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Süßholzwurzel – gegen Erkältungen und Magenprobleme

Süßholzwurzel, Fotolia 63228857
© mates - Fotolia.com
Süßholz raspeln ist das Eine, mit Süßholzwurzel Beschwerden lindern das Andere. Das Süßholz selbst hat keine heilenden Effekte. Die Süßholzwurzel hingegen schon: Sie eignet sich beispielsweise wegen ihrer sekretlösenden Eigenschaften, die Symptome von festsitzendem Husten zu lindern. Auf die Magenschleimhaut wirkt die Süßholzwurzel beruhigend.

Heilpflanze Süßholzwurzel  (Glycyrrhiza glabra radix) in Kürze

  • erleichtert das Abhusten, beruhigt die Magenschleimhaut, hemmt Helicobacter pylori (Erreger der Magenschleimhautentzündung), Effekte durch Studien noch nicht überzeugend belegt
  • nicht anwenden bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, Nierenfunktionsstörungen und Diabetes
  • Nebenwirkungen durch hormonähnliche Effekte auf Blutdruck und Blutzuckerspiegel
  • Wechselwirkungen mit einigen Herzmedikamenten und Kortisonpräparaten
  • für Schwangere und herzkranke Menschen nicht geeignet
  • Anwendungsgebiete: Erkältungen mit Husten und Bronchitis, Magenschleimhautentzündungen (Gastritis), Magengeschwüre, Reizmagen.

 

Inhaltsstoffe der Süßholzwurzel

Die Inhaltsstoffe der Süßholzwurzel sind überaus zahlreich. Bislang wurden etwa 400 verschiedene Substanzen entdeckt. Von den meisten weiß man nicht, welche Wirkung sie haben.

Einer der Hauptbestandteile der Süßholzwurzel sind sogenannte Triterpensaponine (insbesondere Glycyrrhizin). Dabei handelt es sich um Seifenstoffe. Cumarine und verschiedene anderen wirksame Pflanzenfarbstoffe sind weitere wirksame Bestandteile der Heilpflanze.

 

Wirkweise der Inhaltsstoffe

Seifenstoffe wie Triterpensaponine sind dafür bekannt, dass sie festsitzende Sekrete aus den Atemwegen lösen können. Zunächst reizen sie den Vagusnerv im Magen. Als Reaktion darauf wird festsitzendes Sekret von den Schleimhäuten gelöst und vorwärts bewegt. In der Folge lässt sich das Sekret leichter und besser abhusten. Ferner sind Seifenstoffe dafür bekannt, dass sie das Wachstum von Krankheitserregern hemmen können.

Entzündungshemmende Wirkung von Süßholzwurzel

Glycyrrhizin und Glycyrrhetinsäure haben ein ähnliches Wirkungsspektrum wie Kortison und bewirken zudem, dass körpereigenes Kortison langsamer abgebaut wird. Sie wirken also auf natürliche Weise entzündungshemmend.

Glycyrrhizin hemmt eine bestimmte Art von Abwehrzellen, die sogenannten Mastzellen. Mastzellen setzen bei allergischen Reaktionen den Botenstoff Histamin frei. Und das Histamin bewirkt Allergiesymptome und Entzündungsreaktionen.

Glycyrrhetinsäure dämpft gleichzeitig das überschießende Immunsystem bei Allergien und wirkt schleimhautschützend. Dies könnte die Wirksamkeit bei allergischen Atemwegserkrankungen erklären.

Schützender Effekt der Schleimstoffe

Im Magen-Darm-Trakt schützen die Seifenstoffe die Schleimhautoberfläche des Verdauungstrakts vor Reizungen, Entzündungen und Geschwüren. Bestehende Geschwüre sollen durch Süßholzwurzel sogar schneller abheilen. Wie schon beschrieben wirken Glycyrrhizin und Glycyrrhetinsäure entzündungshemmend. Zudem regt Carbenoxolon die Magenschleimhaut an, mehr schützenden Schleim zu bilden, ohne den Säuregehalt im Magen zu erhöhen. Dies würde die beschleunigte Heilung von Magengeschwüren erklären.

Keimhemmende Eigenschaften

Die Inhaltsstoffe der Süßholzwurzel sind allem Anschein nach auch in der Lage, Pilze wie Candida albicans, Bakterien wie Helicobacter pylori und Viren wie Herpesviren zu hemmen. Helicobacter pylori ist eine häufige Ursache für Magenschleimhautentzündungen (Gastritis).

Hormonelle Wirkungen der Süßholzwurzel

Eine weitere Eigenschaft der Triterpensaponine ist wahrscheinlich für eine Nebenwirkung der Süßholzwurzel verantwortlich: Die Heilpflanze kann den Blutdruck steigen lassen und den Blutzuckerspiegel senken. Das liegt an der Wirkung des Triterpensaponins Glycyrrhizin auf die Botenstoffe (Hormone) Kortison und Aldosteron. Beide sind wesentlich an der Regulierung von Blutdruck und Blutzuckerspiegel beteiligt.

Wird vermehrt Glycyrrhizin zugeführt, reichert sich Natrium im Körper an und Kalium wird über die Nieren ausgeschieden. Kaliumverlust und Natriumanreicherung führen zu erhöhtem Blutdruck, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) und Muskelschwäche. Die Wirkung der Süßholzwurzel auf den Blutzucker liegt an den enthaltenen Amorfrutinen. Bei Mäusen wurde festgestellt, das Amorfrutine die Blutfettkonzentration und den Blutzuckerspiegel senken sowie die Entstehung einer Insulin-Resistenz hinauszögern.

 

Süßholzwurzel anwenden

Süßholzwurzel sollte auch von gesunden Menschen nicht langfristig in hohen Konzentrationen angewendet werden. Der Hintergrund: Die bereits erwähnten hormonähnlichen Wirkungen, die Bluthochdruck und Unterzuckerung begünstigen.

Bei Kaliummangel, Bluthochruck, Diabetes oder Nierenfunktionsstörungen sowie bei durch Gallenstau bedingte Lebererkrankungen und Schrumpfleber (Leberzirrhose) darf die Heilpflanze nicht angewendet werden. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit ist die Süßholzwurzel nicht geeignet.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen treten insbesondere bei längerer Anwendung der Süßholzwurzel auf. Dazu gehören Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Kaliummangel mit Bluthochdruck und selten auch Muskelgewebseiweißverluste über den Urin (sogenannte Myoglobinurie).

Wechselwirkungen

Eine Gefahr bei der Einnahme von Süßholzwurzelextrakten ist der Kaliumverlust über die Nieren. Insbesondere können Kaliumverluste, wie sie beispielsweise Entwässerungsmittel (Thiazid- und Schleifendiuretika) verursachen, durch Süßholzwurzel verstärkt werden.

Bei einem Kaliummangel erhöht sich zudem die Empfindlichkeit auf herzstärkende Herzglykoside wie Digoxin und Digitoxin. Bei Einnahme dieser Medikamente besprechen Sie bitte unbedingt mit Ihrem Arzt, ob Sie zusätzlich Süßholzwurzel anwenden dürfen. Das gilt auch für die Einnahmen von Kortisonpräparaten. Denn Süßholzwurzel hemmt den Abbau von Kortison.

 

Süßholzwurzeltee zubereiten

Süßholzwurzel ist in zahlreichen Teemischungen gegen Husten und Magenbeschwerden enthalten. Sie können einen Magen- oder Hustentee aber auch einfach selbst zubereiten. Geben Sie 250 ml kochendes Wasser auf 2 TL geschnittene und getrocknete Süßholzwurzel. 15 Minuten ziehen lassen und abgießen. Trinken Sie bei Husten und Magenbeschwerden 1 bis 3 Tassen täglich in kleinen Schlucken vorzugsweise nach dem Essen.

Nach etwa 6 Wochen sollten Sie eine Pause machen und für mindestens 6 Wochen keinen Süßholzwurzeltee mehr trinken. Der Grund sind die bereits beschriebenen hormonähnlichen Wirkungen, die sich auf Dauer verstärken können.

Süßholzwurzel erhalten Sie in Apotheken, gut sortierten Reformhäusern und manchen Bioläden.

Autor: Charly Kahle (November 2014)

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