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Sonnenhut (Echinacea) stärkt das Immunsystem

Sonnenhut, Fotolia 54649448

© doris oberfrank-list - Fotolia.com

Spätestens mit Beginn der Erkältungssaison im Herbst sieht man sie wieder. In der U-Bahn oder im Büro, im Restaurant oder auf dem Bahnhof tropfen sich Passanten Extrakte des Sonnenhuts in den Mund. Sonnenhut ist als Heilpflanze gegen Erkältungssymptome und zur Stärkung des Immunsystems so weit verbreitet, dass viele Menschen sogar den lateinischen Namen unfallfrei aussprechen können: Echinacea. Der lateinische Name leitet sich vom griechischem echinos (Igel) ab. Denn der Blütenkopf des Sonnenhutes ähnelt einem stacheligen Igel.
Ob Echinacea die von vielen Menschen behauptete Wirkung tatsächlich entfaltet, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Es gibt zahlreiche Studien, die einen Nutzen belegen sollen. Sieht man sich diese Studien genauer an, sind aber Zweifel angebracht. In der Regel erzielen solche Studien gute Ergebnisse, die wenigstens einen der folgenden grundlegenden Ansprüche an eine wissenschaftliche Studie nicht erfüllen.

 

Heilpflanze Sonnenhut (Echinacea) in Kürze

  • schützt Schleimhäute der Atemwege vor Viren und anderen Krankheitserregern, regt das Immunsystem an
  • keine Anwendung bei Autoimmunerkrankungen, chronischen Vireninfektionen, Einnahme immununterdrückender Medikamente und Allergie gegen Korbblütler
  • nicht länger als 2 Wochen ununterbrochen anwenden
  • kaum Nebenwirkungen bei gesunden Menschen
  • enthält häufig Alkohol, entsprechende Produkte daher bei Alkoholproblemen oder Einnahme vieler Medikamente sowie für Kinder nicht geeignet
  • vorsichtshalber keine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Anwendungsgebiete: Vorbeugung und unterstützende Behandlung von viralen Infekten der Atemwege und Grippe, Infektionen der harnableitenden Gefäße, Lippenherpes.

Placebokontrolliert und doppelblind

Der beste Standard für Wirksamkeitsstudien sind sogenannte placebokontrollierte Doppelblindstudien. Das bedeutet, Teilnehmer einer Studie werden in zwei oder mehr Gruppen aufgeteilt. Nur eine der Gruppen bekommt einen Wirkstoff, die anderen ein Scheinmedikament (Placebo) oder gar keine Behandlung. Die Teilnehmer dürfen nicht wissen, ob sie den Wirkstoff oder ein Placebo bekommen. Das gleiche gilt für die Mitarbeiter, die Wirkstoff und Placebo verteilen. Das nennt man doppelblind. Im Ergebnis sind solche Studien placebokontrolliert und doppelblind.

 

Immunstärkende Wirkung nicht eindeutig belegt

Sonnenhut soll das Immunsystem und die Dauer von Erkältungen oder Grippe sowie Harnwegsinfekten verkürzen. Auch bei Herpes spricht man Echinacea zu, die Beschwerden zu lindern und die Frequenz von Herpes-Ausbrüchen zu verlängern.

Eindeutig belegt sind diese Effekte nicht. Die Stiftung Warentest bezeichnet Echinacea als „mit Einschränkung geeignet“ zur unterstützenden Behandlung von Erkältungen. Bei den Warentestern ist eine solche Einordnung für eine Heilpflanze schon eine lobende Erwähnung. In der Stoffliste des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit werden dem medizinisch verwendeten Sonnenhut Wirkungen zur vorbeugenden und unterstützenden Behandlung von wiederkehrenden Infekten der Atemwege und der harnableitenden Gefäße zugeschrieben.

Bei den ersten Krankheitszeichen handeln

Allerdings ist Echinacea nicht für jeden Menschen und zu jedem Zeitpunkt einer Infektion geeignet. Bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Erkrankungen mit Beteiligung des Immunsystems ist die Anwendung von Sonnenhutextrakten verboten.

Für die Wirkung entscheidend scheint auch der Zeitpunkt der Einnahme zu sein: Das körpereigene Abwehrsystem profitiert vor allem, wenn Sie Echinacea in einem möglichst frühen Infektionsstadium nehmen. Bei Erkältungen also beispielsweise schon beim ersten Kribbeln in der Nase oder einem rauen Hals.

 

Wirkstoffe und Wirkweise von Echinacea

Echinacea ist zunächst einmal der Oberbegriff für einen Reihe von Sonnenhut-Arten. Medizinisch verwendet werden vor allem Echinacea purpurea (Purpurfarbener Sonnenhut) und Echinacea angustifolia (Schmalblättriger Sonnenhut). Die Heilpflanzen enthalten in leicht unterschiedlichen Zusammensetzungen ein komplexes Substanzengemisch. Darin enthalten sind unter anderem ätherisches Öl, sogenannte Alkamide, Kaffeesäureverbindungen, Flavonoide und langkettige Zuckerverbindungen.

Wie diese Stoffe im Einzelnen das Immunsystem anregen, ist nicht bekannt. Echinacea soll die Schleimhäute der Atemwege unempfindlicher gegen Krankheitskeime machen und das Immunsystem insgesamt anregen. Einige der Substanzen im Sonnenhut gelten ferner als sogenannte Antioxidantien. Ihnen wird zugeschrieben, möglicherweise aggressive Stoffwechselprodukte, sogenannte freie Radikale, zu binden.

 

Echinacea anwenden

Für gesunde erwachsene Menschen sind medizinische Zubereitungen von Sonnenhut sicher und leicht anzuwenden. Bei zahlreichen Erkrankungen ergibt sich ein anderes Bild.

Anwendungsverbote

Sonnenhutextrakte sind nicht geeignet bei

  • Erkrankungen unter Beteiligung des Immunsystems wie Autoimmunerkrankungen, beispielsweise multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis, Kollagenosen oder Schuppenflechte
  • chronischen Vireninfektionen wie Hepatitis oder HIV-Infektion und AIDS
  • Allergie gegen Korbblütler und allgemeiner Allergieneigung
  • Einnahme von auf das Immunsystem wirkenden Medikamenten.

Vorsicht Alkohol

Viele Sonnenhut- bzw. Echinacea-Präparate enthalten Alkohol. Daher sind sie bei Alkoholabhängigkeit nicht geeignet. Bei Lebererkrankungen oder Epilepsie besprechen Sie die Einnahme von alkoholischen Echinacea-Mitteln bitte mit Ihrem Arzt – oder weichen Sie auf Sonnenhut-Tabletten ohne Alkohol aus.

Vorsicht: Alkohol verändert die Wirkung von vielen anderen Medikamenten. Das gilt insbesondere für Medikamente gegen Bluthochdruck, Schmerzmittel, Schlafmittel und psychoaktive Wirkstoffe, beispielsweise in Medikamenten gegen Depressionen oder Ängste.

Alkoholhaltige Präparate verbieten sich bei Kindern sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Stillende sollten echinaceahaltige Salben und Cremes nicht auf der Brust anwenden.

Nebenwirkungen

Vor allem bei Kindern treten Hautreaktionen als Nebenwirkung von Sonnenhut auf. Bei starken allergischen Symptomen wie Gesichtsschwellung, Atemnot oder Schwindel sollten Sie das Mittel sofort absetzen und bei schwerer Ausprägung einen Notarzt verständigen. Es könnte sich um einen anaphylaktischen Schock handeln.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen von Sonnenhut-Inhaltsstoffen mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt. Allerdings enthalten viele Echinacea-Präparate Alkohol (siehe oben).

Autor: Charly Kahle (Oktober 2014)

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