Stoffwechsel: Mariendistel bei akuten und chronischen Lebererkrankungen
Der Schutzengel für die Leber - überzeugende Studien belegen die Wirkung der PflanzeAusschließlich in den Samen der Mariendistel sind Flavonoide enthalten, die eine positive Heilwirkung auf die Leber haben. Es handelt sich dabei um eine ganze Familie chemisch verwandter Stoffe, von denen vor allem das Silymarin und sein wirksamster Abkömmling, das Silibinin, gut untersucht sind. Als wirksam gelten deshalb nur Präparate, deren Tagesdosis mindestens 200 mg Silymarin enthält.
Die öffentlichkeit staunte, als Pierre Bastian vor mehr als 20 Jahren offenbarte: "Ich habe grüne Knollenblätterpilze gegessen und lebe trotzdem." Der französische Arzt und Forscher hatte nicht gelogen. Die Tatsache, dass er die sonst tödliche Mahlzeit überlebte, verdankte er Silibinin, einem Inhaltstoff der Mariendistel. Bevor er die giftigen Pilze verspeiste, hatte er nämlich eine hohe Dosis davon eingenommen. Mit seinem gewagten und noch heute umstrittenen Selbstversuch wollte Bastian die öffentlichkeit von der Wirksamkeit dieser Therapie überzeugen. Damals hatte man nämlich Wunder eher von der Chemie erwartet als von den althergebrachten Methoden der Pflanzenmedizin, die man für überholt hielt.
Moderne Analytik lüftet das Geheimnis
Die Mariendistel gehört tatsächlich zu den ältesten Heilpflanzen. Bereits in vorchristlicher Zeit hat man im Mittelmeerraum die Früchte der stachligen Pflanze zur Behandlung von Leberleiden eingesetzt. Im Mittelalter wurde das wild wachsende Gewächs dann auch kultiviert: Es wurde vor allem in den Klöstern angebaut, um den Schutzengel der Leber griffbereit zu haben. Heute gehören standardisierte Extrakte aus Mariendistel gerade bei Pilzvergiftungen zur Routinetherapie. Dank moderner Analytik kennt man inzwischen auch die Inhaltstoffe genauer, die sich in den Samen verstecken, so dass die Wissenschaft deren Wirkung größtenteils gut erklären kann.
Der wirksamste Teil des in der Mariendistel enthaltenen Silymarins ist Silibinin. Er dichtet die Oberfläche der Leberzellen ab und verhindert so, dass schädliche Stoffe wie das Gift des Knollenblätterpilzes in großer Menge ins Zellinnere dringen. Außerdem verstärkt er die Regenerationsfähigkeit der Leber. Die Folge: Nach der Einnahme von Silymarinreichen Mariendistelextrakten kann das Organ schneller gesunden.
Die Leber lässt sich nicht trainieren
Die Leber kann sich von Natur aus sehr gut von allein erholen. Während beispielsweise das Herz mit zunehmendem Alter an Schlagkraft verliert, schafft es die Leber in der Regel bis ins hohe Alter, sich immer wieder vollständig zu regenerieren. Natürlich gibt es aber auch hier Grenzen: Im Unterschied zum Herzen beispielsweise, kann niemand seine Leber trainieren und so ihre Leistung steigern. Im Gegenteil, langfristige überbelastung wie z. B. hoher Alkohol- oder Medikamentenkonsum führt zu bleibenden Schäden. Tritt man nicht rechtzeitig auf die Bremse, kann sich Leberzirrhose entwickeln. In diesem Stadium wird die Leber immer größer ("Die Leber wächst mit ihren Aufgaben", scherzen Mediziner), kann aber trotzdem ihre Funktion immer weniger erfüllen.
Ohne die Leber läuft im Körper fast nichts
Die große Regenerationsfähigkeit braucht das Organ allerdings dringend für seine Aufgaben. So wie das Gehirn die Befehlszentrale des Körpers ist, ist die Leber die Kraftzentrale des Organismus: Die Leber ist die Entgiftungszentrale des Körpers. Funktioniert sie nicht richtig, leiden darunter alle anderen Organe. Die Leber ist auch der Produktionsort für Eiweiße, die so wichtige Funktionen steuern wie das Abwehrsystem, die Blutgerinnung oder Entzündungsprozesse. Störungen der Leberfunktion ziehen daher auch Probleme in diesen Bereichen nach sich. In der Leber werden außerdem einige Hormone gebildet, vor allem solche, die das Körperwachstum und den Muskelaufbau regulieren. An der Verdauung und der Verwertung von Nahrung ist die Leber entscheidend beteiligt. Ohne ihren Beitrag könnte der Körper weder Fett verdauen, noch seine Zuckerreserven mobilisieren oder einige lebensnotwendige Vitamine speichern.
Wirksamer Schutz auch im Alltag
Seit dem Selbstversuch von Pierre Bastian konnte die Wissenschaft in zahlreichen Studien nachweisen, dass Medikamente aus Mariendistelfrüchten die Leber schützen. Ihre heilsame Wirkung entfaltet die Pflanzensubstanz aber nicht nur bei Pilzvergiftungen. Sie kann auch Hepatitis-C -Patienten helfen, mit ihrer Erkrankung besser zurecht zu kommen. In einer aktuellen klinischen Studie aus Wien haben sogar noch solche Patienten von Silibinin (Legalon® SIL) profitiert, die auf die Therapie mit Interferon oder Ribavirin nicht mehr reagierten. Standardisierte Extrakte der Mariendistel werden aber nicht nur bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen eingesetzt, meint der Hamburger Pflanzenmediziner und Leberexperte Professor Dr. Volker Fintelmann, sie können die Leber auch vor starken Belastungen im Alltag schützen. In Laboruntersuchungen erwies sich die Einnahme der Substanz einige Stunden vor der Belastung als am wirksamsten.
Autorin: Dr. Marcela Ullmann
nm 01/09
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