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Pelargonium gegen akute Bronchitis

Pelargonium – Umckaloabo, Fotolia 64268383
© tamara-kulikova - Fotolia.com

In der Erkältungszeit haben Heilpflanzen zur Abwehr oder Behandlung von Erkältungen Hochkonjunktur. Und ein Zungenbrecher ist im wahrsten Sinne des Wortes als Tropfen in vieler Mund: Umckaloabo.

Was die wenigsten wissen: Bei Umckaloabo handelt es sich um einen Extrakt aus der Kapland-Pelargonie. Dem Pelargonium wird zugeschrieben, es könne das Immunsystem aktivieren und so vor viralen Infekten wie Erkältungen schützen. Und im Falle einer Erkrankung soll Umckaloabo die Genesung beschleunigen. Eindeutig belegt sind diese Effekte nicht.

Pelargonium ist für die Behandlung von akuter Bronchitis bei Kindern ab dem 1. Lebensjahr und Erwachsenen zugelassen. Zulassungen für Nebenhöhlenentzündungen, Entzündungen des Mund-Rachen-Raumes und Mandelentzündungen hat der Hersteller schon vor Jahren zurückgezogen.

Die Stiftung Warentest bezeichnet Umckaloabo-Tabletten und -Saft als bei Husten mit Einschränkung geeignet. Allerdings hätten die bislang vorgestellten Studien einen deutlichen Effekt nicht ausreichend belegt. Andere Quellen verweisen darauf, dass die meisten Studien über die Wirkung der Kapland-Pelargonie vom Hersteller des Extraktes finanziert seien.

 

Heilpflanze Pelargonium – (Umckaloabo sidoides) in Kürze

  • soll das Immunsystem aktivieren, Krankheitserreger bekämpfen und Erkältungen vorbeugen sowie abkürzen, soll Husten und Schnupfen lindern
  • Effekte nicht durch unabhängige Studien belegt
  • nur für die unterstützende Behandlung vorzusehen
  • nicht gemeinsam mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten und bei erhöhter Blutungsneigung anwenden
  • Anwendungsgebiet: Erkältungen mit Husten oder Hustenreiz, akute Bronchitis.

Inhaltsstoffe der Kapland-Pelargonie

In den Wurzeln der Kapland-Pelargonie stecken vor allem Cumarine und Gerbstoffe. Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) und ätherisches Öl sind weitere Bestandteile. Aus den Wurzeln wird der Heilpflanzenextrakt, das Pelargonium, gewonnen. Dieses wird als Umckaloabo vermarktet.

Wie die Inhaltsstoffe die immunstimulierende Wirkung hervorrufen, ist nicht geklärt. In Laborversuchen ließ sich zeigen, dass Pelargonium das Wachstum von Viren und Bakterien bremsen kann. Auch wenn viele Menschen es glauben: Umckaloabo ist kein pflanzliches Antibiotikum.

Wirkung auf das Immunsystem

Auf unser körpereigenes Abwehrsystem wirkt Pelargonium vermutlich, indem es die Aktivität von Abwehrzellen verbessert. Diese Abwehrzellen nehmen krankmachende Erreger auf, machen sie unschädlich und vernichten sie.

Zudem sollen mehr körpereigene Botenstoffe (beta-Interferone) produziert werden. Diese Botenstoffe des Immunsystems wirken direkt gegen Viren und verhindern so deren Ausbreitung im Körper. Zudem mobilisieren sie körpereigene Abwehrzellen (natürliche Killerzellen), die rasch und effizient krankmachende Erreger bekämpfen. Auch zellschützende Eigenschaften werden beta-Interferonen zugeschrieben.

Gerbstoffe lindern Husten

Die Gerbstoffe bieten einen Erklärungsansatz für eine Wirkung bei Husten. Gerbstoffe verändern die Oberfläche von Geweben wie Schleimhäuten, indem sie diese verdichten.  Dieser zusammenziehende (adstringierende Effekt) erschwert es Viren und Bakterien, sich in den Schleimhäuten einzunisten. Das hätte wiederum einen entzündungshemmenden Effekt und könnte die Symptome von Atemwegserkrankungen lindern oder abkürzen. Einer Studie zufolge verringerte die Einnahme von Umckaloabo tatsächlich die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bei Atemwegsinfekten um 2 Tage.

 

Pelargonium anwenden

Auch wenn Umckaloabo als harmloses pflanzliches Erkältungsmittel beworben wird: Ganz so ist es nicht. Pelargonium ist nicht für alle Menschen geeignet. Bei Problemen mit der Blutgerinnung (erhöhte Blutungsneigung oder Einnahme gerinnungshemmender Medikamente) dürfen Sie Pelargonium nicht einsetzen. Das gilt auch bei schweren Erkrankungen von Leber oder Niere. Beachten Sie bitte in jedem Fall die Packungsbeilage. Umckaloabo-Tropfen sind beispielsweise für Kleinkinder geeignet, die Tabletten nicht.

Die möglichen Wirkungen von Umckaloabo in Schwangerschaft und Stillzeit sind nicht ausreichend untersucht. Daher sollten Schwangere und Stillende sicherheitshalber auf Pelargonium verzichten.

Bei Autoimmunerkrankungen wird ebenfalls von der Einnahme der Pelargoniumwurzel abgeraten. Zudem fehlen Daten zur Unbedenklichkeit von Pelargonium bei Multipler Sklerose (MS) oder Patienten, die immunsystemunterdrückende Medikamente (Immunsuppressiva) erhalten.

Nebenwirkungen

Es gibt Hinweise darauf, dass Pelargonium in sehr seltenen Fällen eine Leberentzündung hervorrufen oder begünstigen kann.

Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen sowie Hautreaktionen wie Juckreiz oder Ausschlag sind die häufigsten Nebenwirkungen der Einnahme von Pelargonium. Zudem kommt es mitunter zu einer erhöhten Blutungsneigung mit Nasen- und Zahnfleischbluten.

Vor allem Hautreaktionen können auf eine allergische Reaktion hinweisen. Lassen die Anzeichen nicht binnen weniger Stunden nach, setzen Sie das Mittel am besten ab und suchen Sie einen Arzt auf. Bei Blutdruckabfall, Rachenschwellung und Atemnot rufen Sie bitte umgehend einen Notarzt. Diese Symptome sprechen für eine sehr schwere allergische Reaktion auf Pelargonium.

Wechselwirkungen

Möglicherweise verändert die Einnahme von Pelargonium die Wirkung von gerinnungshemmenden Medikamenten. Insbesondere könnte die Wirkung von Phenprocoumon und Warfarin verstärkt werden. Besprechen Sie daher die Anwendung von Umckaloabo mit Ihrem Arzt.

Mitunter verändert die Einnahme von Pelargonium das Ergebnis von Leberuntersuchungen. Die Laborwerte für Leberenzyme - die sogenannten Transaminasen - können verändert sein.

Autor: Charly Kahle (November 2014)

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