tell someone: Ich sag's weiter - Du auch?
Nina Petri im Interview mit der Redaktion von meine-gesundheit.de Am 28. März 2007 startete in Hamburg die Aufklärungskampagne zur Vorbeugung und im Kampf gegen den Gebärmutterhalskrebs.
Die Hamburger Schauspielerin und Mutter von Zwillingstöchtern, Nina Petri , unterstützt diese Aktion und erklärt:
"Ich sag's weiter, weil es mir wichtig ist, dass jede Mutter und jede Frau weiß, wie einfach sie ihre Tochter und sich selbst vor Gebärmutterhalskrebs schützen kann."
Frau Petri, was treibt Sie an, sich für eine Aufklärungskampagne zu einem Thema wie "Gebärmutterhalskrebs" zu engagieren?
Petri: Als Mutter von zwei Töchtern im Alter von zwölf Jahren bin ich geradezu prädestiniert dafür. Die Pubertät fängt an und damit alles was mit Aufklärung zu tun hat: Sexualität und Verhütung, aber auch Krankheiten. Die Tatsache, dass Gebärmutterhalskrebs durch sexuelle Kontakte übertragen werden kann und der Möglichkeit einer Impfung dagegen, war mir zuvor so gar nicht bekannt. Jetzt kann ich dafür sorgen, dass meine Kinder aufgeklärt und vor allen Dingen auch geschützt werden.
Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie diese Aufklärungskampagne auch dazu nutzen konnten, den Einstieg in das Thema Aufklärung und alles was dazu gehört zu finden?
Petri: Nein, das wäre jetzt ganz gewiss schon zu spät. Diesen Zugang zu meinen Töchtern hatte ich zum Glück schon zuvor. Ich verspreche mir von dieser Kampagne, dass ich die Art, wie ich mit meinen Töchtern kommuniziere, als Beispiel weitergeben kann. Ich möchte damit andere Eltern ermutigen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, offen auf ihre Kinder zuzugehen und mit ihnen darüber zu reden. Durch diese Offenheit kann erreicht werden, dass Mütter miteinander reden, dass die Mädchen sich mit ihren Freundinnen darüber unterhalten und so die Informationen und der Gedanke der Kampagne "Tell someone: Ich sag's weiter - Du auch?" weiter getragen werden.
Wir gehen davon aus, dass es Eltern nicht immer leicht fällt, Themen wie Krankheiten und, wie in diesem Fall, speziell Frauenleiden und Krebserkrankungen mit ihren Kindern zu besprechen. Wie haben Sie den Zugang zu Ihren Mädchen gefunden?
Petri: Das war gar nicht so schwierig. Ich glaube, dass wir Erwachsenen uns oftmals falsche Vorstellungen davon machen, wie unsere Kinder mit solchen Themen umgehen. Wir Erwachsenen haben doch schon allein bei der Erwähnung des Wortes "Krebs" ganz andere Empfindungen. Vielleicht auch gerade durch Erfahrungen, die Freunde, Familie und Bekannte mit der Erkrankung gemacht haben, hat dieses Thema für uns eine ganz andere Bedeutung. Unsere Kinder hingegen stehen noch ganz am Anfang und gehen damit in der Regel völlig unverkrampft um. Von Krebs haben sie natürlich schon gehört. Die Tatsache, dass sie vielleicht irgendwann selbst davon betroffen sein könnten, liegt ihnen jedoch noch völlig fern. Aber das ist ja auch in Ordnung. Das gehört zum Kinderleben dazu, dass sie sich um solche Probleme noch keine Sorgen zu machen brauchen.
Ich glaube eher, dass die Erwachsenen ein Problem haben, hier den Einstieg zu finden, denn natürlich kommt bei diesen Gesprächen das Thema Sexualität ins Spiel. Hier sollte wirklich ganz offen darüber gesprochen werden. Jedoch bitte nicht so: "Achtung, Achtung! Krankheit, Krankheit!" Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg.
Wann ist Ihrer Meinung nach der richtige Zeitpunkt für diese Gespräche?
Petri: Man spürt es ja, wann die Mädchen beginnen, sich für Sexualität und Jungs zu interessieren. Hier kann man einhaken, das Gespräch suchen und vor allen Dingen angstfrei darüber sprechen und aufklären. Die Mädchen sollen wissen, dass es diese Krankheit gibt und die Gefahr einer Erkrankung eines Tages akut werden kann, aber auch, dass es die Möglichkeit gibt, sich dagegen impfen zu lassen und zwar VOR dem ersten Geschlechtsverkehr. Für meine beiden Töchter war das eine ganz klare Sache und leuchtete ihnen sofort ein.
Wie könnte man mit dem Gespräch beginnen?
Petri: Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass man in diesem Zusammenhang mit einer positiven Nachricht aufwarten kann. Also nicht: "Achtung, hier geht es um Krebs ....", sondern: "Es gibt diese Krankheit, aber wir können heute schon etwas dagegen tun".
Würden Sie die Gunst der Stunde nutzen und Freundinnen Ihrer Töchter auf dieses Thema ansprechen oder würden Sie deren Aufklärung den Eltern überlassen?
Petri: Nein, ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Natürlich würde ich, falls es während eines Besuchs von Freundinnen meiner Töchter dazu käme, das Gespräch annehmen. Aber ich halte nichts davon, hier selbst aktiv zu werden, dadurch die Kinder anzustacheln und unter Umständen zu verunsichern. Ich würde das für meine Mädchen auch nicht wollen. Ich glaube, dass die Kinder von selbst auf ihre Eltern zugehen, wenn sie davon hören. Meine Töchter beispielsweise sind heute sehr stolz mit dem Prospekt der Kampagne in die Schule gegangen, und ich kann mir gut vorstellen, dass die Freundinnen daraufhin zu Hause das Gespräch suchen werden, so nach dem Motto "Mama, das und das habe ich heute gehört. Machen wir das auch?" und dadurch eine Reaktionskette in Gang gesetzt wird.
Obwohl das Thema Gebärmutterhals und die damit verbundene Krankheiten bei Teenagern nicht gerade als "hip" gelten, scheinen Ihre Mädchen völlig unverkrampft damit umzugehen und setzen sich auch für diese Aufklärungskampagne vorbildlich ein. Das ist sicherlich Ihr Verdienst und die Art, wie Sie mit Ihren Mädchen sprechen. Wie lautet Ihre Strategie, damit Sie auch in Zukunft kompetenter Gesprächspartner für Ihre Kinder bleiben?
Petri: Ich finde es wichtig, seine eigene und auch die Schamgrenze der Kinder zu akzeptieren und auf deren Sensibilität in diesem Alter Rücksicht zu nehmen. Man sollte nicht mit aller Gewalt, nur weil die Zeit angeblich reif dafür ist, vorgehen, sondern sich sensibel und verständnisvoll annähern. Man muss auch nicht mehr von sich verlangen, als man kann. Offenheit im Umgang miteinander ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man seinem Kind offen sagt: "Du, es fällt mir auch nicht leicht, darüber zu reden, aber ...".
Was raten Sie Eltern, deren Kinder für dieses Gesprächsthema und insbesondere für die Aufklärung hinsichtlich Gebärmutterhalskrebs und Impfung nicht zugänglich sind?
Petri: In diesem Fall kann ich mir vorstellen, den Kinderarzt einzubeziehen und mit ihm gemeinsam eine Strategie für ein gemeinsames Gespräch zu entwickeln. Da Gebärmutterhalskrebs im Gegensatz zu anderen Krebsformen durch Viren verursacht wird, die bereits schon beim ersten sexuellen Kontakt übertragen werden können, handelt es sich ja nicht nur um ein Aufklärungs- sondern auch um ein medizinisches Thema.
Frau Petri, Ihre Botschaft an die jungen Damen?
Petri: Die Generation der Mädchen und Frauen zwischen 12 und 17 Jahren hat ganz klare Vorteile, da sie sich gegen diese gerade auch bei jungen Frauen häufige Krebsart ab sofort impfen lassen kann und sie sollte es auch tun. Deshalb meine Botschaft an die jungen Damen: Wartet nicht, bis eure Eltern den ersten Schritt unternehmen, sondern sprecht sie aktiv an. Bittet sie darum, euch zu unterstützen und mit euch diesen Weg zu gehen. Und erzählt es euren Freundinnen, damit auch die davon Kenntnis nehmen können, um wiederum mit ihren Eltern ins Gespräch kommen zu können.
Ihre Botschaft an die Eltern?
Petri: Hier möchte ich sagen: Seid mutig und sprecht mit euren Kindern. Das Thema muss nicht weiter tabuisiert werden, denn immerhin handelt es sich bei der Impfung und den Möglichkeiten, die wir ab sofort haben, um eine gute Nachricht.
Frau Petri, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihren Töchtern alles Gute und eine erfolgreiche Kampagne.
Das Interview führte Petra Goldbach
Allgemeine Informationen zum Thema Gebärmutterhalskrebs
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