Ich höre auf zu rauchen

Der US-Schriftsteller Mark Twain (1835-1910) soll gesagt haben:
"Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht.
Ich habe es schon hundertmal geschafft."
 

Petra Goldbach, Produktmanagerin, hat es geschafft, nach 25 Jahren mit dem Rauchen aufgehört.

 

 

Frau Goldbach, wie geht es Ihnen ohne Zigarette?
Die meiste Zeit sehr gut. Es gibt nur sehr wenige Momente, in denen ich mir eine "gemütliche" Zigarette zurückwünsche. Geht es mir mal nicht gut, hat das absolut nichts mit der Nikotinenthaltsamkeit zu tun. Das hat in der Regel andere Gründe.
 

 


Warum haben Sie durchgehalten?

Weil es bis heute keinen Grund gab, mit dem Rauchen wieder anzufangen - bzw. weil ich mir bei allen Dingen, die in den letzten fünf Jahren passiert sind, nicht vorstellen konnte, dass Rauchen die jeweilige Situation verbessern würde.

Waren Sie eher Genussraucherin oder abhängig?
Ich habe über all die Jahre sehr, sehr regelmäßig 15 bis 20 Zigaretten geraucht habe, Tag für Tag, auch wenn es mir gesundheitlich mal schlechter ging durch Erkältung oder ähnlichem. Ich würde hier nicht von Genuss, sondern definitiv von Abhängigkeit sprechen.

 

 

Sind Sie nikotinabhängig? Hier können Sie sich testen.

 

 



Haben Preiserhöhungen von Tabak Einfluss auf Ihren Konsum gehabt?

Der Preis für eine Schachtel Zigaretten war mir immer egal. Es gab für mich als abhängigen Raucher keine Schmerzgrenze. Ich hatte bei Preiserhöhungen immer mal wieder versucht, den Konsum zurückzuschrauben, um die Kosten zu kompensieren. Aber das ging auch immer nur eine kurze Weile. Dann war ich wieder bei der gewohnten Menge - abhängig eben.


Was hat Ihnen geholfen, mit dem Rauchen aufzuhören?

  1. Der Gedanke, dass es Andere auch geschafft haben (selbst die, die viel mehr und länger als ich geraucht haben und die im Gegensatz zu mir auch nicht bereit waren, stundenweise auf Zigaretten zu verzichten.
  2. Der feste Plan, es auf jeden Fall angehen zu wollen . Auch wenn es weit nach meinem 40. Geburtstag gewesen wäre.
  3. Mir keinen Erfolgsdruck aufzubauen : Wenn es klappt, ist es gut - wenn nicht, versuche ich es später noch einmal.
  4. Für die ersten drei Wochen Umstellung meiner üblichen Lebensgewohnheiten . Ich habe eine Mutter-Kind-Kur genutzt, mit dem Rauchen aufzuhören. Da ich aber immer gerne geraucht habe, habe ich natürlich auch die Schachtel bis zum Schluss aufgebraucht und mir dann fest vorgenommen, es ohne versuchen zu wollen. Da in der Kurklinik absolutes Rauchverbot war, wollte ich mich für die Zeit dort auch nicht permanent unter Druck setzen, mir einen Ort zum Rauchen suchen zu müssen. Unvorstellbar, abends spät oder frühmorgens ins Freie (in die Kälte!) raus zu müssen, um meine Sucht zu befriedigen. Das wollte ich einfach nicht. Mein Plan war, es zunächst für diese drei Wochen zu versuchen. Und das war wider Erwarten ziemlich einfach. Vielleicht weil ich mir erlaubt habe: Du kannst jederzeit wieder anfangen, wenn du willst. Eine Schachtel Zigaretten ist schnell gekauft.
  5. Parallel dazu habe ich das Buch von Allen Carr gelesen "Endlich Nichtraucher". Zwar fand ich es vom Schreibstil nicht sehr professionell - aber darauf kam es auch nicht an. Der Autor hat den kompletten Weg zum Nichtraucher mit allen Bedenken, Befürchtungen und Stolpersteinen systematisch abgearbeitet und gedanklich durchgekaut (kleine Anmerkung, damit Sie nicht vermuten, ich möchte hier Werbung für den Autor machen: sein Buch "Endlich Wunschgewicht" hatte bei mir nicht funktioniert!). Aber zurück zum Thema:  eigentlich hatte ich erwartet, mehr Unterstützung als ein kleines Taschenbuch zu benötigen. Wie dem auch sei: in diesem speziellen Fall hat es auf jeden Fall geholfen. Ansonsten hätte ich Plan B gestartet und den Weg über Raucherentwöhnungspräparate oder Seminare zum Thema versucht.

 

Wie haben Sie die Zeit des "Aufhörens" empfunden?

Eigentlich ging es viel, viel einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Wobei ich mir darüber bewusst bin, dass auch die kurzzeitige Umstellung - der Kuraufenthalt, der Abstand zu den täglichen Gewohnheiten - hier mitgeholfen hat.
Zunächst war es so, dass es als erstes galt, die Sucht nach Nikotin zu bekämpfen bzw. die Sucht immer wieder zu ignorieren. Nach Allan Carr dauert das gar nicht mal so lange: Innerhalb von 2 bis 4 Tagen wäre die Sucht überwunden. Das war auch tatsächlich so. Der schwierigste Teil lag darin, wirklich standhaft zu bleiben. Dazu musste ich gewohnte Rituale abbauen.

 

Waren Sie bereit, Ihre lieb gewonnenen Gewohnheiten aufzugeben?

Ich glaube darin liegt der Knackpunkt: Es sind hauptsächlich diese gewohnten Rituale, die uns lange davon abhalten, sich überhaupt gedanklich mit dem NICHT-MEHR-RAUCHEN-WOLLEN auseinanderzusetzen. Allein damals der Gedanke, dass in Kürze aufgrund einer Fortbildung jede Menge schwieriger Prüfungen auf mich zukommen werden, ließ mich in Erwägung ziehen, doch noch ein bis zwei Jahre mit dem Aufhören zu warten - bis der Prüfungs-Spuk vorbei ist. Auch hier konnte ich mir zunächst nicht vorstellen, dass ich den Stress und die Aufregung ohne Nikotin schaffen würde. Aber ich habe mich entschlossen, es doch zu versuchen. Und es hat ja tatsächlich bis zum heutigen Tage geklappt. Die Prüfungen habe ich wunderbar ohne Zigaretten bestande