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Das Gehirn – nachts häufig aktiver als am Tag

Aktives Gehirn im Schlaf

 

 In der Nacht verarbeitet das Gehirn einen großen Teil der Informationen, die wir am Tag aufnehmen. Schlafmangel stört den Lernerfolg.
© alphaspirit - Fotolia.com

Sie tüfteln am Abend vergeblich an einem Problem oder versuchen ohne Erfolg, etwas auswendig zu lernen. Und am nächsten Morgen ist die Lösung wie von selbst da! Kennen Sie das? Was viele Menschen schon erlebt haben, galt in der Wissenschaft über viele Jahre als Einbildung. Man ging davon aus, dass das Gehirn in der Nacht schläft – und nichts tut.

Die modernen bildgebenden Verfahren haben diese Sicht gründlich auf den Kopf gestellt. Mittlerweile steht fest: Das Gehirn ist in Teilen der Nacht, im sogenannten REM-Schlaf, sogar aktiver als am Tag.

 

Informationsverarbeitung im Schlaf

Schlaf- und Hirnforscher gehen inzwischen davon aus, dass das Gehirn in der Nacht intensiv damit befasst ist, die Informationen des Tages zu verarbeiten. Beispielsweise sortiert das Gehirn die wichtigen von den unwichtigen Informationen.

Über den Tag strömen vor allem über die Augen unzählige Informationen ins Gehirn. Nur einen Bruchteil davon nehmen wir bewusst wahr. Während Sie diese Zeilen lesen, beschäftigen Sie sich vermeintlich nur mit diesem Inhalt. Tatsächlich aber kommen viel mehr Reize im Gehirn an: das Licht in der Umgebung, Geräusche oder ein Geruch beispielsweise. Viele der für den Augenblick unwichtigen Reize sortiert das Gehirn sofort aus der bewussten Wahrnehmung aus – ansonsten könnten wir kaum lesen oder Auto fahren. Erst in der Nacht aber entscheidet das Gehirn, was beispielsweise in das Langzeitgedächtnis übernommen wird – und was dem Vergessen anheimfällt.

Diese Aktivität des Gehirns ist mit modernen bildgebenden Verfahren und der Hirnstrommessung, dem EEG, leicht und eindeutig nachzuweisen. Es lässt sich sogar sagen, welche Hirnareale in der Nacht besonders effektiv sind. Was genau das Gehirn im Schlaf erledigt, lässt sich aber nur indirekt nachweisen, durch Experimente. Eindeutig sind die Befunde, was den Lernerfolg angeht.

 

Schlafmangel stört den Lernerfolg

Viele Studien belegen, dass guter Schlaf den Lernerfolg fördert und Schlafmangel den Lernerfolg behindert. Probanden, die nach Lerneinheiten schlafen dürfen, erzielen durchweg bessere Ergebnisse als Probanden, denen das Schlafen nach dem Lernen verboten oder die nachts immer wieder geweckt werden.

Die Hirnforschung geht davon aus, dass Gelerntes im Schlaf noch einmal verarbeitet und in das Langzeitgedächtnis abgespeichert wird. Auf den entsprechenden Bildern lässt sich zeigen, dass die Hirnaktivität zwischen dem Schläfenlappen (enthält den Hippocampus) und der Großhirnrinde besonders ausgeprägt ist. Der Hippocampus ist – so der aktuelle Stand der Hirnforschung – vor allem dafür zuständig, die Sinneseindrücke direkt weiterzuleiten und aktuell kurzfristig zu verarbeiten. Die Großhirnrinde hingegen gilt als Sitz des Langzeitgedächtnisses. Offenbar tauschen Hippocampus und Großhirnrinde sich im Schlaf aus und bewerten, welche Informationen sinnvollerweise in das Langzeitgedächtnis übernommen werden.

Wie genau das Gehirn in den Schlafphasen arbeitet, ist eine der großen Herausforderungen der Hirnforschung. Der Tübinger Schlafforscher Jan Born geht davon aus, dass vor allem die Informationen gut ins Langzeitgedächtnis übernommen werden, die für uns eine emotionale Bedeutung haben. Außerdem speichere das Gehirn im Schlaf wiederkehrende Strukturen ab und fördere so die Lernleistung.

Als für die Informationsverarbeitung besonders wertvoll gilt der Tiefschlaf, die Verarbeitung von emotionalen Eindrücken scheint vor allem im sogenannten REM-Schlaf vonstatten zu gehen.

aktualisiert November 2015, Redaktion: Charly Kahle