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Fachärzte: Medizinische Versorgung von Kindern muss besser werden

Kleines Mädchen mit Tropf und Teddy im Krankenhausbett , Fotolia_39747569

Mangelhafte Arzneimittelsicherheit bei Kindern und eine nicht ausreichende Versorgung durch Kinderchirurgen sind zwei der Hauptkritikpunkte der deutschen Kinderärzte und Kinderchirurgen.
©Stephan Morrosch- Fotolia.com

Unter Medizinern ist es kein Geheimnis, dass die Wirkung von Medikamenten auf Kinder in mindestens der Hälfte aller Fälle gar nicht wissenschaftlich geprüft wird. Und die vorhandenen Studien über die Medikamentenwirkung bei Kindern halten einer genauen Überprüfung nicht immer stand. Deshalb fordert die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ein „längst überfälliges“ Institut für Arzneimittelsicherheit speziell für Kinder. Man habe einen großen Handlungsbedarf in der medizinischen Versorgung von Kindern.

Zugleich kritisierte der Präsident der DGKJ, Professor Ertan Mayatepek, dass bei der Vorsorge weiterhin großer Nachholbedarf bestehe. Bei der geplanten Nationalen Kohortenstudie zur Prävention werde die große Chance vertan, den Nutzen und die Sicherheit von Vorsorgemaßnahmen von Kindesalter an wissenschaftlich zu begleiten. Im Rahmen der Nationalen Kohortenstudie werden 200.000 Menschen über einen Zeitraum von 30 Jahren begleitet. Das Ziel ist, den Einfluss von Lebensführung und Vorsorgemaßnahmen auf die Gesundheit detailliert wissenschaftlich zu untersuchen. Kinder und Jugendliche sind in der Kohortenstudie allerdings nicht vertreten. Die Teilnahme ist erst ab dem 20. Lebensjahr möglich.

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Mehrheit der Kinder wird nicht von Kinderchirurgen operiert

Scharfe Kritik an der Behandlungspraxis bei Kindern übte auch die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie während ihrer gleichzeitig verlaufenden Jahrestagung. Die überwiegende Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen werde in Deutschland von nicht spezialisierten Chirurgen operiert, so Tagungsleiter Professor Stuart Hosie. Besonders drastisch sei der Missstand bei Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren. Nur ein Drittel dieser Altersklasse werde von speziell ausgebildeten Chirurgen operiert. Bei Schulkindern zwischen 6 und 9 Jahren sei es knapp die Hälfte. Am schwersten aber dürfte wiegen, dass ein Drittel der Kinder im Alter bis zu 5 Jahren nicht von Kinderchirurgen operiert wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie verweist darauf, dass diese Praxis gegen Artikel 24 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verstößt. Zudem beklagte Hosie, dass viele komplexe kinderchirurgische Eingriffe nicht in dafür spezialisierten Zentren erfolgten.

Quelle: DGKJ-Pressemeldung (PDF): Chirurgisch kranke Kinder haben das Recht auf Behandlung durch Experten

Redaktion: Charly Kahle, September 2015