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Schlaf – viel mehr als nur eine Zeit der Ruhe

Schlaf - Zeit der Ruhe

Im Schlaf geben die Hormone eine Nachtvorstellung und organisieren die Erholungsprozesse. Eine zentrale Aufgabe ist beispielsweise die Regeneration des Immunsystems.
© Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Es ist fast wie ein Wunder: Müde und abgeschlagen geht es ins Bett – und am nächsten Morgen erwachen wir ausgeruht und frisch. Selbst Krankheiten vergehen mitunter im Schlaf. Ärzte versetzen uns bei schweren Erkrankungen sogar in künstlichen Schlaf, damit wir uns besser erholen. Schlaf ist nur von außen betrachtet eine Zeit der Ruhe. Tatsächlich läuft der Organismus in der Nacht auf Hochtouren.

Viele wichtige Körperfunktionen schalten im Schlaf auf einen lebensnotwendigen Nachtrhythmus. Das gilt beispielsweise für die Hormone, Herz und Kreislauf oder das Immunsystem.

Nachtvorstellung der Hormone

Die nächtlichen Erholungsprozesse werden von einer Vielzahl von Botenstoffen gesteuert. Eine besondere Rolle nehmen dabei Hormone ein. Melatonin wird auch als das Schlaf-Hormon bezeichnet. Eine hohe Konzentration von Melatonin im Blut fördert den Schlaf, Melatoninmangel hingegen kann die Ursache von schlechtem Schlaf oder Schlafstörungen sein. Aber nicht jede Schwankung der Melatonin-Konzentration ist krankhaft: Vielmehr hängt der Melatoninspiegel beispielsweise stark vom Tageslicht ab. Bei viel Tageslicht, etwa im Sommer, produziert unser Körper weniger Melatonin. Im Winter ist das Gegenteil der Fall. Dies ist auch einer der Erklärungsansätze für Frühjahrsmüdigkeit und das erhöhte Schlafbedürfnis vieler Menschen im Winter.

 

Melatonin gegen Schlafstörungen

Melatonin wird als Medikament gegen Schlafstörungen eingesetzt. Dies sollte allerdings nur auf ärztliche Anordnung geschehen. Eine Selbstbehandlung mit melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln – wie sie im Internet vielfach angeboten werden – ist nicht zu empfehlen. Einerseits sind die Langzeitfolgen von Melatonin nicht untersucht, andererseits sind Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet häufig von zweifelhafter Herkunft – und unbekannter Zusammensetzung.

 

Erholung für Herz und Kreislauf

Schlaf schützt uns vor Schlaganfall und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Schon kurz nach dem Einschlafen fällt der Blutdruck deutlich, auch der Puls verlangsamt sich auf bis zu 50 Schläge pro Minute. Besonders ausgeprägt sind diese Effekte im sogenannten Tiefschlaf, einer der Schlafphasen. Das entlastet das Herz und die Blutgefäße. Diese Erholung senkt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dabei spricht Einiges dafür, dass eine Schlafdauer von mehr als 7,5 Stunden das Risiko besser senkt als kürzere Schlafzeiten, wie japanische Forscher in einer großen Studie mit mehr als 1200 Probanden nachweisen konnten.

 

Schlaf fördert das Immunsystem

Das Immunsystem des menschlichen Körpers ist ein Wunderwerk, das von der Medizin noch längst nicht bis in alle Einzelheiten verstanden wird. Aber so viel steht fest: Im Schlaf erholt sich der Mensch auch von Krankheiten am besten. So wird beispielsweise Fieber häufig im Schlaf gesenkt. Und die wesentliche Rolle dabei spielt das Immunsystem. In der Nacht konzentriert sich das Immunsystem auf die Abwehr von Krankheitserregern und dämmt Entzündungen ein, ohne durch die körperliche Aktivität des Tages abgelenkt zu sein. Besonders effektiv arbeitet das Immunsystem im Tiefschlaf. Ganz offensichtlich kommt dieser Schlafphase eine besondere Bedeutung zu.

Schlafmangel schwächt das Immunsystem. Das ist in zahlreichen Studien belegt. Dabei kann auch ein nur kurzzeitiger Schlafmangel das Immunsystem deutlich schwächen, wie der Lübecker Wissenschaftler Jan Born belegt. Er impfte Menschen gegen Hepatitis A. Die eine Hälfte der Impflinge durfte nach der Impfung schlafen, die andere Gruppe musste bis zum nächsten Abend wach bleiben. Nach vier Wochen maß Born die Konzentrationen der Antikörper im Blut der Probanden. Bei den Teilnehmern, die schlafen durften, war die Konzentration doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe. Ein deutlicher Effekt – nach nur einer Nacht des Nicht-Schlafens.

aktualisiert November 2015, Redaktion: Charly Kahle