Meine-Gesundheit.de Logo

Nachtkerzenöl – beruhigt die Haut und den Hormonhaushalt

Nachtkerze, Fotolia 	24378085
© Xuejun li - Fotolia.com
Lindert Nachtkerzenöl die Beschwerden bei Neurodermitis und Hautekzemen? Oder beruht der juckreizlindernde Ruf der Heilpflanze auf einem Placeboeffekt? Wie bei vielen Heilpflanzen streiten die Experten munter.

Die Wirksamkeit von Nachtkerzenöl bei Neurodermitis ist umstritten. 2013 kam die Cochrane Collaboration (ein weltweites Team von Ärzten und Wissenschaftlern, dass medizinische Therapiemethoden bewertet) sogar zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Nachtkerzenöl lediglich einen Placeboeffekt auf Hautekzeme haben soll. Andere Ärzte und vor allem Patienten berichten jedoch über zum Teil verblüffende Erfolge von Nachtkerzenöl bei Ekzemen und Neurodermitis.

Die Stiftung Warentest urteilt über die Einnahme von Nachtkerzenpräparaten: gegen Neurodermitis und Ekzeme wenig geeignet.

Einigkeit herrscht bei den Experten hingegen über die sehr guten hautpflegenden Eigenschaften des Nachtkerzenöls. Da halten auch die Berliner Warentester Nachtkerze für geeignet – bei äußerlicher Anwendung zur Pflege trockener Haut.

 

Nachtkerze (Oenothera biennis) als Heilpflanze in Kürze

  • hemmt Entzündungen (antiinflammatorisch), reguliert die Hautfeuchtigkeit, stärkt das Immunsystem, senkt den Cholesterinspiegel, gleicht den Hormonhaushalt aus
  • sehr gut verträglich, kaum Überempfindlichkeitsreaktionen, selten Nebenwirkungen in Form von Verdauungsbeschwerden und Kopfschmerzen
  • ärztliche Rücksprache bei Epilepsie und wenn Blutgerinnungshemmer eingenommen werden
  • keine Anwendung bei Schwangeren, Stillenden und Frauen mit östrogenabhängigem Brustkrebs sowie bei Einnahme von Nervendämpfungsmitteln
  • Anwendungsgebiete: Linderung der Symptome bei Neurodermitis, Ekzemen und trockener Haut (innerlich und äußerlich), innerlich bei durch Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bedingten Nervenschäden und spannungsbedingten Brustbeschwerden bei Frauen; möglicherweise entzündliche rheumatische Erkrankungen (innerlich und äußerlich) und prämenstruelles Syndrom, kurz PMS (innerlich)

Feuchtigkeitsspendende Wirkung

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist hauptsächlich in ihrer Verwendung als Nachtkerzenöl (Oenothera biennis oleum) bekannt. Das Öl wird aus den Samen der Nachtkerze gewonnen. Es soll feuchtigkeitsregulierend wirken und gereizte, juckende und schuppende Haut beruhigen. Deshalb wird Nachtkerzenöl auch häufig Hautkosmetika zugesetzt.

Nachtkerzenöl enthält einen hohen Anteil (60 bis 80%) an Linolsäure. Diese Omega-6-Fettsäure wird in verschiedene Hautceramide eingebaut. Ceramide bilden die Hautbarriere, mit der die Haut ihre Schutzfunktion ausübt. Lagert sich Linolsäure in die Hornschicht der Haut ein, wird der Wasserverlust der Haut verringert und die Hautfeuchtigkeit steigt.

 

Entzündungshemmende Wirkung

Zudem enthält Nachtkerzenöl zu 8 bis 14% Gamma-Linolensäure, eine dreifach ungesättigte Fettsäure. Daraus werden im Körper über mehrere Zwischenschritte entzündungshemmende und schmerzlindernde Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine der Gruppe E1, gebildet.

Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass etliche Neurodermitis-Patienten einen Mangel des Enzyms delta-6-Desaturase haben. Dieses Enzym wird benötigt, damit im Körper die mit der Nahrung aufgenommene Linolsäure zu Gamma-Linolensäure umgebaut werden kann. Aus dieser werden unter anderem die entzündungshemmenden Prostaglandine der Gruppe E1 gebildet. Ohne das Enzym delta-6-Desaturase ist der Umbau von Linolsäure zu Gamma-Linolensäure aber nicht möglich. Mit Nachtkerzenöl wird dem Körper direkt Gamma-Linolensäure zugefügt. Ein Umbau mithilfe des Enzyms ist also nicht mehr notwendig. Deshalb wird Nachtkerzenöl eine positive Wirkung bei Neurodermitis zugeschrieben.

 

Stärkung des Immunsystems

Die körpereigene Produktion der E-Prostaglandine wirkt sich ebenfalls auf das Immunsystem aus. So wird die Bildung von T-Lymphozyten angeregt, die Krankheitserreger abwehren. Zudem hemmt Nachtkerzenöl die Bildung von Immunglobulin E (IgE). Eine hohe IgE-Konzentration kann sich als Allergie oder als Allergiebereitschaft im Zuge einer Neurodermitis zeigen.

Weitere Bestandteile im Nachtkerzenöl sind Palmitinsäure, Ölsäure, Aminosäuren, Vitamin E und Polyphenole als sekundäre Pflanzenstoffe.

Nachtkerzenöl bei diabetesbedingten Nervenschäden

Nachtkerzenöl kann bei diabetesbedingten Nervenschäden helfen. Das resultiert daraus, dass Gamma-Linolensäure ein wichtiger Baustoff von Nervenzellmembranen ist. Durch erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes werden periphere Nerven (insbesondere in Fingern und Zehen) geschädigt. Das führt zu Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheit oder Ameisenlaufen auf der Haut. Das Gamma-Linolensäure die Zellmembranen von Nervenzellen stabilisiert, könnte sich positiv auf diabetisch bedingte Nervenschäden auswirken. Die bisherigen Studienergebnisse reichen aber noch nicht, um eine positive Wirkung zu bestätigen.

Nachtkerzenöl bei zyklusbedingtem Brustspannen

Frauen mit zyklusabhängigen Spannungsgefühlen in der Brust haben häufig einen Mangel an Gamma-Linolensäure. Die Einnahme von Nachtkerzenöl kann diesen Mangel beheben und so die Brustbeschwerden lindern. Die Wirkung tritt in der Regel aber erst nach etwa 14 bis 16 Wochen ein. Es gibt Studien, die Nachtkerzenöl bei spannungsbedingten Brustbeschwerden eine ähnliche und zum Teil sogar bessere Wirkung bescheinigen, als synthetische Medikamente, die zur Regelung von Hormonstörungen gegeben werden.

Nachtkerzenöl bei Rheuma und PMS

Ob Nachtkerzenöl auch entzündliche rheumatische Erkrankungen und das prämenstruelle Syndrom (PMS) lindert, ist bislang noch umstritten. Einige Studien zeigen positive Ergebnisse, bei anderen wiederum fehlt der Wirkungsnachweis.

Bei entzündlich bedingten Rheumabeschwerden könnte die durch Gamma-Linolensäure erhöhte Produktion von entzündungshemmenden Prostaglandinen die Beschwerden verringern. Beim PMS sollen pflanzliche Hormone, sogenannte Phytohormone, verantwortlich sein, die in den Nachtkerzensamen enthalten sind. Diesen Phytohormonen werden progesteron- und östrogenregulierende Wirkungen zugesprochen, die den Menstruationszyklus normalisieren und prämenstruelle Beschwerden lindern sollen. Dennoch gibt es für beide Anwendungsgebiete noch keine offiziellen Empfehlungen.

 

Nebenwirkungen von Nachtkerzenöl

Bei der bestimmungsgemäßen Anwendung von Nachtkerzen-Präparaten kommt es nur sehr selten zu Nebenwirkungen. Wenn doch, sind dies Verdauungsbeschwerden, weiche Stühle und Kopfschmerzen. Überempfindlichkeitsreaktionen treten fast nie auf.

 

Wechselwirkungen und Gegenanzeigen von Nachtkerzenöl

Wer Blutgerinnungshemmer einnimmt, sollte Nachtkerzenöl nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Denn Nachtkerzenöl hemmt die Bildung von Thromboxan. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die die Zusammenballung von Blutplättchen (sogenannte Thrombozytenaggregation) aktivieren.

Nichtsteroidale Schmerzmittel wie Diclofenac, Naproxen oder Ibuprofen könnten durch ihre Prostaglandinsynthesehemmung die Wirkung von Nachtkerzenöl verringern.

Bei Anfallsleiden (Epilepsie) sollte vor der Anwendung von Nachtkerzenpräparaten unbedingt ein Arzt gefragt werden. Nachtkerzenöl könnte das Risiko von Anfällen begünstigen. Bei der Einnahme von Nervendämpfungsmittel (Neuroleptika) wie Fluphenazin, Promethazin und Chlorpromazin wird von der Einnahme von Nachtkerzenöl vorsorglich abgeraten.

Schwangere, Stillende und Frauen mit östrogenabhängigem Brustkrebs sollten Nachtkerzenöl aufgrund der enthaltenen Phytohormone nicht einnehmen.

 

Anwendung von Nachtkerzenöl

Nachtkerzenöl kann innerlich als Kapsel eingenommen und/oder äußerlich als Salbe, Creme sowie auf Kompressen direkt auf die Haut aufgetragen angewendet werden. Auch als Badezusatz ist Nachtkerzenöl geeignet.

 

Autor: Charly Kahle (November 2014)

Zur Startseite Heilpflanzen