Anstieg der Pertussis-Infektionen. Die Zahl der Keuchhusten-Fälle stieg im vergangenen Jahr auf 22.000 labordiagnostisch bestätigt Fälle. Das ist im Vergleich zu 2015 (14.000 Infektionen) ein Anstieg um fast 60 Prozent.

Keuchhusten Pertussis stark erhöhte Häufigkeit Eine Keuchhustenwelle hat Deutschland erfasst. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Pertussis-Fälle um fast 60 Prozent auf 22.000. Und der Trend hält im neuen Jahr an.
© ajlatan - Fotolia.com

2016: 3 Säuglinge sterben an Keuchhusten

Keuchhusten ist vor allem für Säuglinge lebensbedrohend. Im vergangenen Jahr verzeichnete das RKI 3 Todesfälle durch Pertussis erstmals nach Jahren. Insgesamt erkrankten 2016 mehr als 22.000 Kinder. Das sind 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Keuchhusten-Infektionen ist nicht nur im Jahresvergleich sehr hoch. Demnach hat es in den ersten Wochen dieses Jahres bereits mehr als 1.500 bestätige Infektionen gegeben.

Die Ursachen für die Rekordzahlen sind nach Angaben des RKI nicht eindeutig geklärt. Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass die Zahl der Keuchhusteninfektionen alle 4 bis 6 Jahre steigt. Man nimmt an, dass Veränderungen der Keuchhusten-Erreger für diesen Effekt verantwortlich sind. Darüber hinaus spiele wahrscheinlich auch eine Rolle, dass Ärzte bei Verdacht auf Keuchhusten mehr Proben analysieren ließen – und damit die Rate der erkannten Pertussisfälle steige, so das RKI.

 

Impfungen können Keuchhusten vermeiden

Daneben dürfte aber auch eine gewisse Impfmüdigkeit eine wichtige Rolle spielen, schreibt das RKI im aktuellen epidemiologischen Bulletin. Im Winter 2015/2016 hatte das Gesundheitsamt Kiel eine ungewöhnliche Häufung von 94 Keuchhustenfällen registriert. Das RKI veranlasste darauf hin eine Studie, in der Daten von insgesamt 271 Kindern erfasst wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die Vielzahl der Infektionen mit einiger Sicherheit durch unvollständigen Impfschutz verursacht wurde. Insbesondere hatte nur ein kleiner Teil der Schüler ab 12 Jahren die notwendige Auffrischimpfung erhalten.

Keuchhusten-Impfschutz überprüfen

Das RKI rät der Ärzteschaft, insbesondere bei Keuchhusten-Ausbruchssituationen bei allen Patienten mit Ansteckungsrisiko den Impfstatus zu überprüfen. Bei vollständiger Immunisierung bietet die Keuchhusten-Impfung sehr guten Schutz . Allerdings besteht dieser Schutz langfristig nur dann, wenn das Impfschema vollständig eingehalten wird. So erreichen Kinder die Grundimmunisierung erst nach 4 Keuchhusten-Impfungen. Jugendliche und Erwachsene benötigen regelmäßige Auffrischimpfungen.

Redaktion: Charly Kahle, erstellt: 13. Februar 2017