Den Gehirnstoffwechsel gezielt beeinflussen

Mit etwa 800.000 Betroffenen ist Epilepsie eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. 25 Prozent davon sind Kinder.

Im Allgemeinen wird die Krankheit mit Medikamenten behandelt. Wenn diese nicht die erhoffte Wirkung zeigen, sind alternative Behandlungsmethoden gefragt. Gerade für Kinder und Jugendliche, deren Anfallhäufigkeit durch die entsprechenden Präparate nicht verringert wird, ist die ketogene Diät eine Möglichkeit, diese zu reduzieren.

Der neue Ratgeber "Epilepsie: Neue Chancen mit der ketogenen Diät" (TRIAS Verlag, Stuttgart, 2005) beschreibt, wie die Diät durchgeführt wird und wie sie wirkt.

Die Tätigkeit der Milliarden von Nervenzellen unseres Gehirns ist durch elektrische und chemische Signale genau aufeinander abgestimmt. Bei Epileptikern ist dieses Zusammenspiel zeitweise gestört. Nervenzellen entladen sich gleichzeitig und es kommt zu einer "überreizung" des Gehirns. Wenn die Einnahme von Antiepileptika die übererregbarkeit der betroffenen Nervenzellen nicht herabsetzt oder starke Nebenwirkungen auftreten, sollte eine ketogene Diät in Betracht gezogen werden. "Sie imitiert die Stoffwechselveränderungen des Fastens, was sich positiv auf die Häufigkeit der Anfälle auswirkt", erläutert das Autorenteam Dr. rer. nat. Petra Platte und Prof. Dr. med. Christoph Korenke die grundsätzliche Wirkung der Diät.



Unter normalen Umständen übernimmt Glukose die Energieversorgung des Gehirns. Beim Fasten hingegen wird die Nährstoffzufuhr verringert und der Körper mobilisiert die vorhandenen Fettreserven, die nun in Organen und Muskeln verstoffwechselt werden. Die Leber baut die Fettsäuren zu Ketonkörpern um, die nun die Energieversorgung des Gehirns übernehmen. Die ketogene Diät fördert die Produktion von Ketonkörpern durch eine erhöhte Fettzufuhr über die Nahrung. Der Speiseplan besteht zu 80 Prozent aus Fett und nur aus einem geringen Anteil an Proteinen und Kohlenhydraten. Da es an Kohlenhydraten mangelt, verstoffwechselt der Körper das Fett. Durch die Stoffwechselveränderung gehen die Anfälle merklich zurück und viele Patienten werden sogar anfallsfrei.

Der Erfolg der Diät hängt von der richtigen Nahrungszufuhr ab. In Abhängigkeit zum Energieverbrauch des Kindes wird die tägliche Kalorienzufuhr bestimmt. Parallel zu einem Anfallstagebuch führen die Eltern ein Ernährungstagebuch, in dem das Gewicht des Kindes und die Nahrungszufuhr genau dokumentiert werden. Bei starken Gewichtsschwankungen muss der Energieverbrauch erneut berechnet werden. Der Ratgeber enthält viele Rezepte und Umrechnungstabellen, die gerade zu Beginn der Diät hilfreich sind.

In Amerika bietet jedes große Kinderkrankenhaus die ketogene Diät als Therapiemöglichkeit an. In Europa ist das Behandlungskonzept hingegen noch nicht sehr verbreitet. "Unser Buch stellt einen Fahrplan dar, wie die Diät nach der Einstellung im Krankenhaus angewendet wird, welche Probleme auftreten können und welche Lösungen es gibt", so die Autorin Petra Platte. Gemeinsam mit dem Neuropädiater Christoph Korenke erarbeitete die promovierte Psychologin den Ratgeber, der sich an Eltern und Fachpersonal richtet.

Dr. Petra Platte, Prof. Dr. Christoph Korenke "Epilepsie: Neue Chancen mit der ketogenen Diät", TRIAS Verlag, Stuttgart. 2005, EUR 19,95, ISBN 3 8304 3214-3

Informieren Sie sich auch in unserem Gesundheitsratgeber zum Thema Epileptische Anfälle und Epilesie .

Quelle: Catrin Pflöschner GEORG THIEME VERLAG