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Depressionen: Hälfte kommt ohne Medikamente aus

 

Etwa 4 Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Mittlerweile erhalten etwa 6 Prozent der Beschäftigten Antidepressiva. Nach Ansicht vieler Experten wäre eine Psychotherapie bei den meisten die bessere Wahl. Eine neue Studie belegt: Selbst bei chronischen Depressionen liegt die Heilungsrate bei über 50 Prozent.

Depressionen: Hälfte kommt ohne Medikamente aus Eine medikamentenlose psychotherapeutische Behandlung zeigt bei mehr als der Hälfte aller chronischen Depressionen beachtliche Erfolge.
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Chronische Depressionen sind besonders belastend – und sie gelten als schwer behandelbar. Umso erfreulicher ist eine Nachricht des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE): Sie berichtet, dass ein vergleichsweise junges psychotherapeutisches Verfahren in mehr als der Hälfte der Fälle die Lebensqualität der Erkrankten deutlich bessert und die depressiven Symptome stark mindert.

In den Universitätskliniken Hamburg und Freiburg sowie an 6 weiteren Instituten wurden gut 270 Männer und Frauen mit chronischer Depression in einer Studie behandelt. Die eine Hälfte erhielt eine herkömmliche unterstützende (supportive) Psychotherapie, die andere wurde nach dem CBASP-System behandelt. Dabei handelt es sich um eine spezifische strukturierte Psychotherapie, die sich vor allem auf belastende Beziehungserfahrungen der Betroffenen konzentriert. CBASP steht für „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy“. Alle Probanden erhielten innerhalb eines Jahres 32 therapeutische Sitzungen und wurden nicht mit Medikamenten behandelt.

 

Vollständige Rückbildung bei 37 Prozent der CBASP-Probanden

Die Ergebnisse veröffentlichten die Autoren jetzt in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry. Demnach sprachen Patienten in beiden Gruppen auf die Psychotherapie an. Messpunkte für den Erfolg waren eine deutliche Minderung der depressiven Symptome sowie eine deutliche Besserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität. Hier lag die Erfolgsrate in der CBASP-Gruppe mit 53 Prozent deutlich höher als in der Vergleichsgruppe (41 Prozent). Bei 37 Prozent der CBASP-Probanden (Vergleichsgruppe: 26 Prozent) konnte die chronische Depression geheilt werden.

Prof. Dr. Elisabeth Schramm von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg wertet als wichtigstes Ergebnis der Studie, dass „chronisch depressiven Patienten mit einer alleinigen störungsspezifischen Psychotherapie geholfen werden kann“.

 Redaktion: Charly Kahle, erstellt: 13. Februar 2017