Arbeit kann krank machen - Arbeitslosigkeit aber auch!

Arbeits- und Sozialmedizin entwickelt Präventivmaßnahmen Das bestimmte Arbeitsbedingungen die Gesundheit nachhaltig schädigen und sogar die Lebenserwartung verkürzen können, ist bekannt. Bergleute, die unter einer Staublunge (Silikose) leiden, Bauarbeiter, die viele Jahre Asbeststaub einatmen mussten, Friseure, die sich durch den ständigen Umgang mit chemischen Substanzen Allergien einhandeln, oder Schichtarbeiter aus vielen Berufszweigen mit einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus müssen sich mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen auseinandersetzen. Dazu kommen Lärmbelästigung, Rückenprobleme und Stress bis hin zu Depressionen. Alleine der Anteil der psychischer Erkrankungen hat seit 1997 um 70 Prozent zugenommen.

Doch auch Arbeitslosigkeit kann krank machen!
Wer seinen Job verliert, fühlt sich ausgegrenzt, verliert Kontakte und erlebt nicht selten einen schmerzhaften sozialen Abstieg - ein psychosozialer Dauerstress, der das Selbstwertgefühl der Betroffenen stark beeinträchtigt. Sie fühlen sich nicht mehr gebraucht, leiden an ihrem vermeintlichen Versagen und ziehen sich häufig schamvoll von sozialen Aktivitäten zurück. Wie sich die seelische Dauerbelastung besonders auf Langzeitarbeitslose auswirkt, haben nun Sozialmediziner untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend, denn ihr Gesundheitszustand ist durchweg schlechter als der von Berufstätigen und reicht vom Verlust der Lebensfreude über körperliche und psychische Erkrankungen bis hin zum markanten Anstieg von Alkoholproblemen.

Arbeitslose Männer sind zehnmal häufiger von der Suchtproblematik betroffen als berufstätige Geschlechtsgenossen. Sogar die Lebenserwartung nimmt ab, je länger die Arbeitslosigkeit andauert. Wer hoffnungslos ist und sich überflüssig fühlt, verkraftet ernste Erkrankungen schlechter und braucht auch länger, um wieder gesund zu werden. Ein Problem, für das die Politik noch Antworten finden muss. Denn für die spezifischen Gesundheitsbelastungen Arbeitsloser sind die Arbeitsämter und Sozialämter nicht oder nur bedingt zuständig. In Deutschland hängt das Selbstbild viel stärker von der Arbeit ab als in anderen Kulturen.

Sozialmediziner raten, gezielt Kontakte aufzubauen und sich verschiedene Strategien für die Arbeitssuche zurechtzulegen, etwa nach dem Motto: Plan A für den optimalen Job, Plan B für nötige Kompromisse und Plan C für einen Minimalanforderungsjob, um den Anschluss nicht völlig zu verlieren. Eine weitere Möglichkeit, das Selbstbewusstsein aufzubauen, sind ehrenamtliche Aufgaben, in die man persönliche Interessen und Kompetenzen einbringen kann.

Quelle: DEUTSCHES GRüNES KREUZ, 2010
Internet:
www.dgk.de