Burnout

 

Burnout-Betroffene sind häufig diejenigen, die lange Zeit besonders positiv auffallen, denn sie zeigen sich motiviert, aktiv, flexibel, anpackend, kreativ, engagiert. Jederzeit einsatzbereit, freiwillige Mehrarbeit ist für sie selbstverständlich. Persönliche Bedürfnisse und soziale Kontakte werden auf das Nötigste beschränkt. Zeit für Entspannung und Erholung scheinen sie nicht zu brauchen. Doch eines Tages ist Schluss damit, sie sind ausgebrannt: Burnout (engl.: to burn out = ausbrennen). Die berufliche Überbeanspruchung geht in gemütsmäßige und körperliche Erschöpfung, innere Distanzierung und schließlich Leistungsabfall über. Einher gehen psychosomatische Reaktionen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Magen-Darm-Störungen, Tinnitus und Hörsturz, Verspannungen, Bandscheibenvorfälle, Abwehrschwäche bis hin zu Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Suizidneigung.

 

Häufige Ursachen

  • hohe Arbeitsbelastung, schlechte Arbeitsbedingungen, Termin- und Zeitdruck
  • unpersönliches, bedrückendes Arbeitsklima, Mobbing, schlechte Kommunikation
  • wachsende Verantwortung, mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte
  • Nacht- und Schichtarbeit
  • ständige organisatorische Umstellungen
  • wachsende Komplexität und Unüberschaubarkeit der Arbeitsabläufe
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust, mangelnde Anerkennung

 

Warnende Symptome

  • Erschöpfung: Die Betroffenen fühlen sich allzeit müde und matt (in Fachkreisen auch als Tagesmüdigkeit oder chronische Müdigkeit bezeichnet)
  • Die Belastbarkeit nimmt rapide ab, die Stimmungslabilität wächst.
  • Zunehmende Infektanfälligkeit mit meist banalen Erkältungen und Grippeinfekten
  • Rasche Erschöpfbarkeit und regelrechte Kraftlosigkeit
  • Sie fühlen sich zwar müde, matt und abgeschlagen, sind innerlich aber unruhig, nervös und gespannt, mitunter sogar reizbar und gelegentlich aggressiv
  • Frustrationstoleranz: leichte Kränkbarkeit, Niedergeschlagenheit, schwernehmend, pessimistisch
  • Minderwertigkeits- und Versagensgefühle
  • Körperliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Störungen, Magen-Darm-Probleme, Ohrgeräusche, Rückenschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Depression
  • Mitunter verstärktes Bedürfnis nach Aufputschmitteln

 


Was Sie tun können

Gesunde und geordnete Lebensführung: ausreichend Schlaf und Erholung, ausgewogene und regelmäßige Ernährung, körperliche Aktivität und soziale Kontakte

Arbeitsplatzsituation klären: Erwartungshaltung relativieren, Überforderung vermeiden, Unterstützung durch Vorgesetzte fordern, Zeitmanagement erlernen, Unzufriedenheit klären, Probleme ansprechen

Engagement regulieren: Einsatz wohl dosieren und damit die Kräfte langfristig schonen. Arbeitszeiten wie auch Pausen einhalten, vermehrtes Engagement hinterfragen (möchte man sich oder anderen etwas beweisen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, braucht man Bestätigung, glaubt man, alles besser machen zu können etc.)

Beruf hinterfragen: klären, ob der jetzige Beruf tatsächlich dem entspricht, was man machen möchte, oder ob man nur "hineingerutscht" ist oder gar hineingezwungen wurde.

Selbsteinschätzung prüfen: Sind die Ansprüche, die man an sich selbst stellt, zu hoch? Lebt man eigentlich noch nach den eigenen Werten oder versucht man permanent, es allen anderen recht zu machen?

Entspannung erlernen: Autogenes Training, Yoga, Qi Gong, Atemtherapie, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson

Regelmäßig Wellness: Schulter- und Nackenmassagen, Kneippsche Anwendungen, medizinische Bäder, Rolfing, Sauna, Bürstenmassagen und Wechselduschen

Körperlich aktiv sein: keine stoßweise Überaktivität, sondern regelmäßige körperliche Aktivität in vernünftigem Maße wie Gartenarbeit, Nordic Walking, Wandern, Fahrradfahren, Schwimmen, Gymnastik

Genussmittel reduzieren: Alkohol und Kaffee in Maßen, Nikotin meiden

Hobbys betreiben: gedanklich mal mit etwas anderem als dem Job befassen

Kontakte pflegen: zwischenmenschliche Beziehungen auf jeder Ebene schützen vor dem "Ausbrennen"

 

Wann Sie zum Arzt müssen

  • bei körperlichen Symptomen wie Herz-Kreislauf-Störungen, Ohrgeräuschen, Rückenschmerzen, Migräne
  • bei Depression und Suizidgefahr

 

Was der Arzt tun kann

Phytotherapie: Die Vorschläge des Arztes richten sich nach dem Beschwerdebild, mehr erschöpft-resigniert oder gar deprimiert, mehr unbestimmt-ängstlich oder konkret furchtsam, mehr angespannt oder apathisch, mehr rein seelisch oder überwiegend psychosomatisch (Seelisches äußert sich körperlich) usw. Zum Einsatz kommen Pflanzenheilmittel wie das stimmungsstabiliserende Johanniskraut, beruhigende Baldrian-, Hopfen-, Melisse- und Passionsblume-Präparate.

Physikalische Behandlungsmaßnahmen: Massagen, Physiotherapie, Gymnastik, Kneippsche Anwendung, medizinische Bäder

Pharmakotherapie: zeitlich begrenzt Beruhigungs- und Schlafmittel, eventuell niederpotente Neuroleptika und Antidepressiva

Psychotherapie: Betreuung durch Psychiater, Nervenarzt oder Psychologe mit therapeutischer Ausbildung können den Hintergrund der Neigung zu Überforderung aufdecken. Empfehlungen aus Verhaltenstherapie, z. B. die Umverteilung der Energien vom Berufs- auf den bisher vernachlässigten Freizeitbereich und Zeitplanung (Tages- und Wochenpläne) mit genauer Aufteilung von aktiven und passiven Freizeitphasen.

 

Vorbeugung

  • eigene Grenzen rechtzeitig erkennen und einhalten
  • gesunde Lebensführung
  • auf die Ausgewogenheit von Beruf und Erholung achten
  • soziale Kontakte und Hobby betreiben
  • Überengagement im privaten und beruflichen Bereich rechtzeitig hinterfragen
  • Kräfte schonend einsetzen
  • delegieren und vertrauen
  • auf ein gesundes Arbeitsklima achten
  • für optimale Arbeitsbedingungen sorgen

 

 

Autor:

Rowena Grell, MGO