Fibromyalgie
Unklare, über den ganzen Körper verteilte Schmerzen, verbunden mit Schlafstörungen, Depressionen und anderen Beschwerden führen häufig dazu, dass Betroffene als „eingebildete Kranke" abgestempelt werden, denn ein eindeutiger körperlicher Befund lässt sich nicht feststellen. Die Krankheit entwickelt sich schleichend und von den ersten Symptomen bis zum Fibromyalgie-Syndrom vergehen im Schnitt sieben Jahre. Häufig findet man in der Vorgeschichte der Erkrankung auslösende Faktoren, die mit dem Krankheitsbeginn in Verbindung gebracht werden. Das American College of Rheumatology (ACR) spricht erst dann von einer Fibromyalgie, wenn die Patienten über drei Monate unter generalisierten Schmerzen leiden und mindestens elf von achtzehn Druckschmerzpunkten (so genannten Tender Points) krankhaft druckschmerzhaft sind. Die meisten dieser Tender Points befinden sich im Bereich von Sehnenansätzen oder Muskel-Sehnen-Übergängen.
Häufige Ursachen und Symptome
Die Entstehung der Erkrankung ist unbekannt, behandelbar sind lediglich die Symptome. Fibromyalgie weist ein komplexes Beschwerdebild auf von bis zu 144 Erscheinungen (hier ein Auszug):
- diffuse Schmerzen im Bereich von Muskeln, Sehnen, Weichteilen, teilweise mit Ausdehnung auf die Gelenke, Steifheit und Schwellungsgefühl der Gliedmaßen
- allgemeine Reiz- und Schmerzüberempfindlichkeit, Morgensteifigkeit, Wetterfühligkeit, dauernde schwere Abgeschlagenheit, Depressionen, Erschöpfung nach körperlicher Betätigung, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen
- Reizblase, Durchfall und Verstopfung, Wassereinlagerungen, Ohrgeräusche, Allergien, Herzklopfen und Herzrasen, Atemnot
- ständiges Erkältungs- oder Fiebergefühl, häufige Infekte, Kloßgefühl im Hals, Juckreiz der Haut, Frieren, Schwitzen, kalte Hände, kalte Füße, trockene Augen und trockener Mund, Schwindel
Was Sie tun können
Eine erfolgreiche Therapie hängt ganz entscheidend von Ihrer Mithilfe ab. Sehr gut zur Linderung der Schmerzen geeignet sind Entspannungs- und Bewegungstherapien. Eine positive Lebenseinstellung trägt sehr zur Verbesserung des Krankheitsbildes bei. Sehr wichtig sind körperliche Aktivitäten wie Gymnastik, Aquatraining, Schwimmen, Wandern, Walken oder auch andere Ausdauersportarten. Aber bitte ohne allzu großen Ehrgeiz, sondern mit Spaß und am besten in einer Gruppe.
Wann Sie zum Arzt müssen
Wenn die Schmerzen nicht nachlassen. Bei starken Schmerzen. Wenn Sie die Ursache der Schmerzen nicht kennen. Wenn noch andere Beschwerden hinzukommen.
Was Ihr Arzt tun kann
Der Weg vom ersten Arztbesuch bis zur richtigen Diagnose ist lang, man spricht von ca. 5 Jahren, die vergehen und einer wahren Odyssee von Arzt zu Arzt. Denn die Symptome können genauso gut auch zu anderen Erkrankungen gehören und hier gilt es zunächst diese auszuschließen.Genauso unterschiedlich wie die Symptome sind auch die Therapiemöglichkeiten. Ihr Arzt wird zunächst alle anderen Erkrankungen ausschließen wollen, die ähnliche Symptome haben. Das heißt, dass er eine Reihe von verschiedenen Untersuchungen durchführt, ehe er von Fibromyalgie reden wird. Da die Fibromyalgie ein vielgestaltiges Krankheitsbild ist, ist auch die Therapie entsprechend breit gefächert. Neben verhaltenstherapeutischen und physikalischen Behandlungsansätzen wird Ihr Arzt in erster Linie die Schmerzen konsequent bekämpfen.
Hierzu werden verordnet:
- Klassische Schmerzmittel wie Indometacin, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac
- Stark wirksame Schmerzmittel, hier insbesondere Opioide
- Trizyklische Antidepressiva (Amitryptilin)
- Muskelrelaxantien wie Flupirtin, Benzodiazepine oder Tolperison
Natürlich wird Ihr Arzt auch Begleiterscheinungen wie beispielsweise Übelkeit oder Schlafstörungen parallel hierzu behandeln.
Wichtig für Sie zu wissen
Nicht alle Medikamente helfen bei jedem Patienten gleich gut. Geben Sie aber nicht gleich auf! Eine generalisierte Standardtherapie kann es bei dieser Erkrankung nicht geben. Die Krankheit ist auch nicht heilbar, aber die Beschwerden können – wenn auch in geduldiger Zusammenarbeit – langfristig gelindert werden.
Autor:
Ellen Reifferscheid-Schulz, Apothekerin
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