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Ratgeber: Damit Schlafmittel nicht zur Ursache von Schlafstörungen werden

Schlafmittel

Schlafmittel sind zuweilen unumgänglich – und ein Segen. Aber schon nach kurzer Zeit verursachen sie Abhängigkeit. Lesen Sie, wie Sie richtig mit Schlafmitteln umgehen – damit die Schlafmittel nicht zur Ursache von Schlafstörungen werden.
© Kaarsten - Fotolia.com

So paradox es auch klingen mag: Schlafmittel sind einer der häufigsten Gründe für Schlafstörungen. Denn fast alle Schlafmittel greifen tief in die Chemie des Schlafes ein und machen darüber hinaus häufig auch noch abhängig. Manchmal aber sind Schlafmittel das Mittel der Wahl. Es kommt jedoch darauf an, dass Sie mit Schlafmitteln richtig umgehen.

Schlafmittel immer nur so kurz wie möglich

Die wichtigste Leitlinie für den richtigen Umgang mit Schlafmitteln: Nehmen Sie Schlafmittel immer nur so kurzzeitig wie eben möglich ein. Ohne ärztliche Weisung sollten Sie Schlafmittel nie länger als eine Woche anwenden. Je nach Art des Medikaments entwickelt sich beispielsweise bei verschreibungspflichtigen Schlafmitteln wie Benzodiazepinen schnell eine Abhängigkeit. Aber auch rezeptfreie Schlafmittel machen mitunter abhängig. Sollte Ihr Arzt immer wieder ohne Nachfragen Schlafmittelrezepte ohne besondere Diagnose ausstellen, wenden Sie sich am besten an einen anderen Arzt, um etwaige Schlafstörungen zu behandeln.
 

Schlafmittel und Abhängigkeit

Etwa die Hälfte der Benutzer von Schlafmitteln entwickelt nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren eine Schlafmittel-Abhängigkeit. Das sind allein in Deutschland 400.000 Schlafmittel-Süchtige jedes Jahr. Insgesamt gelten etwa 2 Millionen Menschen als abhängig von Schlafmitteln. Etwa die Hälfte dieser Menschen konsumiert die häufig verschriebenen Benzodiazepine. Als besonders anfällig für Medikamentensucht und Schlafmittelmissbrauch gelten Frauen.
Zahlreiche Studien legen nahe, dass Schlafmittel die Lebenserwartung deutlich verkürzen können.


Schlafmittel nur bei nachweisbarer Notwendigkeit

Schlafmittel, und hier vor allem die chemischen Schlafmittel, sind nur in sehr engen Grenzen für die Selbstbehandlung geeignet. Wenn Sie beispielsweise aus nachvollziehbaren Gründen wie Jetlag oder nach einem emotional stark bewegenden beziehungsweise belastenden Erlebnis nicht schlafen können, kann eine Schlaftablette ein Segen sein. Schlaftabletten zu verwenden, um trotz der Nervosität vor einer Prüfung schlafen zu können, ist hingegen keine gute Idee. Fast alle Schlafmittel können bis in den Tag hineinwirken – und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit stark einschränken.


Großer Markt für Schlafmittel

Trotz der engen Grenzen der Selbstbehandlung wächst der Markt für rezeptfreie Schlaf- und Beruhigungsmittel seit Jahren – und das sogar gegen den allgemeinen Trend. 2012 haben die Deutschen fast 200 Millionen Euro für nicht verschreibungspflichtige Medikamente gegen Unruhe und Schlafprobleme ausgegeben. Etwa 20 Millionen Packungen mit verschreibungspflichtigen Benzodiazepinen und ähnlichen Stoffen gingen über die Theken der Apotheken (geschätzter Umsatz: 300 Millionen Euro).


Bei Schlafstörungen immer zum Arzt

Bei anhaltenden Schlafstörungen sollten Sie immer an einen Experten wenden. Das kann Ihr Hausarzt sein – oder auch ein Psychologe. Je eher eine Schlafstörung erkannt wird, umso effektiver wird die Behandlung. Glücklicherweise lassen sich die allermeisten Schlafstörungen gut behandeln. Schlafmediziner greifen dazu bei ansonsten gesunden Menschen in der Regel auf nichtmedikamentöse Methoden wie die Schlafrestriktion und andere verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie Schlafrituale und einen regelmäßigen Schlafrhythmus zurück.

aktualisiert November 2015, Redaktion: Charly Kahle