Colitis ulcerosa
Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Dickdarms, die meist in Schüben verläuft. Sie beginnt häufig im Mastdarm und kann sich von dort kontinuierlich über den gesamten Dickdarm ausbreiten. Die genaue Ursache der Erkrankung ist nicht geklärt. Ähnlich wie beim Morbus Crohn spricht aber vieles dafür, dass es sich um eine Autoimmunkrankheit handelt. Das bedeutet, das körpereigene Immunsystem richtet sich aus unbekannten Gründen gegen die eigene Darmschleimhaut und ruft die Entzündung hervor. Es gibt zudem eine gewisse erbliche Veranlagung für die Colitis ulcerosa. Möglicherweise spielen auch Bakterien oder Viren eine Rolle. Bei einem Teil der Patienten kommt es im Verlauf auch zu Entzündungen anderer Organsysteme, insbesondere der Gelenke, der Gallenwege und der Haut.
In Deutschland leiden knapp 170.000 Menschen an einer Colitis ulcerosa, die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. und 40 Lebensjahr. Beide Geschlechter sind etwa gleich oft betroffen. Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich und kann nicht vorhergesagt werden. Patienten mit einer Colitis ulcerosa haben ein erhöhtes Dickdarmkrebs-Risiko. Dieses Risiko steigt mit der Dauer der Erkrankung und mit der Ausdehnung der Entzündung.
Folgende Symptome können bei der Colitis ulcerosa auftreten
- Schwere Durchfälle, häufig mit Blutbeimengungen
- Schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmen)
- Gewichtsverlust
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit
- Fieberschübe
- Schmerzende Gelenke
- Hautentzündungen
Beim Auftreten solcher Symptome sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Welche Komplikationen sind möglich
- Blutungen: Ist der Blutverlust über den Darm zu groß, können Bluttransfusionen notwendig werden. Unter Umständen ist auch ein operativer Eingriff erforderlich
- Darmdurchbruch (Perforation): Wenn die Darmwand durchbricht, gelangt der Darminhalt in die freie Bauchhöhle und kann dort akut lebensgefährliche Entzündungen verursachen.
- Toxisches Megakolon: Das toxische Megakolon ist eine akute, maximale Erweiterung des Dickdarmes, die durch einen schweren Schub der Colitis ulcerosa ausgelöst werden kann. Das toxische Megakolon führt zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss und es droht ein Durchbruch der Darmwand. Symptome sind starke Schmerzen, Fieber und massive Kreislaufprobleme.
Wie Ihr Arzt die Diagnose stellt
- Laboruntersuchung: Im akuten Schub einer Colitis ulcerosa sind im Blut die Entzündungswerte erhöht (z.B. Anstieg der weißen Blutkörperchen). Oft liegt gleichzeitig eine Blutarmut (Anämie) vor.
- Ultraschall: Manche Darmveränderungen zeigen sich bei der Colitis ulcerosa bereits im Ultraschall, z.B. eine Verdickung der Darmwand
- Darmspiegelung: Hier sind die veränderten Areale deutlich erkennbar. Gleichzeitig können Proben zur mikroskopischen Untersuchung entnommen werden.
- Röntgen/Kernspintomographie: Nach Gabe eines Kontrastmittels kann der Darm im Röntgenbild oder kernspintomographisch betrachtet werden. Dadurch werden die entzündeten Bereiche gut sichtbar gemacht.
Wichtig ist vor allem die Abgrenzung der Colitis ulcerosa gegenüber der zweiten wesentlichen chronisch -entzündlichen Darmerkrankung, dem Morbus Crohn. Trotz aller diagnostischer Maßnahmen gelingt diese Unterscheidung nicht bei allen Patienten. Hier kann erst der weitere Verlauf der Erkrankung Aufschluss geben.
Was Ihr Arzt tun kann
Grundsätzlich wird zwischen der Therapie einer aktiven Colitis ulcerosa und der Behandlung im schubfreien Intervall unterschieden.
Akuter, schwerer Schub:
- Kortisonhaltige Präparate: Sie dämmen die akute Entzündung effektiv ein. Falls nur der Mastdarm befallen ist, kann das Kortison als Klysma eingesetzt werden. Durch die lokale Wirkung führt das Kortison dort zu geringeren Nebenwirkungen im gesamten Organismus.
- Immunsuppressiva: Wirkstoffe wie Ciclosporin unterdrücken das Immunsystem und können ergänzend bei schweren Schüben nötig werden.
- Diät: Zusätzlich zu jeder medikamentösen Therapie ist während eines Schubes eine Diät mit ballaststoffarmer Flüssignahrung zu empfehlen, bei schweren Schüben kann auch eine künstliche Ernährung erforderlich werden.
Chronisch-aktiver Verlauf:
Bei diesem Verlauf bestehen trotz einer dauerhaften medikamentösen Therapie weiterhin Symptome der Colitis.
- Immunsuppressiva: Hier kommt vor allem die Substanz Azathioprin zum Einsatz, die ebenfalls das Immunsystem unterdrückt.
- Infliximab: In manchen Fällen wird auch dieser Wirkstoff eingesetzt. Es handelt sich um einen Antikörper, der sich gegen den körpereigenen Stoff TNF-alpha (Tumornekrosefaktor) richtet. TNF-alpha spielt eine wesentliche Rolle beim Auslösen einer Entzündung. Alle immunregulierenden Medikamente können mit schweren Nebenwirkungen verbunden sein und werden daher nur unter äußerster Vorsicht und engmaschigen Kontrollen eingesetzt.
Intervalltherapie
Bei der Colitis ulcerosa wird auch im schubfreien Interball eine Dauertherapie empfohlen.
- Aminosalicylate (Mesalazin, Sulfasalazin,): Sie blockieren zum einen die Wirkung von körpereigenen Stoffen, die für den Entzündungsprozess verantwortlich sind, zum anderen drosseln sie auch deren Produktion. Außerdem senken sie das Krebsrisiko. Je nach Ort des Befalls werden sie als Tabletten, Zäpfchen oder Klysmen angewendet.
Krebsvorsorge
Wegen des erhöhten Risikos für einen Dickdarmkrebses sollte ab dem 8. Krankheitsjahr einmal jährlich eine Darmspiegelung mit Entnahme von Proben durchgeführt werden.
Therapie von Komplikationen
Bei schwerwiegenden Komplikationen ist meist eine Operation unumgänglich. Die Art des Eingriffs richtet sich nach dem vorliegenden Befund.
Was Sie tun können
Grundsätzlich sollte Ihre Ernährung in erster Linie aus leichter Vollkost bestehen. Sie beinhaltet Vollkornbrotsorten, Reis, Nudeln, Gemüse, frisches Obst und Salate, fettarme Milchprodukte und fettarme Fleischsorten. Jegliche Form von Ballaststoffen fördert eine gesunde Verdauung. Zuckerhaltige Produkte und solche mit hohem Anteil an Weißmehl sollten eher vermieden werden.
Autorin:
Anja Braunwarth, Ärztin
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