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Häufigste Ursachen, was Sie tun können, wann Sie zum Arzt müssen, Vorbeugung.
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ADS UND ADHS




Als ADS wird das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bezeichnet, das ADHS beinhaltet die Hyperaktivitätsstörung. Zehn Prozent aller Kinder sind von AD(H)S betroffen, das sind etwa 600.000 Kinder in Deutschland, Jungen etwa viermal mehr als Mädchen. ADHS-Kinder wirken ungesteuert, kennen keine Grenzen und schießen mit ihren Impulsen ständig über sich hinaus. ADHS kann mit Lernproblemen kombiniert sein wie auch mit Hochbegabung. Ihre positiven Seiten zeigen diese Kinder ebenso eindrucksvoll: Sie können äußerst charmant sein, sensibel, kreativ und gutmütig. Die Leitsymptome des ADHS sind Aufmerksamkeitsstörung, Desorganisiertheit, Impulsivität, emotionale Instabilität, Hyperaktivität. ADHS verliert sich nicht in der Pubertät, wie früher angenommen, tritt ADHS im Kindesalter ist der Mensch als Jugendlicher wie auch als Erwachsener davon betroffen.

Zwischen drei Erscheinungsbildern kann unterschieden werden:

Vorherrschend unaufmerksamer Typ: Hier sind meistens Mädchen betroffen, sie sind leicht abzulenken, träumen vor sich hin, sind jedoch nicht hyperaktiv.

Vorherrschend hyperaktiv-impulsiver Typ: Hierbei handelt es sich um ständigen Bewegungsdrang und unkontrollierte Handlungen. Einmal zur Ruhe gekommen, können diese Kinder sich jedoch gut konzentrieren.

Mischtyp: Hier sind alle Leitsymptome vertreten. Das betrifft die meisten Kinder sowie fast alle schweren Formen.

 

Häufige Symptome

Aufmerksamkeitsstörung: Aufgrund einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne und der leichten Ablenkbarkeit werden Spiele oder Aufgaben nicht zu Ende gebracht. Häufig wirken diese Kinder verträumt und geistesabwesend.

Beziehungsprobleme: Diese Kinder haben große Probleme mit dem Anerkennen von Autoritäten und verstoßen permanent gegen aufgestellte Regeln. Ein ausgeprägtes Trotzverhalten und mangelnde Aufmerksamkeit für den anderen erschweren den Kontakt zu anderen Kindern.

Fehlende Organisation: Kinderzimmer, Schreibtisch, Schultasche gleichen einem Chaos. Bei einer Aufgabenstellung in der Schule schlagen sie das falsche Buch auf. Aufgaben erledigen sie unter allergrößter Mühe erst auf der letzten Sekunde. Sie können Wichtiges nicht von Unwichtigem unterscheiden.

Impulsivität: Stimmungsschwankungen, Frustration und leichte Erregbarkeit führen zu Wutsausbrüchen und Aggressivität. Es mangelt an Kontrolle über die eigenen Gefühle, so sagt das Kind zwanghaft, was es denkt, ohne die jeweilige Situation abzuwägen. Sie unterbrechen Gespräche, sind ungeduldig, können nicht abwarten.

Lernstörung: Sie sind meist überdurchschnittlich intelligent, trotzdem brauchen sie unverhältnismäßig lange, um Aufgaben zu lösen. Zum Beispiel schreiben sie Wörter falsch ab, schlagen auf den falschen Seiten nach, überhören Anweisungen.

Negative Selbsteinschätzung: Die Kinder bewerten ihre eigenen Leistungen stets negativ, Rückmeldungen aus der Umgebung verstärken das. Selbst bei nachweislich guten Leistungen können sie nicht glauben, das aus eigener Kraft heraus vollbracht zu haben.

Stimmungsschwankungen: Abrupte Stimmungsumschwünge finden innerhalb kurzer Zeit statt. Hoch- und Tiefgefühle werden provoziert durch gefährliche Situationen. Frustration kompensieren die Betroffenen mit jähzornigen Ausbrüchen, später mit Nikotin, Alkohol und Drogen.

Überaktivität: Die körperliche Unruhe führt zu auffällig häufigem Herumzappeln, Aufspringen vom Stuhl und Herumkramen z. B. in der Schultasche. Bei gezielter Bewegung wirken diese Kinder oft ungeschickt, können die Balance nicht halten, die Bewegungen erscheinen eckig. Einschlafstörungen sind häufig.

 

Etwa 30 bis 50 Prozent der Kinder weisen gleichzeitig andere Auffälligkeiten auf, wie Störungen der Feinmotorik, Teilleistungsstörungen, Tics und Tourette-Syndrom oder Probleme im Bereich der sinnlichen Wahrnehmung.

 

Häufige Ursachen

  • Erbliche Veranlagung
  • Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit
  • Nährstoffmangel im Gehirn
  • Nikotin in der Schwangerschaft
  • Organische Veränderungen im Gehirn
  • Raucherhaushalt
  • Reizüberladung
  • Unrealistisches Selbstbild

 

 

Wann Sie zum Arzt müssen

 

Wenn Sie und auch andere Personen (z. B. Erzieherinnen, Lehrer) über einen längeren Zeitraum diese Verhaltensweisen beobachten. Konzentrationsmangel und Überaktivität können auch Reaktionen auf zeitweilige Konflikte oder besondere Lebensumstände sein oder an mangelnder Bewegung liegen. Beachten Sie, dass bei schwierigen Kindern heute schnell zur Diagnose ADHS gegriffen wird, was nicht in jedem Fall stimmen muss.

 

Was Sie tun können

  • Anerkennen, dass Sie kein bequemes Kind haben, trotzdem zu ihm halten
  • Anerkennen, dass Ihr Kind nicht so ist, um Sie zu ärgern
  • Gönnen Sie sich ab und zu eine kindfreie Zeit zum Energie auftanken
  • Stabilisieren in erster Line Sie sich selbst, damit Sie Ihrem Kind den nötigen Halt geben können
  • Setzen Sie Ihrem Kind verhältnismäßig enge, auf jeden Fall klare Grenzen
  • Kündigen Sie die Konsequenz bei Übertreten der festgesetzten Regeln und Grenzen an (mit älteren Kindern können die Konsequenzen gemeinsam festgelegt werden)
  • Ziehen Sie angekündigte Konsequenzen durch
  • Nicht pauschalieren (Du bist immer...)
  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich an neue Dinge und Situationen gewöhnen
  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung und stille Zeiten für Ihr Kind
  • Halten Sie einheitliche Erziehungsregeln ein
  • Vermeiden Sie Schimpfen und Diskussionen
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind Sicherheit
  • Erziehen Sie nicht an jeder Kleinigkeit herum
  • Vermeiden Sie impulsive Strenge mit spontaner Strafandrohung
  • Geben Sie Strukturhilfen
  • Mit Regeln helfen Sie Ihrem Kind zur Selbststeuerung
  • Loben Sie möglichst viel, suchen Sie nach den positiven Seiten Ihres Kindes
  • Sorgen Sie für ausgiebige Bewegung
  • Halten Sie Kontakt zu Erzieherinnen und Lehrern
  • Ihr Kind nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern

 

Aus der Naturheilkunde

Baldrian, Melisse, Hopfen, Johanniskraut als Tee, Öl, Tropfen oder Dragees können zur Beruhigung beitragen. Duftöle aus Orangenblüten, Lavendel, Jasmin und Melisse können ausgleichend wirken (paradoxe Reaktionen sind in Einzelfällen möglich).

 

Was Ihr Arzt tun kann

 

Die Behandlung

  • Medikamentöse Therapie: Es wird hauptsächlich der Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt, der die Kinder für etwa vier Stunden ruhiger, weniger impulsiv werden lässt
  • Familientherapie: Sie erlernen, wie Sie am besten mit Ihrem Kind umgehen
  • Verhaltenstherapie: Ihr Kind erlernt systematisch günstigere Verhaltensweisen
  • Selbstinstruktionstraining: Ältere Kinder erlernen sich selbst zu kontrollieren
  • Musiktherapie: Ihr Kind lernt durch den gezielten Einsatz von Musik etwas über sich selbst und kann gemeinsam mit dem Therapeuten zu einer positiven Verhaltensänderung gelangen
  • Entspannungstechniken: Ihr hyperaktives Kind erlernt, sich selbst zu entspannen
  • Nährstofftherapie: Gezielte und dauerhafte Zufuhr fehlender Nährstoffe lindern die Symptome von ADHS
  • Tomatis-Methode: Durch Musik und Stimme wird die Fähigkeit zum Zuhören und Kommunizieren fördert

 

Autoren:

Rowena Grell, MGO

Dr. Immo Fiebrig, Apotheker





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